Mit Kinder basteln? Der Horror!

Eva Becker

Ich liebe mein Kind und ich liebe es zu basteln. Aber wenn wir zusammen basteln sind Ärger, Tränen und Geschrei vorprogrammiert. Bis hin zu gemeingefährlichen Zahnstocher-Attacken.

Wenn die Tage kürzer und kälter werden, beginnt wieder die Bastel-Zeit. Wunderbar! Ich stöbere gerne auf Pinterest nach den schönsten Inspirationen, dekoriere die Wohnung mit Hölzern, Kerzen und anderem Krimskrams. Zusammen mit meinem Sohn sammle ich besonders schöne Herbstblätter und natürlich suchen wir auch nach Kastanien. Und damit fängt der Ärger an….

Ich sage nur: Kastanien-Männchen! Oder Kastanien-Tiere! Findet die wirklich jemand schön? Ich nicht. Und ich bastle die auch nie wieder in meinem Leben.

Wenn mein Sohn in 20 Jahren selber Kinder hat, wird er beim Anblick von selbstgebastelten Kastanien-Männchen wahrscheinlich Schwindelattacken oder unkontrollierbare Zuckungen bekommen. Und es wird einige Zeit dauern, bis ein Fachmann ihm ein frühkindliches Kastanien-Männchen-Trauma bescheinigen wird. Mama, was hast Du mit mir gemacht, wird er mich dann vielleicht fragen. Und ich werde ihm meine Narben zeigen und ihm erzählen, wie er mich einst bei einem Wutanfall mit einem Zahnstocher-Männchen tätlich angegriffen hat.

Kastanien-Männchen mit Fallsucht

Mal abgesehen davon, dass man sich lebensgefährlich verletzen kann, wenn man versucht, Zahnstocher in die Kastanien-Schale zu bohren: Welches Kleinkind ist eigentlich in der Lage, die Löcher so zu bohren, dass das Männchen dann auch tatsächlich auf seinen vier bis unendlich vielen Beinchen stehen kann? Bei Fabian fielen immer alle um oder die Beinchen rutschten wieder aus den Löchern und flogen dann quer über den zum Basteltisch umfunktionierten Esstisch.

Zugegeben: Wahrscheinlich laufen „gemütliche“ Bastelstunden nicht in jedem Kleinkind-Haushalt so ab. Aber bei meinen Sohn stehen sich zwei Charaktereigenschaften mehr als im Weg: Er ist äußerst penibel und gleichzeitig will er unbedingt alles selber machen. Natürlich wäre es einfacher, wenn ich die Löcher in die Kastanie vorbohren dürfte. Aber das geht gar nicht. Sonst kommt der nächste Tobsuchtsanfall.

Schreiattacke mit Schere 

Und dann gibt es da noch ein weiteres Problem: Mutti bastelt einfach auch unglaublich gerne. Deswegen kann ich meine Finger nicht stillhalten, wenn Tonpapier, Schere und Kleber auf dem Tisch liegen. Und ja: Ich kann mit meinen mittlerweile 38 Jahren ein klein wenig geschickter ausschneiden als mein Sohn. Auch ein bisschen besser malen und kleben. Aber das ist zu viel für Fabian. Da ist eine Schreiattacke mit wildem Scheren-Gefuchtel direkt vorprogrammiert. Was also tun?

Fabian bastelt jetzt nur noch im Kindergarten – oder mit seinem Papa. Der hat nämlich zwei linke Hände und gleichzeitig keinerlei kreative Ambitionen. Und ich? Ich hole abends ganz leise die Bastelsachen aus der Schublade und darf dann so schön und akkurat ausschneiden wie ich will. Das Ergebnis allerdings muss verschenkt werden. Denn würde mein Kunstwerk in den eigenen vier Wänden ausgestellt, stünde der nächste nervöse Zusammenbruch meines Sohnes an.

Herbstzeit ist Bastelzeit. Wie schrecklich!