Spielend lernen #24: Spieltipps zum Thema „Programme“

Natalie Bolte

Ein wenig wehmütig wirst Du schon festgestellt haben, dass die Zeit des „Baby seins“ vorbei ist und Dein Schatz nun ein echtes Kleinkind ist. Interaktion wird jetzt nicht nur groß geschrieben, sondern wird immer facettenreicher. Heute halten wir tolle „Programme“ für Dich bereit.

Imitation mit gewissen Freiheiten

 

baby putzt mit mutter zähneDass Dein Kind Programme lernt ist enorm wichtig, damit es sich im Alltag zurecht findet, Abläufe kennenlernt und neue Tätigkeiten dazu lernt. Natürlich wird es diese Aktivitäten nicht selber ausführen können und so beherrschen wie Du. Dennoch ist es für die weitere Entwicklung wichtig, dass Dein Kind weiß, was es bedeutet, wenn Du das Wasser in die Badewanne einlässt oder Deine Schuhe anziehst.

Du wirst feststellen, dass Dein Kind Deine Programme auf seine eigene Weise „interpretiert“. So wirst Du durchaus erkennen können, dass Dein Kind zwar Staub wischt, dies aber in einer völlig anderen Art und Weise tut, als Du. Lass ihm diese Spielräume und versuche nicht Deinen kleinen Programmleiter zu korrigieren.

Helfen „Babys Programme“ auch Dir?

 

Absolut! Denn Du kannst Dein Kind jetzt immer mehr in den Alltag einbinden, da es versuchen wird Dir auf unterschiedliche Weise zu helfen. Natürlich musst Du mehr Zeit für jede Tätigkeit einplanen, wenn Dein kleiner Nachmacher neben Dir herumhüpft. Das Nachahmen von Alltagstätigkeiten bringt Dein Kind bei seiner weiteren Entwicklung aber enorm voran. Wenn Du ihm zusätzlich ausführlich erklärst, warum Du jetzt die Töpfe aus dem Schrank holst oder das Wasser in die Badewanne lässt, dann wird sich Dein Kind enorm schnell diese Abläufe einprägen können.

Spieltipp 1: „Viele Köche verderben eben nicht den Brei!“

 

Ihr benötigt:

  • Eine Kinderküche oder etwas anderes, was man dazu umfunktionieren kann
  • Edding
  • Kleber
  • Schere

Viele Kinderküchen sind mit der Altersangabe „Ab 3 Jahren“ versehen, was sehr schade ist. Dennoch haben wir eine „Kleinkindküche“ gefunden, die auch schon kleinere Kinder ohne Gefahren benutzen können. Voraussetzung zum Spielen ist natürlich Dein wachsames Auge und die Verwahrung aller verschluckbaren Kleinteile.

Wenn der Platz in Deiner Küche ausreicht, dann stelle die Kinderküche einfach mit dazu und animiere Dein Kind Dir beim Kochen zu helfen. Vergebe kleine Aufgaben, wie „Kannst Du bitte schon mal das Nudelwasser kochen“ oder „Bitte wasche schon mal das Obst für den Nachtisch ab“.

Besonders wichtig ist das Loben und die Wertschätzung. Sage Deinem kleinen Koch, dass Du ohne seine Hilfe gar nicht fertig geworden wärst und bedanke Dich für seine grandiose Arbeit als Küchenhilfe. Diese vermeintlichen Kleinigkeiten vermitteln Deinem Kind nicht nur Anerkennung, sondern sie geben ihm auch eine große Portion Selbstvertrauen.

Solltet Ihr keine Kinderküche haben, kannst Du auch einen großen Karton mit Edding und Kleber zu einer tollen Spielküche umfunktionieren. Drehe dazu den Karton um und male Herdplatten, Knöpfe und einen Backofen auf den Karton. Schneide danach die Backofenklappe aus, sodass Dein kleiner Sternekoch sie aufmachen kann. Zuletzt einfach Töpfe auf die Herdplatte stellen und los geht´s.

Spieltipp 2: Wer einkauft muss auch wegräumen!

