Rückentragen oder Bauchtragen – wie kombinierst Du sinnvoll?

Anne Purschwitz

Rückentragen oder Bauchtragen? Gibt es ein Produkt, das beide Tragepositionen anbietet? Brauche ich drei verschiedene Traghilfen? In dem Meer von Babytragen geben wir Dir eine Orientierung, wann Tuch, Tragesystem oder sogar Rückentrage zum Einsatz kommen und erläutern, ob Du alle drei für Dich und Dein Baby wirklich brauchst.

Rückentragen oder Bauchtragen – wie kombinierst Du sinnvoll?

Klar willst Du Dein Baby tragen, am besten in einer Trage. Doch die Auswahl ist wie immer riesig. Es gibt Tragen, die ausschließlich für den Rücken geeignet sind, viele Tragehilfen für das Tragen vor dem Bauch und schließlich auch Transportmöglichkeiten Deines Kindes auf der Hüfte. Wir liefern Dir einen Überblick über die verschiedenen Arten der Rückentragen oder Bauchtragen und sagen Dir, in welcher Situation Du am besten auf ein Tuch, ein Tragesystem oder eine Rückentrage zurückgreifst. Zudem stellen wir Dir auch Babytragen vor, die drei verschiedene Tragepositionen kombinieren.

Ist das Tragen wirklich empfehlenswert?

Kinderärzte und Hebammen empfehlen das Tragen von Säuglingen, solange Du die richtige Babytrage für Dich und Dein Kind verwendest. Die richtige Bindetechnik bei Tragetüchern und korrekt eingestellte Tragesysteme entlasten Deinen Rücken.
Mehr zum rückenschonenden Tragen erfährst Du in unserem Artikel “Autsch, mein Rücken! Wie kann ich mein Baby richtig tragen?” Es ist bewiesen, dass eng am Körper getragene Babys weniger schreien und ausgeglichener sind. Auch Dir kommt das Tragen zu Gute: Du hast die Hände frei. Wege, die mit dem Kinderwagen kompliziert wären, sind mit der richtigen Trage kein Problem mehr.

Was muss ich beim Tragen beachten?

Das Tragen muss für Dich und Dein Kind in Ordnung sein. Kinder merken, wenn Eltern das Tragen missfällt und wehren sich dann instinktiv selbst gegen den engen Transport am Körper von Mama oder Papa. Bei allen Tragen musst Du beachten, wie alt Dein Kind ist. Gerade Babys müssen in der Anhock-Spreiz-Haltung getragen werden. Dies beugt einer Hüftfehlstellung vor. Viele Bindevarianten von Tragetüchern und die Tragesysteme garantieren Dir, dass Dein Kind diese Haltung annimmt. Außerdem solltest Du immer darauf achten, dass der Kopf Deines Kindes, wenn es noch sehr jung ist, ausreichend stabilisiert ist. Das Kind sollte in den ersten zwölf Monaten mit dem Gesicht zum Träger in der Trage transportiert werden. Die Reizüberflutung könnte Deinen Zwerg sonst stressen. “Ins Leben tragen” heißt übrigens auch ein miBaby-Artikel, der Dir noch einmal detailliert schildert, was Du über das Tragen wissen solltest.

Welche Traghilfen gibt es?

Es gibt Tragetücher, Babytragen und Rückentragen. In unserem Artikel Unsere Tragetuch-Beratung: Darauf musst Du beim Kauf achten liefern wir Dir alle wichtigen Informationen rund um das Tragetuch. Das Tuch ermöglicht Dir, Dein Kind vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte zu tragen.

Bei den Tragehilfen unterscheiden sich die Tragesysteme mit Gurten nochmals von den Rückentragen. Über die beliebtesten unter den flexiblen Tragesystemen informierst Du Dich detailliert in dem miBaby-Beitrag Carry on – Beliebte Tragehilfen zum Baby tragen. Übrigens, falls Du schon ein Auge auf diese Tragen geworfen hast: Hier erfährst Du, was beim Kauf zu beachten ist: Babytrage kaufen, aber richtig! Wir zeigen Dir die wichtigsten Kriterien. Auch mit diesen Tragen kannst Du Dein Baby vor dem Bauch oder auf dem Rücken tragen. Mit einigen ist sogar der Transport auf der Hüfte möglich.

Während die Tragesysteme sich durch Schnallen und Gurte an Träger und Kind anpassen, sind die Rückentragen feste Gestelle, die meist aus Aluminium und Polster sind. Wie ein stabiler Rucksack ist diese Traghilfe vor allem für ältere Kinder geeignet. Wie der Name schon sagt, erlauben diese Tragen lediglich die Trageposition auf dem Rücken.

Ob Rücken- oder Bauchtrage, bei allen Varianten musst Du berücksichtigen, wie alt Dein Kind ist und in welchen Situationen Du die Tragehilfe einsetzt.

Wie kann ich mein Baby sicher vor dem Bauch tragen?

