Reisen mit Babys

Habamme Jana Friedrich von hebammenblog.de

Ihr plant die erste Reise mit eurem Kleinkind und fragt euch, was zu beachten ist, und was ihr mitnehmen sollt? Wir haben Jana von hebammenblog.de nach ihrer Meinung als Hebamme und Mutter gefragt. Sie hat uns ihre Tipps für eine entspannte Erstlingsreise verraten.

Gastbeitrag

Wann – nach der Geburt – kann eine Reise geplant werden?

Reisen mit Baby oder auch Reisen in der Elternzeit ist ein ganz toller Weg, um als Familie auch noch mal ganz anders zusammenzuwachsen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Ganz ohne die übliche Ablenkung durch den Alltag zuhause.

Ab wann es damit losgehen kann, ist sehr unterschiedlich. Manche Familien brauchen etwas länger, um so routiniert zu sein, dass sie sich eine gemeinsame Reise zutrauen. Andere können kaum das Wochenbett abwarten. Das hängt auch davon ab, wie Geburt und Wochenbett verlaufen sind. Ich persönlich würde für einen richtigen Urlaub auf jeden Fall die ersten acht Wochen abwarten. Diese Einschätzung, die sich vor allem an der maximalen Wochenbettdauer orientiert, deckt sich auch mit der Empfehlung von Kinderärzten.
Aber ein kleiner Verwandtenbesuch – mit nicht all zu langer Anfahrt – kann natürlich auch schon vorher drin sein.

Was gibt es bei der Reiseplanung zu beachten?

Es kommt natürlich sehr darauf an, wohin es gehen soll. Und für wie lang. Grundsätzlich finde ich für das Kind aber fast alles in Ordnung, was sich die Eltern zutrauen. Und wenn es sehr exotisch werden soll oder das Kind spezielle Bedürfnisse hat, kann man ja sicherheitshalber beim Kinderarzt nachfragen. Dieser empfiehlt dann spezielle Impfungen für das anvisierte Reiseland und gibt weitere, situationsspezifische Tipps.

Übrigens brauchen Kinder, auch bei Reisen innerhalb der EU, einen eigenen Ausweis. Dieser kann beim Bürgeramt beantragt werden, sobald die Geburtsurkunde vorliegt.

Sonnenschutz

Was sollte man nicht vergessen mitzunehmen?

Auch das ist individuell sehr unterschiedlich und hängt vor allem vom Reiseziel ab. So kann es sein, dass man für einen zweitägigen Camping-Trip an die Ostsee weitaus mehr Dinge benötigt als für eine dreiwöchige Flugreise in ein fernes Land. In der Regel hat man aber wohl eher zu viel dabei, sodass ich empfehle, einfach mal zu prüfen, was man auch getrost zuhause lassen kann.

Eine kleine Notfallapotheke und der Impfpass sollten aber in keinem Fall fehlen.

Wie viel Mobilität brauchst du?

Für mich war die Mobilität beim Reisen meist ziemlich wichtig. Daher empfehle ich ganz konkret zu überlegen, wie man sein Kind gerne transportieren möchte. Sehr praktisch fand ich immer einen kleinen und wirklich simplen Buggy, den wir bei Nichtgebrauch einfach wie einen Regenschirm zusammengeklappt und ganz easy verstaut haben. Ein Buggy kann natürlich erst benutzt werden, wenn das Kind alleine sitzen kann. Von Anfang an möglich, und noch platzsparender, ist eine Babytrage. Damit ist man dann auch am Strand, im Wald, in den Bergen oder in den Altstädten (mit den vielen kleinen Treppchen) gut unterwegs. Mein Favorit, der RingSling von Girasol, ist super klein, passt in fast jede Handtasche und eignet sich dadurch vor allem für den kurzfristigen und schnellen Gebrauch.

Wer es etwas komfortabler mag, der benutzt den MeiTai von Fräulein Hübsch. Er verteilt, anders als der Ringsling, das Baby-Gewicht auf die gesamte Hüfte und beide Schultern, wodurch er vor allem für den langfristigen Dauereinsatz zu empfehlen ist. Beide Varianten sind für Mutter und Vater gleichermaßen „geeignet“, sodass man sich mit dem Tragen sehr gut abwechseln kann. Gerade Väter genießen das Tragen im Urlaub übrigens sehr!

