Erste Hilfe für Kinder – das solltest Du wissen

Nina Sohns

Es gibt Dinge, über die will eine Mama am liebsten nicht einmal nachdenken. Aber Verletzungen und andere Unfälle gehören zum Großwerden dazu. Wie Du im Notfall richtig reagierst, zeigen wir Dir hier.

Trotz aller Vorsicht kann man nicht alles verhindern, was einem Kind so zustoßen kann. Wichtig ist, für den Fall der Fälle die richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen für Kinder zu kennen. Dann bist Du vorbereitet, wenn doch mal etwas passiert. Wir haben Dir die Maßnahmen zu den häufigsten Vorfällen zusammengestellt. Besuche aber unbedingt auch einen Kurs zum Thema „Erste Hilfe für Kinder und Babys“. Hier wird Dir auch die Anwendung in der Praxis gezeigt.

Hier kommst Du direkt zu den einzelnen Erste-Hilfe-Maßnahmen bei:

Befindet sich Dein Schatz erst in der oralen Phase, wird alles in den Mund gesteckt. Welche Gefahren das für Dein Kleines birgt erfährst Du hier.

Kind Gips

Schreck lass nach − Dein Kind hat einen Unfall

Ein Schock − Dein Kind hat z. B. beim Spielen oder Fahrradfahren einen Unfall. Da ist schnelles, überlegtes Handeln gefragt. Das ist natürlich leicht gesagt, denn in so einer Situation ist man oft erst einmal wie gelähmt.
Tipp: Tief Luft holen und gegen den leichten Widerstand der Lippen wieder ganz tief ausatmen. Der lähmende Schreck ist damit schneller überwunden und man denkt wieder klar.

Knochenbrüche
Hat Dein Kind nach einem Unfall Schmerzen und eine starke Schwellung, könnte etwas gebrochen sein. In den meisten Fällen gibt aber nur eine Röntgenaufnahme Aufschluss darüber, ob wirklich ein Knochenbruch vorliegt.

Kinderknochen sind noch sehr elastisch und brechen weniger leicht als die Knochen von Erwachsenen. Sollte doch mal etwas gebrochen sein, heilen Brüche bei kleinen Kindern normal sehr schnell und problemlos.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Knochenbrüchen
Solltest Du bei Deinem Kind einen Bruch vermuten, sollte jede Bewegung vermieden werden, denn diese kann überaus schmerzhaft sein. Außerdem könnten Nervenfasern oder Blutgefäße an den Bruchenden verletzt werden. Bei einem Armbruch kannst Du Deinem Kind eine Schlinge aus einem Dreieckstuch machen und so den Arm auf dem Weg ins Krankenhaus ruhig halten. Bei einem Bein- oder Fußbruch ist es schwieriger, weshalb es hier meist ratsam ist, auf den Rettungsdienst zu warten. Beruhige Deinen Schatz und tröste ihn. Bei einem geschlossenen Bruch kannst Du die Stelle kühlen, das hilft gegen den Schmerz und verringert die Schwellung.

Prellung, Quetschung & Co.
Natürlich liegt nicht immer sofort ein Bruch vor. Kleine Kinder quetschen sich z. B. öfter die Finger und auch Prellungen und Verstauchungen kommen häufig vor.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Prellung, Quetschung & Co.
Bei allen Verletzungen kann sofortiges Kühlen die Schwellung verringern. Am besten hast Du immer eine Gel-Kühlkompresse parat. Falls nicht, kannst Du improvisieren: Im Notfall lassen sich nasse Tücher oder auch eine in Handtuch gewickelte Packung Tiefkühlgemüse verwenden. Vorsicht bei Eisspray! Denn zu viel davon kann zu Erfrierungen auf der Haut führen.

Auch kannst Du die geprellte oder verstauchte Stelle mit Arnikasalbe einreiben – allerdings nicht offene Wunden. Arnika ist ein natürliches Schmerzmittel und wirkt auch gegen Blutergüsse und Schwellungen. Zur innerlichen Anwendung wird Arnika in Form von Tabletten oder Globuli verabreicht.

Kopfverletzung
Bei Kindern sind Stürze auf den Kopf nahezu unvermeidbar. Doch in den meisten Fällen passiert ihnen nichts, da der kindliche Schädel noch elastisch ist und Stöße besser abfangen kann. Meist kommen sie mit einer Beule davon.

Ist Dein Kind auf den Kopf gestürzt, solltest Du es in den folgenden 24 Stunden besonders aufmerksam beobachten. Ist es auffällig schläfrig und teilnahmslos, muss es sich übergeben oder sind gar die Pupillen unterschiedlich groß, suche umgehend einen Arzt auf, da dies auf eine Gehirnerschütterung hindeuten könnte.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einer Platzwunde am Kopf
Bei einer Platzwunde ist die Stillung des Blutflusses vorerst das Wichtigste. Dazu drückst Du ein sauberes Tuch oder auch Kleidungsstück gegen die Wunde, um den Blutverlust zu stoppen. Sobald Verbandsmaterial für einen Druckverband zur Hand ist, legst Du einen Druckverband an. Dieser kann ruhig sehr zweckmäßig sein. Es geht nur darum, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus hält.