Das Baby vor dem Bauch zu tragen ist die bekannteste Art des Kindestransports. Ein Tragetuch, ein RingSling oder eine Babytrage machen es möglich. Der RingSling unterscheidet sich vom Tragetuch dadurch, dass die Stoffbahnen durch einen installierten Ring “sortiert” sind, wie etwa beim Tragetuch “RingSling” von Dolcino.

Tragetücher lassen Dir allerdings mehr Freiheit bei der Bindetechnik. Besonders beliebt bei unseren miBaby-Mamis ist das Tragetuch “Ellipsen” von Didymos. Solltest Du ein Tragetuch kaufen wollen, gibt Dir unser Artikel Unsere Tragetuch-Beratung: Darauf musst Du beim Kauf achten einen Überblick über die wichtigsten Kaufkriterien.
Bist Du länger mit Deinem Baby unterwegs, solltest Du auf Babytragen ausweichen. Diese sind mit Gurten ausgestattet und bieten Deinem Kind sozusagen schon einen Sitz.

Die Manduca Babytrage beispielsweise ist ein Hüftgurt mit Schulterriemen. Du trägst Dein Kind wie in einem Rucksack eng an Dir. Die Belastung sollte dabei fast ausschließlich auf der Hüfte liegen. Diese Tragehilfen haben den Vorteil, dass du sie nicht erst knoten musst. Allerdings sind sie nicht so leicht in der Wickeltasche zu verstauen wie ein Tuch, da sie eindeutig mehr Platz wegnehmen. Außerdem empfehlen Kinderärzte die Verwendung der Babytragen erst, wenn Dein Kind sein Köpfchen schon selbstständig halten kann. Zwar hat auch die Manduca eine integrierte Kopfstütze, jedoch handelt es sich dabei um ein leichtes Tuch, das mit Gummibändern befestigt ist. Bei schwungvollen Drehungen oder leichten Erschütterungen könnte es Dein Neugeborenes doch etwas zu arg durchschütteln.

 

Wie kann ich mein Baby sicher auf dem Rücken tragen?

Wird Dein Baby älter und wiegt mehr als acht Kilo bietet es sich an, es auf dem Rücken zu tragen. Auch dies ist mit einem Tragetuch, einem RingSling oder einer Babytrage möglich. Ist Dein Kind älter als ein Jahr und wird es viel auf dem Rücken getragen, beispielsweise bei langen Wanderungen, sind auch die festen Rückentragen eine Überlegung wert. Diese sehen aus wie ein Wanderrucksack und nehmen auch in etwa soviel Platz weg. Sie sind meist mit einem Aluminiumgestell ausgestattet, das den Kindern einen stabilen Sitz bietet. Allerdings kommen sie bereits mit einem soliden Eigengewicht daher. Rückentragen sind nicht flexibel, sie dienen ausschließlich dem Kindstransport auf dem Rücken. Besonders sportlich aktive Eltern, die viel wandern, schätzen diese Tragegestelle. Beliebt ist unter miBaby-Mamis und -Papis die Rückentrage Wallaby Design 2012 von Vaude, weil sie nicht direkt auf dem Rücken aufliegt und das Tragen über lange Wege so erleichtert.
Die Hauck Bauch- und Rückentrage “3-Way-Carrier” dagegen ist ein flexibles Tragesystem, das zwar ebenfalls das Tragen auf dem Rücken ermöglicht. Die Belastung für den Träger liegt hier jedoch auf der Hüfte.
Doch alle Rückentragen bieten sich erst an, wenn Dein Kind schon älter ist. Sie ermöglichen nämlich keine Anhock-Spreiz-Haltung für Dein Kind.

Und auf der Hüfte tragen? – Geht auch.

Auch für diese Trageposition bieten sich wieder Tragetuch, RingSling oder Traghilfe an. Während bei Tragetuch und RingSling wieder geknotet werden muss, ist auch beim vorinstallierten Tragesystem etwas Fingerfertigkeit gefragt. Genaue Anleitung für diese Trageposition erhältst Du in der Gebrauchsanleitung Deiner Tragehilfe oder bei Tutorials im Internet. Auch Trageberatungen helfen gerne weiter.
Die Ergobaby Komforttrage 360 beispielsweise bietet diese Tragemöglichkeit an. Über dessen Praxistauglichkeit informiert der miBaby-Testbericht Das musst Du Dir anschauen! Die Multifunktionsbabytrage Ergobaby Komforttrage 360.

 

Wo kann ich mich über die Tragepositionen meiner Tragehilfe informieren?

Wenn Du ein Tragetuch kaufen möchtest, solltest Du Dich bei Deiner Hebamme über die verschiedenen Bindevarianten informieren. Die Känguru-Technik oder die Rucksack-Technik kommt bei den Tüchern zum Einsatz. Bei der Känguru-Technik umwickelst Du Dein Kind mit dem Tuch so, dass Du Dein Baby auf dem Rücken, vor dem Bauch oder auf der Hüfte eng umschlungen trägst. Bei der Rucksack-Bindung schnürst Du das Tuch so, dass Dein Kind wie in einem Rucksack entweder auf Deinem Rücken oder vor Deiner Brust sitzt. Auch Freunde, die mit den Bindetechniken gute Erfahrungen gemacht haben, helfen Dir sicher gern weiter. Weitere Informationen liefern Trageberatungen, die meist lokal organisiert sind.

