Spielend Lernen #22: Zur Grobmotorik reiht sich die Feinmotorik

Nadine Bäsig

Wie die Zeit verrinnt. Jetzt ist Dein Baby kein Baby mehr sondern ein Kleinkind und wird von Tag zu Tag geschickter. Die Grobmotorik macht im wahrsten Sinne „große Schritte“ und wird nun ganz langsam von der Feinmotorik ergänzt. Was Du zu diesem Thema wissen solltest findest Du im Wissensteil heraus.

 

Die Entwicklung der Motorik

 

Im Vergleich zur Wahrnehmungsfähigkeit war die Motorik in den ersten Lebensmonaten nur sehr unzureichend entwickelt. Zunächst hat Dein Baby viel mehr Informationen aufgenommen, als es offenbar verwerten und in motorische Reaktionen umsetzen konnte. Hier eilte die Sensorik der Motorik erst einmal voraus.

Die Wechselwirkung zwischen Motorik und anderen Entwicklungsbereichen

Die Wechselwirkung zwischen Motorik und anderen Entwicklungsbereichen

Im Laufe des ersten Lebensjahres gelang es Deinem Kind, analog zur Reifung des zentralen Nervensystems, zunehmend besser seine Bewegungen bewusst zu steuern. Es hat gelernt, seinen Kopf zu halten, ihn von einer Unterlage abzuheben, Gegenstände zu ergreifen, sich herumzudrehen, zu sitzen, zu krabbeln, zu stehen und letztendlich zu laufen. Inwieweit hierbei die vorliegenden Reflexe integriert und genutzt, oder ob sie völlig ausgelöscht und durch neue Bewegungsmuster ersetzt wurden, ist wissenschaftlich noch umstritten. Beim Erwerb der neuen Bewegungsmuster galten die folgenden Entwicklungsregeln:

a) biologische Abhängigkeit: die Entwicklung des Verhaltens ist an die körperliche Entwicklung gebunden und erst die Reifung des Nervensystems und der Muskeln ermöglichen Fortschritte im motorischen Bereich.

b) fortschreitende Differenzierung: die Bewegungen sind anfangs grob und ungenau, werden aber zunehmend verfeinert und effektiver. Zu Beginn verfehlt das Baby den Gegenstand den es haben will noch. Dann werden die Bewegungen allerdings immer zielsicherer.

c) Zentralisierung: das Zusammenspiel der einzelnen Bewegungen wird verbessert und zunehmend aufeinander abgestimmt. Das sogenannte Koordinationsvermögen verbessert sich im Laufe des ersten Lebensjahres und in der frühen Kindheit bedeutend. Leistungssteigerungen sind aber bis ins Erwachsenenalter zu beobachten.

Sein eigener Ingenieur sein

 

baby mit helmMit nun 12 Monaten und 3 Wochen ist Dein Kind in der „Zentralisierung“ angekommen. Es beginnt nun, sich seine Welt gezielt zu formen und zu gestalten – und das immer mehr mit seinen beiden kleinen Händchen, die es schon immer gezielter einsetzen kann. Der Pinzetten- und Zangengriff ist für Deinen kleinen Schatz kein Problem mehr. Damit entwickelt Dein kleiner Schatz aus seinem eigenen Befinden heraus realitätsorientierte Konstruktionsspiele. Dies wird im Fachjargon als „kindliches Schaffen“ bezeichnet. Dabei wird Dein kleiner Schatz zum Architekten bzw. Ingenieur bei der Entstehung seiner eigenen Spielwelt. Der Gedanken der Konstruktivität im Spiel nimmt von jetzt an immer zu. Dein kleiner Schatz setzt sich spielerisch mit den räumlichen Beziehungen von Gegenständen, Dimensionen des Raumes und der Schwerkraft auseinander und bezieht sein Konstruktionsspiel aktiv in seine Umwelt ein. Vor allem Behälter wecken in der jetzigen Spielphase das Interesse bei Deinem kleinen Architekten. Das Aus- und wieder Einräumen von Schubladen oder Behältern jeder Art steht jetzt ganz hoch im Kurs. Die Entwicklung von Geduld und emotionaler Stabilität sind in dieser Phase wichtige Lernprozesse.

Für wissbegierige Mamis: Gehirnentwicklung

Zum Zeitpunkt der Geburt beträgt die Gehirnmasse mit 300 bis 400 Gramm nur etwa 25% der des Erwachsenen. Mit 6 Monaten entspricht das Gehirngewicht knapp 50%, mit 2 1/2 Jahren 75% und mit 5 Jahren 90% des ausgewachsenen Gehirns. Zum Vergleich: Das Gesamtkörpergewicht beträgt bei der Geburt 5% und mit 10 Jahren 50% des Gewichts eines Erwachsenen.

Beschäftigung und Spielen mit Deinem Schatz

 

Dein einjähriges Kind kann sich schon allmählich eine ganze Weile alleine beschäftigen und konzentriert spielen. Am Liebsten tun sie das mit Steckspielzeugen, bei denen Formen sortiert werden müssen. Ansonsten spielen sie gerne mit Bauklötzchen und versuchen sich am Türmchen bauen. Aber auch „Erwachsenen-Dinge“, wie Schlüssel, Töpfe oder Deine Handtasche sind super interessant. Ebenso schlagen sie gerne Gegenstände gegeneinander und freuen sich über die erzeugten Geräusche.

Fördern, aber wie?

