Immunsystem bei Kindern stärken – Schmutz ist wichtig

Katharina Grammel

Muss ich zuhause alles keimfrei machen? Mich vorab mit Desinfektionsmitteln eindecken? Oder schadet ein bisschen Schmutz meinem Baby gar nicht? Zu diesen Fragen findest Du bei uns eine Antwort.

Du erwartest Dein Baby und der Putzfimmel setzt bereits vor der Geburt ein. Schließlich soll ja alles sauber sein, wenn das Baby nach Hause kommt. Deine Mutter liegt Dir wahrscheinlich in den Ohren, dass Du Dich nicht so anstellen sollst, denn das bisschen Schmutz schadet schon nicht. „Du musst doch das Immunsystem von Deinem Kind stärken!“ Aber hat sie wirklich recht, dass hier ein Zusammenhang besteht?

Keimfrei oder doch nicht?

Sauberkeit ist gut und wichtig, denn Du möchtest Dein Kind vor Krankheitserregern schützen. Das ist verständlich, doch keimfrei sollte Dein Haushalt nicht sein. Desinfektionsmittel zerstören alle Keime und Bakterien, gute und schlechte. Kommt Dein Baby niemals in Kontakt mit Bakterien, hat das Immunsystem keine Chance sich aufzubauen. Es muss trainiert werden und das passiert anhand von alltäglichen Keimen, denen Dein Baby ausgesetzt wird.

Aber warum sollte man das Immunsystem bei Kindern stärken? Wie auch die sichtbare körperliche Entwicklung schreitet der Aufbau einer verlässlichen Immunabwehr mit zunehmendem Alter voran. Wird diese nicht gefordert – quasi „trainiert“–, ist sie bereits mit den kleinsten Dingen überfordert. Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis, aber auch Lebensmittelallergien können sich entwickeln. Dies muss nicht schon im Säuglingsalter auftreten, die Weichen für eine Allergie werden allerdings schon in den ersten Lebensmonaten gestellt.

Wie viel Sauberkeit muss sein?

Sauberkeit kennt Dein Baby nicht von Anfang an. Schon im Geburtskanal wird es mit Bakterien und Keimen konfrontiert. Deshalb sagt man auch, dass Kaiserschnitt-Kinder ein erhöhtes Allergierisiko haben, da ihnen dieser erste Kontakt fehlt.

Die allgemeine Hygiene in Deinem Haushalt reicht für Dein Baby vollkommen aus. Staubwischen, saugen, wischen und das Bad putzen kannst Du im gleichen Rhythmus wie vor der Geburt. Sichtbaren Schmutz entfernst Du in der Regel zeitnah.

Besondere Hygiene solltest Du allerdings in der Küche einhalten, denn dort können sich schnell Salmonellen oder Listerien einfinden, die gesundheitsschädigend sind, besonders für kleine Kinder. Daher solltest Du keine Spülschwämme nutzen, sondern lieber eine Bürste, die Putzlappen täglich austauschen, den Müll täglich leeren und die Arbeitsflächen mit heißem Wasser und einem biologischen Allzweckreiniger wischen. Bitte reinige auch regelmäßig Deinen Kühlschrank.

Zur allgemeinen Hygiene zählt auch das Händewaschen. Nach dem Toilettengang, dem Einkauf, dem Besuch auf dem Spielplatz und vor dem Essen solltest Du Dir mit Seife die Hände waschen. Somit entfernst Du den Großteil von gefährlichen Krankheitserregern.

Muss ich Fläschchen sterilisieren?

Bis zum Krabbelalter solltest Du die Fläschchen in einem Vaporisator sterilisieren oder im Kochtopf auskochen. In Milchresten vermehren sich gerne Keime, die in den ersten Monaten sehr belastend für das Immunsystem Deines Schatzes sein können. Beginnt Dein Baby nun zu krabbeln, landet automatisch mehr Schmutz in seinem Mund. Jetzt arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren und ist ab dann auch in der Lage dazu, mit aggressiveren Keimen fertig zu werden.

Trotzdem gilt auch weiterhin, bei der Zubereitung von Fläschchen Hygiene walten zu lassen. Direkt nach der Mahlzeit solltest Du die Flasche und den Sauger mit Spülmittel und heißem Wasser ausspülen. Eine Flaschenbürste hilft Dir, in jede Ecke zu kommen.

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Hier ist Vorsicht geboten

Eine Selbstverständlichkeit sollte es sein, dass Du Dein Kind vor giftigen Pflanzen in Deiner Wohnung schützt. Überlege Dir, ob Du diese in einen Raum stellst, der für Dein Kind nicht zugänglich ist. Hat Dein Baby nun doch etwas von der Pflanze gegessen, ruf sofort den Rettungsdienst und anschließend die Giftnotrufzentrale (Tel. 02 28 – 19 24 0).

Wenn Dein Kind mal etwas Sand oder Erde isst, brauchst Du nicht sofort hysterisch werden. Schau Dich auf öffentlichen Spielplätzen aber trotzdem nach Hunde- oder Katzenkot um. Die Tierausscheidungen enthalten gesundheitsgefährdende Bakterien, die Dein Kind nicht zu sich nehmen sollte.

Bei Reinigungsmitteln solltest Du auf biologisch abbaubare Produkte zurückgreifen. Chemische Reiniger können gerne mal giftige Dämpfe abgeben, die Dein Baby besser nicht einatmet.

Fazit

Putze weiter wie bisher, lass Dein Kind im Matsch spielen und gerne auch mal Blätter und Sand essen. All das kann das Immunsystem bei Kindern stärken und schützt sie vor Allergien. Die passenden Spielideen für draußen findest Du übrigens in unserem Ratgeber Spaß in der warmen Jahreszeit – Spielzeug für draußen.

Studien haben belegt, dass Kinder vom Bauernhof weniger Allergien haben als Kinder aus der Stadt. Bauernhäuser sind niemals hygienisch rein und die Bakterienbelastung aus dem Stall trainiert das Immunsystem von Beginn an.

Mach Dich nicht verrückt! Beim nächsten Mal bekommst Du garantiert keine Panikattacke mehr, wenn Dein Kind den Autoschlüssel in den Mund nimmt.