Spielend Lernen #23: Bücken, Stehen, Laufen

Nadine Bäsig

Der Wissensteil dreht sich heute rund um das Thema Laufenlernen. Hier erfährst Du in übersichtlichen Darstellungen, welche motorischen Entwicklungsschritte Dein Kind bis zu diesem Zeitpunkt schon durchlaufen hat, welche Bedingung für die ersten freien Schritte erfüllt sein müssen und auf was Du in dieser Entwicklungsphase achten musst.

 

Voraussetzungen zum Laufen lernen

 

Baby läuft an Mamas Hand in NaturBevor Dein kleiner Schatz Laufen lernen kann, müssen erst die Verbindungen zwischen dem Gehirn und den Nervenenden in den Beinen und Füßen reifen. Auch die Muskeln, Sehnen, Gelenke und Knochen müssen kräftig genug sein. Es liegt also in den Genen Deines Kindes, wann es mit dem Laufen beginnen kann. Daher kannst Du das Laufen lernen auch nicht durch Übung oder Zwang beschleunigen, denn Muskeln, Knochen und Gelenke sind noch nicht kräftig genug und würden dadurch überfordert werden, was später zu X- oder O-Beinen führen oder sogar den Rücken oder die Füße schädigen könnte. Doch wie kann ich dennoch meinen kleinen Schatz gezielt in dieser wichtigen Entwicklungsphase unterstützen?

Unterstützen, aber wie?

 

Gönne Deinem Kind möglichst viel Bewegungsfreiheit. Was das konkret bedeutet? Lege Dein Kind lieber auf den Boden auf eine Krabbeldecke, als dass Du es in eine Wippe oder einen Hochstuhl setzt. So kann sich Dein Kind drehen, hinsetzen, krabbeln, aufstehen und laufen, wann immer es Lust dazu hat. Dadurch liegt die Kontrolle über die Entwicklungsgeschwindigkeit komplett in den Hände Deines Kindes, welches sich nicht überfordern kann. Wenn Dein Kind dann einen Entwicklungsschritt voranschreitet, dann lobe es überschwänglich. Das bringt große Freude und ist zugleich Ansporn, um bei Schwierigkeiten nicht gleich aufzugeben. Wenn Du mit Deinem Kind spielst, solltest Du darauf achten, dass Du Dein Kind nicht überforderst. Das heißt, dass Du es nicht dazu animierst Strecken zurückzulegen, die ihm noch zu weit sind.

Evolution im Zeitraffer

Bis der Mensch aufrecht gehen konnte, hat die Evolution Millionen von Jahren gebraucht. Dein Baby schafft diese Entwicklung durchschnittlich in 15 Monaten. In der folgenden Grafik haben wir Dir die wichtigsten Etappen auf dem Weg zum großen Ziel Deines Kindes aufskizziert und nachfolgend in einer Tabelle zusammengefasst.

Motorische Entwicklung

Meilensteine der motorischen Entwicklung

Meilensteine der motorischen Entwicklung

Wusstest Du schon, dass…

75% aller Kleinkinder im Durchschnitt mit 13 Monaten laufen können. Mit 15 Monaten sind es schon 90%. Hast Du einen „Früh-Aufsteher“ dann kann es vielleicht schon mit 8 Monaten laufen. Spätzünder können ihre ersten Schritte aber auch erst mit 18 Monaten machen.

Die ersten Schuhe – wann?

 

SchritteDer richtige Zeitpunkt für den ersten Schuhkauf ist gekommen, wenn Dein Kind sicher auf den eigenen Füßen unterwegs ist und auch draußen ohne Hilfe herumläuft. Allerdings ist es auch dann immer noch das Beste, wenn es die Schuhe nur außerhalb der Wohnung trägt – im Haus ist weiter Barfußlaufen angesagt. Denn dabei kann es den Boden unter den Füßen spüren und die richtige Balance und Koordination kennen lernen. Ist der Boden zu kalt, dann empfehlen sich auch Stopper-Socken. Barfuß laufen ermöglicht es den kleinen Füßen, sich natürlich zu entwickeln, ohne in Schuhen eingezwängt zu sein. Da die Knochen Deines Kindes noch sehr weich sind, könnten seine Füße Schaden nehmen und sich möglicherweise verformen, wenn es zu früh mit Schuhen läuft.

