Gefährliche Schadstoffe in Kinderkleidung?!

Nadine Bäsig

Im Rahmen ihrer Detox-Kampagne, hat Greenpeace Kleidungsstücke und Schuhe von Designer-Labels, sowie auch von großen Bekleidungsfirmen und günstigen Bekleidungsketten getestet. Was dabei herauskam? Nicht teuer muss unbedingt gut bzw. schadstofffrei sein.

 

Im Rahmen dieser Kampagne veröffentlichte Greenpeace vor kurzem eine Studie zu Schadstoffen in Kinderkleidung. Mit der Detox-Kampagne möchte Greenpeace bis zum 1. Januar 2020 erreichen, dass keine giftigen Chemikalien, bei der Produktion von Bekleidung, eingesetzt werden. 20 der großen Bekleidungsfirmen haben sich der Detox-Kampagne bereits angeschlossen, darunter befinden sich bekannte Marken wie H&M, Zara, Valentino, Nike, Levi Strauss und Puma.

Der Test

Greenpeace hat nun Kleidungsstücke aus verschiedenen Ländern getestet – es wurden krebserregende oder hormonell wirksame Chemikalien gefunden. Im teuren Badeanzug von Burberry wurden genauso Schadstoffe gefunden wie in der günstigen Alternative von Primark – der Badeanzug von Adidas war sogar am stärksten belastet.

Für Kinderspielzeug gelten Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen. Das gilt leider nicht für Kinderkleidung. In einem in Deutschland gekauften T-Shirt von Primark wurden 11% Weichmacher (Phthalate) gefunden, in einem Babybody von American Apparel steckten 0,6 % des Weichmachers (hauptsächlich in Kleidungsstücken mit Plastisol-Aufdruck wurden Weichmacher gefunden). Beide Werte wären nach EU-Recht für Kinderspielzeug verboten. Betroffen waren insgesamt 33 der 35 getesteten Kleidungsstücke.

In Kleidungsstücken von Adidas, Nike, Puma, Burberry und H&M wurden  PFC insbesondere als Perfluoroctansäure (PFOA)  gefunden. PFOA gilt als krebserregend. Auch ein T-Shirt von Burberry war stark belastet. In ihm wurde NPE (Nonylphenolethoxylate) gefunden. NPE wurde in noch höheren Werten in Schuhen von C&A und in Kleidungsstücken von Disney und American Apparel getestet. NPE kam insgesamt in 50 von 82 getesteten Produkten vor.

Gefundene Schadstoffe und ihre Auswirkungen!

Phthalate: werden von der Industrie als Weichmacher in Kunststoffen verwendet. Greenpeace hat sie in Aufdrucken von Kinderbekleidung gefunden. Phthalate wurde von der EU bereits als schädigend für die Fortpflanzung eingestuft. Sie können auch die Schilddrüse und die Leber schädigen.

PFC: sind perfluorierte Chemikalien; sie gelten als krebserregend und wirken sich negativ auf die Spermienproduktion des Mannes aus. Seit 2006 ist weltweit geregelt, dass in Textilien nicht mehr als ein Mikrogramm Perfluoroctansulfonat pro Quadratmeter Stoff enthalten sein darf.  Leider gilt diese Regelung bislang nicht für verwandte Perfluoroctansäuren, welche ebenfalls zu den PFC zählt. Eingestuft werden Perfluoroctansulfonat und Perfluoroctansäure als ähnlich gefährlich. Ein erschreckendes Ergebnis lieferte der Test der Adidas Badebekleidung. Hier wurden 15,3 Mikrogramm pro Quadratmeter Stoff gefunden. Das ist über das 15-fache des erlaubten Grenzwertes.

Zinnorganische Verbindungen: diese können das Immun- und Hormonsystem gefährden. Greenpeace hat diese zinnorganischen Verbindungen in sechs Kinderprodukten gefunden.

