Schlafmangel nach der Geburt – Wenn Dein Baby gar nichts dafür kann …

Marlen Greb

Schlafmangel nach der Geburt – den wirst Du mit einem kleinen Säugling ganz bestimmt haben. Manchmal kann Dein Baby aber gar nichts dafür …

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Artikel beginnen kann. So richtig weiß ich es ehrlich gesagt jedoch noch immer nicht. Vielleicht sollte ich einfach mal anfangen …

Ich möchte einen Erfahrungsbericht zum Thema „Schlafmangel nach der Geburt“ schreiben. Jede frischgebackene Mama wird das Problem mit dem Schlafmangel, bedingt durch den nachts oft wachen Säugling, kennen. Wie es meiner miBaby-Kollegin Katharina, Mutter von Zwillingen, erging kannst Du in ihrem Artikel „Schlafmangel hoch 2 – Zwillingsmama im Halbschlaf“ lesen.

Aber um die Schwierigkeiten mit dem nachts oft wachen Säugling soll es in diesem Artikel hier gar nicht gehen. Ich möchte über ein Thema schreiben, welches mir sehr auf der Seele brennt, was aber leider zu oft totgeschwiegen und tabuisiert wird.

Ich möchte darüber schreiben wie es ist, an massivem Schlafmangel, bedingt durch eine Wochenbettdepression oder den sogenannten Babyblues, zu leiden. Denn genau das habe ich erlebt. Und es war furchtbar.

Eigentlich sollte ich glücklich sein …

Eigentlich sollte man sich – abgesehen davon, dass man bedingt durch den Säugling zu wenig Schlaf bekommt und man eventuell noch diverse nachgeburtliche Schmerzen hat –großartig fühlen. Es wird von einem erwartet, dass man voller Liebe ist und sein neues Leben als Mutter einfach nur wunderschön findet. Und natürlich, das ist es an sich ja auch.

Aber was ist, wenn sich „alles“ einfach völlig falsch anfühlt? Wenn man eben nicht „der glücklichste Mensch auf Erden“, sondern dazu übergegangen ist, sich ein unechtes Lächeln ins Gesicht zu kleistern, nur damit niemand hinterfragt, was zum Teufel einen eigentlich so unglücklich macht. Denn der nett gemeinte Satz: „Und Dir geht’s gut, ja? Wie schön! Du hast ja auch ein so süßes, liebes Baby!“ würde einen zum Weinen bringen. Diese Art von Weinen, wo man das Gefühl hat „wenn ich einmal anfange, kann ich nie wieder aufhören“.

Also lernt man, eine Maske des falschen Lächelns aufzusetzen. Denn dann fragt niemand nach. „Nicht glücklich zu sein“ ist gesellschaftlich einfach nicht akzeptiert. Denn schließlich hat man ja auch keinen Grund traurig zu sein, wenn man ein gesundes, liebes, fröhliches Baby hat.

Was dazu führt, dass man „lernt“, dann zu weinen, wenn niemand guckt. Man weint viel. Und fühlt sich schlecht. Unfassbar schlecht, denn natürlich: Man hat ein süßes, liebes Baby! Es ist ja nicht so, dass man sich dessen nicht bewusst ist. Was das ganze Dilemma und die Schuldgefühle nur noch schlimmer macht …

Und als wäre das alles nicht genug, gestellten sich zu dem ganzen Unglück am Tag netterweise noch fürchterliche Schlafstörungen in der Nacht …

Als Zombie wiedergeboren

Die Nächte waren schrecklich. Die ganze Wohnung war gespenstisch ruhig. Alle schliefen (ja, auch mein süßes, liebes Baby!) – nur ich nicht.

Mein Mann war wirklich toll. Jede Nacht, wenn unsere Tochter essen wollte, stand er auf und fütterte sie (tagsüber stillte ich). Damit ich zur Ruhe kam. Damit ich schlafen konnte.

Aber ich konnte nicht schlafen. Monatelang. Jeden Abend bekam ich Panik. Angst vor der nächsten Nacht. Wieder nicht schlafen können. Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Übelkeit. Panikattacken. Es war der blanke Horror. Monatelang schlief ich nicht mehr als 1-2 Stunden pro Nacht. Wenn überhaupt. Auch tagsüber fand ich keinen Schlaf. Meine Gedanken kreisten bereits morgens um die nächste Nacht.

Ich fühlte mich wie ein Zombie. Mein ganzer Tagesablauf war wie automatisiert. Ich lief wie eine Marionette durch mein Leben. Ich tat, was getan werden musste, für mehr fehlte mir jegliche Energie. Und ich kleisterte mir besagtes „Alles ist gut, alles ist toll“-Lächeln ins Gesicht.

Ich fühlte mich unfassbar schrecklich. Mein Mann war sooo nett, unterstützte mich, wollte mich schlafen lassen – und nicht mal das kriegte ich hin. Ich war eine Versagerin auf der ganzen Linie. Denn warum, warum, warum konnte ich nicht einfach „glücklich sein“?

… irgendwann wurde es besser

Als es mir so ging wie gerade beschrieben, hätte ich nie und nimmer gedacht, einmal „irgendwann wurde es besser“ sagen zu können.
Doch so war es. Nach einigen Monaten wurde es besser.
Irgendwie. Einfach so.

Denn wie genau es passierte kann ich bis heute nicht sagen. Es wurde einfach besser. Ich konnte wieder besser schlafen und hörte auf zu weinen. Und schämte mich ganz schrecklich, nicht viel eher schon glücklich gewesen zu sein mit meinem Kind, meiner Situation als Mama und meiner tollen kleinen Familie.

Und heute weiß ich, dass es vielen Neumüttern so geht. Glücklicherweise natürlich nicht allen. Doch es gibt Mütter da draußen, die genau das erlebt haben, was ich erlebt habe.

Und leider schweigen zu viele darüber. Denn der Babyblues und auch Wochenbettdepressionen sind nichts Seltenes und auch nichts, wofür man sich schämen müsste. Ganz im Gegenteil – man sollte darüber reden, sich austauschen.

Ich kam früher gar nicht auf diese Idee. Weil ich dachte, ich wäre allein. „Falsch gepolt“ irgendwie. Ich dachte, es läge an mir und niemand könnte mich verstehen. Lieber schweigen, als dass man mich für verrückt hält …

Doch Du bist nicht allein. Niemals.

Informationen zum Babyblues/Wochenbettdepressionen

Ich habe jetzt ganz viel über meine eigenen Erfahrungen zum Thema Babyblues/Wochenbettdepression berichtet. Natürlich hat nicht jede Mutter, die darunter leidet, die gleichen „Symptome“.

Wenn Du aber nach dem Lesen meines Erfahrungsberichtes das Gefühl hast: „Ja, so (oder so ähnlich) geht es mir auch!“, dann hol‘ Dir Hilfe! Schweigen macht es nur schlimmer.

Ich möchte Dir gerne noch zwei Bücher zum Thema ans Herz legen: Zum einen „Wie kann ich dich halten, wenn ich selbst zerbreche? Meine postpartale Depression und der Weg zurück ins Leben“ von Ulrike Schrimpf und zum anderen „Das Kind ist da, das Glück lässt auf sich warten“ von Sylvia Börgens.
DU BIST NICHT ALLEIN!

Hier auf miBaby hat sich meine Kollegin Natalie bereits einmal mit dem Babyblues beschäftigt. Schau doch gerne mal in ihren Artikel „Babyblues – Wenn die Hormone Mama aus dem Takt bringen“.

Du wirst es mir vermutlich gerade nicht glauben. Aber es wird besser.

Wirklich.

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