Retro-Kinderwagen Inglesina Classica im miBaby-Produkttest – die Optik überzeugt

Felix Buck

Kinderwagen im Retro-Stil sind wieder total angesagt. Mamis, die mit ihrem Wagen gerne ein modisches Statement abgeben wollen, greifen zu den teuren Designerstücken. miBaby-Testerin Miriam nahm den Inglesina Classica genauer unter die Lupe. Das ist ihr Erfahrungsbericht:

„Auf der Homepage von Inglesina wird der Retro-Kinderwagen unter anderem mit folgenden Worten beworben:

„Classica ist für alle, die einen exklusiven Kinderwagen wünschen, der bewundert wird und in Erinnerung bleibt.“

Und was das betrifft, hält der Inglesina Classica, was er verspricht.

Gestell und Babywanne wurden in zwei großen Schachteln geliefert, die Babywanne war zusätzlich durch einen großen weißen Beutel geschützt. Zusätzlich gibt’s auch noch eine schicke Wickeltasche dazu, die sich an der Lenkstange des Wagens befestigen lässt. Der Retro-Stil lässt nostalgische Gefühle aufflammen und versetzt Liebhaber dieses Designs in Verzückung. Das Glänzen des verchromten Gestells, die großen weißen Reifen und die edle Babywanne mit weißem Leder, blauem Stoffbezug und weißem Innenleben lassen erahnen, dass es sich hierbei mehr um ein Luxusgut als um einen Gebrauchsgegenstand handelt. Der Wagen kann mit der Babywanne bis 15 kg verwendet werden. Um ein sitzendes Baby darin fahren zu können, wird ein spezieller Aufsatz für weitere rund 600 € benötigt.

Erster Eindruck und Montage

Voller Freude öffnete ich die Pakete zu dem Wagen, der laut Hersteller nach dem Vorbild der Wagen britischer Prinzen entworfen wurde. Während die Babyschale komplett fertig geliefert wurde, mussten einige wenige Teile des Fahrgestells erst zusammengebaut werden. Zu zweit – meine in Nostalgie schwelgende Mutter und ich – hantelten wir uns an der Anleitung entlang, die recht verständlich durch Bilder und Pfeile die Montage erklärt. Nach ein paar Klicks war das gute Stück auch schon aufgebaut und wurde in seiner Pracht bestaunt. Sehr edel und schön anzusehen bis zu dem Zeitpunkt als die kritischen Blicke dreier Männer – Ehemann, Papa, Bruder – den Wagen näher begutachteten. Dabei fiel ihnen auf, dass die Vorderreifen wackelten und nicht fest an ihrem Platz saßen, was mir nicht aufgefallen wäre und die erste Fahrt zu einem unangenehmen Erlebnis gemacht hätten. Die Narben hatten sich auf beiden Seiten gelöst und waren nicht richtig arretiert. Es handelt sich dabei offenbar um einen Produktionsfehler und hätte ich nicht drei handwerklich begabte Männer an meiner Seite gehabt, denen das aufgefallen wäre, hätte es sogar gefährlich für mein Baby sein können, in dem Wagen zu fahren. Der Fehler wurde durch Muskelkraft also selbst behoben. Einige Kleinigkeiten in der Verarbeitung fielen für einen rund 1000 € teuren Wagen doch als unnötig und negativ auf: Zum einen war eine Schutzkappe aus Plastik bei der Bremse abgebrochen und zum anderen war das Befestigen der Abdeckung an den Druckknöpfen nur sehr schwer und durch Ziehen und Zerren möglich.

Optisch ist der Wagen jedoch absolut top!

Erste Ausfahrt und Handhabung

Mein Mann und ich machten uns sogleich auf zu einem ausgiebigen Spaziergang. Die Babywanne ist geräumig und mit weichem weißem Stoff ausgepolstert. Das Verdeck lässt sich auch ganz so wie die Kinderwagen der 60er Jahre mit einer Hebelmechanik auf- und herunterklappen. Zwischen den großen Rädern ist ein Metall-Korb befestigt, in dem Taschen und sonstige Sachen Platz finden. Die Lenkstange ist nicht verstellbar, aber für durchschnittlich große Menschen, vor allem durch die Lederverkleidung, angenehm zu greifen.

Nach den ersten Metern wird klar, dass es sich bei dem Gefährt doch eher um Liebhaberstück handelt. Da der Wagen mit großen Kunststoffreifen (Vollgummi) ausgestattet ist und das Gestell zum größten Teil aus Metall besteht, übertragen sich sämtliche Vibrationen des Untergrunds auf den Wagen und vor allem die Babyschale. Da mein Baby dadurch dermaßen durchgeschüttelt wurde, holte ich mir ein Lagerungskissen für sein Köpfchen. Wie sich herausstellte ist genau dieses Rütteln, das an das Schieben eines Einkaufswagen erinnert, ganz nach dem Geschmack unseres Sohnes, denn dieser schlummerte darin alsbald ein, obwohl er sonst kein Freund vom Kinderwagen-Fahren ist.

Da wir auf unserer ersten Tour nicht nur auf neuen, glatten Bodenbelägen gefahren sind, sondern verschiedene Untergründe bezwangen, wurde der Wagen somit auf seine Outdoorfähigkeit getestet, an der er allerdings kläglich scheiterte. Die Reifen sind nicht schwenkbar, sodass der Wagen schwer lenkbar und kaum wendig ist. Der Wagen lässt sich nur durch Anheben oder Hinunterdrücken manövrieren. Durch das viele weiß, würde ich mich auch nicht trauen den Wagen bei feuchtem oder regnerischem Wetter zu benutzen.

Nach der ausgiebigen Tour, bei der wir Wendigkeit und Handhabung des Wagens ausgiebig testeten, entschieden wir, dass der hübsche Wagen unser Schönwetter-Sonntagswagen werden würde. Bei der Fahrt durch den Ort und auf gut aspahltierten Straßen macht der Wagen genau das, womit der Hersteller wirbt, nämlich bewundernde Blicke auf sich ziehen.

Wir wurden mehrmals auf das schmucke Stück angesprochen und ernteten Bewunderung.

Fazit

Der Inglesina Classica ist ein Liebhaberstück für eine (zu) große Geldbörse. Außer einem wirklich gelungenen und edlen Retro-Design gibt der Wagen nicht viel her und kann in puncto Praktikabilität in keinster Weise mit einem modernen Wagen mithalten. Ich persönlich würde mir den Wagen um den doch sehr stattlichen Preis selber nicht kaufen. Im direkten Vergleich mit einem super Kombikinderwagen der Marke Teutonia, der sich in der Anschaffung im gleichen Preisbereich bewegte, zieht der Wagen in Sachen Handhabung, Outdoor- und Alltagstauglichkeit ganz klar den Kürzeren. Pluspunkte dieses Designer-Stücks sind definitiv seine edle Verarbeitung, die robuste Bauweise, der Ledergriff und der Effekt, Babys wegen der kaum vorhandenen Federung in den Schlaf zu rütteln.

Er hält was er verspricht: Er verschafft bewundernde Blicke und Kommentare sowie das eine oder andere nette Gespräch über das hübsche Wägelchen und wiegt das Baby mit „good vibrations“ in den Schlaf. Die Durchschnitts-Familie wird sich den Kauf aufgrund der fehlenden Praktikabilität aber vermutlich zweimal überlegen.“