Schlafmangel hoch 2 – Zwillingsmama im Halbschlaf

Katharina Grammel

Schlafen ist schön und Schlafmangel ist grausam. Diese Erfahrung muss wohl jede Mama machen. Die eine kürzer, die andere länger, aber alle wollen nur das Eine: Einfach mal wieder ausgeschlafen sein. Zwillingsmama und Redakteurin Katharina berichtet, wie sie die Nächte mit ihren Minis überstanden hat.

Schlafen – oh ja, was habe ich gerne geschlafen. Schlafen ist so toll, nur leider sehen meine Zwillinge das nicht so. Und durchschlafen? Mit Zwillingen hätte ich mir monatelang gewünscht, überhaupt mal mehrere Stunden am Stück zu schlafen. Aber meine Kinder haben mir diesen Gefallen nicht getan, sie wollten Mama. Und Mama haben sie auch bekommen! Jede Nacht, zeitweise jede Stunde. Schlafmangel? Oh ja, aber Gott hat die Frau mit zwei Brüsten erschaffen! Meine Rettung!

Der schwierige Start

Die meisten Frauen schlafen nach der Geburt die ersten Wochen direkt neben ihrem Baby. So habe auch ich mir ein kleines Familienbett gebaut, damit meine Minis mir ganz nahe waren und ich mir die nächtlichen Wanderungen ins Kinderzimmer sparen konnte. Ein Baby rechts, ein Baby links und Mama als Sandwich in der Mitte.

Einschlafen? Oh man, eeeeeewig dauerte es, bis meine Zwillinge in den Schlaf fanden. Nur stillend an der Brust war Ruhe und so saß ich im Bett und stillte und saß und stillte … Die längste Zeit saß ich drei Stunden am Stück (!) tandem stillend in meinem Bett. Endlich eingeschlafen ging der Baby-Alarm nach spätestens einer Stunde wieder an. Uuuuuuuaaaaaaaahhhhhhh!!!! Baby 1 weckt natürlich gleich Baby 2 und so saß ich wieder da, tandem stillend in meinem Bett. Ach, wie gerne hätte ich im Liegen gestillt, aber meine Minis waren einfach zu klein und tandem schon mal gar nicht.

So habe ich meine ersten Wochen mit großem Schlafmangel und im Sitzen verbracht. Wie ich das geschafft habe? Keine Ahnung.

Zwillingsmamas sind erfinderisch

Jawohl, die Not macht erfinderisch. Ich musste einfach wieder ein bisschen schlafen. Tags war ich müde, platt, unkonzentriert und ach ja, ich hab ja noch eine größere Tochter. Die wollte natürlich auch noch bespaßt werden und das mit Schlafmangel? Horror! Also musste ein Plan her!

Ich übte immer wieder, bis ich meine perfekte Stillposition im Liegen fand. Sobald sich nun ein Mini rührte, drehte ich mich zur Seite, dockte an und konnte beim Stillen noch weiterschlafen. Hurra! Wenigstens etwas Halbschlaf. Meistens war ich bald sogar so schnell, dass Zwilling Nr. 2 gar nichts mitbekam. Und so drehte ich mich wie eine Ölsardine 14 Monate lang von rechts nach links.

Es war prima und alle bekamen das, was sie brauchten. Der Papa kümmerte sich um die Große, die Mama um die Babys. Ich war rund um die Uhr immer zur Stelle, wenn ein Baby mich brauchte. Das ist natürlich heute immer noch so, nur anders.

Halt, Stop! Ich kann nicht mehr!

Zwillingsmamas sind belastbarer als andere Mütter. Zwillingsmamas lachen über das Jammern der Einlingsmütter. Aber auch Zwillingsmamas sind irgendwann mal an einem Punkt angekommen, an dem nichts mehr geht. Halbschlaf ist eben doch nicht das Wahre.

Schlafmangel führt zu Gereiztheit, Stress und fehlender Geduld. In schlimmen Fällen kann Schlafmangel auch krank machen. Nicht umsonst wird Schlafentzug auch als Foltermethode genutzt. Keine gute Zusammensetzung also bei der Betreuung von drei Kleinkindern.

Ich tue alles für meine Kinder und mir blutet das Herz, wenn sie weinen und schreien. Aber ich musste ihnen zeigen, wie man auch ohne Brust prima schlafen kann. Die Brust war nämlich der Nuckel, um wieder friedlich ins Land der Träume zurückzukehren. Ohne Mama unmöglich, bis zum Tag X: Meine Nerven lagen blank, mein Rücken schmerzte und mein Gewicht war im Keller vor lauter Stress und Schlafmangel.

An Tag X nach 14 Monaten haben wir die Brust durch Kuscheln ersetzt. Natürlich gab es großen Protest – sehr, sehr großen Protest. Meine Babys taten mir richtig leid, aber ich habe sie niemals allein gelassen. Meine bedingungslose Liebe sollte von nun an nur anders aussehen.

Babys sind tolle Wesen, die sich schnell an neue Begebenheiten gewöhnen, und so haben die zwei schon in der zweiten Nacht andere Beruhigungsmethoden wie Streicheln und Singen akzeptiert. Von weniger Aufwachen waren wir aber noch weit entfernt.

Durchgeschlafen wird noch immer nicht

Abstillen in der Nacht ist nicht die Lösung für alles! Meine Minis schlafen noch immer nicht durch, aber meist wachen sie nur noch ein bis zwei Mal auf. Kein Vergleich zu vorher, wo es jeweils drei bis fünf Mal pro Nacht und pro Kind war. Zudem schlafen sie nun in ihren Gitterbetten und ich endlich wieder in meinem Ehebett. Mein Rücken freut sich.

Ich bin der Meinung, dass Babys nicht ohne Grund weinen und schreien. Sie suchen die Nähe und Geborgenheit ihrer Mutter. Daher sollten wir ihnen so lange wie möglich das geben, was sie brauchen. Sei es auch, dass wir zum 10. Mal in der Nacht aufstehen, um unsere Kinder zu beruhigen oder zu stillen. Sie sind nur einen ganz kleinen Teil ihres Lebens so klein und hilfsbedürftig.

Ich bin wirklich froh, dass ich schnell wieder einschlafen kann, wenn ich nachts mal bei meinen Kindern war. Aber das kann auch ganz anders aussehen, wenn das Kind friedlich schläft, die Mama aber nicht. Unsere Redakteurin Marlen berichtet von ihrem Schlafmangel: Schlafmangel nach der Geburt – Wenn Dein Baby gar nichts dafür kann…