Spielend lernen #28: Spieltipp

Sophia

Eins der wenigen Dinge, die wir Menschen nicht instinktiv entwickeln, ist die Fähigkeit zum Teilen. Teilen gehört zu den sozialen Fähigkeiten, die Kinder erlernen müssen – und das ist gar nicht so leicht. Dein Baby befindet sich gerade an diesem Punkt seiner Entwicklung. Mit den Spielideen dieser Ausgabe begleitest Du Deinen kleinen Schatz spielerisch und kreativ bei der Erfahrung von Besitz und Freigiebigkeit.

Teilen will gelernt sein

 

happy children little girl and boy with ice cream in studio isol

Die Dinge in Besitz zu nehmen und gegen andere zu verteidigen, ist ein angeborenes Verhalten. Manchmal geht das Besitzdenken bei Kleinkindern so weit, dass sie sich mit Dingen, die sie lieben, körperlich identifizieren. Nimmt jemand Deinem Baby zum Beispiel sein Lieblingskuscheltier weg, fühlt es sich geradezu existenziell bedroht. Bis die Persönlichkeit mehr gefestigt ist, identifiziert sich Dein Kind zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr stark über Dinge wie Haarlänge, Spielsachen und Kleidung. Denn wer gerade erst dabei ist, sein „Ich“ zu entdecken, ist mit dem „Du“ noch überfordert. Deswegen ist Teilen eine Fähigkeit, die Dein Kleines erst noch mühsam erlernen muss.

Wie unterstütze ich mein Kind dabei?

 

Baby freut sich über PuppeIm Zusammenspiel mit anderen Kindern erfährt Dein Baby mit der Zeit, dass es nicht zu kurz kommt, wenn es teilt oder dies sogar von Vorteil sein kann. Doch was kannst Du tun, wenn sich Dein Baby wegen eines Spielzeugs mit einem Spielkameraden streitet? Zunächst gilt es, einmal abzuwarten, ob sich die Kleinen von selbst einig werden. Häufig geht es bei solchen Wutanfällen  gar nicht um das Spielzeug selbst, sondern um den Spaß, den das andere Kind damit hat. Wenn sich die Kleinen nicht einig werden, solltest Du jedoch bereitstehen, um vermittelnd einzugreifen. Du hast dabei die Rolle eines Moderators. Das bedeutet nicht, dass Du einfach entscheidest, wer das Spielzeug bekommt, sondern dass Du die „Verhandlung“ leitest: „Du möchtest auch einmal die Puppe haben? Fragen wir doch mal den Max, ob Du sie einmal halten darfst.“ „Max, darf Lea Dein Puppe einmal streicheln?“ So kann Dein Baby die Situation aktiv mitgestalten. Lobe Dein Kind und seinen Spielpartner, wenn sie bereitwillig ihr Spielzeug miteinander teilen. Auch der Vorschlag, gemeinsam mit dem Spielzeug zu spielen, kann funktionieren. So darf Max zum Beispiel die Puppe halten, während Lea ihr die Schuhe anzieht.

Wenn aber gar nichts mehr geht, gilt es, ein Kind aus der Situation herauszunehmen, indem man ihm zum Beispiel ein anderes Spielzeug anbietet. Auf keinen Fall solltest Du Dein Baby zum Teilen zwingen, sonst wird es beim nächsten Mal sein Spielzeug noch vehementer verteidigen. Gehe lieber mit gutem Beispiel voran, denn das Verhalten der Eltern färbt ab: Du vermittelst Deinem Baby Dein eigenes Wertebild.

wusstestduSchon gewusst? Kinder, die sich in den ersten Jahren darauf verlassen können, dass sie mit allem Nötigen versorgt werden, tun sich später leichter mit dem Teilen. Da man unter Geschwistern automatisch früher teilen lernen muss und somit auch das Verteidigen seines Eigentums, tun sich diese Kinder schwerer zu teilen. Der Mythos vom verwöhnten Einzelkind stimmt also nicht 🙂

Einfach unteilbar

 

Baby kaut auf Spielzeug, liegendZum Teilen lernen gehört auch der Respekt vor dem Eigentum anderer. Es gibt Dinge, die gehören mir und die möchte ich nicht teilen. Auch das darfst Du Deinem Kind vermitteln. Mamas Handtasche oder Papas Smartphone können solche Dinge sein. Für Dein Baby gibt es ebenfalls solche Dinge. Sein Lieblingskuscheltuch oder sein Schmusetier sind so wichtig für Deinen Schatz, dass er nicht will, dass ein anderes Kind damit spielt. Das gilt es zu respektieren. Wenn Besuch kommt, bringe das Lieblingsstück mit Deinem Baby an einen sicheren Ort, so dass sich eine problematische Situation erst gar nicht ergibt.

