Mein Kind ist mir peinlich…

Marlen Greb

Ich weiß, der Titel dieses Artikels klingt ein bisschen „hart“. Aber komm schon, gib es zu! Manchmal sind die lieben Kleinen echt unfassbar peinlich. So oft bringen sie uns in unangenehme Situationen. Wie oft habe ich mir schon insgeheim gewünscht der Boden möge sich auftun…

 

Ich liebe mein Kind

Keinen Menschen auf dieser Welt liebe ich mehr als dieses kleine, kluge, witzige Ding, was mir meinen Schlaf und manchmal auch meine Nerven raubt. Niemand macht mich glücklicher. Niemand.

Aber manchmal kann einem das eigene Kind auch echt peinlich sein. Ständig sagen sie unangebrachte Sachen und das auch noch ganz laut und ungeniert und mit einem unschuldigen, verschmitzten Grinsen im Gesicht.

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Ich schaufle mir ein Loch…

Erst gestern wieder: Man entfernt sich unauffällig Richtung Toilette, flüstert dem Minimensch noch leise zu, dass man gleich wiederkommt und wird von einem gebrüllten: „Mamaaaaa! Musst Du mal Kacka??“ gestoppt. Ähm… ja, danke auch, nun weiß es jeder…

Einen ähnlich netten Fall von „too much information“ durfte ich auch schon live und in Farbe mit dem Kind meiner Freundin erleben: Nichts ahnend laufen wir durchs Einkaufszentrum. Kind fummelt scheinbar gedankenverloren am BH-Träger der Mutter herum und schreit plötzlich völlig unvermittelt los: „Guckt mal! Meine Mama hat einen BH an!! Uuuund der ist LILA!!!“

Warum nur? Manchmal hat man wirklich den Wunsch der Boden möge sich auftun und einen ganz schnell fressen… Am besten mit einem Happs…

Politisch inkorrekt

Und nicht nur dass sie einen selbst bloßstellen. Die Süßen sind auch so schrecklich „politisch inkorrekt“ und stellen einem des Öfteren Fragen, mit denen man schlicht nicht rechnet:

„Warum ist der Mann so schwarz?“ oder „Guck mal! Die Frau fährt aber ein lustiges Auto!“ – gemeint war ein Rollstuhl.

Nicht selten gerät man da in Erklärungsnot oder aber fühlt sich unangenehm berührt.

Da hilft tatsächlich nur ruhig bleiben und dem Kind – es fragt schließlich nur frei heraus – die Welt zu erklären. Kleine Kinder meinen es ja tatsächlich nicht böse, sondern möchten nur verstehen. Und eigentlich sollten wir es ihnen hoch anrechnen, dass sie sich trauen, Fragen zu stellen, statt einfach nur zu „glotzen“ – denn DAS ist wirklich daneben. Wichtig ist nur, dass wir uns im Gegenzug auch trauen, ihnen Antworten zu geben.

Und dann gibt es da noch einen weiteren Fall von „ruhig bleiben“:

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Der kleine Wüterich

Wer kennt solche Situationen nicht? Gutgelaunt betrete ich einen Supermarkt. Das Kind freut sich, dass es beim Einladen der Einkäufe helfen darf. Alles ist bestens und entspannt.

Bis, ja biiiis wir die Kasse erreichen. Denn dort wartet die Apokalypse. In Ei-Form. Hübsch eingewickelt in buntes Staniolpapier und passend drapiert auf Kinderhöhe.

Schon höre ich ein schrilles Kreischen: „Mamaaaaa, ich will ein Ei haben!“ Ich drehe meinen Kopf zur Seite und entdecke die Palette mit Überraschungseiern. Im Geiste gehe ich meine Möglichkeiten durch:

Möglichkeit A)

Ich sage nein.

-> Reaktion vom Kind: „Neiiiiiiin, aber ich wiiiiiiiiiill doch ein Ei!!!“ Inklusive dicker Krokodilstränchen.

Die anderen Einkäufer starren mich an, frei nach dem Motto „Na die gönnt dem armen Kind aber auch gar nix!“

Möglichkeit B)

Ich sage zunächst nein, schließlich dann aber doch ja – spätestens nach dem hysterischen Geschrei und den Krokodilstränchen

-> Reaktion vom Kind: Glückliches, zufriedenes Grinsen. Es macht sich nun los, alle gefühlt 1000 Überraschungseier einzeln abzutasten und durchzurascheln, um das „Perfekte“ zu finden.

Die anderen Einkäufer starren mich an, frei nach dem Motto „Na die hat ihr Kind ja überhaupt nicht im Griff, so schnell wie die nachgibt.“

Wie man’s macht, so macht man’s falsch. Und den Anderen macht man’s ohnehin niemals recht.

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Das Leben ist kein Ponyhof

Was solls.

Ich habe beschlossen, mich nicht mehr stressen zu lassen. Von besserwisserischen Mitmenschen nicht, und schon gar nicht von meinem lieben, witzigen, manchmal auch „peinlichen“ Kind.

Denn dieses Kind macht mein Leben erst bunt und lebenswert.

Und es macht mich unfassbar glücklich.