„Mein Kind ist perfekt, so wie es ist!“ – Gedanken zur Pränatalen Diagnostik

Marlen Greb

Der medizinische Fortschritt heutzutage ist schon irre: Anhand Pränataler Diagnostik bieten sich viele Möglichkeiten, „Auffälligkeiten“ beim Baby noch im Mutterleib zu erkennen. Doch willst Du wirklich alles vorher wissen?

Ich liebe mein Kind. So wie es ist. Ich habe es schon geliebt, als es noch in meinem Bauch war – dieses kleine, perfekte Krümelchen, was mich immer so dezent und liebevoll in die Rippen getreten hat.

Und trotzdem spukt wohl jeder Schwangeren – sei es nun bewusst oder unbewusst – der Gedanke im Kopf herum: Hoffentlich ist alles in Ordnung mit dem Kleinen. Hoffentlich ist es gesund. Hoffentlich geht alles gut.

Doch was, wenn nicht? Was dann? Was hätte ich getan? Ich habe keinen blassen Schimmer. Wirklich nicht. Vermutlich wäre ich zunächst in erster Linie völlig verzweifelt gewesen. Und dann?

Fragen vor der Untersuchung

Die Pränatale Diagnostik macht ja heutzutage so einiges möglich: Man kann Krankheiten und Gendefekte schon sehr früh erkennen. Doch was passiert dann? Was macht das Wissen, dass ihr Kind „anders“ sei, mit den werdenden Eltern? Und was wird aus dem Ungeborenen? Schwangerschaftsabbruch?

Wie viele Kinder wurden wohl durch dieses Wissen in Deutschland bis heute abgetrieben, obwohl sie vielleicht ein wunderschönes und gar nicht allzu eingeschränktes Leben hätten führen können? Die Spannbreite der Beeinträchtigungen bei „Behinderungen“ ist ja wirklich riesig.

Willst Du wirklich alles wissen?

Diese Frage sollten sich alle werdenden Eltern unbedingt schon zu Beginn der Schwangerschaft stellen – und sich bestenfalls darüber einig sein.

Es gibt so viele „Testmöglichkeiten“ – von der einfachen, komplikationslosen Nackenfaltenmessung via Ultraschall bis hin zu invasiven Eingriffen. Die Möglichkeiten sind groß, die Risiken bei den invasiven Eingriffen nicht zu verachten! In unserem ausführlichem Ratgeber (hier tippen) stellen wir Dir die verschiedenen Untersuchungsmöglichkeiten und mögliche Komplikationen noch einmal genauer vor.

Und: Vor allem solltet Ihr als Paar Euch vorher überlegen: Wenn Ihr Euch für umfangreiche Untersuchungen entscheidet – was fangt Ihr mit einem „kritischen Ergebnis“ an? Was macht Ihr, wenn bei den Tests herauskommt, dass Euer Baby vielleicht behindert sein wird? Denn mehr als ein Vielleicht werdet Ihr nicht bekommen. Ihr bekommt eine Prozentzahl, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für „gesund oder nicht gesund“ ist.
Und dann? Was macht Ihr dann? Die Schwangerschaft abbrechen oder das „Risiko“ tragen und eventuell ein doch gesundes, möglicherweise jedoch ein Kind mit Handicap zu bekommen? Besprecht, bevor Ihr pränatale Untersuchungen einleitet, gemeinsam als Paar, ob Ihr das Ergebnis auch „aushalten“ könnt.

Und ob Ihr es wirklich wissen wollt. Und nicht lieber alles – so entspannt wie möglich – auf Euch zukommen lassen und die Schwangerschaft genießen wollt.

Ich liebe mein Kind …

Meine Tochter wird bald vier und sie ist einfach der witzigste, perfekteste, liebste Mensch auf dieser Welt in meinen Augen. Natürlich ist sie das. Denn sie ist mein Kind – jede Mama sieht das so.

Meine Tochter ist gesund. Es ist nun leicht zu sagen: „Nichts wäre anders, wäre sie behindert zur Welt gekommen“. Es wäre mit Sicherheit alles anders.

Was ich aber sagen kann, ist: Ich hätte nicht alles wissen wollen.

Ich habe die Nackenfaltenmessung via Ultraschall durchführen lassen. Weil es alle in meinem Bekannten- und Freundeskreis gemacht haben. Und weil ich verunsichert war. Es wäre gelogen, würde ich behaupten, ich wäre nicht erleichtert gewesen, als das Ergebnis unauffällig war. Doch mir war auch bewusst, dass das Ergebnis nicht zu 100 % verlässlich ist.

Invasive Eingriffe haben mein Mann und ich kategorisch abgelehnt. Das Risiko, dass dabei etwas passieren könnte, war uns einfach zu groß. Das hätten wir uns nie verziehen. Zudem waren wir beide der Meinung, dass man einfach nicht alles wissen muss.

Denn wir lieben unser Kind – so wie es ist. Immer.