Spielend Lernen #29: Spieltipp „Treppauf-Treppab“

Natalie Bolte

Du kennst ihn bestimmt auch, den Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“. Natürlich sollte man diesen Satz nicht zu ernst nehmen, aber gerade im Bereich Motorik ist ein gutes Fundament hilfreich für eine bewegliche Zukunft. Erfahre mehr über beweglich, sicher, spielerisch.

 

BabyTreppensteigen3Motorische Fähigkeiten erlangt man nicht durch bloßes Erklären, also darüber sprechen. Bewegung muss erlernt, geübt und gelebt werden. Tatsächlich, so hast Du es vielleicht auch schon beobachtet, neigen heutige Eltern oft dazu Ihre Kinder in Watte zu packen und sich eher auf die kognitiven Bereiche zu stürzen, als auf die motorischen. Nur weil wir uns in einem Klimawandel befinden, heißt das ja nicht, dass die Kinder nicht mehr auf Bäume klettern können müssen 😉

Krabbeln und Laufen – Fluch oder Segen?

 

Wie oft hast Du Dir gewünscht, dass Dein Kind endlich krabbeln und dann laufen kann. Dann war es so weit und die neue Beweglichkeit zeigte schnell auf, wo Mama und Papa es mit der Angst zu tun bekommen: Treppen. Der Bewegungsradius Deines Kindes steigt nun mit jeder Woche sprunghaft an. Die Folge ist, dass Du noch mehr mit allen Sinnen bei Deinem Kind sein musst, denn Ruck zuck hat es sich von Dir entfernt und begibt sich in Gefahren, die es selbst noch nicht einschätzen kann. Aus diesem Grund entpuppt sich diese neue Mobilität für die meisten Eltern (nach der ersten Euphorie) als Fluch.

„Befähigen“ ist das neue Simsalabim!

 

iStock_000007385454_LargeZieht Deinen kleinen Weltenbummler schon jetzt jede Treppe magisch an? Befähige Dein Kind Sachen zu tun: Klettern & Hindernisse überwinden kann es lernen und je besser es diese Dinge lernt, desto beruhigter kannst Du sein. Und wenn Du beruhigt bist, weil Du auf die Fähigkeiten Deines Kindes vertrauen kannst, so kann der nächste Besuch auf dem Spielplatze für Euch viel entspannter. Diesen gedanklichen Ansatz kannst Du auch auf den Besuch bei einem Spielfreund übertragen. Wenn Du Deinen Klettermax befähigst eine Treppe ohne Probleme zu überwinden, verpasst Du beim „Kaffeeklatsch“ mit der befreundeten Mutter nicht jeden Halbsatz, weil Du eigentlich mit Augen und Ohren bei Deinem Kind bist. Natürlich rufen wir hier nicht zur Sorglosigkeit auf, aber Du wirst feststellen, wie beruhigend ein gesundes Mass an Sicherheit und Vertrauen sein kann.

Vorsicht ist besser als Nachsicht!

WissenswertUnabhängig von sämtlichem Training und dem spielerischen Kennenlernen des Treppensteigens. Das Sichern von Treppen ist Deine heilige Pflicht. Kümmere Dich am besten frühzeitig darum, da Kleinkinder meistens „plötzlich“ und unerwartet auf falsche Gedanken kommen.

 

Spieltipp 1: „Stufenheld“

 

Adult Supervision

Ihr benötigt:

  • Eine innenliegende Treppe

Es klingt wahrscheinlich eher unspektakulär, aber begib Dich mit Deinem Kind auf alle Viere und erkrabbelt geimeinsam Eure Treppe. Dein kleiner Bergsteiger wird allein deshalb schon einen riesen Spaß haben, weil Ihr zwei Euch auf „Augenhöhe“ befindet und Du das Gleiche machst, wie er – nämlich Treppen erkraxeln. Versuche ein kleines Stück hinter Deinem Kind zu sein, sodass Du schnell zugreifen kannst, falls es mal den Halt verliert.

Oben angekommen ist natürlich feiern angesagt, also loben, loben und nochmals loben. Eine Treppe zu überwinden ist für ein Kind in diesem Alter ein wahrer Kraftakt und als Leistung nicht zu unterschätzen.

„Runter kommen sie alle“, da an diesem Spruch etwas dran ist, müsst Ihr zwei auch wieder den Rückweg antreten. Unabhängig vom Entwicklungsstand, empfehlen wir beim ersten Mal den Abstieg über den Popo zu wählen. Zeige Deinem Kind, wie es einfach mit dem Popo Stufe für Stufe runter rutscht.

Ein Kind das Laufen kann, könnte natürlich auch „ganz normal“ die Treppe runter gehen. Jedoch ist nicht zu unterschätzen, wie sich die Perspektive für ein Kind verändert, wenn es plötzlich oben auf einer Treppe steht und runter schaut. Daher lieber den Zwischenschritt „Popo“ einfügen.

