„Der kleine Elefant, der so gerne einschlafen möchte“: Funktioniert das neueste Einschlafwunder wirklich?

Katharina

Auf den Bestseller „Das kleine Kaninchen, das so gerne einschlafen möchte“ folgte kürzlich ein weiteres Schlafbuch rund um den Elefanten Ellen. Der Hype hierum ist für Dich noch neu? Hier erfährst Du, welche Erfahrungen miBaby-Redakteurin Katharina und ihr Sohn mit dieser Art von Einschlafhilfe gemacht haben.

Wenn die Einschlafzeit zur Nervenprobe wird

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Unsere Kinder sind zweifelsohne die wundervollsten Geschöpfe auf Erden und wir lieben sie abgöttisch. Aber Hand aufs Herz: Besonders nach einem langen Tag finden wir sie dann doch am süßesten, wenn sie endlich friedlich schlummern, oder? Im schlimmsten Fall wird „das Kind mal eben schlafen legen“ aber leider zum stundenlangen Verzweiflungsakt. Auch ich habe tagtäglich das Gefühl, ein kleines Duracell-Häschen mit Endlos-Energie ins Bett bringen zu müssen. Viele erleben es, dass der Abend so zur Stressfalle wird – sowohl für Eltern als auch für Kinder. Sämtliche Tipps, um das zu umgehen, werden dementsprechend dankbar angenommen.

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Doch was ist, wenn Ratschläge-Klassiker wie das Auspowern am Tag und verschiedenste Schlafrituale bisher nur mäßige Wirkung gezeigt haben? Erfolgsautor Carl-Johan Forssén Ehrlin hat vielen begeisterten Eltern zufolge eine Art Geheimwaffe zu Papier gebracht, mit der Kinder nicht nur schneller, sondern auch gerne zur Ruhe kommen und einschlafen. Aus Neugier beschloss ich daher dem Schlafbuch „Der kleine Elefant, der so gerne einschlafen möchte“ eine Chance zu geben. Nach einem Monat Testlesen habe ich für Dich unsere Erfahrungen zusammengefasst und beantworte hierbei auch die häufigsten Fragen zum Thema.

Entspannungstechnik oder Hypnose?

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Ein Text, durch den Kinder beim Zuhören oft gar nicht anders können als einzuschlafen? Viele Eltern befürchten hier massive Manipulation oder sogar gefährliche Hypnose. Tatsächlich mutet der Schreibstil zu Beginn etwas seltsam an, beispielsweise wegen Sätzen wie „dadurch fühlst du dich immer entspannter und entspannter“ oder „So müde und so entspannt. Deine Augenlider fühlen sich so schwer an jetzt“. Nach ausgiebigen Recherchen und Vergleichen kann ich Dir aber bestätigen, dass dies daher kommt, weil das Buch auf für viele ungewohnte – aber unbedenkliche – Techniken des autogenen Trainings, der progressiven Muskelentspannung und entspannender Gedankenreisen aufgebaut ist. Und warum sollte man etwas, das schon so vielen Erwachsenen beim Stressabbau geholfen hat, nicht auch kindgerecht aufarbeiten?

SOS-Lösung oder Langzeitprojekt?

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Man sollte aber lieber nicht erwarten, dass Einschlafprobleme schon nach dem ersten Aufklappen der Vergangenheit angehören. Willst Du die Sache richtig angehen, steht für Dich als Mama oder Papa nämlich zuerst eines an: üben, üben, üben. Denn während man sich ja eigentlich möglichst spannendes Vorlesen antrainiert hat, kommt es hier eher auf ein langsames Tempo und Monotonie an. Auch zur richtigen Betonung gibt es einige Erklärungen und im Fließtext passende Markierungen. Ich übte also erstmal fleißig für mich, musste dabei selbst schrecklich oft gähnen und machte mich schließlich selbstbewusst an Versuch Nr. 1 mit dem Sohnemann. Allerdings kletterte er nach einer Seite aus dem Bett und kam stolz mit einem Indianerbuch zurück. Direkte Erfolgserlebnisse? Fehlanzeige.

