Bewusste Entscheidung für ein Einzelkind – ein Erfahrungsbericht

Marlen Greb

Kinder sind großartig. Kinder sind das Beste auf der Welt. Es macht so viel Spaß, sie aufwachsen zu sehen und gemeinsam mit ihnen die Welt zu entdecken. Und dennoch – eins reicht mir. Warum? Lies hier.

Ich liebe meine Tochter. Über alles. Sie ist das Allerbeste und Tollste, was mir jemals passiert ist. Wirklich!

Trotzdem sage ich: Eins reicht. Und werde aus diesem Grund des Öfteren schief angeguckt. Denn: „Wie könne ich das nur sagen? Kinder sind doch sowas Tolles!“

Das sind sie auch! Keine Frage. Und trotzdem möchte ich nur eins. Denke ich. Ich würde zwar niemals nie sagen, bin mir aber zu 95% sicher, dass es tatsächlich bei einem Kind bleiben wird.

Und ich habe es satt, mich für diese Entscheidung rechtfertigen zu müssen. Es ist eine gemeinsame Entscheidung von meinem Mann und mir und was bitte ist falsch daran? Ich sage ja auch zu niemandem: „Verdammt, wie könnt ihr nur 5 Kinder kriegen?“ Auch wenn ich das zugegebenermaßen manchmal denke. Nicht im Sinne von „Wie könnt ihr nur?“, sondern im Sinne von „Wow, wie schafft man das?“ Aber Leuten seine Meinung diesbezüglich ungefragt aufs Auge zu drücken? Das finde ich einfach nur anmaßend. Wie viele Kinder man bekommen möchte, muss schließlich jede Familie für sich selbst entscheiden. Und das ist ja auch völlig in Ordnung so.

„Aber warum nur 1 Kind?“

Diese Frage ist mir tatsächlich schon oft gestellt worden. Meine Tochter ist jetzt 4 und ein wirklich tolles, pflegeleichtes Mädchen. War sie schon immer. Weshalb auch viele nicht verstehen können, warum wir sagen „trotzdem reicht eins“.

Unsere Entscheidung für „nur 1 Kind“ hat zum einen einen ganz rationalen Grund, nämlich gesundheitliche Bedenken meinerseits.

Aber das ist nicht der Hauptgrund.

Zum einen ist es so, dass es mir nach der Schwangerschaft sehr, sehr schlecht ging. Es war der Horror und obwohl ich mir bewusst bin, dass es nicht unbedingt wieder so werden muss, ist die Angst vor dem „es könnte“ einfach viel, viel zu groß. Denn so möchte ich mich nach Möglichkeit nie wieder fühlen müssen. Auch über diese Zeit habe ich schonmal einen Artikel geschrieben. Schau doch mal rein, wenn Du magst: „Schlafmangel nach der Geburt – wenn Dein Baby gar nichts dafür kann“.

Der andere Grund, warum wir uns für nur ein Kind entschieden haben ist, dass sowohl mein Mann als auch ich sehr freiheitsliebende Menschen sind. Ich bin einfach jemand, der auch mal Zeit für sich braucht. Und das finde ich weder schlimm noch negativ. Ich bin einfach ab und an mal sehr gerne allein. Ich brauche das – zum Beispiel, um Energie zu tanken. Oder ich gehe gern mal auf Konzerte oder Festivals. Ich bin keine „nur Mutter“ – ich brauche einfach Zeit für mich.

„Pah, Du Egoistin!“

Man kann mir jetzt schrecklichen Egoismus vorwerfen, aber so ist es nicht. Ich liebe mein Kind, ich liebe meine Familie und ich liebe es, Zeit mit ihr zu verbringen. Aber ebenso genieße ich meine „Mamazeit“ ganz für mich alleine. Und dies ist mit „nur“ einem Kind deutlich einfacher zu organisieren als mit 2 oder mehr Kindern.

Ich bin der Meinung, dass nur entspannte, glückliche Eltern auch entspannte, glückliche Kinder haben können und die Erfahrungen mit meiner Tochter bestätigen mir dies: „Wenn Mama zufrieden ist, bin ich es auch.“ Ich tanke Kraft, indem ich alle paar Wochen auf einem Konzert dem „Alltag entfliehe“ – mich macht das glücklich, mir gibt das Energie. Und dadurch bin ich anschließend wieder in der Lage, 120% für meine Familie zu geben.

Niemals von anderen reinreden lassen…

Das ist definitiv zu meinem Motto geworden. Urteile niemals über andere, Du kennst deren Situation nicht.

Meine Antwort, auf die Frage, ob eine bewusste Entscheidung für ein Einzelkind ok ist, ist:

Es ist okay. Alles ist okay. Ob nun Einzelkind oder die Entscheidung, 3 Kinder bekommen zu wollen – solange Du Deinem Kind/Deinen Kindern gerecht werden kannst und sie mit Liebe großziehst, ist doch alles in Ordnung. Völlig unwichtig, ob nun Einzelkind oder nicht.