Partnerschaft mit Kind – wie schaffen wir das?

Sandra

Neun Monate hat ein Paar Zeit, sich auf die neue Rolle als Eltern einzustimmen. Vor lauter Freude auf den Nachwuchs wird der Aufwand und die Verschiebung von Prioritäten oft unterschätzt. Wir geben Dir Tipps, wie die Beziehung dennoch nicht unter der neuen Situation leiden muss.

Das Baby als Belastungsprobe für die Beziehung

Nach der Geburt ist die Partnerschaft der Eltern oft nachrangig und alle Aufmerksamkeit und Zeit wird dem Nachwuchs gewidmet. Eltern zu sein ist ein 24-Stunden Job und oft verbunden mit wenig Schlaf, viel Streit und wenig körperlicher Zuneigung. Man ist erschöpft, mit der neuen Rolle überfordert, zweifelt vielleicht an seinem Können als Eltern oder empfindet die Arbeitsteilung als ungerecht. Schon entstehen Sorgen und Konflikte, die bis dahin unbekannt waren. Je mehr man diesen Umstand zulässt, umso mehr kann es zu einem Gefühl der Entfremdung kommen. Die Partner leben sich auseinander und gehen, jeder für sich selbst, mit der neuen, ungewohnten Situation um. Die ersten vier Jahre gelten dabei als die anstrengendsten für die Eltern und oft kommt es zu einer Trennung, weil das Paar nicht mit der Belastung und Entzweihung umgehen kann. Dazu muss es jedoch nicht kommen! Wir stellen Dir Tipps und Tricks vor, wie Dein Partner und Du wieder zueinander finden könnt.

Tipps für eine glückliche Partnerschaft mit Kind 

1. Bewusst Zeit für die Beziehung einplanen

Es klingt leichter, als es tatsächlich ist, ist aber umso wichtiger, um eine gute Beziehung zu führen: plant bewusst Zeit für Zweisamkeit ein. Organisiert einen Babysitter (oft übernehmen das auch gerne die frischgebackenen Großeltern) und pumpe Milch ab, sodass Ihr Eure eigenen vier Wände verlassen könnt.

Macht Euch hübsch, geht essen und redet über Eure Gefühle, Wahrnehmungen, gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse. Stellt Euch Fragen über Dinge, die Ihr noch nicht voneinander wisst. Vermeidet aber das Thema Kinder, Organisation, Geld oder die Verwandtschaft – dafür ist am nächsten Tag auch noch Zeit. Versucht aber vor allem, Vorwürfe zu vermeiden. Die Formulierung spielt hier eine große Rolle, denn aus einem „Ich fühle mich allein gelassen…“ wird schnell ein anklagendes „Du bist nie für mich da“. Kommunikation ist also in dieser neuen Phase des Lebens essentiell, wobei nicht nur wichtig ist, was man sagt, sondern auch, wie man dies tut.

Falls Ihr keinen Babysitter organisieren könnt, unternehmt einen Ausflug mit Eurem Kind. Dabei kommt man auch ins Gespräch und Ihr bekommt etwas Abstand zur Wohnung und zu den Aufgaben darin – und damit auch von möglichem Konfliktpotential.

2. Wertschätzung zeigen

Frischgebackene Väter leiden oft besonders unter ihrer neuen Rolle als Vater, da die Aufmerksamkeit der Partnerin hauptsächlich dem Baby gilt. Da zudem das Körperliche einige Zeit nach der Geburt hinten ansteht, ist es wichtig, dem Partner zu zeigen, wie wichtig er Dir nach wie vor ist und wie sehr Du ihn schätzt. Dies offenbart sich bereits in kleinen Gesten: Bereite ihm sein Lieblingsessen zu oder schaut gemeinsam Fußball anstatt der neuen Folge Deiner Lieblingsserie.

Natürlich ist es aber genauso wichtig, der Partnerin zu zeigen, was sie jeden Tag aufs Neue vollbringt. Schwangerschaft, Geburt und die Wochenbettzeit sind meist die anstrengendste Phasen im Leben einer Frau und gehen nahtlos in die Erziehung und Versorgung eines Kindes über. Daher freust Du Dich als Mama sehr, mit lieben Worten und kleinen Gesten geschätzt zu werden und Deine Leistung anerkannt zu bekommen. Falls diese Wertschätzung ausbleibt und es Dich belastet, äußere bitte Deine Gefühle in einer ruhigen Minute gegenüber Deinem Partner.

