Leitungswasser und Mineralwasser im Test der Stiftung Warentest – was ist besser?

Felix Buck

Mineralwasser aus der Flasche oder Leitungswasser – was ist gesünder? Was eignet sich besser zur Zubereitung von Babynahrung? Das sind die Ergebnisse der Stiftung Warentest von Ende Juli 2016.

In einem bundesweiten Test der Stiftung Warentest wurden in April und Mai 2016 Wasserproben an 28 Orten in Deutschland genommen. Zudem überprüften die Tester 77 in Flaschen abgefüllte Mineralwässer auf mögliche Schadstoffe und Mineralstoffgehalt.

Wichtigstes Fazit der Tester: der zunehmende Kauf von in Flaschen abgefülltem Wasser ist im Grunde vor allem eins: teuer und überflüssig. Die Qualität des getesteten Leitungswassers steht dem deutlich teureren Flaschenwasser nach den Ergebnissen der Stiftung Warentest in nichts nach. Die Tester weisen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass Leitungswasser das am strengsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland ist und noch strenger kontrolliert wird als Mineralwasser in Flaschen.

 

Woher Mineral- und Leitungswasser kommen

Welches Wasser als Mineralwasser in Flaschen abgefüllt werden darf, unterliegt einigen klar umrissenen Regelungen. So darf dieses nur von Brunnenbetrieben aus unterirdischen Quellen gefördert werden, wobei die Quelle durch die geologischen Gegebenheiten vor Verunreinigungen geschützt sein muss. Diese „ursprüngliche Reinheit“ wird auch oft zu Werbezwecken genutzt, ist aber grundsätzlich eine allgemein gültige Voraussetzung für jedes Mineralwasser, das nachträglich auch kaum aufbereitet werden darf.

Leitungswasser hingegen wird meist in Wasserwerken aufbereitet und mehrmals täglich überprüft. Es kann sowohl aus natürlichen Quellen als auch aus größeren Gewässern wie Flüssen, Seen, Talsperren oder dem Grundwasser gefördert werden. Da es hier z. B. auch in Kontakt mit Rückständen von Stoffen aus der Landwirtschaft kommen kann, sorgen die Wasserwerke für eine entsprechende Aufbereitung, bevor es seinen Weg in das Trinkwasser-Netz findet.

Was die Tester im Wasser fanden

Die wichtigste Erkenntnis vorweg: Alle Wässer im Test wurden von der Stiftung Warentest als unbedenklich eingestuft. Die gesetzlichen Grenzwerte bei verschiedenen überprüften Schadstoffen wurden von keinem Leitungs- oder Mineralwasser überschritten. Auch das aktuell kontrovers diskutierte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wurde in keiner Wasserprobe nachgewiesen.

Regional sehr unterschiedlich gestaltet sich dagegen beispielsweise die Belastung des Wassers mit Nitrat-Rückständen, die durch exzessive Düngung in der Landwirtschaft in das Grundwasser gelangen. Auch hier wurde die gesetzliche Vorgabe von maximal 50 mg pro Liter allerdings von keinem der Wässer erreicht. Während im schleswig-holsteinischen Aumühle allerdings lediglich 0,6 mg/l gefunden wurden, waren es in Bruchhausen-Vilsen in Niedersachsen ganze 29,5 mg/l.
Gerade für die Eltern von Neugeborenen ist dieser Nitrat-Wert von größerem Interesse. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung wird nämlich ein Grenzwert von 10 mg/l empfohlen. Wie etwa in Münchner Leitungswasser (7 mg/l) wird dieser Wert jedoch vielerorts nicht überschritten.


Übrigens: „Mineralwasser“ in Flaschen enthält nicht unbedingt mehr Mineralien als Leitungswasser. Bis 1980 war zwar ein Mindestwert von 1000 mg gelöster Mineralstoffe pro Liter für eine entsprechende Benennung verpflichtend; diese Vorgabe wurde allerdings von der EU gekippt. Die Stiftung Warentest weist daher im Zuge des aktuellen Tests darauf hin, dass etwa das Wasser Black Forest mit 57 mg/l deutlich weniger Mineralstoffe enthält als ein Großteil des getesteten Leitungswassers!


Womit Du Säuglings­nahrung zubereiten solltest

Wie oben beschrieben, kannst Du Babynahrung bedenkenlos mit Leitungwasser zubereiten, da dieses gesundheitlich bedenkliche Grenzwerte nicht überschreitet. Um auch Nitrat-Werte über 10 mg/l sicher ausschließen zu können, kannst Du auch auf speziell deklariertes Mineralwasser zurückgreifen. Dieses trägt den Hinweis, dass es „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“ ist. Du kannst Dich aber auch einfach bei Deinem örtlichen Wasserversorger über den Nitratgehalt Deines Leitungswassers informieren.

Die genauen Ergebnisse des großen Wasser-Tests für die einzelnen Städte und Mineralwasser-Sorten findest Du auf der Seite der Stiftung Warentest – hier.