Spielend Lernen #28: Teilen lernen

Nadine Bäsig

Peinliche Situation auf dem Spielplatz: Dein Schatz möchte seine Schaufel nicht mit anderen Kindern teilen. Warum das so ist und wie Dein Kind teilen lernt, das erfährst Du in dieser Spielend Lernen Ausgabe.

 

Alles meins!

 

Clara_spieltMit nun 14 Monaten und 1 Woche beginnt Dein kleiner Schatz nun langsam damit seinen Besitz zu verteidigen. Immer öfters hörst Du dann: „MEINS!“. Und wehe dem, der sich nicht an seine Regel hält. Um den Besitz zu verteidigen, ist Deinem Kind jedes Mittel recht: Ab und zu wird es erfinderisch. Notfalls sogar handgreiflich.

 

Total normal

 

Dass Dein kleiner Liebling seinen Besitz verteidigt ist ganz normal. Dieses Verhalten ist angeboren, denn in der Steinzeit sicherte die Verteidigung von Besitz das Überleben. Gegen diesen Instinkt zu handeln und anderen freiwillig etwas von seinem Besitz abzugeben, ist dagegen ein soziales Verhalten, welches mühsam erlernt werden muss. Den Höhepunkt hat diese „Verteidungungs“-Phase mit ca. 2 1/2 Jahren erreicht. Sie kann aber auch bis zu 4 Jahre andauern.

Für Schlaumeier: Empathie und Altruismus?

Empathie bedeutet Einfühlungsvermögen; die Fähigkeit sich in die Gefühls- und Stimmungslage anderer Personen hineinzuversetzen, sodass sich das Gegenüber verstanden und angenommen fühlt. Voraussetzung für die Entwicklung von Empathie ist, dass die Kinder ein Selbstkonzept entwickelt haben, um in der Lage zu sein, zwischen sich und anderen, zwischen eigenen Emotionen und den Emotionen anderer zu unterscheiden. Haben Kinder diese Fähigkeit entwickelt, so sind sie zu sozialem, helfendem Handeln fähig.

Auch das Wort Altruismus wird Dir irgendwann im Zusammenhang des Teilens begegnen. Altruismus bedeutet Selbstlosigkeit und Uneigennützigkeit. Es meint also genau das Gegenteil von Egoismus.

 

Teilen ist nicht einfach

 

Eltern mit Kindern_1Zugegeben – teilen ist für niemanden einfach. Je nach Persönlichkeit fällt es Deinem Kind leichter oder auch schwerer Dinge zu teilen oder auch auszuleihen. Ebenso kommt es auf die frühkindlichen Erfahrungen an. Kann sich ein Kind von Anfang an darauf verlassen, dass es mit allem was es benötigt versorgt wird, kann es auch leichter Sicherheit aufbauen. Diese Kinder sind dann später meist großzügiger wenn es um das Teilen und Verleihen von Dingen geht. Entgegen der landläufigen Meinung, dass Einzelkinder sich beim Teilen schwerer tun, da sie ihr Spielzeug nie mit jemandem teilen müssen, haben es diese meist sogar einfacher. Warum? Sie müssen ihr Spielzeug nicht ständig gegen ein anderes Kind verteidigen oder es mit dem Geschwisterkind teilen. Sie haben oft Spielzeug im Überfluss und finden es langweilig ständig alleine damit zu spielen.

Mit nun 14 Monaten und 1 Woche beginnt sich Dein Kind stark über Gegenstände zu identifizieren – hauptsächlich über solche, an denen es besonders hängt (z.B. ein Kuscheltier oder ein bestimmtes Spielzeug). Dein kleiner Schatz ist der Meinung, dass ihm der Kuschelhase nicht nur gehört, sondern dass er untrennbar ZU ihm gehört. Nimmt ein anderes Kind nun Deinem Liebling den Hasen weg, fühlt er sich indirekt persönlich bedroht.

Wusstest Du schon, dass…

… der häufigste Grund von Streitereien bei Kindern unter drei Jahren Besitz-Konflikte sind (so nennen das Entwicklungspsychologen)? Bei 80% der Besitz-Konflikte geht es darum, wem das Schiebeauto gehört und wem die Puppe. Es geht immer nur um eines: „Ich will das haben!“ und „Das ist meins!“

Auf sie mit Geschrei!

 

baby weinen motzigBestimmt hattet ihr in letzter Zeit Besuch von anderen Kindern. Dabei dürfte Dir aufgefallen sein, dass das fremde Kind keines von den Spielsachen Deines Kindes anfassen durfte. Und wenn doch, dann wurde es bestimmt mit lautem Geheul vertrieben. Darüber musst Du Dir keine Sorgen machen. Dein Kind entwickelt sich nicht zum Egoisten, sonder lotet eher solche Dinge aus wie:

  • Kann ich meine Wünsche durchsetzen?
  • Wie weit kann ich gehen?
  • Wo sind die Grenzen zwischen mir und dem anderen?

