Spielend Lernen #21: Die ersten gerichteten Worte

Nadine Bäsig

Den ersten Geburtstag habt Ihr gebührend gefeiert, doch die Entwicklung Deines Kindes macht keine Pause. Jetzt macht Dein Kind in seiner sprachlichen Entwicklung fortschritte. Welche Gehirnprozesse dabei involviert sind und was sonst noch im Bereich der Sprache geschieht? Finde es hier heraus:

 

Kauderwelsch oder doch Deutsch?

 

Baby redet mit MutterIn der Spielend Lernen Ausgabe #7 sind wir bereits auf die ersten Gespräche zwischen Dir und Deinem Baby eingegangen. Zu diesem Zeitpunkt habt Ihr noch non-verbal miteinander kommuniziert und Dein kleiner Wonneproppen hat begonnen Silbenketten zu bilden. Jetzt, im Alter von 12 Monaten und 1 Woche, ist es nicht mehr der Zufall, der Worte entstehen lässt. Zuerst wird sich der Wortschatz Deines Babys, neben Mama und Papa, auf eine Handvoll Wörter beschränken. Dennoch wird Dein kleiner Schatz munter drauf los plappern. Manchmal hört es sich vielleicht sogar so an, als würde Dein Baby in einer fremden Sprache sprechen. Es entstehen kurze, betonte Sätze, die dann eben wie eine Fremdsprache klingen. Spreche aber selber nicht zu oft in diese „Babysprache“, denn Dein Baby soll lernen, wie die „Erwachsenensprache“ klingt und wie man sie spricht.

Verstehen geht besser als sprechen

 

Dein Baby ist jetzt in seiner Entwicklung so weit, dass es kurze einfache Fragen und Anweisungen „beantworten“ kann. Fragst Du Deinen Liebling z.B. „Wo ist Deine Nase?“ wird es Dir seine Nase zeigen und eventuell auch schon mit einem „da“ kommentieren. Wenn Du es aufforderst „Gib mit bitte den Schlüssel!“, wird es Dir diesen auch geben – sofern es Lust dazu hat. Eventuell bekommst Du auch eine Antwort durch eine Geste wie z.B. Kopfschütteln anstatt einem „Nein“.

Jedes „Ding“ bekommt jetzt einen Namen

 

Baby in heap of wearBabys kreieren zunächst häufig eigene Bezeichnungen für bekannte Gegenstände. So wird der Papa zu „Dada“ oder Schwester Sophia zu „Fia“. Dein Kleines ist gerade noch dabei, Laute auszuprobieren. Obwohl Du sicher diese neuen Worte Deines Babys verstehst, verwende die richtige Bezeichnung. So lernt Dein Baby nach und nach mehr Wörter kennen und sie richtig auszusprechen. Diese Phase bezeichnet man als Entwicklungsstufe der „Lallmonologie“.

Für Schlaumeier: Was ist Lallmonologie?

Das ist die Nachahmung der in der Umgebung vorhandenen Sprachlaute. Viele Gegenstände mit ähnlichen Merkmalen benennen Babys mit demselben Wort, zum Beispiel wird der „Mond“ zum „Ball“.

Jetzt bist Du wieder mehr gefragt: Du musst Deinem Baby nun helfen, eine geistige Verbindung zwischen Gegenständen und deren Namen herzustellen. Wie Du das machst? Rede mit Deinem Baby, erzähle ihm, was Du tust, was Du siehst und lass es die „Dinge“ so begreifen. Beim Treppensteigen kannst Du die Treppenstufen zählen, im Supermarkt das Obst und Gemüse benennen und beim Sonntagsspaziergang die gesichteten Tiere. Je mehr Du mit Deinem Baby sprichst und erzählst, desto schneller wird sein Wortschatz wachsen. Auch Bilderbücher sollten jetzt noch mehr Interesse bei Deinem Kind wecken. Erzähle Deinem Baby was Du auf den Buchseiten siehst und lass Dir die Dinge von ihm suchen und zeigen. Schon bald wird Dein kleines Plappermaul versuchen, Dir seine eigenen Geschichten zu den bunten Motiven im Buch zu „erzählen“. Auch Aufforderungen mit Auswahlmöglichkeiten sind toll, um den kleinen Schatz zum Sprechen zu animieren. Beim Anziehen könntest Du Dinge fragen, wie „Welche Socken möchtest Du? Die Blauen oder die Gelben?“.

Was hör ich da? Jetzt geht’s los!

 

„Mama“, „Papa“, „Ball“, „Keks“, „nein“ – Du zerspringst fast vor Glück und Stolz, dass Dein Wonneproppen die ersten Worte sprechen kann? Bis hierher war es ein langer Weg und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Die Sprachentwicklung ist spannender als jeder Krimi – sowohl für Dich als Elternteil, als auch für Dein Baby. Jeden Tag kommen neue Wörter hinzu.

Wusstest Du schon, dass…

… Dein Baby von nun an mindestens 10 Wörter pro Tag lernt? Mit 18 Monaten beherrscht Dein kleiner Schatz rund 50 Wörter.

Warum lernt ein Baby Sprache?

 

DSprechende Mutter mit Kindie verbale Kommunikation ist für Dein Baby aus zwei Gründen wichtig und nützlich:

  1. Es erhält über die Sprache wichtige Informationen.
  2. Es dient Deinem Baby selbst als Kommunikationsmittel, durch das es seine Wünsche und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen kann.

Am Anfang hat Dein Baby noch durch Körpersprache kommuniziert, z.B. in dem es den Teller weggeschoben hat, wenn es satt war. Doch von nun an, wird es immer mehr Wörter sprechen und verstehen können, womit es Dir allmählich verbal mitteilen kann, was es möchte und was nicht.