Was ist bei der Ernährung zu beachten?

Bei gestillten Babys muss man sich über die Essenszubereitung keine Gedanken machen. Wenn es sehr heiß ist, sollte die Mutter natürlich etwas mehr trinken.
Bei Kindern, die das Fläschchen bekommen, sollte man – logisch – die benötigten Fläschchen, Sauger und gegebenenfalls auch das gewohnte Milchpulver mitnehmen.

Mobiseat faltbarer Kindersitz

Empehlung der miBaby-Redaktion: Mobiseat faltbarer Kindersitz

Bei Kindern, die schon sitzen können und bereits feste Nahrung zu sich nehmen, haben sich faltbare, mobile Sitzhilfen aus Stoff bewährt. Denn nicht jedes Hotel oder Restaurant hält einen Baby-Hochstuhl bereit. Auch ein extra großes Lätzchen kann hier hilfreich sein; dann muss das Kind nicht nach jedem Essen umgezogen werden, wodurch insgesamt deutlich weniger Anziehsachen nötig sind.

Wie kann man dem Baby/Kleinkind vor Ort das Gefühl von Sicherheit trotz fremder Umgebung geben?

Grundsätzlich gilt: „Zuhause ist, wo Mama ist“, bzw. wo die Eltern sind. Um dem Baby aber auf Reisen ein Gefühl von größtmöglicher Geborgenheit zu geben, nimmt man einfach ein paar Dinge mit, die es von zuhause bereits gewohnt ist. Dafür reichen manchmal auch schon Kleinigkeiten wie der vertraute Schlafsack, eine Kuscheldecke oder die Spieluhr, die auch zuhause jeden Abend aufgezogen wird.

Für Babys, die noch kein halbes Jahr alt sind, eignet sich der Schlafsack „Träumer“ sehr gut, denn er hat eine integrierte Puck-Funktion und kann dem Baby, vor allem in ungewohnter Umgebung, die Sicherheit geben, die es braucht. Zudem ist er flexibel einstellbar in Hinblick auf Größe, Außentemperatur und Zweck, und entsprechend länger zu verwenden als normale Schlafsäcke.

Wo soll das Baby schlafen?

Hauck Reisebett "Dream`n Play"

Empfehlung der miBaby-Redaktion: Hauck Reisebett „Dream’n Play“

Je nach Urlaubsart kann es sehr praktisch sein, ein eigenes Reisebett für das Baby dabei zu haben. Manche Eltern benutzen dieses Bettchen sogar am Strand. So können Mama und Papa auch mal zusammen schwimmen gehen und das Kind ist – im Quasi-Laufstall – ganz sicher untergebracht. Allerdings artet das auch schon mal in anstrengendes Geschleppe aus und ist natürlich wenig platzsparend.

Harmatex Insektenschutz für Kinderbett

Harmatex Insektenschutz für Kinderbett, empfohlen von der miBaby-Redaktion

Wenn man in eine mückenreiche Region fährt, kann ein Mückennetz das Baby vor quälenden Erfahrungen bewahren. Es nimmt wenig Platz weg und lässt sich sehr einfach über einem Kinderbett befestigen. Wenn es die Unterkunft zulässt und die Familie das von zuhause bereits gewohnt ist, kann das Baby aber natürlich auch im Bett der Eltern schlafen. Man muss dann gegebenenfalls einen „Rausfallschutz“ bauen. Dazu reichen aber oft schon ein bis zwei Stühle.

Wie steht’s mit Sonnenschutz?

Snapperrock UV-Schutzanzug Babywal

Das begeistert die miBaby-Redaktion: Snapperrock UV-Schutzanzug Babywal

In sonnigen Gefilden ist immer ein guter Sonnenschutz nötig. Und gerade Babys müssen an den exponierten Stellen mit Sonnencreme eingeschmiert werden. Ansonsten empfehle ich ein Sonnenmützchen, und wer mag, greift sogar zu spezieller Kleidung mit UV-Schutz, was nicht nur in Äquatornähe empfehlenswert ist.