Zeitgewinn oder Zeitverschwendung?

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Zuerst wollte ich das Buch fast unter der Kategorie „Fehlkauf“ ablegen. Die Empfehlung vom Autor selbst und Rezensionen von Eltern mit ähnlichen Erfahrungen motivierten mich jedoch dazu trotzdem am Ball zu bleiben. Nach vielen abgebrochenen Versuchen in der ersten Woche schien mein Sohn dann aber plötzlich doch Gefallen an dem Elefanten Ellen gefunden zu haben, mit dem er in der Geschichte gemeinsam von einem zum anderen Ende des Schlafwaldes spaziert und hierbei viele Tierfreunde beim Einschlafen begleitet. Seitdem kommt es regelmäßig vor, dass er ganz ruhig zuhört und dann kurz vor oder nach dem Ende einschläft. Es tut so gut den gemeinsamen Tag auf diese Art ganz ohne Stress und Diskussionen ausklingen zu lassen! Außerdem habe ich an solchen Abenden ein großes Plus an freier Zeit für mich gewonnen, worüber sich wahrscheinlich auch keine Mama und kein Papa jemals beschweren würde.

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Selbstzweck oder nur Mittel zum Zweck?

Der einzige Grund, weswegen ich meinem Sohn das Schlafbuch trotzdem nicht jeden Abend vorlese – auch wenn es inzwischen immer öfter „funktioniert“ – ist, dass ich selbst immer das Gefühl habe, das Lesen zu instrumentalisieren. Ich erinnere mich dann immer an meine eigene Kindheit, wo für mich das Vorlesen von Büchern das Größte und Spannendste war und ich selbst mitten in den tollsten Abenteuergeschichten irgendwann glücklich einschlief, auch wenn meine Eltern sich dafür viel Zeit nehmen mussten. „Der kleine Elefant, der so gerne einschlafen möchte“ macht zwar durch seine besonders liebevollen Illustrationen einen anderen Eindruck. Aber für mich geht hier die Fantasie und die Schönheit der Sprache und des Geschichten Erzählens einfach zu sehr verloren, weil jedes einzelne Wort in erster Linie seinen Platz gefunden hat, um gekonnt einen bestimmten (Ermüdungs-) Effekt zu erzielen.

Mein Fazit: Wirklich einen Versuch wert

Dennoch bin ich ganz froh, dass das Schlafbuch „Der kleine Elefant, der so gerne einschlafen möchte“ den Weg zu uns in Bücherregal gefunden hat und immer dann vorgelesen wird, wenn mein Sohn es sich dort selbst aussucht. Für uns persönlich wurde es nicht zum Patentrezept, aber zu einer von vielen Möglichkeiten, die mit ein wenig Geduld zum Ziel führen.  Ich würde die Schlafbücher von Carl-Johan Forssén Ehrlin auch allen Eltern, bei denen sich das ins Bett bringen immer sehr lange hinzieht, zumindest zum Ausprobieren weiterempfehlen. Jedoch ohne zu viele Erwartungen zu haben. Bei manch einem Kind wird es schnell funktionieren, entspannter ins Land der Träume zu kommen, andere werden wie mein Sohn vielleicht erst später Gefallen daran finden und bei wieder anderen wird es wohl leider doch ungeliebt im Regal verstauben.

Doch egal wie nervig es jetzt manchmal scheint: Irgendwann brauchen uns unsere Kleinen nicht mehr zum Einschlafen und wir werden es vermissen. Dieser Gedanke hilft mir dabei, immer wieder aufs Neue die Zeit und Geduld aufzubringen, die mein Sohn gerade braucht. Auch Dir wünsche ich, dass Ihr die Zubettgehzeit bald mehr genießen könnt. Vielleicht ja wirklich mit „Das kleine Kaninchen, das so gerne einschlafen möchte“ oder „Der kleine Elefant, der so gerne so gerne einschlafen möchte“. Vielleicht findet Ihr aber auch Euer ganz eigenes „Einschlafwunder“.