Wie lernt ein Baby Sprache?

 

Eigentlich lernt es die Sprache von selbst und zwar durch zuhören. Hierbei waren bereits die ersten Lebensmonate ausschlaggebend, denn in diesem Alter wurden die Sprachregionen im Gehirn bereits trainiert. Dein Baby lernt vor allem viel aus den „Gesprächen“, die Du mit ihm führst. Denn Du kommunizierst auf eine liebevolle Art und Weise und einfachen Worten mit Deinem Schatz. Achte darauf, dass Du Deinem Schatz bei einem Eurer vielen Gespräche immer direkt in die Augen schaust. Denn durch die direkte Ansprache lernt es viel viel mehr, als wenn es Gesprächen zwischen Erwachsenen oder den Stimmen im Fernsehen lauscht. Warum? Wenn Du oder eine andere Person direkt mit dem Baby sprichst, fühlt es sich involviert, wird sich aktiv mit diesen Worte auseinandersetzen und sie in seiner kleinen Denkmaschine verarbeiten.

Ein Tipp für Schlaumeier: Da es selbst für erfahrene Experten immer noch an ein Wunder grenzt, wie unser Gehirn die komplexen Sprachstrukturen erlernen kann, geht diese BBC Dokumentation dem Phänomen „Sprechen lernen“ auf den Grund. Dafür hat Sprachwissenschaftler Dr. Deb Roy seine Wohnung in ein Sprachlabor umgewandelt und beobachtet, wie sein Kind Tag für Tag die Sprache erlernt:
Sag´s doch! Warum der Mensch spricht.

Unser Tipp für eine gute Sprachentwicklung

 

Baby isolated on a white backgroundKann Dein kleiner Sprachkünstler bereits einige Worte sprechen? Dann solltest Du ihm nicht mehr alles geben, worauf es ohne Sprachlaute zeigt. Natürlich ist es ein tolles Gefühl, wenn ihr beiden Euch ohne Worte versteht, dennoch kannst Du die Sprachentwicklung Deines Babys auf ganz einfache Weise unterstützen, indem Du es aufforderst, seinen Wunsch mit Worten auszudrücken. Wenn Dein Baby auf etwas zeigt, frage es „Was möchtest Du haben?“, und komme seinem Wunsch nach. Noch ist es nicht wichtig, wie, sondern dass Dein Baby spricht. Freue Dich mit Deinem Kind über jedes neue Wort, denn Lob spornt es an! Vielleicht bekommt Dein Baby somit nicht sofort seine Wünsche erfüllt, Du ermöglichst ihm aber, dass es mit den richtigen Worten auch von anderen Personen verstanden wird. Vergiss beim Sprechen mit Deinem Baby nie die Höflichkeitsformen „bitte“ und „danke“. Verwendest Du diese von Anfang an, dann wird es für Dein Baby zur Selbstverständlichkeit

Korrigiere Dein Kind auch nicht! Falsch wäre es wenn Du bei „Mama, pomm mal!“ eingreifst und sagst: „Das heißt aber: Mama, komm bitte“. Verpacke die richtige Wortwahl lieber in Deiner Antwort: „Ja, ich komme gleich zu Dir!“.

Nicht zu vergessen!

 

Denke aber bitte immer daran, dass sich jedes Kind individuell in seinem Tempo entwickelt. Dein Baby ist einzigartig und entwickelt sich daher auch in seiner eigenen Geschwindigkeit. Mädchen lernen meist schneller sprechen als Jungen und schüchterne Kinder reden weniger als extrovertierte. Wenn Dein kleiner Schatz ein Frühchen war, dann wird es vermutlich auch mehr Zeit brauchen, bevor es solche komplexen Dinge erlernt, die ein Gleichaltriges bereits kann. Dein Kinderarzt sollte immer die erste Adresse für Fragen sein. Er orientiert sich bei den Vorsorgeuntersuchungen vermutlich auch am errechneten Geburtsdatum und nicht am tatsächlichen.

Muss ich mir sorgen machen?

 

Dein Baby mag noch nicht sprechen? Lass ihm noch ein wenig Zeit. Bei manchen Kindern dauert es eben etwas länger bis das erste richtige Wort über die Lippen kommt. Doch dann kann es sein, dass genau diese Babys schneller ganze Sätze bilden können als Gleichaltrige, die schon früher ihre ersten Worte gesprochen haben. Sehr wichtige Voraussetzung für die Sprachentwicklung ist ein gutes Gehör. Hast Du den Eindruck, dass etwas mit dem Gehör Deines Babys nicht stimmt oder dass die sprachliche Entwicklung Deines Babys keine Fortschritte macht, dann solltest Du auf jeden Fall Deinen Kinderarzt aufsuchen. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig.

Aufforderung Mitmachen

Zeigt Dein kleiner Schatz z.B. die Nase wenn Du ihn danach fragst? Dann schnapp Dir Deine Kamera und fange diesen tollen Moment mit Deiner Kamera ein. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Rede viel mit Deinem Kind und erkläre ihm die Welt mit Worten.
  • Wenn Dein Baby noch viel in der Babysprache „spricht“, solltest Du darauf achten, dass Du nicht zu sehr mit ihm in dieser Sprache kommunizierst.
  • Animiere Dein Kind zu sprechen, indem Ihr Euch gemeinsam Bilderbücher anschaut, Du ihm kleine Geschichten vorliest oder etwas vorsingst.
  • Reagiere nicht mehr so oft auf die non-verbale Kommunikation, sondern lass Dein Baby sprechen.
  • Gib Deinem Baby Zeit, wenn es noch nicht so viel spricht: jedes Baby entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.

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