Bei den vorinstallierten Tragehilfen gibt es zum Kauf eine Gebrauchsanleitung dazu. Abhängig vom Hersteller ist die Anleitung mal mehr, mal weniger informativ. Und die richtige Anleitung ist wichtig, sie verhindert, dass Du Rückenschmerzen vom Tragen bekommst. Auch hier helfen Tutorials im Internet oder eine Trageberatung weiter.

 

Gibt es eine Trage, die verschiedene Tragepositionen ermöglicht?

Die vorinstallierten Babytragen bieten meist Tragepositionen für Dein Kind vor dem Bauch, auf dem Rücken oder auf der Hüfte an. Sie sind gemütlich wie ein Tragetuch, verteilen das Gewicht Deines Zwergs aber meistens auf die Hüfte, sodass Dein Rücken entlastet wird.
Interessant neben den bereits vorgestellten Tragesystemen von Manduca und Hauck ist die Bauchtrage “Marsupi” von Wickelkinder.

Klettverschlüsse helfen Dir, Dein Kind korrekt anzulegen. Dies geht fix und sichert einen optimalen Halt, wie auch viele miBaby-Mamis bestätigen, die mit dieser Bauch- oder Rückentrage gute Erfahrungen gemacht haben.

 

Und jetzt? So viele Möglichkeiten – welche passt für mich?

Grundsätzlich kann man über die festen Rückentragen sagen, dass diese besonders für aktive Eltern mit bereits älteren Kindern geeignet sind. Die Rückentragen sind auf langen Wanderungen sehr praktisch, sollten aber erst bei Kindern ab einem Jahr zum Einsatz kommen. Wenn Dein Baby gerade geboren wurde, solltest Du auf Tuch, RingSling oder Tragesystem zurückgreifen. Bei den Tüchern ist etwas Fingerfertigkeit gefragt, aber keine Angst: Die gängigsten Bindepraktiken hast Du schnell drauf. Tücher sind deshalb empfehlenswert, weil sie sich ganz eng an den Körper von Mutter und Kind schmiegen und außerdem schnell in der Tasche verstaut sind. Wenn Du schon weißt, dass Du Dein Baby viel tragen wirst, solltest Du über eine solche Anschaffung nachdenken. Denn Tücher oder RingSlings lassen sich als Bauch- oder Rückentragen problemlos in den Alltag integrieren. Außerdem bieten sie ausreichend Halt für das kleine Köpfchen und umschließen “rund” den Rücken Deines Kindes.

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Trägst Du Dein Kind eher selten und hast keine Lust auf die Knotentechniken, solltest Du Dir überlegen eine Babytrage anzuschaffen, die Dir erlaubt, Dein Kind an Dich zu “schnallen”, wie einen flexiblen Rucksack. Auch hier ist die Bauch- oder Rückenposition möglich. Die Hersteller der gängigsten Babytragen versichern, dass das Tragesystem bereits ab Geburt zum Einsatz kommen kann. Doch garantiert die Kopfstütze nicht unbedingt einen ganz so festen Halt wie ein Tuch. Viele Babytragen verfügen über einen zusätzlichen Neugeborenen-Einsatz. Die Babytragen sind meist bis zu einem Kindsgewicht von 20 Kilo nutzbar. Für einen schnelleren Überblick haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zu Bauchtragen oder Rückentragen noch einmal in ein Diagramm gepackt. Vielleicht hilft Dir unsere Übersicht dabei, eine Entscheidung für eine Babytrage zu treffen. Entscheidungsbaum_BauchRückentragen

 

Zusammenfassung: Unsere Empfehlung

Es gibt drei Arten von Tragehilfen für Dein Kind: Das Tuch oder die RingSling, das flexible Tragesystem oder die feste Rückentrage. Wir empfehlen Dir, wenn Du Dir schon sicher bist, dass Du Dein Kind viel tragen willst, für die ersten drei Monate ein Tragetuch. Dies umschlingt Kopf und Körper Deines Kindes fest und bietet so ausreichend Stabilität. Wiegt Dein Kind über acht Kilo wäre die Anschaffung eines Tragesystems zu überlegen. Es entlastet vor allem Deinen Rücken und bietet zudem bis zu drei Tragepositionen – ist also genauso flexibel wie ein Tuch und ermöglicht das Tragen Deines Kindes in der Anhock-Spreiz-Haltung.
Wenn Du viel wanderst, solltest Du überlegen, ob Du Dir zum ersten Geburtstag Deines Kindes eine Rückentrage schenkst. Dann steht gemütlichen Wanderungen ohne Erschöpfung bei Eltern und Kind nichts mehr im Wege.