Das Fehlverhalten fremder Kinder – wann darf ich eingreifen?

Jennifer

Fehlverhalten wird von Personen oft unterschiedlich aufgenommen und bewertet. Wir zeigen Dir, wann Du eingreifen solltest und wie Du am besten vorgehen kannst, damit alle zufrieden auseinandergehen.

Auf kaum etwas reagieren Eltern so empfindlich wie auf das Einmischen anderer, meist fremder Eltern in Ihre Erziehung. Dabei ist es völlig unerheblich, ob mein Kind im Recht ist oder gerade dem fremden Kind mit der Schippe auf den Kopf haut. Oft ist der Ton auf beiden Seiten direkt harsch, verständnislos und unfreundlich. Ganz klar: Mein Kind muss verteidigt werden! Gleichzeitig steht aber meine Ehre auf dem Spiel: Kritik am Kind bedeutet zusätzlich Kritik an meinem Erziehungsstil und mir – insbesondere, wenn ich nicht eingegriffen habe. Doch muss ein entspannter Nachmittag auf dem Spielplatz wirklich so enden? Auf keinen Fall.

 Wann darf ich eingreifen?

Die Frage nach dem Dürfen lässt sich ganz einfach beantworten: Immer. Deshalb sollte die Frage eher lauten: Wann soll ich eingreifen? Kinder können schon in jungen Jahren ihre Konflikte relativ selbstständig lösen, vorausgesetzt es handelt sich um gleichaltrige Kinder.

Diese Möglichkeit sollte man ihnen auch stets geben. Wenn keine Lösung in Sicht ist, dürfen jederzeit Lösungsvorschläge unterbreitet werden, die von den Kindern angenommen werden können.

Ausnahmen bilden selbstredend Situationen, in denen mein Kind oder auch andere Kinder durch das Verhalten eines fremden Kindes gefährdet werden. Insbesondere bei einem größeren Altersunterschied kann auf die Vernunft des älteren Kindes gesetzt und davon ausgegangen werden, dass das Kind weiß, was es da tut.

Wir übernehmen als Eltern Verantwortung. Verantwortung gegenüber unseren Kindern. Aber auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Im Falle von Gewalt, Diebstahl oder ähnlich schwerwiegenden Situationen sollte ein Erwachsener stets eingreifen.

Was kann ich konkret tun?

Das ist ganz und gar von der Situation abhängig. Gewalt erzeugt Gegengewalt und wir als Eltern haben gleichzeitig eine Vorbildfunktion. Gewalt kann also nie eine Lösung sein. Die beste Möglichkeit ist stets, einen Weg auf kommunikativer Ebene zu suchen. Das bedeutet natürlich auch, sachlich zu bleiben, aber bestimmt aufzutreten. Ausfallend zu werden oder gar Beleidigungen auszuteilen, widerspricht unserer Vorbildfunktion und wird sich in den meisten Fällen negativ auswirken. Ganz bestimmt wird es aber keine Lösung herbeiführen, denn die Eltern des fremden Kindes sind sicherlich nicht weit entfernt und werden ein böses Maßregeln oder gar Beschimpfen  ihres Kindes zu Recht nicht dulden.

Statt fremde Eltern auszuschließen, bietet es sich an, sie in eine Problemlösung einzubeziehen. Denn das Gefühl des Übergangen-Werdens ruft in uns den Beschützerinstinkt für unser Kind hervor und weckt in uns das Gefühl, von den anderen Eltern für das Verhalten des eigenen Kindes kritisiert zu werden. Gerade eine Aussage, die auf eigene Unsicherheit in solchen Situationen hinweist, kann entwaffnend wirken und zu einer konstruktiven Lösung des Streits führen, nach der alle zufrieden auseinandergehen können.

Und wenn das Kind unhöflich ist?

Ein fremdes Kind ist unhöflich, benimmt sich vielleicht unmöglich oder beleidigt andere Menschen. Wenn die Eltern nicht reagieren, sollte sich der Beobachter stets fragen, ob er es als dringend empfindet, einzugreifen. Es sollte dabei deutlich zwischen einer persönlichen Meinung und gesellschaftlicher Akzeptanz differenziert werden.  Erziehungssache ist primär die Angelegenheit der Eltern. Dennoch sollte Erziehung zum Leben in einer Gesellschaft befähigen. Kinder sollen also durchaus merken, wenn sie sich so verhalten, dass sie an Grenzen der Akzeptanz stoßen.
Das Gespräch mit den Eltern zu suchen, kann an dieser Stelle ein Weg sein. Dass das nicht immer erfolgreich verläuft, ist klar, denn Kritik anzunehmen und zu reflektieren, fällt vielen Eltern nicht leicht. Man sollte sich als Elternteil immer vor Augen führen, dass das Kind lernen soll, sich innerhalb der Gesellschaft zurechtzufinden. Und das geht nur, wenn es Reaktionen und Grenzen aus dieser erfährt.