Ikea-Kommoden gefährlich? – Rückruf in Nordamerika wegen 6 toter Kinder

Felix Buck

Der Möbelriese Ikea ruft in den USA und Kanada rund 36 Millionen Kommoden und Kleiderschränke zurück. Grund dafür sind die Todesfälle von 6 Kindern durch umstürzende Möbelstücke – innerhalb der letzten 28 Jahre. Wie groß ist die Gefahr wirklich?

Rund 36 Millionen (!) Kleiderschränke und Kommoden, darunter die auch in Deutschland sehr beliebten Kommoden der MALM-Reihe, wurden in den USA und Kanada Ende Juni vom Möbelriesen Ikea zurückgerufen. Grund dafür sind sechs Todesfälle von Kindern, die durch umstürzende Möbel verletzt wurden. Weitere 36 Fälle, bei denen Kinder sich weniger folgenreiche Verletzungen zuzogen, sind der US-Verbraucherschutzbehörde bekannt.

Warum kein Rückruf in Deutschland?

Da die betroffenen Möbelstücke auch an den Ikea-Standorten in Deutschland erhältlich sind, stellt sich verunsicherten Eltern die Frage, warum nicht auch hierzulande ein Rückruf erfolgt. Dies liegt vor allem an grundlegend abweichenden gesetzlichen Regelungen bezüglich der Haftung von Unternehmen im Schadensfall.
EU-weit gelten Stabilitätsstandards für Kommoden und Schränke, die alle betroffenen Ikea-Möbelstücke erfüllen. Daher sieht der schwedische Konzern hierzulande auch keinen Anlass für einen Rückruf.

Um mögliche Unfälle von Kindern, die an Möbeln hinaufklettern und diese so zum Umkippen bringen, zu vermeiden, empfiehlt Ikea, diese „nach Anleitung an der Wand“ zu befestigen. Zwar handelt es sich hierbei lediglich um eine Empfehlung, jedoch werden beispielsweise die MALM-Kommoden seit Jahren mit den entsprechenden Wandbefestigungen verkauft. Die Verantwortung für eine sichere Montage liegt damit beim Kunden, also bei den Eltern.

Wie groß die Gefahr wirklich ist

Betrachtet man die Statistik der sechs Todesfälle in Nordamerika mit Blick auf den Zeitraum, in dem sich diese ereigneten, erscheint der millionenfache Rückruf mehr als unverhältnismäßig. Der erste dieser tragischen Unfälle passierte bereits im Jahr 1989. Von einer Häufung aufgrund möglicherweise fehlerhafter Produkte kann daher keine Rede sein. Ein Restrisiko lässt sich aber kaum vermeiden.
Zum Vergleich: Laut einem Bericht der Washington Post schossen allein im Jahr 2015 mindestens 265 Kinder und Jugendliche versehentlich auf sich selbst oder andere. Einen Rückruf von Schusswaffen hatten diese Fälle selbstredend nicht zur Folge.