Knie Pflaster

Wunden
Spätestens wenn die Kleinen beginnen, die Welt mit Laufrad & Co. zu entdecken, bleiben Schürfwunden nicht aus. Hier ist meist der Schreck größer als die Verletzung und mit dem berühmten „Trostpflaster“ ist alles wieder gut. Doch was, wenn es doch mal zu einer schlimmeren Verletzung kommt?

Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Wundversorgung

  1. Wunde nicht berühren und auch nicht auswaschen, außer es handelt sich nur um eine kleine Schürfwunde, die mit Sand, Erde oder Kies verunreinigt ist.
  2. Kleinere Wunden desinfizieren, größere Wunden, die ohnehin später ärztlich versorgt werden müssen, nicht desinfizieren.
  3. Wunde keimfrei abdecken. Bei kleineren Wunden genügt ein Wundschnellverband, größere Wunden mit sterilen Kompressen abdecken. Bei stark blutenden Wunden muss ein Druckverband angelegt werden.
  4. Sollte ein Fremdkörper in der Wunde stecken, diesen nicht entfernen, da das Herausziehen zu einer schweren Blutung führen könnte! Den Fremdkörper außen herum mit Mullbinden polstern und nur einen lockeren Verband anlegen.

Auch bei Wunden kannst Du Deinem Kind Arnika als natürliches Schmerzmittel geben. Sollte es durch die Verletzung sehr verängstigt oder panisch sein, können Bach-Blüten-Notfalltropfen helfen, sich wieder zu beruhigen.

Denke daran, dass Dein Kleines im Falle einer Wunde einen vollständigen Tetanusschutz braucht!

Wiederbelebung bei Atemstillstand
Darüber möchte man gar nicht nachdenken − Dein Kind atmet nicht mehr! Vor allem bei Unfällen in Zusammenhang mit Wasser kann dieser Fall eintreten. Ertrinken ist die häufigste Unfall-Todesursache bei kleinen Kindern. Umso wichtiger ist es, in dieser Situation richtig zu handeln! Viele fürchten sich davor, bei Wiederbelebungsmaßnahmen etwas falsch zu machen und lassen es lieber. Doch das Unterlassen kann verheerende Folgen haben. Und so schwer wie man denkt, sind Beatmung und Herzdruckmassage gar nicht!

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Atemstillstand

  • Bei Beatmung durch den Mund die Nase zuhalten und umgekehrt.
  • Säuglinge werden aufgrund ihres kleinen Gesichts über Mund und Nase gleichzeitig beatmet.
  • Den Kopf leicht überstrecken, damit die Zunge nicht die Luftröhre versperrt.
  • Die Menge der Luft hängt vom Alter des Kindes ab. Das Lungenvolumen eines Säuglings entspricht etwa einem Schnapsglas − es ist nur eine kleine Menge Luft nötig. Ein Schulkind hat ein Lungenvolumen von etwa einem halben Liter.
  • Der Brustkorb sollte sich unter der Beatmung heben und senken.
  • Zur Herzdruckmassage sollte das Kind auf einem harten Untergrund liegen.
  • Das Verhältnis lautet 2 Beatmungen und 30 Druckstöße. Bei Säuglingen sollten diese schneller hintereinander erfolgen, da ihr Herz schneller schlägt.
  • Lautes Zählen hilft dabei, im Takt zu bleiben.
  • Nach einer Minute Wiederbelebung den Notruf (112) rufen, bevor die Maßnahmen fortgeführt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft.
  • Der Druckpunkt ist bei Säuglingen in der Mitte des Brustbeins. Es kann mit zwei Fingern oder einer Hand gedrückt werden. Beim Kleinkind befindet er sich in der unteren Brustbeinhälfte. Gedrückt wird mit dem Handballen bei durchgedrücktem Arm.
  • Die Drucktiefe sollte die Hälfte der Brustkorbhöhe betragen, auch wenn Dir das viel vorkommt. Der Brustkorb ist sehr elastisch.

Mama beruhigt

Schreck in der Nacht − Pseudokrupp

So ein Schreck! Du erwachst in der Nacht, weil Dein Schatz ein lautes, bellendes Husten von sich gibt. Dieser Husten nennt sich Pseudokrupp. Er tritt verstärkt in den Herbst- und Wintermonaten und meist nachts auf. Unter solchen Anfällen leiden vorwiegend Babys und Kleinkinder zwischen 18 Monaten und fünf Jahren.

Für einen bevorstehenden Anfall von Pseudokrupp gibt es im Normalfall keine spezifischen Anzeichen. Meist fängt alles mit einem üblichen Infekt an. So ist noch alles in Ordnung, als Du Dein Kleines ins Bett bringst. Doch dann kommt ganz plötzlich der nächtliche Hustenanfall. Vor allem das Einatmen ist erschwert, Heiserkeit und Pfeifgeräusche beim Atmen sind weitere Symptome.