Spieltipp 1: Gemeinsames Puzzlespiel

 

Du benötigst dazu:

  • Ein Kinderpuzzle oder Steckpuzzle

Wenn das nächste Mal ein Spielkamerad zu Deinem Kind nach Hause kommt, ist ein gemeinsames Puzzlespiel eine schöne Idee. Es geht darum, ein Spiel gemeinsam zu spielen und auch gemeinsam ein Ergebnis zu erreichen. Teile dazu die Puzzlestücke unter den beiden Babys auf. Kinderpuzzles haben meist noch wenige Teile, so dass jedes Kind zwei bis drei Stücke bekommt. Auch ein Steckpuzzle ist eine gute Möglichkeit, da auch die Kleinsten die Formen an den richtige Fleck bringen können. Ein Kind fängt an und darf ein Teil hinlegen. Das nächste Puzzlestück kommt von seinem Freund. Erkläre den beiden Babys deutlich, dass sie sich abwechseln sollen. Sage dazu: „Gut gemacht, Lukas, jetzt kommt Julia dran. Lukas, jetzt darfst Du kurz warten, weil Julia dran ist. Julia, jetzt darfst Du ein Teil hinlegen.“ Das ist anfangs schwer für Dein Kind. Doch kooperative Spiele steigern das Gefühl für gemeinsames Erleben und dass geteilte Freude doppelte Freude ist.

Dein Baby darf seinem Freund natürlich helfen, wenn es Schwierigkeiten hat, umgekehrt genauso. Dabei ist Deine Moderation gefragt. Ermutige ein Kind, dem anderen zu helfen und sorge gleichzeitig dafür, dass jedes Kind genug Zeit bekommt, sein Puzzleteil zu platzieren. Lobe die Kinder, dass sie warten  können und betone immer wieder, wie gut sie beiden das zusammen machen.

Variation: Gemeinsam einen Turm bauen

Was Du dazu benötigst:

  • Holz- oder Plastikklötzchen

Bei diesem Spiel geht es darum, einen Turm aus Klötzchen zu bauen. Damit die Dynamik des Abwechseln auch hier klar wird, werden die Klötzchen zwischen den Kindern aufgeteilt. Ein Kind darf das erste Klötzchen legen, das zweite Kind eins darauf, immer abwechselnd. Du sitzt neben den beiden Spielkameraden und sorgst dafür, dass jedes Kind ein Klötzchen nacheinander legen darf. Begleite das Spiel mit lobenden Sätzen wie „Schau mal, Lea hat den Turm noch höher gebaut! Ist das nicht toll? Jetzt darfst Du noch eins drauflegen!“

Dieses Spiel ist quasi eine Vorübung zum Teilen. Das gemeinsame Benutzen von Spielzeug wird erprobt, ohne ein geliebtes Stück weggeben zu müssen. Für Dein Baby ist das Spielen mit und nicht nur neben anderen Babys neu. Daher fühlt es sich noch nicht in seinen Spielkameraden ein, sondern hat ein (gesundes) egoistisches Verhalten. Beim Puzzlen oder Turm bauen darf Dein Baby gemeinsam mit seinem Freund etwas schaffen.

Spieltipp 2: Spielvers zum Teilen

 

kind teilt keksWas Du dazu benötigst:

  • Baby-Fingerfood wie Obststückchen oder Gemüsesnacks

Schwierige Situationen lassen sich oft leichter mit einem Lied oder Spielvers meistern. Singen und reimen macht Spaß und bringt Leichtigkeit in eine Situation. Der Spielvers „Eins für dich – eins für mich“ passt gut in diese Zeit, in der Dein Baby das Teilen lernt. Im Grunde kannst Du ihn immer aufsagen, wenn es ums Teilen geht. Um Deinem Baby aber deutlich zu machen, um was es geht und das Ganze in einem schönen Spiel, bereite etwas Fingerfood für Dein Baby und Dich vor. Lege alle Obststücke auf einen Teller. Dann sagst Du die erste Strophe des Verses auf.

Heute gebe ich was ab,

weil ich viele Dinge hab.

Eins für dich –

Eins für mich.

Bei den letzten zwei Zeilen bekommt Dein Baby und Du jeweils einen Happen. Gemeinsam genießt ihr Euer Essen. Beim zweiten Stückchen sagst Du die zweite Strophe:

Heute teilen wir die Sachen,

können damit Freude machen.

Eins für dich –

Eins für mich.

…und die Dritte:

Heute bekommt jeder was,

denn das Teilen macht uns Spaß

Eins für dich –

Eins für mich.

Dieses Spiel lässt sich auch schön in normale Mahlzeiten einbinden. Neben Essen geht es darum, mit einem lustigen Reim die Bewegung des Teilens vorzumachen. Dein Baby lernt von Dir und wird sich in anderen Situationen daran erinnern.

