Hebammen-Sprechstunde: Das hilft bei Dreimonatskoliken

Nora

Nicht jedes Schreien ist auf Dreimonatskoliken zurückzuführen, aber viele Babys leiden vor allem in den ersten Lebensmonaten darunter. Unsere Hebamme Janika Pachale erklärt, was Dreimonatskoliken sind und was Mamis in diesen Situationen machen können.

Dein Baby schreit und Du bist ratlos, was ihm fehlen könnte? Gerade in den ersten Monaten nach der Geburt spricht man häufig von Dreimonatskoliken. Aber was ist das genau? Unsere Hebamme Janika Pachale beantwortet wichtige Fragen zum Thema.

miBaby: Was genau sind Dreimonatskoliken?

DSC_5627Janika Pachale: Dreimonatskolik ist die Bezeichnung für heftiges, unstillbares Schreien und starke Unruhe von Babys in den ersten Lebensmonaten, die meist auf Bauchschmerzen zurückzuführen sind. Diese Schrei- und Schmerzattacken gehen mit ruckartigen, krümmenden Bewegungen und wechselnden Ruhephasen einher. Meist treten diese Phasen am Nachmittag und in den Abendstunden auf. 

Vieles spricht jedoch dafür, dass das noch ungenügend ausgereifte Verdauungssystem in den ersten Lebensmonaten zu Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen führt.

So kann sich eine Dreimonatskolik äußern:

  • starke, wehenartige Schmerzen und ein roter Kopf
  • teilweise eine blasse Gesichtshaut
  • Schweißperlen zwischen den Augen und auf der Stirn
  • ein aufgeblähter Bauch – auch Trommelbauch genannt
  • der Körper bleibt ruhig, die Füße werden jedoch abwechselnd angezogen und wieder ausgestreckt

Häufig werden allerdings auch Kinder mit einem nicht erkannten KISS-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung) fälschlicherweise den Dreimonatskoliken zugeordnet.

Warum leiden Babys unter Dreimonatskoliken?

Der unreife Magen- und Darmtrakt spielt dabei eine große Rolle und ist meist die Hauptursache für die Koliken. Meist treten diese Verdauungsprobleme in den ersten 12 Lebenswochen auf. Man hat außerdem herausgefunden, dass Raucherkinder weitaus häufiger mit Bauchweh zu kämpfen haben. Bei Dreimonatskoliken handelt es sich typischerweise weder um eine ernsthafte Erkrankung noch eine Ernährungsstörung, man spricht eher von einer Verhaltensreaktion des Neugeborenen.

Was kann ich als Mutter tun?

Man kann sein Kind in der Fliegerhaltung umhertragen – also bäuchlings auf dem Unterarm liegend. Beim Tragen sollte man darauf achten, dass die Bauchmuskulatur des Kindes entspannt ist.

Ansonsten können folgende Dinge helfen:

  • wenn Du Dein Kleines stillst: Stillzeiten einhalten – also alle drei Stunden, da Muttermilch drei Stunden braucht, um verdaut zu werden
  • auf die Ernährung der Mutter achten: Blähendes und Dinge meiden, die der Mama schon in der Schwangerschaft nicht bekommen sind. Denke auch daran,  was beim Papa Verdauungsprobleme verursacht und lasse diese Lebensmittel weg, denn aufgrund der Erbanlagen reagiert vielleicht auch das Baby empfindlich auf diese Lebensmittel
  • eventuell auf Kuhmilch verzichten
  • scharfe und fremde Gewürze aus dem Speiseplan streichen
  • Hefegebäck weglassen
  • Vitamin C-reiche Südfrüchte meiden
  • bei Flaschenkindern: Oft liegt es am falschen Saugerloch, dadurch kann das Kind zuviel Luft schlucken
  • körperwarme Nahrung ist empfehlenswert
  • das Fläschchen sollte vor dem Füttern kurz stehen, damit sich die Luftbläschen und der Schaum vom Anschütteln setzen kann
  • Bauchmassage im Uhrzeigersinn – dazu kannst Du beispielsweise Fenchel-Kümmel-Öl verwenden
  • feucht-warme Ölkompressen (ein in Öl getränktes Taschentuch auf den Babybauch legen, darauf kommt ein warmer Waschlappen und oben drauf eine Baumwollwindel)
  • vor der Mahlzeit eine Löffel Fenchel-Kümmel-Tee anbieten
  • stillende Mütter können täglich 1 bis 2 Tassen Fenchel-Kümmel-Tee trinken
  • den Kindern kann ein gut strukturierter Tagesablauf helfen – das gibt Sicherheit, Halt und sorgt auch für Grenzen
  • Babys brauchen es warm, nur so fühlen sie sich wohl: Wickel es in eine Decke oder ein Tuch, aber auch kuscheln hilft
  • Kinder möchten manchmal auch einfach nur dabei sein – das Problem löst Du mit einem Tragetuch oder einer Babytrage
  • körperliche Ursachen ausschließen – möglich ist z.B. das KISS- Syndrom

Wann ist ein Arztbesuch ratsam?

Verunsicherte Eltern können natürlich jederzeit einen Arzt aufsuchen, aber dieser kann im Fall einer Dreimonatskolik auch nur beraten und an der Situation selbst nichts ändern. Dreimonatskoliken haben oft nicht nur eine Ursache, sondern resultieren aus mehreren kleinen Komponenten, die zum Schreien und zu Unruhe führen. Interessant ist, dass in vielen Fällen viel zu schnell und voreilig die Diagnose Schreibaby gestellt wird, es ist aber häufig eben „nur“ eine Dreimonatskolik.