Babyblues – Wenn die Hormone Mama aus dem Takt bringen

Natalie Bolte

Man stelle sich vor, gerade hat man das wohl Schönste der Welt erlebt und zwar ein Baby zur Welt gebracht, Mutter und Kind sind wohl auf und überglücklich. Und dann, bei den meisten nach ca. drei Tagen, überfällt einen plötzlich und ohne Vorankündigung eine Traurigkeit und die Tränen schießen aus den Augen wie kleine Tsunamis.

Wo kommt der Babyblues überhaupt her?

 

Baby in Windeln steht halb auf dem KopfDer Mutterkuchen ist quasi das Headquarter des Schwangerschaftshormons, das während der Schwangerschaft fleißig gebildet wird und wie kleine Agenten auf der „alles ist gut“- Mission durch das Blut unterwegs sind. Mit der Geburt stellt das Headquarter dann plötzlich seine Arbeit ein und die Agenten, die gerade fleißig unterwegs waren, verbleiben in Mamas Blut.

Da kein Nachschub des Hormons mehr kommt, verkümmern die kleinen Agenten und der Hormonspiegel sinkt rapide ab und Mami fällt regelrecht in ein Hormonloch.

Manche Mütter kennen solche Schwankungen bereits durch ihren Zyklus. Nicht nur Tränen fließen dann reichlich, sondern manchmal verwandeln sich Frauen hormonbedingt auch in gallespeiende Monster, wenn man das falsche Wort an sie richtet:

„Schatz Du bist aber auch selber schuld, dass Du so müde bist, warum springst Du auch sofort auf, wenn die Kleine schreit?“

Wer wäre da nicht in der Lage das erst beste, benutzte Spucktuch, nach seiner besseren Hälfte zu werfen (oder anderes…)?

Buch

E.Mattern, A.Schweer, Schwangerschaft, Geburt & Stillzeit

Wer sich grundsätzlich über den Babyblues mit Hilfe eines Sachbuches informieren möchte, wird auf dem Büchermarkt meines Erachtens enttäuscht.

Es gibt zwar vereinzelt Bücher zu diesem Thema, aber in der Regel schweifen sie sehr schnell zum Thema Wochenbettdepression ab und um eine solche handelt es sich bei dem Babyblues nicht.

Um sich schlau zu machen, nicht nur über den Babyblues, empfiehlt sich das Buch „Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit“ von E. Mattern und A. Schweer, zwei Hebammen, die all ihre Fachkenntnis in einem ansprechenden Buch zusammen gestellt haben (ca. 30,-€)


Wirklich nur eine Frage der Hormone?

Beautiful young mother carrying her baby daughter in slingWie bei so vielen Dingen im Leben, macht es hier die Mischung, denn tatsächlich besteht der Babyblues in aller Regel aus einem Cocktail aus Hormonen und Ängsten die einen nach der Geburt heimsuchen.

Für noch nicht Mütter, wird sich das Folgende vielleicht theoretisch anhören und ich wette, Mütter werden jetzt einfach nur nicken und sagen „Ganz genau!“.

Egal wir groß der Kinderwunsch war, so kommt nach der Geburt die Realität oft wie ein Dampfhammer. Denn mit einem Kind bekommt man nicht nur das Tollste, was man sich vorstellen kann, sondern man gibt auch sehr viel her:

Freie Zeit, Partys, spontane Wochenend- Trips, shoppen und auch Sex. Das Ganze und noch so manches mehr tauscht man gegen Ängste ein:

  • Was mache ich nur mit diesem kleinen Wesen?
  • Kann ich da was kaputt machen?
  • Woran erkenne ich wann es Hunger hat oder etwas anderes braucht? u.v.m.

Kombinieren wir diese Ängste mit dem arg gebeutelten Hormonspiegel und schütteln dieses dann noch kräftig durch, dann schenkt einem das Leben einen Cocktail ein, der einem schon Angst machen kann.