Pavillo Pop-up Strandmuschel "Secura Beach Tent"

Mit knapp 35,- € unschlagbar, findet die miBaby-Redaktion: Pavillo Pop-up Strandmuschel „Secura Beach Tent“

Für Urlaube am Strand hatten wir einfach immer ein großes Laken und eine Strandmuschel dabei. Auf dem Laken konnte man schön liegen oder es diente als dünne Decke. Bei Bedarf ergänzt es die Wind- und Sonnenschutzfunktion der Strandmuschel.

Was im Hochsommer – oder eben in einem besonders heißen Land – sonst noch zu beachten ist, habe ich in „Sommerbabys – Tipps für heiße Tage“ im Hebammenblog beschrieben.

Mein Spezial-Tipp: Ein Reisetagebuch!

„Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.“ – sagte schon Oscar Wilde.

Mein Spezial-Tipp lautet, ein Tagebuch mit auf Reisen zu nehmen. Ich habe es im Alltag nämlich leider nie geschafft, die Entwicklungsschritte meiner Kinder genauer festzuhalten. Im Urlaub habe ich es dafür um so lieber getan. Im Tagebuch wurde auch immer gern gemalt und wir haben darin kleine Erinnerungsstücke gesammelt. Meine Kinder lieben es noch heute (9 bzw. 15 Jahre später!), diese Bücher anzuschauen und sich beispielsweise über ihre sprachlichen Eskapaden zu amüsieren. Und ich selbst freue mich natürlich auch sehr über die Erinnerung an die nachträglich bebilderten Episoden aus einer Zeit, die so schnell vergeht.  Und ergänzend dazu kann ich Euch als Urlaubslektüre einen, ausnahmsweise mal wirklich sinnvollen Entwicklungsratgeber empfehlen: „Kinder verstehen“ von Herbert Renz-Polster ist ein großartiges Buch, um all die kleinen Entwicklungsschritte seines Babys wahrzunehmen und seine Signale richtig zu deuten.

Tipps von Eltern für Eltern

Wann habt Ihr Eure erste „echte“ Reise unternommen?
Wie weit fahrt Ihr so mit Euren Kleinen weg?
Habt Ihr noch mehr Tipps und Ergänzungen?

Oder Fragen?

Dann ab in die Kommentare unter diesem Artikel damit – ich antworte gern!

Eure Jana von hebammenblog.de


Über die Autorin

Ich bin Jana FriedrichHebamme seit 1998, Mutter von zwei Kindern und Bloggerin. Auf Hebammenblog.de teile ich mein Wissen und meine Erfahrung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und biete wöchentlich Informationen, Beratung und „Zutaten“ für eines der spannendsten Abenteuer des Lebens.


 

2 Kommentare – Jetzt lesen
  1. Liebe Sandra, das hört sich ganz toll an. Ich finde ja sogar, dass es mit so einem Mini fast einfacher ist, als etwas später mit einem Kleinkind. Ein Baby braucht ja primär nur die Eltern und ab und zu etwas Ruhe. Wenn man sich drauf einrichtet, ist es denkbar einfach. Die Idee, die Wickelzeiten einfach etwas auszudehnen, finde ich super. Ansonsten im Flugzeug immer die erste Reihe buchen. Dort ist es möglich ein Kinderbettchen (das ggf. mitgebucht werden muss) anzubringen. Dann kann das Baby sich auch zum Schlafen ausstrecken.
    Vielen Dank für Deinen tollen Kommentar! Dein Fazit „nicht verrückt machen“ unterschreibe ich sofort!

  2. Waren mit unser kleinen (damals 3 monate, wurde im Urlaub 4 Monate) für 3 wochen in Thailand. Es war wunderschön. Hatten auch angst, aber uns wurde die angst von vielen genommen und wir sind von mal zu mal immer entspannter an die sache rangegangen. Denn ich bin der Meinung “ wenn wir entspannt sind, sind die kleinen auch entspannt“ Die kleinen spüren ja auch wenn etwas ist.

    Von Anfang bis ende war alles Traumhaft schön. Die kleine hatte keine Probleme, obs der Flug war oder sie bekam die Flasche ( konnte leider nicht mehr stillen) oder das klima, welches sie so genossen hat, es gab keine Problem.
    Da der Flug so lang geht habe ich mich manchmal auf der Toilette mit ihr zurückgezogen. Da hab ich sie auf die wickelablage gelegt. Zur Abwechslung mal liegen.
    Nicht verrückt machen denn klappt auch alles:-)