Spielend Lernen #27: Altersgerecht spielen

Nadine Bäsig

Mit 13 Monaten und 4 Wochen hat Dein Kind bestimmt eine Menge Spielsachen. Mit was Dein Kind am liebsten spielen mag und wie, das erfährst Du heute in unserer Spielend Lernen Ausgabe zum Thema altersgerecht Spielen.

 

Spielen heißt fürs Leben lernen

 

Baby will Spielzeug essenKinder lernen durch ihr Spiel. Es ist ihre Art zu lernen und sich Anregungen zu suchen, die wichtig für ihre Entwicklung sind. In seinem noch jungen Leben durchlief Dein kleiner Schatz verschiedene Spielphasen und lernte dabei die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven kennen:

1) So lernte es zuerst nur Dinge und Personen zu sehen und diese Sinneseindrücke in seinem Gehirn aufzunehmen. 

2) Danach konnte Dein Kind Muster erkennen, die immer wiederkehren: dasselbe Spiel, dieselbe Aussicht, dasselbe Geräusch, dasselbe Gefühl und dieselben Gesichter.

3) Durch die Wahrnehmung von fließenden Übergängen und Ereignissen konnte Dein Kind viel Neues erlernen und hat enormes Interesse an seiner gesamten Umgebung bekommen.

4) Mit ungefähr 6 Monaten brach die Fähigkeit „Zusammenhänge wahrzunehmen“ bei Deinem Kind durch. Mit diesem Entwicklungsschritt tat sich eine neue Welt auf und verschiedenste Fertigkeiten konnten entwickelt werden. Der Grundstein für Objektpermanenz, das Erkennen von Ursache und Wirkung oder motorische Fähigkeiten wurde gelegt.

5) Mit dem beginn des achten Monats, erlernte Dein Kind die Welt in „Kategorien“ einzuteilen. Dein Kind beobachtete seine Umwelt nun deutlich intensiver und wenn mehrere Sachen ähnliche Merkmale aufwiesen, dann wurden sie in die gleiche Gruppe eingeteilt.

6) Dies führte letztlich dazu, dass Dein Kind heute mit knapp 14 Monaten die Fähigkeiten erlernte, Reihenfolgen und ganze Programme zu erkennen und auch eigenständig umzusetzen.

Spielen – das Allround-Mittel

 

Während all dieser Spielphasen übte und festigte Dein kleiner Schatz seine Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse in allen Entwicklungsbereichen durch das kindliche Spiel. Dabei fand es heraus, wie Gegenstände beschaffen sind, welche Charakteristika sie besitzen und in was sie sich unterschieden, um sie dann später eindeutig identifizieren zu können. Spielen ist also viel viel mehr als ein reiner Zeitvertreib für Deinen kleinen Entdecker. Durch das Spiel lernt es für sein gesamtes Leben.

Einige schon erlernte Fähigkeiten haben wir auf einer kleinen Pinnwand für Dich gesammelt. Da das natürlich noch längst nicht alle sind, kannst Du Dir diese Übersicht einfach ausdrucken und im Laufe der Jahre um weitere Punkte ergänzen. An einer Pinnwand aufbewahrt, erinnert Dich diese Übersicht immer daran, was Dein kleiner Schatz für seine zukünftige Entwicklung lernt.

#27 Kompetenzen durch Spiel

Wie Du bemerken wirst, füllt sich die Übersicht ziemlich schnell, sodass langsam kaum noch Platz für neue Einträge ist. Wenn Du Dir jetzt die Übersicht vor Augen hältst, dann erkennst Du, dass Du Deinem kleinen Schatz in so einer kurzen Zeit gar nicht so viel beibringen kannst. Dein Kind hat sich die meisten dieser Fähigkeiten selbst angeeignet. Oft benötigt es dazu auch Andere, z.B. Dich als Elternteil, Papa, ein Geschwisterkind, Oma und Opa oder auch ein Spielkamerad aus der Krabbelgruppe oder der Krippe.

Selbst ist das Kind

 

baby playing with potsKinder sind von Natur aus neugierig und haben Freude am Spiel. Sie sind spontan und experimentierfreudig. Daher muss Dein Kind nicht ständig von Dir animiert werden. Es sollte eher lernen, sich auch einmal selbst zu beschäftigen und hin und wieder eine halbe Stunde alleine spielen. Das fördert seine Selbstständigkeit und somit sein Selbstvertrauen. Im Fachjargon bezeichnet man das auch als „freies Spiel“. Sicherlich kennst Du den Begriff „Freispielzeit“, dieser wird oft im Kindergarten verwendet.

