Hausgeburt – kannst Du Dein Baby zuhause zur Welt bringen?

Marlen Greb

Hausgeburt. Klingt an sich total spannend und angenehm. Doch was gibt es zu beachten und wo liegen die Vor- und Nachteile?

„Krankenhäuser hasse ich. Es ist so kalt und eben einfach klinisch dort. Ich wünsche mir eine Hausgeburt.“

Klingt so gesehen wirklich schön. Das Baby in gewohnter Umgebung zur Welt zu bringen: ist das, was erstmal so romantisch klingt, wirklich so ohne Weiteres möglich? Was gibt es zu beachten?

Wie verbreitet sind Hausgeburten?

Während Hausgeburten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts auch hierzulande noch dem Normalfall entsprachen, hat sich dies mittlerweile in das genaue Gegenteil verkehrt: 98,5 Prozent aller Geburten in Deutschland sind heute geplante Krankenhausgeburten. Damit werden nur noch 1,5 Prozent der Babys in Geburtshäusern oder zuhause geboren.
Anders ist dies beispielsweise in den Niederlanden, wo Hausgeburten noch einen Anteil von etwa 30 % ausmachen. Allerdings liegt dort auch die Säuglingssterblichkeit über dem Wert anderer westeuropäischer Staaten.

Ist eine Hausgeburt immer möglich?

Grundsätzlich solltest Du zunächst für Dich selber klären, ob Du Dir eine Hausgeburt überhaupt vorstellen kannst. Die Vorstellung, das Baby „allein“, sprich: ohne Ärzte, die notfalls eingreifen/operieren (?) können, auf die Welt zu bringen, ist sicher nicht jedermanns Sache. Andererseits ist dieser intime Moment vielleicht auch sehr viel angenehmer in den eigenen vier Wänden …

Falls Du eine Hausgeburt in Erwägung ziehst, besprich das Ganze mit Deiner Hebamme oder Frauenärztin. Gibt es keine medizinischen Einwände und fühlst Du Dich wohl bei dem Gedanken, spricht eigentlich nichts dagegen.

Wo kann die Geburt zuhause stattfinden? 

Im Grunde kann die Geburt zuhause überall da stattfinden, wo Du es Dir wünschst. Sei es nun in Deinem gewohnten Bett oder in der heimischen Badewanne – hier ist auch eine sogenannte Wassergeburt möglich. Hin und wieder findet man auch Berichte von Geburten im Garten(häuschen). Der große Pluspunkt der Hausgeburt sollte ja der sein, dass Du Dich besonders wohlfühlst unter der Geburt – also kannst Du auch den Ort bestimmen. Sprich allerdings trotzdem ausführlich mit Deiner Hebamme darüber und geht die verschiedenen Möglichkeiten einfach gemeinsam durch.

Pro Hausgeburt

Ganz klar für eine Hausgeburt spricht natürlich die Intimität – keine kalte Krankenhausatmosphäre, keine ungewohnte Umgebung – alle Leute, die Du dabei haben möchtest, können auch dabei sein. Deine Hebamme begleitet die Geburt und kann Dich unterstützen. So kann die Geburt eine ganz besondere, familiäre Erfahrung werden.

Kontra Hausgeburt

Eine Geburt ist natürlich keine ganz „saubere Sache“. Du solltest Dir also darüber im Klaren sein, dass Du auch zuhause entsprechende Vorkehrungen treffen solltest, um alles bestmöglich vorzubereiten.

Zudem – und das ist sicherlich für viele der Haupt-Kontrapunkt – was ist, wenn etwas passiert? Was ist, wenn das Baby direkt nach der Geburt ärztliche Hilfe benötigt? Oder wenn während der Geburt Komplikationen auftreten? Schafft man es im „worst case“ noch rechtzeitig ins nächste Krankenhaus?

Wer trägt die rechtliche Verantwortung? 

Bei der Entbindung zuhause liegt die rechtliche Verantwortung bei der Hebamme – die jedoch eine deutlich höhere Haftpflichtprämie zahlen muss, wenn sie Hausgeburten anbietet. Was auch ein Grund ist, weshalb Hausgeburten immer mehr zurückgehen. Viele Hebammen können sich diese Art der Betreuung schlichtweg nicht mehr leisten.

Daher gibt es hin und wieder auch Schwangere, die den Weg der „Alleingeburt“ als Alternative wählen. Das heißt, dass sie tatsächlich ganz alleine im Kreise der Familie entbinden. Manchmal mit Unterstützung von Frauen ohne Hebammenzulassung, welche sich entweder durch von Rechtsanwälten entworfene Verträge absichern oder „nie da waren“.

Was sind Ausschlusskriterien für eine Hausgeburt?

Wann immer es medizinische Einwände gibt wird es sehr schwierig sein, eine Hausgeburt „durchzusetzen“. Denn entweder übernimmt die Krankenkasse gegebenenfalls die Kosten für die Hausgeburt nicht mehr oder man findet auch keine Hebamme mehr, die bereit ist, dieses Risiko mitzutragen. Zu solchen medizinischen Einwänden können z. B. eine Risikoschwangerschaft, ein höheres Alter der Schwangeren, ein unregelmäßiger Schwangerschaftsverlauf etc. zählen.

Sollte es medizinische Einwände geben, solltest Du den Wunsch nach einer Hausgeburt ohnehin noch einmal sehr gründlich überdenken.

Kannst Du Dir eine Hausgeburt vorstellen?

Das ist wirklich ein Punkt, den jede Familie gut für sich abwägen muss. Denn nur, wenn man sich mit dem Gedanken auch wirklich zu 100 % identifizieren kann, sollte man eine Hausgeburt wagen. Hast Du Zweifel, dann tu es lieber nicht. Vermutlich würdest Du dann die Vorteile einer Hausgeburt gar nicht richtig genießen können, weil Du kopfmäßig so blockiert bist.

Hole Deine Hebamme und auch Deine Frauenärztin ins Boot. Räumt gemeinsam Zweifel aus und besprecht, welche Art der Entbindung die richtige für Dich ist.

Denn Fakt ist: Wo Du Dich als werdende Mama am besten aufgehoben fühlst – im Krankenhaus oder zuhause – das kannst nur Du allein entscheiden.