Kinderwagen im Hausflur – Was ist erlaubt?

Nina Sohns

Du wohnst in einem Mehrfamilienhaus und fragst Dich, ob Du Deinen Kinderwagen im Hausflur oder Treppenhaus abstellen darfst? Wir geben Aufschluss darüber, was die Gesetzgebung dazu sagt und wann meckernde Nachbarn tatsächlich im Recht sind.

Ein weit verbreitetes (Streit-)Thema in vielen Mehrfamilienhäusern: Kinderwagen im Hausflur oder Treppenhaus. Nicht selten haben junge Eltern deswegen Ärger mit Nachbarn und Vermietern.

Kinderwagen im Hausflur − Was sagt das Gesetz?

Eine ausdrückliche gesetzliche Regelung zum Thema Kinderwagen im Hausflur gibt es nicht. Die überwiegende Rechtsprechung deutscher Amtsgerichte besagt aber, dass das Abstellen des Kinderwagens im Hausflur nicht grundsätzlich untersagt werden darf. Hausordnungen, die dies pauschal verbieten, sind meist unwirksam.

Unter folgenden Bedingungen kann man Dir das Abstellen des Kinderwagens im Hausflur nicht ohne Weiteres verbieten:

  • Es ist Dir nicht möglich, den Kinderwagen unter “zumutbaren Umständen” an einem anderen Ort, z. B. in der Wohnung oder einem Kellerraum, abzustellen. „Unzumutbare Umstände“ wären hier z. B., den Wagen mehrmals täglich in eine Wohnung in der ersten Etage tragen zu müssen.
  • Dein Kinderwagen behindert nicht die Nutzung des Hausflurs durch andere Bewohner. Eingänge/Ausgänge zu Keller und Waschküche sowie der Zugang zu den Briefkästen dürfen nicht versperrt werden.
  • Die Bestimmungen für Fluchtwege müssen eingehalten werden. Es muss ausreichend Platz bleiben, um problemlos an Deinem Wagen vorbeilaufen zu können. Versperrt der Kinderwagen den Fluchtweg, kann Dir das Abstellen an dieser Stelle untersagt werden.

 

Was tun, wenn es Ärger gibt?

Hast Du alle genannten Bedingungen beherzigt, musst Du Dich von pauschalen Verboten in der Hausordnung nicht entmutigen lassen. Immerhin braucht jede Mami einen Kinderwagen und in den seltensten Fällen hat man innerhalb einer Mietwohnung den Platz dafür.

Hier gilt: Kommunikation ist das A und O! Gehe auf Nachbarn und Vermieter zu und erkläre Deine Situation. Normalerweise sollte jeder verstehen, dass Du den Wagen nicht jedesmal in den Keller tragen kannst. Viele der Nachbarn hatten bestimmt auch mal kleine Kinder und lassen sich daran erinnern, wie schwer und sperrig so ein Kinderwagen ist, und wie viel Zeug man zusammen mit dem Baby mitschleppt. So lässt sich Streit in den meisten Fällen vermeiden. Hör Dir auch die Argumente der Nachbarn an, warum der Wagen an dieser Stelle störend ist. Vielleicht findet man gemeinsam einen Kompromiss.

Sollten diese Bemühungen trotzdem nicht fruchten, bleibt meist nur ein Umzug oder der Gang zum Anwalt. Gehst Du aber auf die anderen Bewohner zu, statt auf Konfrontationskurs zu gehen, wird es so weit sicher nicht kommen. Hier gilt mal wieder das Sprichwort: Mit Honig fängt man mehr Fliegen als mit Essig!