Dein Kind sieht sich selber als Mittelpunkt des Universums. Den Unterschied zwischen Meins und Deins kennt es zwar schon – den Sinn legt es aber noch anders aus. Wie es den Sinn versteht? Wenn Dein Kind der Mittelpunkt der Welt ist, gehört ihm das, womit es spielt. Dem anderen Kind, gehört eben nur das, womit ihm Dein Kind erlaubt hat zu spielen. Da ist es ganz natürlich, dass aus diesem Verhalten Konflikte entstehen.

 

Ab wann „funktioniert“ das Teilen?

 

Um etwas teilen zu können, muss sich Dein Kind erst vorstellen können, wie sich sein Gegenüber fühlt. Fachleute sprechen hier von Empathie. Ist das andere Kind traurig, weil es das Spielzeug nicht haben darf? Dein Kind muss erst lernen, was in einer anderen Person vor sich geht. Erst dann kann es mitfühlend handeln und in Folge auch freiwillig etwas abgeben. Diesen großen Schritt erreichen Kinder mit etwa 3 Jahren. Dein Kind ist gerade erst dabei, sein eigenes ICH zu entdecken.

 

Wann bildet sich das ICH?

 

Absolut unabdingbar ist, dass es zwischen „Selbst“ und „Anderen“ unterscheiden kann. Das beginnt mit etwa anderthalb Jahren. Du kannst diese Phase daran erkennen, dass sich Dein Kind auf Fotos und im Spiegel erkennt.

Ein weiteres Indiz dafür, dass Dein Kind ein Ich-Bewusstsein entwickelt, ist das Trotzen. Die Trotzphase beginnt allerdings erst später (etwa vom zweiten Lebensjahr an bis manchmal ins vierte Lebensjahr hinein). Während dieser Phase entwickelt Dein Kind teilweise einen heftigen Eigensinn. Auch wenn Du es Dir bei diesen kleinkindlichen Wutausbrüchen nicht unbedingt vorstellen kannst – sie sind ein Zeichen dafür, dass Dein Kind auf dem guten Weg zu Empathie und Mitgefühl ist! Der Trotz zeigt, dass Dein Schatz sich als eigenständiges Wesen begreift und sich des Vorhandenseins „der Anderen“ bewusst wird.

 

Teilen lernen – aber wie?

 

Wie aber schaffst Du es nun, Deinem kleinen Wonneproppen das Teilen näher zu bringen? Was Du Deinem Kind beibringen willst, hängt auch von den eigenen Wertvorstellungen ab. Was kannst Du z.B. beim Gerangel um die Puppe noch als gesundes Durchsetzungsvermögen akzeptieren und wo fängt ein Egoismus an, bei dem Dein Kind Gefahr läuft, sich von der Gruppe zu isolieren? Es gibt viele Wege ein gesundes Verhältnis zu Eigentum zu entwickeln. Du musst Dir aber immer im Klaren sein, dass Du scheitern wirst, wenn Du Deinem Kind ein völlig anderes Wertebild vermitteln willst, als Du es besitzt – denn auf Dauer wirst Du das nicht durchhalten können. Wichtig ist immer, dass Du Deinem Kind Deine Werte vorlebstDu musst authentisch sein. Wie das im Alltag aussehen kann? Teile Dein Eis mit Deinem Schatz, biete ihm Deinen Schal als Decke an und frag, ob Du das neue Spielzeug auch mal ausprobieren darfst. Benutze dabei immer das Wort „teilen“ um zu beschreiben, was Du tust. Auch unsichtbare Dinge wie Ideen, Geschichten oder Gefühle können geteilt werden.

Was Du nicht tun solltest!

 

Auf gar keinen Fall solltest Du Deinem Schatz das Spielzeug kurzerhand wegnehmen und es dem Gegenüber überlassen. Wenn Du Dein Kind zum Teilen zwingst, wird es von diesem Zeitpunkt an seinen Besitz nur noch mehr verteidigen. Warte einfach mal ab wie sich die Situation entwickelt. Meistens kommen die beiden Streithähne eigenständig zu einer Lösung, sofern der Altersunterschied nicht zu groß ist. Finden die Kinder keine Lösung und nehmen sich das Spielzeug mit Gewalt weg, solltest Du einschreiten und den Gegenstand dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zurückgeben. Achte hierbei darauf, dass Du den beiden Furien erklärst, dass das so nicht in Ordnung war.

