Mein Kind war ein Fehler – warum sagen das so viele?

Marlen Greb

„Ein Kind zu haben ist doch das Tollste auf der Welt!“ – Das oder etwas sehr Ähnliches denken vermutlich alle werdenden Eltern, die sich schon lange ein Baby gewünscht haben. 

Nun fand eine aktuelle Online-Studie des Meinungsforschungsinstitutes „YouGov“ heraus, dass ein sattes Fünftel aller Eltern die Elternschaft bereut. Tatsächlich? Wieso das?

Die Ergebnisse der Studie

In der repräsentativen Studie wurden über 1200 Eltern befragt – insgesamt über 2000 Menschen. Auf die Frage „Wenn ich mich heute noch einmal entscheiden könnte, würde ich keine Kinder mehr bekommen“ antworteten 20% der Eltern mit „Ja“. 7% enthielten sich der Stimme. Demnach verneinten nur 73% aller Befragten.

20% – das klingt dramatisch. Warum, fragt man sich. Warum? Schließlich gaben in der Umfrage die meisten Befragten an, das Kind sei ein Wunschkind gewesen…

Wie kommen solche Ergebnisse zu Stande?

Ein Grund für die „Reue“ sei, dass eine „persönliche Entfaltung“ nicht mehr im gleichen Maße möglich sei. Viele der Befragten – vor allem der befragten Frauen – gaben an, das „Kinder bekommen“ auch meist gleichbedeutend mit „Karriere-Aus“ ist. Denn viele Mamas steigen zunächst nur Teilzeit wieder in den Beruf ein. Oder bleiben einige Jahre erstmal ganz zu Hause. Und tatsächlich ist es in manchen Regionen Deutschlands wirklich sehr schwer, wieder in den Arbeitsalltag einzusteigen. Sei es weil die Kinderbetreuung nicht ausreichend gewährleistet ist oder aber sich Arbeitgeber nicht immer uneingeschränkt über „Jungmuttis“ freuen.

Dennoch: 97% aller Befragten sagten, sie lieben Ihr Kind absolut und uneingeschränkt. Und 77% geben an, dass ihnen die Elternschaft Genugtuung bereitet. Das macht denke ich vor allem deutlich: Die Allermeisten bereuen nicht ihr Kind an sich, sondern sind viel mehr mit den eben genannten gesellschaftlichen Umständen als „Neueltern“ unzufrieden.

Das hätte man doch wissen müssen?

Ich muss gestehen: Ich kann die Befragten gut verstehen …

Ich halte „Reue“ zwar für ein zu hartes Wort – denn ich „bereue“ mein Kind auf keinen Fall – aber ich kann gut verstehen, was damit gemeint ist, wenn Eltern sowas sagen. Die „Elternschaft“ ist einfach wirklich anstrengend und bringt viele Hürden mit sich.

Oben habe ich geschrieben, dass laut Befragung ein Grund für die „Reue“ sei, dass eine „persönliche Entfaltung“ nicht mehr im gleichen Rahmen möglich sei. „Das hätte man früher wissen müssen“, könnte man nun sagen. Aber so ist es nicht, ich sehe das jedenfalls nicht so. Natürlich hat man bereits „unschwanger“ eine Vorstellung davon, wie es so ist mit Kind. Aber wie es tatsächlich sein WIRD – das weiß man immer erst dann, wenn man selbst in der Situation ist.

Keine Minute mehr allein 

Das ganze Leben ändert sich. Man kann nicht mehr weggehen wann und wie man will. Das ist logisch, das weiß man vorher. Aber: man kann die erste Zeit ja nicht mal alleine und ungestört auf der Toilette sitzen. Oder eine warme Mahlzeit essen. Oder – je nach Kind – ohne stets und ständig ein Baby an der Brust/auf dem Bauch zu haben leben. Das ist wirklich schwierig. Und darauf ist man dann vielleicht tatsächlich nicht ganz so vorbereitet.

Hinzu kommt, dass die Kinderbetreuung in Deutschland leider tatsächlich noch nicht ausreichend ausgebaut ist. Was den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben deutlich erschwert.

Ich würde niemals von „Reue“ sprechen. Aber es gibt sicher Tage, da wäre man gerne nochmal „ungebunden“ und einzig und allein verantwortlich für sich selbst – nur für sich selbst …