Welche „freien Spiele“ der absolute Spitzenreiter bei Deinem Kind mit 13 Monaten und 4 Wochen sind? Wir geben Dir ein paar Beispiele zur Anregung:

  • Selbstständig eine „Erwachsenen-Arbeit“ tun (Geschirr spülen, Puppen baden)
  • Bei wichtigen Arbeiten mithelfen (Einkäufe auspacken, Bei der Wäsche helfen)
  • „Schabernack treiben“ (Schubladen ausräumen, auf Kochtöpfen trommeln)
  • Klassisches Spiel (Mit Holzbausteinen bauen, Bilderbuch ansehen)
  • Beobachten

Was ist Deine Aufgabe im freien Spiel?

 

Natürlich bist Du jetzt nicht komplett abgemeldet bei Deinem Kind. Ganz im Gegenteil: Du bist das wichtigste Vorbild, der bedeutendste Rückzugspunkt und Bestätigungskanal für Deinen kleinen Entdecker. Dein Kind schaut sich viele Dinge von Dir ab, probiert diese im eigenen oder gemeinsamen Spiel aus und möchte von Dir eine Rückmeldung haben. Das bedeutet, dass Du gleichzeitig als Ansprechpartner, Mitspieler und Zuschauer für Dein Kind da bist. Hierbei solltest Du dich von der Hingabe, den Ideen und der Spiellust Deines kleinen Wonneproppens lenken lassen und Dich an seine „Spielregeln“ halten.

Wusstest Du schon, dass…

… Papas anders spielen als Mamas? In diesem Punkt sind sich Familienforscher einig. Warum? Dabei gehen die Meinungen auseinander! Fakt ist: Väter spielen wilder, dynamischer und körperlicher, während Mütter im Spiel eher darauf achten, dass ihr Kind Bestätigung und Erfolgserlebnisse hat. Die Papa-Spiele stellen eine größere Herausforderung an das Kind und bringen Körper und Geist so richtig in Gang.

Mit Dir zusammen Spielen

 

Mutter spricht mit KindNeben dem „freien Spiel“ genießt Dein Kind das gemeinsame Spiel mit Dir. Natürlich sind in diesem Alter noch keine richtigen Versteckspiele möglich, aber Du kannst sie schon ein wenig „komplizierter“ machen. Pass Dich dabei immer den Fähigkeiten Deines Kindes an und gestalte das Spiel nicht zu schwierig und nicht zu leicht. Was zählt ist die Freude, wenn es Dich gefunden hat. Auch Fangen spielen steht jetzt hoch im Kurs. Ob auf zwei Beinen oder auf allen Vieren – Du wirst sehen, Dein kleiner Wonneproppen quietscht vor Freude bei diesen Spielen. Ebenfalls hoch im Kurs stehen natürlich noch immer Bilderbücher, die von Dir vorgelesen werden. Und wer ist das beste Klettergerüst? Klar: Mama und Papa!

Aufforderung Mitmachen

Dein Wonneproppen spielt voller Hingabe und kann sich auch schon selber beschäftigen? Dann schnapp Dir Deine Kamera und fange diesen tollen Moment mit Deiner Kamera ein. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

Das Zauberwort: Aushalten!

 

HändevorGesichtIn den knapp 14 Monaten seit der Geburt Deines Kindes dürftest Du es schon oft erlebt haben: Das Chaos in der Wohnung, wenn mal wieder eine der berüchtigten Entdeckungstouren gestartet hat. Das wird nicht zu vermeiden sein und wird sich in den nächsten Jahre erst einmal nicht bessern 😆  Aber mal ganz ehrlich: Eine Wohnung, in der immer alles blitzeblank aufgeräumt sein muss und nichts angefasst werden darf, ist für Kinder nicht nur langweilig, sondern bremst auch die natürliche Neugierde und Entwicklung. Kinder müssen entdecken, erforschen und anfassen. Daher raten wir Dir zu einem Wellness-Tipp:

Unser Wellness-Tipp!

Bleib gelassen und lass das Chaos einfach Chaos sein! Setz Dich zu Deinem Kind und spiele mit ihm. Genieße eine Tasse Kaffee oder Tee und konzentriere Dich auf Dein spielendes Kind und lerne das Chaos zu ertragen. Das schont Deine Kräfte und Nerven. Außerdem bekommst Du dadurch mehr Zeit für Dich und Deinen kleinen Liebling. Aufräumen kannst Du auch noch am Abend, wenn Dein Kleines im Bett ist. Auch diese Zeit geht vorbei und dann wirst Du sie Dir wieder sehnsüchtig herbeiwünschen.

