Hallo Mama, wie geht es dir? – Zwischen Glück und Baby-Blues

Nina Sohns

Als frischgebackene Mama ist man vor allem eines: restlos glücklich. Oder?
Was man beim Zauber des kleinen Wunders, das da das Licht der Welt erblickte, nämlich nicht vergessen darf: Schwangerschaft und Geburt sind auch kein Zuckerschlecken! Und plötzlich Mama zu sein, kann einen schon ganz schön überrollen …

Heultage statt Hochgefühl

Wenn Dir nach der Geburt nur noch nach Weinen zumute ist, wirst Du Dir vielleicht komisch vorkommen. Wahrscheinlich hast Du sogar ein schlechtes Gewissen, weil Du doch glücklich sein solltest, nun da Dein Baby endlich da ist. Und so erwartet es ja auch alle Welt von einer frischgebackenen Mama.

Mehr zur Gefühlswelt im Wochenbett in unserem Beitrag „Das Wochenbett − Wolke Sieben? Keine Spur!“

Vorab sei gesagt: Keine Sorge! Diese „Heultage“, auch „Baby-Blues“ genannt, kommen sehr häufig vor. Es heißt sogar, dass zwischen 50 und 80 Prozent der Mütter davon betroffen sind.

Seien wir mal ganz ehrlich! Es gibt einen ganzen Haufen Dinge direkt nach einer Geburt, mit denen so manche Mama zu kämpfen hat:

Doch ein Kaiserschnitt…
Du hast Dir so sehr eine natürliche Geburt gewünscht und nun war es doch ein Kaiserschnitt? Nicht selten sehen Mütter, die sich von ganzem Herzen eine natürliche Geburt gewünscht haben, einen Kaiserschnitt als persönliches Versagen und brauchen eine Weile, um darüber hinwegzukommen, dass ihr Traum von der „perfekten Geburt“ nicht wahr geworden ist.

Steckst Du mitten drin in Frust und Selbstzweifeln, weil Dein Baby per Kaiserschnitt zur Welt kam, kann es helfen, mit anderen Betroffenen zu sprechen. Es gibt Foren, Netzwerke und Gesprächskreise zu diesem Thema, die helfen, den Kaiserschnitt besser zu verarbeiten.

Mother In Nursery Suffering From Post Natal Depression

Schwere Geburt
Vielleicht hast Du aber auch ein sehr traumatisches Geburtserlebnis hinter Dir und es kommen Dir jedes Mal die Tränen, wenn Du auch nur daran zurückdenkst. Bei Komplikationen und unerwartetem Geburtsverlauf, z. B. bei einer Saugglocken- oder Zangengeburt, kommt es häufig vor, dass Mütter später unter einem Geburtstrauma leiden.

Auch hier hilft es über das Erlebte und Deine Gefühle zu reden. Manchmal macht sogar eine Nachbesprechung auf Grundlage des Geburtsberichtes Sinn. So kannst Du den Geburtsverlauf besser nachvollziehen und verstehen, warum eine drastische Maßnahme tatsächlich unumgänglich war. Das verhindert, dass Du Dich ewig mit der Frage quälst, ob der bewusste Eingriff tatsächlich nötig war und kann helfen, eventuell vorhandene Wut auf Ärzte oder Geburtshelfer zu überwinden.

Geburtsverletzungen
Hast Du auch noch so gewissenhaft Deinen Damm massiert und eingeölt, kann es trotzdem zu Geburtsverletzungen kommen, die Dir, zumindest in der ersten Zeit, zu schaffen machen. Da ist das Hinsetzen und Aufstehen schmerzhaft und man läuft, als sei man 90 Jahre alt und habe den Rollator vergessen.

Wichtig ist, dass Du in der Zeit des Wochenbetts Hilfe hast! Sei es durch Papa, Oma, Tante oder auch eine ehrenamtlich helfende Hand, die über verschiedene Organisationen zu bekommen ist.

Hast Du anfangs Angst, dass etwas zurückbleibt und Du auch später Schmerzen oder Probleme mit Narben haben wirst, wird Dich vielleicht beruhigen, dass die meisten Geburtsverletzungen bereits nach einigen Monaten so gut wie vergessen sind.

Schlechter Stillstart
So manche Mama macht sich auch selbst völlig fertig, wenn das Stillen nicht gleich klappt. Da heißt es: cool bleiben! Denn je mehr Stress Du Dir machst, desto weniger wird es klappen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Du und Dein kleiner Schatz müssen erst noch ein eingespieltes Stillteam werden. Hier findest Du viele wertvolle Tipps rund ums Stillen.

Und wenn es bei allen Bemühungen einfach nicht klappen will, zeigen wir Dir hier warum auch das kein Weltuntergang ist!

Wickeln & Co. − Machst Du auch alles richtig?
Man ist zwar nun Mama, das heißt aber nicht, dass einem plötzlich alles zufliegt. So ist man beim Windeln wechseln und Anziehen vielleicht noch etwas unbeholfen und das, wo das kleine Wesen doch so zerbrechlich scheint. Da fragt man sich dann: Mache ich das auch alles richtig? Erfahre hier mehr zum ersten Wickeln, Stillen, Kuscheln.

