Angst vor der Geburt? – So bleibst Du cool

Marlen Greb

In diesem Artikel soll es um die Angst vor der Geburt gehen. Kein Artikel der Welt kann Dir vermutlich dieses mulmige Gefühl nehmen, aber vielleicht können Dich auch meine Erfahrungen ein wenig auf die bevorstehende Geburt vorbereiten und lassen Dich ein wenig entspannter sein.

Du bist schwanger! Wow, das ist großartig! Du könntest überschwappen vor Freude, Du weißt gar nicht wohin mit Dir, weil Du so aufgeregt bist, Dein Baby bald in den Armen halten zu dürfen. 90 % Deines Körpers bestehen aus Glückshormonen und Du bist einfach nur happy – in etwa so habe ich mich gefühlt, als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin.

Es war genau so lange toll, bis ich realisiert habe, dass dieses bei der Geburt circa 4 Kilo schwere Baby auch irgendwie wieder raus muss aus meinem Bauch. Ab da war es Freude, gepaart mit purer Panik! Ich habe mich zeitweise wirklich gefragt, was zum Geier ich mir nur dabei gedacht habe, schwanger zu werden. Nie, nie, nie würde ich diese Geburt schaffen. NIE!

Was soll ich sagen, geschafft habe ich es dann natürlich doch. Aber ich hatte wirklich eine solche Angst vor der Geburt. Da ist erstens die Angst vor der natürlichen Geburt. Gleich komme ich auch noch zu der vielleicht noch etwas größeren Angst vor einer Kaiserschnitt-Geburt.

Die Angst vor der natürlichen Geburt

Du wirst Dein Baby (vermutlich) auf natürlichem Weg bekommen. Prima! Aber ein etwas mulmiges Gefühl hast Du vielleicht trotzdem, oder?

Vielleicht hilft es, zunächst mal zu überdenken, wovor Du eigentlich Angst hast und dann zu schauen, wie die Realität aussieht?

1. Wie soll dieses riesige Baby nur durch die kleine „Öffnung“ passen?

Ja, Du hast recht. Irgendwie muss dieser riesige Kopf durch die Öffnung. Dein Baby wird sich während des Geburtsvorgangs regelrecht durch das Becken „schrauben“. Und während der Geburt sind Teile Deines Beckens tatsächlich beweglich, denn während der Schwangerschaft haben Hormone dafür gesorgt, dass sich das Bindegewebe „geburtsbereit“ macht. Zudem wird sich der Kopf Deines Kindes durch die offenen Schädelnähte und Fontanellen auch verformen und anpassen können.

2. Ich habe Angst, dass die Geburt furchtbar lange dauert.

Auch das ist natürlich durchaus vorstellbar. Niemand kann vorhersagen, wie lang es dauern wird. Statistisch rechnet man bei Erstgebärenden mit einer Dauer von 8–14 Stunden. Aber auch bis zu 24 Stunden sind denkbar. Fakt ist jedoch, dass man als Geburtsdauer den kompletten Zeitraum vom Beginn der Eröffnungswehen bis zur tatsächlichen Geburt des Babys bezeichnet.

3. Was, wenn es schlussendlich doch ein Kaiserschnitt vonnöten ist?

Schlimmstenfalls kann das natürlich passieren. Wenn Dein Wunsch eine natürliche Geburt ist, wird das Ärzteteam selbstverständlich alles daransetzen, diese auch zu ermöglichen. Aber wenn es zu einem Geburtsstillstand kommt, lässt sich der Kaiserschnitt manchmal einfach nicht vermeiden. Wichtig ist – setze Dich deswegen auf keinen Fall unter Druck oder rede Dir selbst Schuldgefühle ein. Du hast alles versucht, alles gegeben und Du hast es super gemacht! Wenn eine Geburt auf natürlichem Wege letztendlich nicht möglich ist, dann ist es eben so. Hauptsache, ihr seid endlich zusammen, das ist alles was zählt! ♥

4. Ich habe panische Angst vor den Schmerzen.

Ja, es wird wehtun. Etwas anderes zu behaupten wäre schlichtweg gelogen. Vertraue darauf, dass Dein Körper Dir nicht mehr zumuten wird, als Du ertragen kannst. Und: Eine Geburt zu „schaffen“, wird Dich stärker machen, als Du Dir vorher vorstellen kannst. Zudem wird Dein Körper unter der Geburt große Mengen Oxytocin ausschütten, ein Hormon, welches dafür verantwortlich ist, dass die Produktion von Endorphinen angeregt wird. Die Endorphine wirken wie eine Art körpereigenes Betäubungsmittel und werden den Schmerz so steuern, dass er für Dich erträglich bleibt. Wenn die Schmerzen dennoch zu stark sind, so besteht die Möglichkeit, eine Periduralanästhesie (PDA) setzen zu lassen.  Dabei bekommst Du eine Spritze in die Wirbelsäule, die die Schmerzen betäubt.

