Schwangerschaftsabbruch und Spätabtreibung – so ist die Rechtslage in Deutschland

Katharina

Hast Du Dich schon einmal gefragt, welche Gesetze zu Schwangerschaftsabbruch und Spätabtreibung in Deutschland gelten? Wir geben Dir einen Überblick über die aktuelle Rechtslage.

Manche Filme sind einfach nur unterhaltsam. Andere rütteln uns durch ihre Thematik fast schon unausweichlich auf. Letzteres ist auch bei dem neu angelaufenen Drama „24 Wochen“ der Fall. Hier geht es um Astrid, gespielt von Julia Jentsch, die erst nach 24 Wochen Schwangerschaft erfährt, dass ihr ungeborenes Baby unter dem Down Syndrom leidet und zusätzlich einen schweren Herzfehler hat. Der Zuschauer fühlt mit, wie sich Astrid auf dramatische Weise zwischen dem Austragen des Babys und einer sogenannten Spätabtreibung entscheidet. Was sonst als Tabuthema gilt, hat es nun also zu Recht auf die deutschen Kinoleinwände geschafft. Anlass genug, Dir einen informativen Überblick über die Rechtslage in Deutschland zum Thema Schwangerschaftsabbruch und Spätabtreibung zu verschaffen.

Die Strafbarkeit eines Schwangerschaftsabbruchs

Laut § 218 StGB ist der Schwangerschaftsabbruch an sich strafbar und wird mit einer Geld- oder Gefängnisstrafe geahndet. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn der Täter gegen den Willen der Schwangeren handelte, oder die Schwangere selbst ohne die Erlaubnis des behandelnden Arztes für einen Abbruch der Schwangerschaft sorgte.Diese Regelung greift auch, wenn die Schwangerschaft nicht vorsätzlich beendet wurde, aber dennoch leichtfertig die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung der Schwangeren oder des ungeborenen Babys verursacht wurde.
Aber: Wirksame Handlungen vor der Einnistung des befruchteten Eies in die Gebärmutter sind hiermit nicht gemeint – weswegen auch die freiwillige Einnahme der „Pille danach“ keine strafrechtlichen Konsequenzen hat.

Die Entscheidung gegen das Baby vor SSW 12

Will eine Frau ihr ungeborenes Baby vor SSW 12 abtreiben lassen, wird dies in Deutschland grundsätzlich als „rechtswidrig“ bezeichnet. Sind jedoch bestimmte Voraussetzungen erfüllt, erfolgt keine strafrechtliche Verfolgung. Die Schwangere muss zunächst einmal unbedingt auf eigenen Wunsch handeln, darf also keinesfalls vom Partner oder anderen Familienangehörigen dazu genötigt worden sein. Darüber hinaus muss sie zwingend einen Termin zur  Schwangerschaftskonfliktberatung wahrnehmen. Erst nach einer vollständigen Beratung (unter Aufzeigen möglicher Konsequenzen, aber auch alternativen Möglichkeiten zur Unterstützung der weiteren Schwangerschaft) und darauf folgenden drei Tagen Bedenkzeit können weitere Schritte unternommen werden. Die Abtreibung muss auf jeden Fall von einem Arzt vorgenommen werden und erfolgt durch eine Absaugung oder eine Saugkürettage (Ausschabung).

Gründe für eine Spätabtreibung

Nach SSW 12 kann der Schwangerschaftsabbruch unter denselben Voraussetzungen vorgenommen werden. Aber nur, wenn eine so genannte medizinische Indikation vorliegt, was eine Gefährdung von Leben, Gesundheit oder Psyche der Schwangeren meint, die sich nicht anders abwenden lässt. Meist wird letzteres zur Begründung der Entscheidungen herangezogen. Eine Abtreibung nach SSW 12 wird also oftmals vorgenommen, weil der Arzt bei einem weiteren Bestehen der Schwangerschaft unter anderem schwere Depressionen oder Suizidgefahr bei der werdenden Mutter befürchtet. In diesem Schwangerschaftsstadium erfolgt der Abbruch jedoch durch die medikamentöse Einleitung einer Totgeburt.
Von einer Spätabtreibung ist aber meist erst die Rede, wenn die SSW 22 bereits vollendet ist. Denn ab diesem Zeitpunkt wäre das Kind auch außerhalb des Mutterleibes schon lebensfähig. Theoretisch könnte eine Schwangerschaft sogar bis zum errechneten Geburtstermin abgebrochen werden. Stellt der Arzt zu solch einem späten Zeitpunkt gesundheitliche Probleme des ungeborenen Babys fest, bedeutet das für die werdenden Eltern eine schlimme Krise. Zwar ist seit 1995 eine Abtreibung nur wegen einer Behinderung des Kindes in Deutschland verboten, dennoch wird ein Großteil der Babys abgetrieben, bei denen beispielsweise das Down-Syndrom diagnostiziert wurde.

Eine unfassbar schwere Entscheidung

Neben der Beachtung der geltenden Rechtslage, ist ein Schwangerschaftsabbruch oder eine Spätabtreibung vor allem eine riesige Belastung für die werdende Mutter. Zu diesem Zeitpunkt ist die Entwicklung ihres Kindes bereits weit fortgeschritten, vielleicht hat sie sogar schon mit dem Einrichten des Kinderzimmers begonnen. Kaum eine Mutter möchte selbst zwischen Leben und Tod ihres Kindes entscheiden müssen. Doch letztendlich kann ihr keiner diese schwere Entscheidung abnehmen. Es wird immer Gründe geben, die dafür oder dagegen sprechen. Daher muss jede Mutter in Absprache mit ihrem Arzt selbst herausfinden, wie sie mit der Situation umgeht.