 

funny baby cooking at stoveDu solltest Deinem Kleinen so viel Bewegungsfreiraum wie möglich bieten. Dein Schatz
sollte sich in der Wohnung frei bewegen können und diese erkunden dürfen. Bitte kontrolliere in regelmäßigen Abständen, ob Deine Wohnung noch kindersicher ist. Lass Dein Kind oft an Alltags-Aktivitäten teilhaben. Ob Du nun Wäsche aufhängst, aufräumst oder kochst – Dein Kind genießt die gemeinsame Zeit und die spannenden Abenteuer. Du solltest Dein Kind noch weiter in seiner Selbstständigkeit unterstützen: Lass es z.B. selber essen und trinken. Rege Dein Kind an, bei Musik mitzusingen und zu tanzen. Wenn Dein Schatz mal wieder Krach mit zwei Gegenständen macht, dann atme tief durch und zeige Geduld. Es ist zwar nicht immer einfach, aber mit dem Hintergedanken, dass Dein kleiner Schatz sich momentan „fortbildet“, lässt es sich vielleicht besser aushalten. Falls es Dir aber doch irgendwann zu viel wird, dann nimm Deinem Kind das Spielzeug nicht einfach weg, sondern versuche es behutsam von einem leiseren Spielzeug zu überzeugen.

Unser Tipp für eine gesunde motorische Entwicklung

 

In den ersten sechs Lebensjahren sollten Kinder vor allem in den motorischen
Grundfertigkeiten
wie Laufen, Werfen, Springen, etc. gefördert werden. Ebenfalls sollten auch die Rhythmus-, Reaktions-, Orientierungs– und Gleichgewichtsfähigkeit gefördert und angeregt werden. Wie Du das am besten machst? Melde Dich und Deinen kleinen Schatz doch zum Eltern-Kind-Turnen an. So habt Ihr beide was davon und könnt ganz unbeschwert Zeit miteinander verbringen. Später kann Dein Kind auch alleine ins Kinderturnen gehen. Die meisten örtlichen Turnvereine bieten Eltern-Kind-Turnen oder zumindest ein Kinderturnen an. Günstig ist eine gewisse Regelmäßigkeit des Turnens. Ganz vorbildlich wäre zweimal die Woche à 45 Minuten.

Die miBaby-Checkliste zur motorischen Etwicklung

 

Unsere Checkliste gibt Dir Auskunft über die grobmotorische, sowie feinmotorische Entwicklung und die Koordination Deines kleinen Wonneproppens.

Anleitung zur Checkliste:

Kreuze „ja“ bzw. „nein“ an, je nachdem, ob Dein Kind die aufgeführte Fähigkeit bereits beherrscht oder eben noch nicht. Die Checkliste ist so zusammengestellt, dass etwa 90 Prozent der Kinder bis zum genannten Zeitpunkt diese Fähigkeit bereits beherrschen. Es ist also gut möglich, dass Dein Schatz schon deutlich mehr kann, als hier für sein Alter angegeben wird! Zähle zum Schluss die „nein“-Antworten.

Checkliste Motorik erstes Jahr

Auswertung zur Checkliste

  • Hast Du kein „nein“ angekreuzt, besteht kein Grund zur Sorge.
  • Hast Du ein- bis maximal zweimal „nein“ angekreuzt, warte noch zwei bis vier Wochen ab, vielleicht hat Dein Kind den Entwicklungsschritt dann inzwischen geschafft.
  • Hast Du jedoch mehrmals „nein“ angekreuzt oder kann Dein Kind auch Fähigkeiten, die bereits jüngere Kinder beherrschen sollten, noch nicht, solltest Du einen Termin beim Kinderarzt vereinbaren, damit dieser Dein Kind untersuchen und gegebenenfalls eine weiterführende Diagnostik in die Wege leiten kann.

Bitte denke aber daran, dass es durchaus normal sein kann, wenn Dein Kind bestimmte Fähigkeiten erst etwas später, als in der Tabelle angegeben, beherrscht. Grundsätzlich gilt: Bist Du über die Entwicklung Deines kleinen Lieblings beunruhigt, solltest Du immer Deinen Kinderarzt befragen.

Aufforderung Mitmachen

Dein kleiner Liebling tanzt gerne oder räumt gerne Schubladen aus und ein? Dann schnapp Dir Deine Kamera und halte alles mit Deiner Kamera fest. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Das Zusammenspiel einzelner Bewegungen kann Dein Kind immer besser aufeinander abstimmen.
  • Die Koordination der Hände ist nun so weit fortgeschritten, dass Dein kleiner Feinmotoriker zwei Gegenstände ergreifen und diese gegeneinander schlagen kann.
  • Das gezielte Loslassen ist nun kein Problem mehr und Dein Kind kann Dir ohne Probleme einen Gegenstand übergeben.
  • Das Interesse an Behälter jeder Art ist auf dem Höhepunkt. Mit Begeisterung werden diese Behälter jetzt aus- und eingeräumt.
  • Dein Kind übt sich durch die Behälter-Inhalt-Spiele in Geduld und emotionaler Stabilität.
  • Dein kleiner Baumeister erkundet in der aktuellen Spielphase räumliche Beziehungen von Gegenständen, Dimensionen des Raumes und die Schwerkraft.
  • Fördern kannst Du Dein Kind ganz einfach, indem Du es viel im Alltag „mitarbeiten“ lässt. Auch ein Eltern-Kind-Turnen ist eine gute Möglichkeit die Motorik zu fördern.

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