Zudem ist es wichtig, dem Partner Wertschätzung entgegenzubringen, indem Versprechungen und Absprachen eingehalten werden. Wenn Ihr beispielsweise ausgemacht habt, dass er an einem Tag der Woche zum Sport gehen kann, und sie im Gegenzug eine Freundin zum Kaffee treffen kann, versucht dies zu ermöglichen. So lassen sich Enttäuschungen und Konflikte vermeiden.

3. Stärken der eigenen Rolle

Auch wenn Du Mama bist und Papa plötzlich Papa, seid Ihr trotzdem noch Frau und Mann mit einem eigenen Bedürfnissen, Interessen und Freunden. Versucht ein bisschen Zeit für Eure Hobbys zu finden und trefft Euch mit Freunden, wenn auch nur auf einen Kaffee. Damit kommt Ihr aus dem Alltagstrott heraus und tut etwas für Eure innere Ausgeglichenheit, indem Ihr Euch eine kleine Auszeit von der neuen Rolle nehmt. Wenn Ihr Euch nur noch über die Mama-Papa-Rolle definiert und definieren lasst, kann nicht nur die Beziehung zueinander, sondern auch zu anderen darunter leiden.

4. Genießt die Zeit zu dritt

Mit Eurem Baby seid Ihr nun zu dritt und es beginnt nicht nur eine anstrengende, sondern auch eine wunderschöne und erfahrungsreiche Phase. Die Zeit nach der Geburt gemeinsam zu verbringen ist etwas ganz Besonderes. Deswegen wäre es schön, wenn Dein Partner sich zumindest ein paar Tage lang Urlaub nehmen könnte. So kann er Dich erstens bei den neuen Aufgaben unterstützen und zweitens könnt Ihr neue Rituale und Beschäftigungen mit Eurem Kind entdecken, die Euch verbinden und als Familie stärken. Wenn Euer Kleines nicht mehr neugeboren ist, könnt Ihr zum Beispiel Eltern-Kind-Schwimmkurse ausprobieren oder ein Klassik-Konzert für Kinder besuchen. Oder geht mit Kinderwagen zusammen joggen, in den Zoo oder in ein Café mit Kinderecke frühstücken. Unternehmungen mit Kind sind zwar mit etwas mehr Aufwand verbunden, aber trotzdem toll, um ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen. Dies geht natürlich genauso, indem Ihr es Euch als kleine Familie zuhause gemütlich macht und die Zeit genießt!

Schon gehört? 

Mittlerweile bieten immer mehr Kinos das sogenannte „Kinderwagenprogramm“ an. Wie der Name schon verrät, müssen frischgebackene Eltern damit nicht mehr auf Kino verzichten oder nervös im Film sitzen, weil das Kleine erstmals beim Babysitter gelassen wurde. Durch die babyfreundliche Lautstärke und Beleuchtung, ausgestattet mit Wickelmöglichkeiten und reichlich Platz für Kinderwägen, ist Kinderwagenkino genau das Richtige für filmbegeisterte Neu-Eltern!

Mütter sind oft wahnsinnig stolz, wenn sie sehen, wie toll ihr Partner mit dem Kind umgeht. Genauso sind Väter erfreut, wenn sie zeigen dürfen, was sie können. Das dient nicht nur als Arbeitserleichterung für Dich, sondern fördert auch das Verständnis Deines Partners für die Arbeit und den Aufwand, die den ganzen Tag auf Dir lasten. Es ist wichtig, dass eine Einheit entsteht und sich keiner außen vor fühlt. Lass Deinen Partner also auch mal seine neue Rolle ausleben, auch wenn er einiges anders macht als Du. Jeder hat seinen eigenen Weg und das ist auch gut so.

Eine anstrengende Zeit

Eine Partnerschaft mit Kind ist nicht einfach und stellt Deinen Partner und Dich vor ganz neue Herausforderungen – nicht nur in Bezug auf Euer Kleines, für das Ihr nun die Verantwortung habt. Jedoch ist ein Kind das Ergebnis der Liebe zueinander und das darf man nie vergessen. Akzeptiert es als eine anstrengende, aber wunderschöne Zeit und bleibt gelassen. Das Baby ist Euer Geschenk des Lebens und sollte Eure Beziehung bereichern und nicht belasten. Deswegen schätzt Euch als Partner, nehmt Euch Zeit füreinander, aber auch jeder für sich selbst, und redet viel miteinander. Damit schafft Ihr die Grundlage für eine zufriedene, ausgeglichene Partnerschaft und eine wunderschöne Zeit zu dritt!