Einfach nur noch müde…
Hey! Schlafmangel über mehrere Tage und Wochen würde selbst den stabilsten Menschen irgendwann umhauen! Da wäre einem auch ohne schreiendes Baby und wunde Brustwarzen schon zum Heulen zumute. Was Du als Mama trotzdem jeden Tag leistest, verdient Respekt und Anerkennung! Mach Dich nicht fertig, auch wenn sich die Wäscheberge türmen und Deine Haare nun schon den dritten Tag kein Shampoo gesehen haben. Es wird besser!

Mehr zum Thema berichten wir in unserem Beitrag „Schlafmangel hoch 2 − Zwillingsmama im Halbschlaf“.

Die lieben Hormone

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All das kann das Babyglück schon mal etwas trüben und doch steckt hinter dem „Baby-Blues“ noch viel mehr – die Hormone nämlich!

Dein Körper reagiert darauf, dass Du nicht mehr schwanger bist und der Hormonspiegel, vor allem von Östrogen und Progesteron, sinkt nach der Geburt sehr plötzlich. Gleichzeitig wird das Hormon Prolaktin produziert, das für die Milchbildung zuständig ist. Dazu kommt, dass der Adrenalinspiegel, der während der Geburt ansteigt, wieder absinkt. Dieses Hormonchaos kann zu starken Stimmungsschwankungen führen. Betroffene Mamas sind in den ersten Tagen nach der Geburt niedergeschlagen, extrem sensibel und müssen oft weinen.

Der „Baby-Blues“

Mögliche Symptome:

  • Ständiges Weinen, ohne zu wissen warum
  • Übermäßige Sorge um die Gesundheit Deines Babys, obwohl alles in Ordnung ist
  • Extreme Reizbarkeit
  • Erschöpfung bei gleichzeitiger Schlaflosigkeit

Die gute Nachricht: Genauso plötzlich wie er gekommen ist, verschwindet der „Baby-Blues“ auch wieder. Meist ist etwa zehn Tage nach der Geburt wieder „alles gut“.

Hält der Zustand länger an und zeigt Symptome wie fehlende Liebe zum Baby, Panik­attacken, Herzrasen oder negative Gedanken dem Kind gegenüber, könnte es sich um eine postnatale Depression handeln, die nicht so einfach von selbst verschwindet wie es beim „Baby-Blues“ der Fall ist. Dann solltest Du unbedingt mit Deinem Arzt über eine Therapie und/oder eine medikamentöse Behandlung sprechen. Oft ist es auch sinnvoll in diesem Zusammenhang seinen Homonhaushalt checken zu lassen.

Die Besuchswelle

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Natürlich möchte nun jeder den kleinen Neuankömmling begrüßen, aber die Besuchswelle nach der Geburt kann schnell in Stress ausarten. Erfahre hier, warum!

Fühlst Du Dich nicht danach, dann stelle Deine eigenen Besuchsregeln auf. Beispielsweise füllen in den ersten Tagen meist die Besuche der engsten Verwandten schon den Kalender. Da sehen Freunde und Nachbarn das Kleine nach zwei Wochen auch noch früh genug. Und den Kuchen lässt Du am besten die Gäste mitbringen!

Du bist keine schlechte Mama!

Nicht wenige Mamas setzen sich selbst am meisten unter Druck. Doch auch wenn Du noch so viele Ratgeber während der Schwangerschaft gelesen hast und Dich gut vorbereitet fühlst, plötzlich tatsächlich Mama zu sein, ist etwas ganz anderes!

Du gewinnst etwas Großartiges dazu, verlierst aber auch unweigerlich etwas von Deinem vorherigen Leben und Deinem früheren Ich. Du und Dein Partner seid nun nicht mehr bloß ein Paar, sondern auch Mama und Papa. Und oft leiden besonders Karrierefrauen, die sich mit der Mutterschaft Zeit gelassen haben, darunter, dass ihr Leben nun weniger strukturiert abläuft. Viele fühlen sich dann sehr schnell als Versager.

Aber: Du bist keine schlechte Mama! Auch nicht, wenn Dir die Verantwortung Angst macht und Du manchmal Dein altes Leben vermisst. Auch nicht, wenn Du um Hilfe bittest oder Unterstützung forderst. Besonders durch die „Heultage“ solltest Du auf keinen Fall alleine hindurch müssen! Auch nicht, wenn Dir Dein Umfeld weniger verständnisvoll begegnet und das Bild der restlos glücklichen, immer lächelnden Mama zu erwarten scheint. Sie stecken gerade nicht in Deiner Haut. Eltern und Großeltern stammen aus anderen Generationen, in denen man über alles andere als Mutterglück meist einfach nicht sprach. Außerdem ist es lange her, dass sie selbst ein Neugeborenes hatten und aktuell ist die Freude über das (Ur-)Enkelchen einfach zu groß.

Achte auch auf Dich! Schaffe Dir Pausen und Freiräume, wann immer es geht. Versuche gelassen zu bleiben und verabschiede Dich vom Perfektionismus. Dein kleiner Schatz hat auch nichts davon, wenn Mama permanent auf dem Zahnfleisch geht.

Und tausche Dich vor allem mit anderen frischgebackenen Mamas aus, denn nur die können Deine Situation wirklich verstehen. Und geteiltes Leid ist ja bekanntlich halbes Leid.