Spielend lernen #10: Scherengriff und loslassen

Natalie Bolte

Mit den kreativen Spielideen aus der heutigen Spielend Lernen Ausgabe zeigen wir dir, wie Du mit wenig Aufwand feinmotorische Bewegungen und Handgriffe von Deinem Kind auf spielerische Art fördern kannst.

Vom Scherengriff zum Pinzettengriff

 

Kind mit GrashalmUngefähr ab dem achten Lebensmonat verwenden die Kleinen den sog. „Scherengriff„, das bedeutet, sie greifen nach Gegenständen mit dem Daumen und dem Zeigefinger, wobei hierfür die gesamte Fingerlänge eingesetzt wird. Ungefähr zum jetzigen Zeitpunkt wird dieser Griff differenzierter angewendet und zwar in der Form, dass zum Aufnehmen von Gegenständen die Fingerspitzen dieser beiden Finger benutzt werden. Dieser Griff wird „Pinzettengriff“ genannt.

Die heutigen Spieltipps eignen sich sehr gut, damit Dein kleiner Entdecker den Pinzettengriff ausprobieren kann, sie sind aber auch anwendbar, wenn Dein Kind diesen Griff vielleicht noch nicht einsetzt.

An der Auswahl der Spieltipps wirst Du feststellen, dass es uns nicht nur um das Thema „Greifen“ geht, sondern auch um das Thema „Fühlen“ und somit um die Beschaffenheit von verschiedenen Gegenständen.

Ganz bewusst wurden Materialien ausgesucht, die verschiedene Größen, Formen und Konsistenzen haben, um auch die Sensorik Deines Kindes anzusprechen und zu fördern.

 

Man kann es nicht oft genug erwähnen!

In dieser Ausgabe kommen mehrere verschluckbare Materialien zum Einsatz und ein Spieltipp findet in der Badewanne statt.

Bitte lass Dein Kind zu keinem Zeitpunkt unbeaufsichtigt und sei dieser Moment auch noch so kurz.

Zähle alle Materialien vorher ab, damit Du am Ende des Spiels weißt, ob noch alles vollständig ist.

 

1. Spieltipp – Wölkchen „kalt geföhnt“

 

Bemaltes KindergesichtWas ihr benötigt:

  • einen Beutel Wattebäusche
  • eine große Schüssel
  • einen Föhn mit Kaltgebläse

Setze Dich zusammen mit Deinem Kind auf den Boden und breite erst mal 15-20 Wattebausche vor ihr/ihm aus und animiere es dazu die Wattebäusche einzeln in die Schüssel zu legen. Bei dieser „Übung“ kannst Du wunderbar beobachten, wie Dein Kind den Wattebausch aufnimmt und wie stark ausgeprägt der Pinzettengriff schon ist.

Unabhängig davon, wie Dein Sonnenschein nach den einzelnen Wattebäuschen greift, das Wichtigste ist, dass Du sie/ihn fleißig lobst und anspornst weiter zu machen.

Wenn die Schüssel gut gefüllt ist, kommt der Föhn zum Einsatz. Aber bitte nicht vergessen, nur die Kaltstufe verwenden, damit es nicht zu unangenehmen Nebeneffekten kommt.

Setze den ausgeschalteten Föhn so am Rand der Schüssel an, dass beim Anschalten alle Wattebäusche aus der Schüssel rausgeblasen werden. [Bitte verwende den Föhn nur, wenn Du ganz genau weißt, dass Dein Kind vor diesem Geräusch keine Angst hat. Sollte es so sein, schüttest Du die Schüssel einfach schwungvoll im Zimmer aus.]

Dein kleiner Schatz wird einen riesen Spaß an den umherfliegenden Wölkchen haben.

Als Erweiterung dieses kleinen Spiels, kannst Du Dein Kind dazu animieren, die Wattebäuschchen wieder einzusammeln, um das Ganze dann nochmal zu wiederholen.

 

2. Spieltipp – Für Flaschensammler & Rasselbauer

 

Babyhand mit Rassel

Ihr benötigt:

  • leere, trockene PET Flasche(n) mit weiter Öffnung
  • z. B. dicke Bohnen
  • z. B. verschiedene Nudelsorten (z. B. Spirelli oder Gabelspaghetti)
  • z. B. Vogelsand
  • z. B. Murmeln
  • einen Schuhkarton
  • starkes Klebeband

 

Variante 1: Bohnenrassel selbst gemacht

 

babyFür diese Variante des Spiel wäre ein Schuhkarton hilfreich.

Lege eine genau abgezählte Menge von dicken Bohnen, z. B. zehn, in den Schuhkarton. [Das Abzählen ist deshalb so wichtig, weil Du kontrollieren musst, dass alle Bohnen noch da sind und nicht eine versehentlich verschluckt wird.]

Fülle dann den Karton mit Vogelsand auf, sodass die Bohnen so gut verdeckt sind, dass Dein kleiner Entdecker sie nicht auf einen Blick erspähen kann.

Nun darf sich Dein kleiner Spatz auf die Suche begeben und die Bohnen im weichen Sand ertasten. Das regt den Tastsinn Deines Kindes an. Jedes Auffinden einzelner Bohne wird natürlich überschwänglich gelobt, um Deinen Entdecker zum Weitersuchen zu motivieren.

Wenn Dein Kind alle Bohnen gefunden hat (und die kleinen Fingerchen vom feinen Sand befreit sind), kommt die leere PET Flasche zum Einsatz. Erkläre Deinem Kind, dass es Bohne für Bohne in die Flasche tun soll. Sind alle Bohnen in der Flasche, den Deckel so fest wie möglich zuschrauben und zur Sicherheit mit einem starken Klebeband zusätzlich zukleben. Und schwuppdiwupp hat Dein kleiner Wüstenscheich sich seine eigene Bohnenrassel gebaut.