Spieltipp 3: Lieblingsstücke treffen sich

 

Babies spielen zusammen fröhlichWas Du dazu benötigst:

  • Das Lieblingsstück Deines Babys, z.B. Das Schmusetuch oder Kuscheltier
  • Das Lieblingsstück des Spielkameraden Deines Babys

Zum Teilen gehört auch dazu, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wenn jemand etwas nicht teilen will. Für Dein Kind ist vielleicht sein Kuschelhase unverzichtbar beim Einschlafen oder das Schmusetuch muss überall hin mit. Frage die Eltern eines Spielkameraden, ob sie beim nächsten Besuch das Lieblingsstück des anderen Kindes mit einpacken können. Informiere Dich, warum dieses Stück für das andere Kind unverzichtbar ist. Während des Spielens fragst Du das andere Kind, was es da Schönes mitgebracht hat. Erkläre Deinem Baby, warum es so wichtig für seinen Freund ist: „Schau mal, Paula liebt sein Häschen so sehr, weil es mit ihm immer einschläft.“ Dein Baby darf auch sein Lieblingsstück zeigen. Frage die beiden, ob sie einmal tauschen möchten. Wenn nicht, ist es auch okay. Es geht darum, die Bedeutung eines Spielzeuges für den anderen zu verstehen. Jetzt dürfen die beiden Schätze miteinander spielen. „Schau mal, das Häschen möchte mit Lisas Puppe schmusen.“

Spielidee 4: Teilen und Malen

 

Young Child Coloring Baby Brother's FaceWas Du dazu benötigst:

  • Drei bis vier Malkreiden
  • Ein großes Blatt Papier

Dein Baby ist es gewöhnt, seine Spielsachen alleine für sich zu haben und damit spielen zu können, wann immer es Lust hat. Um so schwieriger und auch überraschender ist es, wenn ein zweites Kind ebenfalls Anspruch auf ein Spielzeug erhebt. Diese Erfahrung wird später in der KiTa noch einmal verstärkt.

Lege ein großes Blatt Papier und drei bis vier Malkreiden bereit. Dein Baby darf mit seinem Freund oder seiner Freundin heute gemeinsam ein Bild malen. Die Crux dabei ist: es gibt nur wenige Farben. Vielleicht malen die beiden ruhig vor sich hin, aber spätestens, wenn Dein Baby eine Farbe möchte, die sein Freund gerade benutzt, wird es heikel. Jetzt gilt es, Deinem Baby zu erklären, dass sein Freund gerade den Stift benutzt und es warten muss, bis es damit fertig gemalt hat. Zeige Deinem Baby, welche schönen Muster und Formen sein Spielkamerad gerade malt. Du kannst ein Kind auch ermutigen, mit einer anderen Farbe etwas dazu zu malen. Am Ende freust Du dich über das schöne Bild, dass beide zusammen (!) gemalt haben.

Boys with paintsUm was geht es hier? Die Situation zeigt Deinem Baby, dass Teilen schwierig und schön zugleich ist. Es ist neu für Dein Baby, seinen Stift nicht benutzen zu dürfen, wann immer es dazu Lust hat. Gleichzeitig hat es Spaß daran, zusammen mit seinem Freund zu malen. Das gemeinsame Blatt Papier verdeutlicht das geteilte Erleben, weil am Ende ein Bild von beiden Babys entsteht. Dein Baby wird noch nicht sofort verstehen, um was es beim Teilen geht. Das braucht Zeit und Übung. Aber da Dein Kleines immer häufiger mit anderen Kindern in Kontakt kommt, wird es sich der Situation auch häufiger stellen dürfen.

Das Wichtigste für Dich zusammengefasst

 

  •  Dein Baby empfindet sich als Nabel der Welt. Das ist ein ganz natürliches, angeborenes Verhalten.
  • Teilen muss erlernt werden, da wir Menschen dies nicht instinktiv tun.
  • Wichtige Gegenstände, wie das Lieblingskuscheltier, empfindet Dein Baby als einen Teil seiner selbst. Deswegen fühlt es sich bedroht, wenn es sein Kuscheltier weggeben soll.
  • Zwinge Dein Baby niemals zum Teilen.
  • Bei einem Streit um ein Spielzeug entscheidest Du nicht, wer es bekommt, sondern trittst als Vermittler auf. Dabei sind Erklärungen sehr wichtig.
  • Teilen heißt nicht zwingend, etwas hergeben zu müssen. Kreative Lösungen, wie gemeinsam die Puppe anzuziehen, können den Streit entschärfen und ein neues Gefühl für Gemeinsames Spiel schaffen.

 

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