Antimon: in großen Mengen kann Antimon giftig sein und Leber, Nieren, Herz und Nervensystem schädigen. Gefunden wurde Antimon in Polyesterbestandteilen von Adidas, Nike und weiteren Marken. Die gefundenen Mengen liegen jedoch weit unterhalb denen, was als gefährlich eingestuft wird. Im Adidas Badeanzug wurden ein Wert von 293 Milligramm pro Kilogramm getestet (bei Spielsachen ist ein Wert von 560 Milligramm pro Kilogramm erlaubt).

NPE: ist die Abkürzung für Nonylphenolethoxylate. NPE werden von der Industrie unter anderem in Reinigungsmitteln verwendet, deshalb sind Reste der NPE auch oft in Kleidungsstücken nachweisbar. Dem Träger der Kleidung schaden diese Stoffe nicht. Gelangen sie allerdings in das Abwasser und dadurch in den Wasserkreislauf, können sie sich dort anreichern und so den Hormonhaushalt von Lebewesen stören.

Fazit

Obwohl es viele Richtlinien und teils auch Gesetze gibt, enthält Kinderkleidung teilweise auffällig große Mengen bedenklicher Chemikalien. Die Greenpeace-Studien weisen zwar darauf hin, dass einige der Stoffe die Gesundheit schädigen können, nur ab welcher Konzentration und in welcher Form sie auf den Körper Auswirkungen haben, ist bislang nicht geklärt. Wie bei allem gilt auch hier: Erst eine Belastung mit einer hohen Konzentration, über einen längeren Zeitraum und in Kombination mit verschiedenen anderen Einflüssen würde vermutlich krank machen.

Trotzdem empfehlen wir, potenziell giftige Stoffe wo es geht zu vermeiden.

Unser Tipp

Teure Kleidung ist nicht gleich schadstofffreie Kleidung. Du kannst aber bereits beim Kauf darauf achten, dass das Kleidungsstück ein Textil-Siegel hat, z.B. von Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft IVN, dem Global Organic Textile Standard GOTS oder Öko-Tex Standard 100. Auf schwarze und blaue Kleidung solltest du möglichst ganz verzichten. Diese beiden Farben können Allergien auslösen, deshalb sollten Kinder mit einer empfindlichen Haut keine dunkle Unterwäsche, Strumpfhosen oder schwarze Jeans tragen. Generell solltest Du Dich auf Deine Sinne verlassen. Riech schon beim Kauf an der Kleidung. Riecht sie stark nach Chemikalien, solltest Du das gute Stück besser im Laden an der Kleiderstange lassen. Generell gilt: neue Kleidungsstücke besser zwei bis drei Mal vor dem Tragen waschen. Durch das Waschen wird bereits ein Großteil der Schadstoffe mit herausgewaschen. Regen- oder Outdoorkleidung solltest Du ein paar Tage an der frischen Luft auslüften lassen. Diese Kleidungsstücke werden zum imprägnieren mit Fluor-Chemikalien behandelt. An der frischen Luft dünsten sie mit der Zeit aus. Damit dein Geldbeutel geschont und die Besorgnis von Schadstoffen in der Kleidung gemindert wird, empfehlen wir auf Second-Hand-Kleidung auszuweichen. Bestimmt gibt es auch bei Dir in der Nähe einen Second-Hand-Laden oder Du schaust einfach im Internet nach z.B. bei kirondo.

Bio-Kleidung oder nach Öko-Tex Standard 100 zertifizierte Kleidung bekommst Du z.B. bei kindsstoff, hessnatur, Cotton People, Liegelind, Frugi, LeoZ, SanettaVertbaudet, Baby Butt, Baby Walz, C&A (Baby Club), H&M, … und teilweise auch bei den bekannten Discountern.

Wenn Du wissen möchtest, wie z.B. ein T-Shirt entsteht und wie weit es durch die Welt reisen muss, bis es endlich bei Dir im Schrank seinen Platz findet, dann ist unser Artikel (D)ein T-Shirt zieht um die Welt. Warum es bis zu 18.000 km reisen muss, um bei Dir anzukommen genau richtig für Dich.

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Autor: Nadine Bäsig