Verantwortlich für diese Anfälle bei Kindern sind die Enge der Luftröhre und des Kehlkopfes. Beim Pseudokrupp schwellen die Schleimhäute an. Dadurch verändert sich die Luftströmung in den Atemwegen und die feinen Härchen der Luftröhre werden gereizt, was den Husten auslöst.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Pseudokrupp
Die plötzlichen Atembeschwerden erzeugen bei Kindern oft Panik. Aufregung und anhaltendes Weinen oder Schreien verschlimmern jedoch die Beschwerden. Daher ist es wichtig, selbst cool zu bleiben und Dein Kleines erstmal zu beruhigen. Sobald es sich wieder entspannt, fällt das Atmen sofort etwas leichter. In der Regel besteht durch Pseudokrupp auch keine wirkliche Gefahr. Weiß man, was zu tun ist, hat man einen Anfall normalerweise recht schnell im Griff.

Tipp: Am besten ab an die kalte Luft! Gehe mit Deinem Schatz ans offene Fenster, auf den Balkon oder vor die Tür. Im Zweifel vor den offenen Kühlschrank oder den Gefrierschrank. Denn Kalte Luft wirkt abschwellend.

Achtung: Früher wurde geraten, mit dem Kind ins Bad zu gehen und das heiße Wasser aufzudrehen um warme, feuchte Luft zu erzeugen. Von dieser Methode wird heute dringend abgeraten. Inzwischen weiß man, dass warme feuchte Luft das Atmen oft noch zusätzlich erschwert.

Tritt mit der Kalte-Luft-Methode jedoch nach einer halben Stunde keine Besserung ein, solltest Du ins Krankenhaus fahren oder den Rettungsdienst rufen.

Nachdem Dein Schatz zum ersten Mal einen Pseudokrupp-Anfall hatte, solltest Du mit Deinem Kinderarzt darüber sprechen. Sofern notwendig, wird er Dir für kommende Anfälle Kortison-Zäpfchen oder -Saft verschreiben. Kortison wirkt abschwellend, braucht allerdings etwa 30 Minuten bis es wirkt. Es ist also trotzdem erforderlich, Dein Kind als erste Maßnahme kalte Luft einatmen zu lassen.

Albtraum Ersticken − Dein Schatz hat sich verschluckt

Ein kleinteiliges Spielzeug, eine Erdnuss oder gar ein Stückchen Folie − die kleinen Entdecker finden alles. Oft landet das Gefundene dann auch direkt im Mund. Das kann gefährlich werden! Aber selbst an einem Keks oder einem Stück Apfel kann Dein Schatz sich verschlucken. Daher ist es wichtig, kleine Kinder beim Essen und Spielen immer im Auge zu haben.

Erfahre hier mehr zur oralen Phase und zu den rettenden Erste-Hilfe-Maßnahmen, falls sich Dein Kleines tatsächlich mal an etwas verschluckt.

Putzmittel

Putzmittel, Pillen, Pflanzen − Angst vor Vergiftung

Sobald Dein Schatz mobil wird und beginnt die Welt zu erkunden, ist nichts mehr vor ihm sicher. Und die Schranktüren, an die er am wenigsten darf, sind natürlich die interessantesten! Doch viele alltägliche Dinge können für Dein Kind gefährlich werden … Putzmittel, Medikamente, Zigaretten, aber auch viele Planzen sollten sich außerhalb der Reichweite Deines Schatzes befinden. Erfahre mehr dazu in unserem Ratgeber „Baby in Entdeckerlaune − Mach Dein Zuhause babysicher“.

Doch im Laufe der oralen Phase ist es normal, dass Kinder alles mit dem Mund erforschen. Auch wenn man äußerst vorsichtig ist, passiert es manchmal doch: Dein Schatz erwischt eine Flasche Badreiniger, verspeist beim Spielen auf der Wiese eine Blume oder sammelt auf dem Spielplatz einen Zigarettenstummel auf und nimmt ihn in den Mund … Was dann?

Hier findest Du, was Du zu Vergiftungen mit Putzmitteln, Medikamenten, Pflanzen oder Zigaretten wissen musst.

Wenn Du ruhig bleibst, bleibt es Dein Schatz auch!

Natürlich vertreibt man Gedanken an Unfälle am liebsten gleich wieder. Vorbereitet zu sein heißt aber auch, im Notfall cool bleiben zu können. Und nur so kannst Du Deinem Kind gegenüber Gelassenheit ausstrahlen und es beruhigen. Wenn Dein Kleines Angst hat, Du aber ruhig bleibst und ihm versicherst, es wird wieder gut, überträgt sich Deine Ruhe auf Dein Kind. Und in manchen Fällen kannst Du Deinem Schatz damit sogar das Leben retten!