Wenn es soweit ist, dann geht am besten in ein Schuhgeschäft, wo ihr professionell beraten werdet und die Füße Deines Schatzes gemessen werden. Achte beim Kauf auf die richtige Länge und Weite des Schuhs. In Bezug auf die Länge, sollten die Schuhe innen mindestens 12 mm und maximal 17 mm länger sein als die Füße, damit Dein Kind seine Füße beim Gehen optimal abrollen kann. Und Achtung: Der berühmte Druck mit dem Daumen auf die Schuhspitze bringt nichts, denn meistens zieht das Kind die Zehen dabei automatisch ein. Die Sohle des Schuhs sollte flexibel und rutschfest sein. Des Weiteren sollte der Schuh einen guten Halt geben – insbesondere im Bereich der Ferse. Ene herausnehmbare Sohle ist ebenfalls wichtig. Zum einen lässt sich der Schuh so besser trocknen und zum anderen kann so regelmäßig überprüft werden, ob der Schuh noch passt. Wenn diese Punkte beachtet wurden hast Du bereits an das Wichtigste beim Schuh-Shopping gedacht. Zusätzlich kannst Du darauf achten, dass die Schühchen aus atmungsaktivem Material wie Leder, Baumwolle oder Segeltuch gefertigt sind, da Schuhe aus Kunststoff die Füße Deines kleinen Schatz zum Schwitzen bringen, was zu Pilzinfektionen führen kann.

Da der optimale Kinderschuh meist nicht ganz günstig ist, haben wir nachgeforscht: Experten sehen kein Problem damit, wenn Eltern die kaum getragenen Schuhe an jüngere Geschwister „weitergeben“. Einzige Bedingung: der Schuh ist nicht schräg abgelaufen und das Fußbett ist nicht zu sehr „ausgelatscht“.

Wissenswertes zum Thema Füße!

Im Alter von 1 bis 3 Jahren wachsen die Füße eines Kindes etwa anderthalb Zentimeter. Wenn Du also Schuhe mit 17 mm Längenspielraum kaufst, dann passen die Schuhe ca. 3 bis 4 Monate. Deshalb immer wieder überprüfen ob der Schuh noch passt. Im schlimmsten Fall werden die Schuhe über Nacht zu klein. Oft bemerkt man auch, dass die Schuhe zu klein sind, wenn der Zehennagel am großen Zeh umgeknickt ist oder beginnt zu splittern. Dann ist es aber aller höchste Eisenbahn!!!

Gehfrei vs. Lauflernhilfe

 

Du denkst darüber nach, Deinem kleinen Schatz ein Gehfrei/Babywalker oder einen Lauflernwagen zu kaufen. Wir haben alles Wissenswerte für Dich in einer Übersicht zusammengefasst:

Gehfrei vs Lauflernwagen

Laufen? Wer? Mein Kind?

 

Du machst Dir Gedanken weil, Dein kleiner Schatz einfach nicht anfangen möchte zu laufen? Erst einmal tief durchatmen. Natürlich fragt irgendwann die halbe Welt: „Und? Kann Dein Kind schon laufen?“ In diesem Fall denke bitte immer daran: Jedes Kind ist einzigartig und somit auch in seiner Entwicklung individuell. Bis 20 Monate kann sich Dein Kind problemlos Zeit lassen. Natürlich gibt es auch Fälle von motorischen Entwicklungsverzögerungen, in denen tatsächlich Handlungsbedarf angezeigt ist. Dazu muss das Kind nicht unbedingt regelmäßig zur Krankengymnastik. Oft reicht bereits eine einzige Behandlung bei einem Osteopathen oder einem Cranio-Sacral- Therapeuten und schon geht’s weiter in der Entwicklung. Es gilt eine einfache Regel: Wenn Dein Kind in seiner Entwicklung statt eines Fortschritts oder eines Stillstandes (z.B. wegen durchbrechender Zähnchen) eher einen Rückschritt macht; wenn es also etwas bereits Gelerntes nicht mehr kann, dann solltest Du das in jedem Fall medizinisch abklären lassen. Bist Du Dir aber unsicher, dann kannst Du jederzeit das Gespräch mit Deinem Kinderarzt suchen. Er kann klären, ob Dein Baby nur mangelndes Interesse am Laufen lernen hat oder ob es einen medizinischen Grund dafür gibt.

Aufforderung Mitmachen

Die ersten Laufversuche deuten sich an? Dann schnapp Dir Deine Kamera und fange diesen einzigartigen Moment mit Deiner Kamera ein. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

 

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Die Voraussetzung, dass Dein Kind laufen lernen kann, ist die Verbindung zwischen Gehirn und den Nervenenden in den Beinen und Füßen.
  • Dein Kind lernt das Laufen nicht schneller, wenn Du es „künstlich“ zum Laufen animierst.
  • Zu frühes Hinstellen kann zu Fehlstellungen der Füße und zu Wirbelsäulenschäden führen.
  • Gönne Deinem Kind Bewegungsfreiheit und Lobe es für das was es kann. Das ist das beste Mittel Dein Kind zu fördern.
  • Lass Dein Kind solange wie möglich barfuß laufen. Das fördert die Balance und die Koordination.
  • Kinderschuhe nicht zu groß kaufen und auf die Qualität achten! Der Preis sollte weniger eine Rolle spielen.
  • Die Evolution hat Millionen von Jahren gebraucht, bis der Mensch aufrecht gehen konnte, deshalb gib auch Deinem Kind die Zeit die es braucht.
  • Lass Dich nicht auf den Konkurrenzkampf mit anderen Mamis ein: Dein Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo.

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