Spielend Lernen #11: Dein Baby zeigt seine Gefühle

Vanessa Glunz

Bisher hat Dein kleiner Liebling alles über sich „ergehen“ lassen. Jetzt mit 9 Monaten und 4 Wochen fängt Dein Baby an, seine Gefühle auszudrücken. Wie es das macht und wie Du es dabei unterstützen kannst, erfährst Du in unserer heutigen Ausgabe von Spielend Lernen.

 

Erste Gefühle inklusive

 

Dein Baby kann natürlich bereits von Geburt an Gefühle ausdrücken. Dass es etwas ekelig findet, es überrascht ist, es Spaß an etwas hat oder es irgendetwas interessiert, wirst Du ganz schnell bemerkt haben. Gefühle, so wie wir sie kennen, entwickeln sich jedoch schrittweise. Angst, Wut, Liebe, Ärger, Eifersucht kennt ein neu geborenes Baby noch nicht. Diese Gefühle wird Dein Kind erst mit der Zeit erlernen und vor allem erfahren. Das hängt größtenteils mit der geistigen und sozialen Entwicklung eines Kleinkindes zusammen.

Wohl oder Unwohl?

 

Baby_Neugeboren_schläftAm Anfang stehen Gefühle wie wohl und unwohl sein, Lust oder Unlust im Vordergrund. Du als Mama verstehst intuitiv die Signale Deines Babys und reagierst entsprechend. Mit Schreien hat Dir Dein neugeborenes Baby sein Unwohlsein ausgedrückt. Mit ca. 2 Monaten konnte Dir Dein Baby durch die Variation seines Tonfalls beim Schreien mitteilenob es schmusen möchte, Hunger hat oder einfach müde ist und seine Ruhe braucht.

In den ersten Wochen/Monaten hat sich Dein Baby noch sehr stark von Deiner Gefühlswelt „anstecken“ lassen. Hattest Du in einer Situation Stress oder warst nervös, hat Dein Baby selber mit Unruhe reagiert. Mit 9 Monaten und 4 Wochen erlebt Dein kleiner Schatz auf einmal selber starke Gefühle wie z.B. Trennungsangst. Dein Baby erkennt nun auch, ob Du vor etwas Angst hast, Du sauer bist oder wenn Du auf etwas freudig reagierst.

Wusstest Du schon, dass…


 

… Dein kleiner Schatz bereits 20 bis 50 Prozent der Persönlichkeit über die Gene mit auf den Weg bekommen hat?

Die erste eigene Gefühlslawine

 

Wha, wha, what!!??Mit 9 Monaten und 4 Wochen reifen die ersten persönlichen Gefühle, so wie Du sie von Dir kennst, in Deinem kleinen Schatz heran. Es fühlt zum ersten Mal Angst vor etwas, merkt wenn Du wütend oder fröhlich bist oder verspürt ein Unbehagen gegenüber fremden Personen. Dies lässt sich erneut auf die Möglichkeit Deines Babys zurückführen, die Welt in Kategorien einzuteilen. Zwar reagierte Dein Kind schon früher darauf, wenn es laute oder sogar aggressive Gespräche in seiner Umgebung wahrnahm, doch nun begreift Dein Kind allmählich, dass damit bestimmte Gefühle, Gestiken und Gesichtsausdrücke einhergehen. Dein Baby kann somit die Bedeutung eines Tonfalls mit der dazugehörige Mimik oder Gestik entschlüsseln und mit bestimmten „Gefühlskategorien“ abgleichen.

Die emotionalen und geistigen Fähigkeiten sind jetzt so weit entwickelt, dass es die Trennung von Dir oder dem Papa stärker denn je erlebt. Hierfür ist die Angst vor der Trennung von Dir verantwortlich – das erste starke Gefühl Deines kleinen Wonneproppens. Das Paradoxe daran: auf der einen Seite zurück zu Mama und auf derZwinkerndes Baby anderen Seite bewegt es sich durch Robben, Krabbeln oder sogar schon gehen, von Dir weg. Doch auch das Fortbewegen geht nur, wenn es weiß, dass Du da bist. Dein Baby braucht die Gewissheit, dass es jederzeit zu Dir zurück kann. Denn bei Dir findet es Schutz und Geborgenheit. Ist Dein Baby mal wieder auf einer seiner kleinen Entdeckungstouren und erschrickt dabei z.B. aufgrund eines lauten Geräusches, wird es ganz schnell den Kopf in Deine Richtung drehen, um zu sehen, wie Du reagierst. Dein Baby orientiert sich daran, wie Du oder eine andere Bezugsperson auf solche Situationen reagieren. Mit anderen Worten: Es versucht die Situation in eine emotionale Kategorie einzuordnen. Lachst Du in dieser Situation, weiß Dein Baby, dass es nichts Schlimmes ist. Das kannst Du Dir z.B. auch beim Kinderarzt zunutze machen: Verziehst Du z.B. schmerzerfüllt beim Impfen Dein Gesicht, wird Dein Baby mit Unwohlsein reagieren und anfangen zu weinen. Sprichst Du ihm aber gut zu und lächelst dabei, wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nichts Negatives erwarten und Ihr übersteht den Impftermin ohne viele dicke Tränen.