 

Baby in heap of wear

Wenn ihr vom gemeinsamen Einkaufen kommt, dann kannst Du Dein Kind bitten, Dir beim Einräumen der eingekauften Sachen zu helfen.

  • Beim ersten Einkauf sagst Du deinem Kind wo Brot, Nudeln oder Toilettenpapier in Deiner Wohnung aufbewahrt werden.
  • Beim nächsten Einkauf kannst Du dann Deinen kleinen Schatz fragen: „Weißt Du noch wo das Brot hingehört? Und wo stellen wir die Nudeln hin? Das Toilettenpapier kommt in den Schrank.

Hilf Deinem Schatz aktiv dabei, das Programm „Einkaufen gehen und danach die Einkäufe einräumen“ zu verstehen. Da dieses Spiel sehr abwechslungsreich für Dein Kind ist und es eine große Portion Verantwortung tragen muss, wird es schnell den Dreh raushaben, was es beim nächsten Mal machen muss. Denn es lern das Programm „Einkaufen“ nun nicht mehr nur als „wir gehen in ein Geschäft“, sondern auch als „nach dem Einkaufen müssen die eingekauften Sachen weggeräumt werden“ kennen.

Spieltipp 3: Haare kämmen, nicht nur bei der Lieblingspuppe

 

Let's make your hair look pretty like mine!

Such Dir aus der Spielesammlung Deines kleinen Schatzes eine Puppe oder ein Stofftier aus, dem man die Haare oder das Fell kämmen kann. Erkläre Deinem Kind ausführlich, was ihr da gerade macht und zeige ihm auch, wie Du Dir die Haare mit der Bürste kämmst. Wenn Du siehst, dass Dein kleiner Friseur die Haare des Spielzeugs mit der Bürste ohne Probleme durchkämmt, dann kannst Du ihn auch bitten Deine Haare zu bürsten. Geh dazu in die Knie und leite Dein Kind mit deutlichen Erklärungen an. Erkläre, dass es vorsichtig sein muss, da sonst auch Haare kämmen wehtun kann.

Neben dem Programm „Haare kämmen“, lernt Dein Kind auch noch motorisch viel dazu. Die feinen Handbewegungen lassen es erkennen, dass es nicht unvorsichtig oder übermütig sein darf, da es Dir sonst wehtut.

Spieltipp 4: Ein neues Programm starten

 

Baby in a box

Vielleicht gelingt es Dir ja auch, ein neues Programm einzuführen: Das Aufräumen. Du kannst Deinem Kind jetzt schon sehr gut vermitteln, dass es seine Spielsachen selbst aufräumen kann. Natürlich in kleinem Maße, hier liegt das Augenmerk auf dem Symbolcharakter, denn natürlich kann es noch kein komplettes Kinderzimmer aufräumen.

Wenn Ihr aber vor dem Abendessen eine kleine Phase des Aufräumens einläutet, so kannst Du hier schon den ersten Grundstein dafür legen, dass Dein Kind gewisse Dinge selbst in die Hand nehmen wird.

Basteltipp zum Aufräumen

Ihr benötigt:

  • Eine Karton (z. B. Schuhkarton oder etwas größer)
  • Kleister
  • Zeitungspapier
  • buntes Papier (z. B. Transparent oder Krepppapier) Zeitungspapier
  • ein festes Band (z. B. Paketschnur)
  • Optional: selbstklebende Folie (welche man z. B. zum Einfassen von Büchern verwendet)

Wenn Ihr einen Tisch und die nähere Umgebung „bastelsicher“ gemacht habt, kann es losgehen.

1) Zuerst solltest Du an der kürzeren Seite des Karton ein Loch in die Pappe stechen und das Paketband, zum späteren Hinterherziehen, daran befestigen. Das Band sollte nicht zu lang sein, eher zwischen 25 und 35 cm.

2) Den Karton von außen vollständig einkleistern und einen großen Bogen Zeitungspapier drum herum kleben. Zum Trocknen zur Seite stellen.