 

Wie sich das Chaos in Grenzen hält

 

Dennoch kannst Du auch Grundregeln von Anfang an aufstellen, um das Chaos ein wenig einzudämmen. Was damit gemeint ist? Wasserspiele sollte es nur im Bad geben, gemalt und geknetet wird nur am Spieltisch oder in einem festgelegten Eck am Boden und gegessen wird nur im Hochstuhl. Aber ihr habt bestimmt schon einige Grundregeln für Euch entdeckt, die für ein stressfreies Heranwachsen sorgen!

 

Für was haben wir ein Kinderzimmer?

 

Baby playing at homeHast Du Dir diese Frage auch schon oft gestellt? Obwohl Du Dir so viel Mühe gegeben hast, das Zimmer so schön wie möglich einzurichten, möchte Dein Kind einfach nicht darin spielen. An was das liegt? Ganz einfach: Kleinkinder benötigen noch sehr viel Ermunterung, Sicherheit und die Verfügbarkeit ihrer Bezugsperson. Je jünger ein Kind ist, desto enger ist es an seine Bezugsperson gebunden und je größer ist auch sein Bedürfnis nach deren Nähe. Wenn Du diesem Bedürfnis jetzt nachgibst, dann fällt es Deinem kleinen Schatz später leichter, sich unabhängig zu machen und eine räumliche Trennung von Dir besser auszuhalten.

Was Du tun kannst? Erledige kleinere Tätigkeiten im Kinderzimmer. Vielleicht strickst oder häkelst Du gerne oder schreibst Deine Briefe oder E-Mails im Kinderzimmer. Sogar das Wäsche bügeln lässt sich im Kinderzimmer erledigen. So wird auch dieses Zimmer Deines Kindes bewohnt und es erinnert Dein Kleines nicht nur an ins Bett gehen und schlafen müssen.

Die Welt ist größer als die Wohnung

 

Baby spielt im LaubFrüher oder später reicht die Wohnung nicht mehr aus und Dein Kind will die große weite Welt entdecken. Gründe dafür gibt es zu genüge: Im Freien kann Unbekanntes entdeckt werden. Es riecht anders und es gibt Dinge, die sich merkwürdig anfühlen. Die kalte Wasserpfütze, die sonnengewärmten Steine, das nasse Gras, die trockenen Äste, das weiche Moos, die harten Kastanien und vieles vieles mehr.

Wenn Du auf dem Land wohnst, wird das Spielen im Freien sicherlich kein Problem sein. In der Stadt sieht es da leider schon ganz anders aus. Deshalb nutze die Wochenenden für einen längeren Spaziergang im Wald oder für einen Besuch auf einem Spielplatz. Hierbei solltest Du im Sommer auf ausreichenden Sonnenschutz achten und bei schlechtem Wetter helfen Matschklamotten. Deinem Kind ist es nämlich egal ob die Sonne scheint oder ob es regnet. Hauptsache es kann etwas Neues entdecken und es macht Spaß!

Einfach „nur“ Zeit

 

SpielgruppeAngefangen von der Babymassage über das Babyschwimmen, Pekip-Kurse, Mutter-Kind-Turnen bis zur musikalischen Früherziehung, Kinderturnen oder Kunstschule. Viele Eltern meinen es gut und wollen ihrem Kind durch solche Lernangebote Anregungen und Abwechslung bieten. Doch viel wichtiger als diverse Lernveranstaltungen ist es, Deinem Kind genügend Zeit für sein eigenes Spiel zu geben. Denn viele Kinder sind schnell überfordert und zeigen dann Anzeichen von Stress und werden unglücklich. Hat Dein Kind einen langen Tag in der Kita hinter sich, möchte es bestimmt erst einmal in aller Ruhe die Erlebnisse des Tages verarbeiten und das kann es am besten im eigenständigen Spiel.

Unser Tipp für einen ausgewogenen Zeitplan!

Mehr als zwei feste Termine in der Woche sollten es nicht sein. Du und Dein Kind treffen sich doch bestimmt auch mal mit einer Freundin oder es kommen die Großeltern zu Besuch. Ab und zu stehen dann auch Arzttermine oder Ausflüge an. Du brauchst keine Angst davor zu haben, dass es Deinem kleinen Schatz langweilig wird. Und wenn, dann entstehen aus Langeweile oft die besten Spielideen. Denn dann ist die Kreativität Deines Kindes gefragt.