Lernen, mit Gefühlen umzugehen

 

Die ersten starken Gefühle werden Deinen kleinen Liebling überrollen wie eine Lawine, mit der es alleine nicht fertig wird, weil es sich noch nicht selbst trösten, ablenken und beruhigen kann. Auch das muss Dein Baby erst lernen. Mit der Zeit wird es aber imstande sein, mit seinen Gefühlen zurechtzukommen. In dieser Phase kannst Du es dann auch, nach dem ins Bett bringen, mal etwas meckern lassen. Lass dann z.B. die Zimmertür auf und singe oder rede etwas, damit Dein Baby Dich hören kann. So lernt es Stück für Stück, wie es sich in einer unguten Situation selbst beruhigen kann.

Aufforderung MitmachenHat Dein Baby des Öfteren einen Gefühlsausbruch? Dir tut das leid, aber irgendwie sieht es dabei so drollig aus? Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder und Videos und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns auf Dein Feedback! 

Fremdeln verstehen leicht gemacht

 

Baby hinter Beinen (1)Die „Fremdelphase“ erreicht aktuell ihren Höhepunkt. In der Spielend Lernen Ausgabe #8 wurde das Thema „Fremdeln“ bereits erwähnt. Das „Fremdeln“ ist eine Phase, durch die jedes Baby gehen muss. Bei einigen Kindern ist die Phase ziemlich stark und früh ausgeprägt. Bei anderen kommt dieser „Gefühlsschub“ erst später oder schwächer. Fremdeln kommt auch oft gegenüber bekannten Personen, wie der Oma oder dem Opa vor und ist völlig normal. Lass Dir hier nur nichts einreden: Fremdeln ist ein wichtiger Entwicklungsschritt und hat nichts damit zu tun, dass Dein Kind verwöhnt ist oder Du langsam wieder arbeiten gehst. Da Dein Baby mittlerweile die Welt in vielerlei Kategorien einteilen kann, ist es auch in der Lage zwischen vertrauten oder fremden Personen zu unterscheiden. Fremdeln ist also ein gesundes und lebensnotwendiges Misstrauen gegenüber Unbekanntem und hilft Deinem Kind dabei, seine fortschreitende Entwicklung und Selbstständigkeit zum Ausdruck zu bringen.

Tipps zum Umgang mit dem Fremdeln:

  • Zuerst musst Du Dir darüber klar werden, dass Dich Dein Baby nicht ärgern will.
  • Nimm die Angst Deines Babys ernst.
  • Bitte fremde Personen darum, nicht zu schnell, zu aufdringlich und laut auf Deinen kleinen Schatz zuzugehen.
  • Beobachte Dein Baby und nimm es auf den Arm, wenn Du merkst, dass es in einer Situation ängstlich reagiert.
  • Warte ab, bis Dein Baby den ersten Schritt in Richtung der fremden Person macht – meist ist das Eis dann gebrochen, wenn es sich sicher fühlt und weiß, dass Du da bist.
  • Auch Dein Verhalten und Deine innere Einstellung zu der Person nimmt Dein Baby auf. Wenn Du ein entspanntes Verhältnis zu der anderen Person hast, wird Dein kleiner Schatz auch weniger verängstigt auf diese Person reagieren.

Das Wichtigste für Dich zusammengefasst

 

  • Gefühle müssen erlernt und erlebt werden
  • Dein Baby muss erst lernen mit seinen neuen Gefühlen um zu gehen
  • „Zurück-zu-Mama“ gibt Deinem Baby Sicherheit und Geborgenheit und das braucht es in dieser neuen (Gefühls-)Welt am Meisten
  • Fremdeln ist normal und hat nichts mit verwöhnt sein zu tun – hab Geduld mit Euch beiden und nimm die Angst Deines Babys ernst

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