3) Dann das bunte Papier – natürlich mit Deinem Kind zusammen – in kleine Stücke reißen. Nicht zu klein, circa 3-3,5 cm sind zu empfehlen. Wenn Ihr reichlich Schnipsel zusammen habt, dann den Karton wieder zur Hand nehmen und kleine Bereiche mit Kleister versehen. Zeige Deinem kleinen Bastler dann, wie es Schnipsel auf die gekleisterte Fläche kleben kann. So bestückt Ihr den kompletten Karton. Gut einen Tag trocknen lassen.

Mutter und Baby spielen mit Blumen4) Optional:

Wenn der Karton richtig trocken ist, kannst Du ihn noch mit der durchsichtigen Klebefolie überziehen. Der große Vorteil ist, dass die Schnipsel dann nicht mehr abgehen können und der Karton an Stabilität zunimmt.

Nun kannst Du, wenn Dein Kind „aufräumen soll“ den Karton hervor holen und es kann Ihn hinter sich herziehen und seine Spielsachen einsammeln.

Unser Spielend Lernen Tipp:

Dieses „Programm“ wird auch sehr schnell zum „Ritual“, wenn der Karton zum Beispiel einen Namen bekommt (z. B. Schatztruhe) und an einen festen Platz steht. So wird der Karton selbst nicht zum Spielzeug, sondern zu einem Programm mit Wiedererkennungswert.

„Hol doch bitte mal die Schatztruhe, damit Du Deine Schätze einsammeln kannst!“

 

„1, 2, 3 das Spielen ist vorbei“

Mit Musik geht alles besser! Du kannst das Aufräumen auch mit dem folgenden kleinen Lied einläuten.

1, 2, 3 das Spielen ist vorbei

alle Kinder groß und klein

räumen jetzt das Spielzeug ein

wer will erster fertig sein?

1, 2, 3 das Spielen ist vorbei

Da macht aufräumen jedem Spaß!

Es gibt so viele Spielmöglichkeiten mit Programmen!

 

Wie Du Dir vorstellen kannst, gibt es noch unglaublich viele Möglichkeiten, Spiele für das Erlernen von Programmen zu finden. Lasse einfach Deiner Kreativität freien Lauf.

baby füttert puppeHier noch ein paar Vorschläge für Euch:

  • Dein Kind kann sein Bobby Car waschen
  • Es kann Dir beim Wäsche zusammenlegen helfen
  • Dein kleiner Schatz kann einen Teig kneten und Dir dabei helfen einen Kuchen zu backen
  • Es kann schon Zähne putzen üben (bei einer Puppe oder auch bei Mama & Papa)
  • Dein Kind kann eine Puppe füttern.

Wichtig ist auch hier, dass jedes Kind seine eigene Zeitrechnung hat. Manche Kinder benötigen nur einige Tage, um ein Programm zu erlernen. Andere mehrere Wochen. Lass Deinem Schatz einfach so viel Zeit, wie es benötigt.

 

Alles auf den Punkt gebracht

 

  • „Programme“ sind Verrichtungen des Alltages, die Dein Kind sich merkt und anhand dessen es sich im Alltag zurecht findet
  • Wenn Programme bekannt sind werden sie sehr schnell erkannt und bewertet
  • Dein Kind wird Dir ab sofort verstärkter mitteilen, wenn ihm ein Programm nicht gefällt (der Dickkopf naht …)
  • Durch Programme lässt sich das Spielen mit Deinem Kind noch besser in den Alltag integrieren
  • Auch hier spielen Bewegung kombiniert mit Lernen eine wichtige Rolle
  • Auch neue Programme lassen sich spielend einführen
  • Jedes Kind hat seine Zeit, daher nehmen Programme durchaus ein paar Wochen in Anspruch
  • Das Loben nicht vergessen!
Lena_fordernd

Du bist gefragt!

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Wie haben Dir die Spieltipps in dieser Ausgabe gefallen? Hast Du noch einen anderen tollen Vorschlag für ein Programm? Hat es Deinem Kind gefallen? Dann füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns auf Dein Feedback !

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