Gesucht: Spielgefährten

 

Happy friendsDas Spielen mit Mama und Papa ist unverzichtbar. Aber mit steigendem Alter Deines Kindes, seid Ihr kein Ersatz für gleichaltrige Spielgefährten. Bereits mit sechs bis zwölf Monaten zeigen die meisten Kinder Interesse an Gleichaltrigen und anderen Kindern. Dennoch dürfte Dir aufgefallen sein, dass Dein Kind mit 13 Monaten und 4 Wochen noch nicht gemeinsamen mit anderen Kindern „spielt“. Vielmehr ist es ein „nebeneinander herspielen“. Dabei macht Dein Kind wichtige soziale Erfahrungen und lernt vor allem viel über sich selbst: das Einschätzen seiner Verhaltensweisen und den Umgang mit Anderen. Wenn Kinder nebeneinander her spielen, beobachten sie sich gegenseitig und versuchen das, was für sie interessant ist, nachzuahmen. Der oder die Spielpartner müssen auch nicht unbedingt gleich alt sein. Die jüngeren Kinder lernen von den älteren und die älteren sind stolz darauf, dass sie den jüngeren etwas beibringen konnten.

Wenn Dein Kleines überdreht ist

 

Little child sleepingNatürlich ist Spielen und Toben toll, doch sehr aktive Kinder brauchen manchmal die Hilfe eines Erwachsenen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Ist Dein Kind überdreht, dann wird es quengelig und ist müde. In diesem Moment ist Dein Kind komplett überfordert und weiß nicht, wie es Ruhe finden kann. Meistens erreicht Dein Kind diesen Punkt der Erschöpfung gegen Abend, wenn auch Du nicht mehr die erforderliche Nervenstärke besitzt. Deshalb versuche rechtzeitig den Tag zu entschleunigen.

Der Mittagsschlaf ist eine wichtige Pause im Tagesablauf. Doch viele Kinder stellen das Mittagsschläfchen auch frühzeitig ein. Orientiere Dich hierbei immer an Deinem Kind – einen Mittagsschlaf erzwingen oder abbrechen solltest Du nicht. Achte dann lieber darauf, dass es eine andere Pause bekommt. Vielleicht liest Du ein Buch vor oder Ihr versucht Euch an einem Puzzle? Auch eine CD mit ruhigen Kinderliedern oder ein Hörbuch schaffen eine nötige Ruhepause.

Dein Kind erlebt sehr viel an einem Tag. Deshalb ist es wichtig, eine Phase des Zur-Ruhe-Kommens vor dem Schlafen gehen einzuführen. Diese Phase sollte – inklusive Ausziehen und Zähneputzen – etwa eine halbe Stunde dauern. Auch ein „Einschlafritual“ bietet Zeit für extra Kuscheleinheiten und vermittelt Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit – was die Voraussetzung für einen guten und gesunden Kinderschlaf ist.

 

Das Wichtigste zusammengefasst

 

  • Spielen ist kein bloßer Zeitvertreib – Spielen heißt fürs Leben lernen!
  • Im Spiel werden Fertigkeiten, Fähigkeiten und Kenntnisse in allen Entwicklungsbereichen geübt.
  • Dein Kind möchte möglichst wenig von Dir vorgegeben, strukturiert und organisiert bekommen. Halte Dich deshalb mit Vorgaben im freien Spiel Deines Kindes zurück.
  • Du sollst Deinem Kind Anregungen und Erfahrungsmöglichkeiten bieten, anstatt etwas vorzugeben. Gleichzeitig bist Du Zuschauer und Ansprechpartner.
  • Zum Spielen braucht Dein Kind Platz. Die Wohnung sollte deshalb „kindersicher“ sein – prüfe von Zeit zu Zeit, ob wirklich immer noch alles sicher ist. Bedenke dabei, dass Dein Kind größer und geschickter wird, und nun auch an Dinge herankommt, an die es vor ein paar Tagen vielleicht noch nicht gekommen ist.
  • Kinder spielen von alleine – Spielen muss nicht erlernt werden!
  • Auch Du lernst im Spiel von Deinem Kind: nämlich das Chaos auszuhalten. Beschränke Dich tagsüber auf die gröbste Unordnung – am Abend kannst Du dann alles ordentlich aufräumen.
  • Biete Deinem Kind genügend Zeit zum Spielen und verzichte lieber auf einen Eltern-Kind-Kurs. Zwei feste Termine in der Woche reichen vollkommen aus.
  • Dein Kind lernt jetzt auch, sich eine bestimmte Zeit selbst zu beschäftigen. Bis zu 30 Minuten sind drin, in denen Bausteine, Autos, Puppen alleine bespielt werden können.
  • Dass Dein Kind nicht gerne alleine in einem Raum bleiben möchte (z.B. im Kinderzimmer) ist ganz normal und das sollte von Dir auch respektiert werden. Dein Kind hat es dadurch später leichter, sich von Dir zu trennen (z.B. Kindergarten).
  • Lege über den Tag verteilt immer wieder Ruhepausen ein – sie tun Deinem Kind und Dir gut und Dein Schatz gleitet am Abend besser in das Land der Träume.

 

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