Die Angst vorm Kaiserschnitt

Du weißt bereits jetzt, dass Du Dein Baby nur mit Kaiserschnitt zur Welt bringen kannst? Du hast Angst vor dem Eingriff, schließlich handelt es sich um eine verhältnismäßig große Operation. Diese Dinge sind gut zu wissen:

1. Ich fühle mich als Versagerin, weil eine natürliche Geburt nicht möglich ist.

Ganz im Ernst – rede Dir sowas bitte nicht ein! Ein Kaiserschnitt ist keinesfalls ein persönliches Versagen. Trotzdem haben viele Mütter ein echtes Problem damit, den – meist ungeplanten – Kaiserschnitt für sich zu akzeptieren. Versuche immer wieder, Dir die Realität vor Augen zu halten: Manchmal ist der Kaiserschnitt leider einfach nötig, um Dein Baby auf die Welt zu holen. Wir sollten froh und dankbar über diesen medizinischen Fortschritt sein, der Mutter und Kind das Leben retten kann.

2. Ich habe panische Angst vor der Operation und auch vor der Narkose. Was ist, wenn bei der Betäubung etwas schief geht?

Ein gewisses Restrisiko gibt es sicher immer. Aber das gibt es ja auch bei einer natürlichen Geburt. Auch da kann es zu Komplikationen kommen. Im Grunde ist ein Kaiserschnitt heutzutage ein Routineeingriff. Damit meine ich natürlich nicht, dass das eine Rechtfertigung ist, sich einen zu „wünschen“.

3. Ich werde nicht in der Lage sein, das erste Bonding zu übernehmen. Mein Kind wird „weggebracht“, während ich zugenäht werde.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen – das ist ein seltsames Gefühl. Das Baby wird aus Deinem Bauch gehoben, es schreit, wird Dir kurz gezeigt und dann – zumindest in meinem Fall war das so – weggebracht. Das fühlte sich „unschön“ an und hat mich auch wirklich traurig gemacht.

Frage ich jedoch meinen Mann nach seinem Geburtserlebnis, so wird er es als den wunderschönsten Tag in seinem Leben beschreiben. Denn in unserem Fall hat er das Bonding übernommen. Er ist direkt mit unserer Tochter mitgegangen und hat sie dann sofort nach der Erstversorgung auf die Brust bekommen und die beiden durften kuscheln, während ich zugenäht wurde.

Von daher kann ich mich trösten und ganz sicher sein, dass meiner Kleinen garantiert nichts „gefehlt“ hat – denn mein Mann hat einen ganz wunderbaren Job gemacht. ♥

4. Ich habe Angst, nach der Geburt aufgrund der Schmerzen und der Narbe nicht richtig für mein Kind sorgen zu können.

Auch hier kann ich aus Erfahrung sprechen. Es tat verdammt weh und ich konnte tatsächlich die ersten Tage nicht wirklich für meine Tochter dasein. Aber auch hier konnte der stolze Papa gut einspringen. Gemeinsam bekommt ihr das hin!

… es kommt, wie es kommt

Versuche, Dir immer wieder zu sagen, dass Du nicht ändern kannst, wie die Geburt abläuft. Sie lässt sich ohnehin nicht planen. Das Lesen von Geburtsberichten oder der Austausch mit anderen Müttern wird Dir vielleicht mögliche Verläufe zeigen – oder Dir schlicht noch mehr Angst vor der Geburt machen –, wirklich vorbereiten können aber auch sie Dich kaum, da jede Geburt ganz individuell und anders ist. Versuche, so entspannt wie möglich zu bleiben und alles auf Dich zukommen zu lassen.

Du wirst einen sehr guten Job machen und alles in Deiner Macht stehende tun, um die Geburt so „schön“ wie möglich werden zu lassen. Ganz sicher!