 

Variante 2: Murmelrassel zum Selberbauen

Boys with paintsBei dieser Variante des Suchspiels kommen Murmeln zum Einsatz. Setze Dich neben Dein Kind und gebe der Murmel einen Schups, so dass sie in möglichst gerader Bahn durchs Zimmer rollt. Entweder schaut Dein Kind der Murmel fasziniert hinterher oder es nimmt sofort die Verfolgung auf.

Lass Dir die erste Murmel zurück geben und zeige Deinem Sonnenschein, dass man die Murmel in die Flasche fallen lassen kann. Dann wiederholt ihr diesen Vorgang und bei der zweiten Murmel darf natürlich Dein kleiner Schatz die Murmel in die Flasche befördern.

Sind alle Murmeln in der Flasche, habt ihr die zweite Rassel. Bevor ihr die Flasche aber zuschraubt und verklebt, wäre es eine tolle Sache, wenn ihr ein noch ein wenig Vogelsand mit in die Flasche gebt. Dadurch wird der Klang der Murmeln in der Flasche gedämpft und Dein Kind wird feststellen, dass sich die beiden Rasseln auch im Bezug auf die Geräusche, die sie machen, unterscheiden.

Variante 3: Rassel aus dem Allerlei

Baby-Traube-PinzettengriffSolltet Ihr, auch nach dem Bau der beiden ersten Rasseln, noch Bohnen und Murmeln übrig haben, so nimm drei Schälchen und fülle je eine mit Bohnen, Nudeln und Murmeln auf. Nun überlass es Deinem Kind, mit welchem der drei Materialien es die dritte Flasche füllen möchte. Lass es ganz in Ruhe und ohne Zeitdruck auswählen.

Vielleicht füllt es einfach alle drei Materialien in die Flasche oder es hat einen Favoriten, wer weiß?!

Zeit & Raum geben um sich zu konzentrieren

Wenn Dein Kind während des Spiels ganz vertieft ist und sich konzentriert mit einer Sache beschäftigt, dann ist es enorm wichtig, diese Konzentration nicht zu unterbrechen oder zu stören. Sorge bitte dafür, dass ihr immer ausreichend Zeit für solche Projekte habt. Denn diese Konzentration, in der sich Dein Kind dann befindet, ist sehr wichtig für die Weiterentwicklung des Gehirns.

 

3. Spieltipp – Für Wassermänner und Badenixen

 

Foam-born babyWas Ihr benötigt:

  • entweder Badetiere
  • oder Tischtennisbälle (vielleicht die, aus dem Spieltipp #9)

Dein Kind kann jetzt schon recht sicher auf einer Anti-Rutschmatte oder in einem passenden Badesitz in der Badewanne sitzen.

Wirf das Badetier oder den Tischtennisball in die Badewanne und mache Deinen kleinen Seepiraten auf den Gegenstand aufmerksam. Drücke den Gegenstand unter Wasser und lass ihn dann aus dem Wasser springen. Wenn der Tischtennisball oder das Badetier anschließend auf dem Wasser vor sich hin dümpelt, animiere Dein Kind danach zu greifen.

Der Clou ist, dass der Gegenstand beim ersten Versuch sehr wahrscheinlich von der Hand Deines Kindes davon schwimmt. Hier ist der – nicht gerade geringe – Anspruch, dass Dein Kind mit dem richtigen Krafteinsatz das Tier/den Ball zu fassen bekommt, was gar nicht so einfach ist.

Wichtig ist darauf zu achten, dass es nicht zu einem Frustrationserlebnis kommt. Sollte das Greifen dieses schwimmenden Gegenstandes nicht klappen, dann halte Deine Hand leicht dagegen, so dass der Gegenstand nicht wegschwimmen kann.

 

4. Spieltipp – Muffinformen sind toll!

 

muffin backform mit papierförmchenWas Ihr benötigt:

  • Backblech für Muffins
  • Muffinformen

Bei diesem Spieltipp wird auf die „Kategorien“ aus der Spielend Lernen Ausgabe #9 zurückgegriffen, die Dein Baby jeden Tag ausgiebig versucht anzuwenden. Dieser Tipp wird Dein Kind zum einen darin fördern, schon gewonnene Kategorien zu erkennen und zum anderen gezielte Griffe auszutesten.

Zuerst kannst Du ein Backblech mit Muffinformen vor Dein Kind legen. Nun breitest Du kleine Gegenstände (Knöpfe, Münzen, kleine Bonbons, kleine Spielzeugautos, Bohnen etc.) gemischt davor aus. Lass Deinen kleinen Sortierer nun diese Gegenstände in die Muffinformen einsortieren, indem Du ihm erstmal zeigst, wie es funktioniert. Nach ein bis zwei Durchgängen kannst Du Dein Kind motivieren es dir nachzumachen. Da es Kategorien nun erkennt und damit umzugehen weiß, kann es die verschiedenen Gegenstände entsprechend sortiert in die Förmchen legen.

Was Dein Kind in der heutigen Ausgabe lernen konnte:

  • Man kann Dinge finden, die man erst mal gar nicht sieht
  • Gegenstände können in anderen verschwinden, ohne weg zu sein
  • Ich kann mit verschiedenen Gegenständen, unterschiedliche Geräusche erzeugen
  • Alle Gegenstände fühlen sich anders an
  • Je nach Material ist der Kraftaufwand zum Greifen ein anderer

 

Lena_fordernd

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