Möchte das andere Kind mit den Spielsachen von Deinem Kind spielen, muss es vorher fragen, ob es diese haben darf. Möchte Dein Kind das nicht, muss das vom Gegenüber wohl oder übel akzeptiert werden. Das Gleiche gilt natürlich auch anders herum. Auch „verlieren“ ist Übungssache. Sollten sich z.B. Geschwister ständig um den gleichen Gegenstand streiten, ist es oft hilfreich, dieses Spielzeug für eine bestimmte Zeit aus dem Verkehr zu ziehen. Dann kann keines der Kinder damit spielen.

Ein absolutes „NO-GO“ ist der Liebesentzug. Eine emotionale Erpressung im Sinne von: „Wenn du das machst, habe ich dich nicht mehr lieb“ sollte unter keinen Umständen ein Mittel in Deiner Erziehung sein.

Aufforderung Mitmachen

Wir wollen sehen, wie Teilen bei Euch aussieht! Dann schnapp Dir Deine Kamera und fange die witzigsten und tollsten Momente damit ein. Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns auf Dein Feedback!

Teilen als positive Erfahrung

 

Der positive Aspekt des Teilens erfährt Dein Kind erst später in seinem noch jungen Leben. Noch kann Dein Kleines sein Universum nicht verlassen. Doch in schon ein bis zwei Jahren erkennt Dein Kind, dass das Teilen Vorteile bringt. Doch bereits jetzt kannst Du Deinem Kind dabei helfen, damit dieses Bewusstsein irgendwann zutage tritt. Ein erster Anfang kann dieser kleine Tipp sein: Lasse Dein Kind etwas verteilen, von dem genügend vorhanden ist (z.B. Gummibärchen oder Kekse). Dein Kind wird so lernen, dass es eine positive Rückmeldung erhält, wenn es etwas abgibt und dass es auch etwas zurück bekommt, wenn ein anderes Kind etwas aufteilt. Hierbei solltest Du später allerdings darauf achten, dass Teilen und Abgeben nicht zum Mittel werden, um sich Freundschaften zu „erkaufen“. Kinder sind feinfühlig und merken schnell, wenn ein Kind dies versucht. Achte darauf, dass Dein Kind in dieser Hinsicht später nicht ausgenutzt wird.

Manches kann einfach nicht geteilt werden

 

Kinder am NotebookSo wichtig die Fähigkeit zum Teilen ist, so gibt es auch Dinge, die einfach nicht verliehen oder geteilt werden wollen. Das Lieblingsschmusetier gehört auf jeden Fall dazu und auch andere Dinge sind Deinem Kind vielleicht so wichtig, dass es diese einfach nicht hergeben mag. Auch das musst Du akzeptieren und gilt in beide Richtungen. Denn nur dann, wenn Du akzeptierst, dass Dein Kind bestimmte Dinge nicht teilen mag, wird es im Gegenzug auch verstehen und akzeptieren, dass manche Besitztümer von Dir oder Deinem Partner z.B. Laptop, Smartphone, Handtasche, etc. tabu sind.

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Dein Kind beginnt allmählich seinen „Besitz“ zu verteidigen.
  • Dass dein Schatz seine Dinge verteidigt ist ganz normal und sollte akzeptiert werden.
  • Mit spätestens 4 Jahren kann Dein Kind teilen – bis dahin braucht es Geduld und Übung.
  • Teilen muss gelernt werden.
  • Einzelkindern fällt das Teilen leichter – sie müssen ihr Hab und Gut nicht ständig vor dem Geschwisterkind beschützen und sind somit eher bereit zu teilen.
  • Im Moment meint Dein Kind, dass sein Lieblingsschmusetier untrennbar ZU ihm gehört. Wird es von einem anderen Kind weggenommen, fühlt sich Dein Liebling persönlich bedroht.
  • Der „Kampf“ um Gegenstände ist normal und gehört zur Entwicklung dazu.
  • Um Teilen zu können, muss Dein Schatz erst einmal lernen, dass es so was wie Empathie und Altruismus gibt.
  • Dein Kind muss erst einmal sein eigenes ICH entdecken. Das hat es geschafft, wenn es sich selbst im Spiegel erkennt. Auch die ersten Trotzanfälle treten dann auf.
  • Dein Kind wird Teilen erst einmal nicht als positiv werten. Dass Teilen etwas Tolles sein kann, wird Dein Kind erst mit ca. 3 Jahren feststellen.
  • Manches soll einfach nicht geteilt werden. Auch das solltet ihr akzeptieren. Dein Kind genauso wie auch Du!

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