Ältere Mütter haben fittere Kinder

Marlen Greb

Heutzutage entscheiden sich immer mehr Mütter erstmal für „Karriere“ – die Familie kommt dann erst später. Also erst das eigene Leben leben und dann – irgendwann – eine Familie gründen. Eine aktuelle Studie spricht nun für eine späte Familiengründung.

Kinder von älteren Müttern sind gesünder, größer und haben einen höheren Bildungsabschluss als die von jüngeren Müttern. Deswegen seien sie fitter, sagt eine aktuelle Studie des Max-Planck-Institut für demografische Forschung und der London School of Economics. Als ich diese Überschrift gelesen habe, war ich zunächst recht verunsichert. Ich selbst bin mit 27 Mutter geworden – ganz bewusst. Und ich hielt diese Entscheidung bislang auch immer für recht gut. Schließlich gilt doch eigentlich: Je älter die Mutter, desto größer die Risiken für das Baby, oder?

Was sind denn die Vorteile einer Spätschwangerschaft?

Warum also sind die Kinder älterer Mütter laut Studie fitter? Die Lösung ist eine einfache Rechnung: Dass das Baby von Frau B, beispielsweise zehn Jahre später geboren als das Baby von Frau A, (logischerweise) in ein ganz anderes Jahrzehnt hineingeboren wird, ein Jahrzehnt, in dem sich die gesundheitlichen und sozialen Bedingungen, unter denen das Kind groß wird, verändert haben können. Die neue Studie hat diese Entwicklungen also berücksichtigt und besagt somit, dass die Kinder älterer Mütter gesünder, größer und gebildeter sind.

Aber es gibt mit Sicherheit auch noch mehr Vorteile, sich erst später für ein Kind zu entscheiden. Eine „ältere“ Mutter steht in der Regel fest im Leben – hat oftmals ein geregeltes Leben, eine Ausbildung etc. hinter sich und weiß ganz einfach oft auch viel eher „was sie will“. Sie versteht die Bedürfnisse ihres Körpers besser und ist einfach viel mehr im Reinen mit sich, was sich sehr positiv auf die Umstellung des Körpers in der Schwangerschaft auswirkt. Viele „reifere Frauen“ ernähren sich ebenfalls gesünder und sorgen für genügend Bewegung.

Doch welche Risiken gibt es bei später Mutterschaft?

Aber reicht der Blick auf diese Vorteile? Ich finde nicht. Medizinisch gesehen gelten Erstgebärende über 35 und Frauen, die ab dem zweiten Kind älter als 40 Jahre sind, als sogenannte „Risikoschwangere“. Ab diesem Alter zahlt die gesetzliche Krankenkasse auch Untersuchungen, die über die normale Schwangerschaftsvorsorge hinausgehen. Und die Pränataldiagnostik wird ohnehin immer besser, genau wie die Geburtsmedizin an sich. Eigentlich doch gut, oder?

Ebenfalls aber Fakt ist: Ab 30 nimmt die Fruchtbarkeit der Frau ab – es ist schwieriger schwanger zu werden. Und auch die Fehlgeburtenrate steigt. Statistisch gesehen wächst auch das Risiko, dass die Geburt eingeleitet werden muss oder ein Kaiserschnitt nötig wird.

Es gibt einige Chromosomen-Anomalien, deren Wahrscheinlichkeit mit dem Alter steigt. Am bekanntesten ist wohl die Tatsache, dass ältere Schwangere ein höheres Risiko haben, ein Baby mit Down-Syndrom zu gebären. Bei einer Frau von 25 Jahren steht das Risiko bei 1 zu 1500. Mit 35 Jahren erhöht sich das Risiko schon auf 1 zu 400. Im Alter von 40 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit dann bei 1 zu 109. Und bei 45 Jahren liegt das Risiko bei 1 zu 32. Ein deutlicher Unterschied, wie man sieht.

Warum entscheidet man sich also bewusst dafür, erst so spät Mutter zu werden?

Das ist eine gute Frage. Ich denke viel davon hat damit zu tun, dass eine Mutter sich heutzutage erstmal selbst verwirklichen möchte. Sprich: Erstmal „leben“, Karriere machen und dann an ein Kind denken. Vielleicht.

Zudem möchten viele Mütter nicht direkt „mit dem Erstbesten und sofort“ eine Familie gründen, sondern erstmal so einige gemeinsame Jahre als Paar miteinander haben. Nur zu zweit.

Und Priorität hat, erstmal einen Partner zu finden, mit dem man sich das Thema „Familie-Gründung“ überhaupt vorstellen kann.

Letztlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wann der persönliche „richtige Zeitpunkt“ für ein Baby gekommen ist. Ich behaupte mal ganz frech – den wirklich richtigen Zeitpunkt gibt es ohnehin nicht.