Tipp!

wusstestdu
Achte beim Raufkrabbeln darauf, ob es an der Treppe irgendetwas gibt, woran sich Dein Kind verletzen kann: beschädigte Stellen am Holz, herausragende Schrauben oder Nägel, ein loser Teppich etc. Einige dieser Dinge würdest Du beim normalen Treppensteigen wahrscheinlich nicht entdecken.

 

Spieltipp 2: Jedes Tier kann fliegen

 

 

Baby Treppe steigenIhr benötigt:

  • Eine innenliegende Treppe
  • Stofftiere

Um das Herunterkommen auf der Treppe zu üben, lege auf jede zweite Stufe ein Stofftier. Gestartet wird oben auf der Treppe. Nun heißt es für Dein Kind: irgendwie wieder runterzukommen! Egal ob auf dem Po oder auf seinen Beinchen – wenn Dein Kind bei einem Stofftier ankommt, hilf ihm sich hinzustellen, sodass es sich mit einer Hand am Geländer festhalten kann. Um den Spaß beim Lernen zu erhöhen, kannst Du Deinem kleinen Weitwerfer sagen, dass er das Stofftier die Treppe hinunterwerfen und dann zu den Kuscheltieren absteigen soll. Das gibt Deinem Kind ein Ziel und das anstrengende Lernen des Treppensteigens wird spaßiger.

Mit diesem kleinen Treppenspielchen führst Du Deinen kleinen Bergsteiger vorsichtig an das Stehen auf einer Treppenstufe heran und zeigst ihm gleichzeitig, wie er sich mit nur einer Hand am Geländer festzuhalten kann.

Spieltipp 3: Immer weiter auf der Leiter

 

Baby steht an LeiterIhr benötigt:

  • Eine Leiter
  • eventuell ein Stofftier

Dieser Spieltipp ist vor allem auch für diejenigen Eltern gedacht, die keine Treppe zur Verfügung haben.

Natürlich erfordert es andere Fähigkeiten von Deinem Kind eine Leiter anstatt einer Treppe zu erklimmen, denn es werden viele andere Muskelpartien beansprucht. Auch die „Popo- Variante“ beim Heruntergehen auf einer Treppe ist hier nur schwer durchführbar, sodass es sich anbietet Deinem Kind vorher das rückwärts Runtergehen zu erklären und zu zeigen. Achte dabei jedoch immer darauf, dass Du die Leiter festhälst und Dein Kind immer absicherst, falls es das Gleichgewicht verlieren sollte.

Nachdem Dein Kind einige Male die Leiter rauf- und runter geklettert ist, kannst Du ein Stofftier auf die oberste Sprosse setzen, damit es ein Ziel hat und dieses von der Leiter runterschubsen kann. Das wird garantiert für viel Gekicher bei Deinem Kind sorgen.

Eine Variante für Fortgeschrittene:

Kind Baby LeiterStelle die Leiter direkt neben Deine Couch oder neben Dein Bett. Lass Dein Kind auf der einen Seite der Leiter starten, nach oben klettern und auf der anderen Seite wieder herunter. Hier soll es aber auf der Stufe halt machen, die auf gleicher Höhe mit der Couch- oder Bettkante ist. Dann darf Dein Kind von der Leiter auf die Couch oder das Bett klettern oder hüpfen und wieder zur anderen Seite der Leiter laufen.

Hier wird neben den unterschiedlichen Muskelpartien beim Leiterklettern vor allem der Einsatz des Gleichgewichtsgefühls gefördert, den der Wechsel auf einen anderen Untergrund auslöst. Zusätzlich muss Dein Kind selbst entscheiden, wann es sich wo festhalten und dann wieder loslassen kann.

Eine Treppe kann Dein Kind, wenn es die Temperaturen zulassen, wunderbar barfuß erobern. So bekommt er das richtige Gespür für den Untergrund und kann üben richtigen Halt zu erlangen. Theoretisch trifft das auch auf eine Leiter zu, aber die Stufen sind meistens mit Rillen ausgestattet, welche an den Fußsohlen durchaus uangenehm sein können. Hier bieten sich dann Anti- Rutsch- Socken oder Krabbelschuhe an. In beiden Fällen, also Leiter oder Treppe ist von normalen Socken abzuraten.

Beim üben an das richtige „Fußkleid“ denken!
iStock_000009050175Largebarfuß
29c454a257da75a8d62a1624aee8001fmit ABS Socken
dbe843a3684a290b8da7299eee8f383fmit Krabbelschuhen

 

Spieltipp 4: Der Kissenparcours

 

happy baby child playing   in bed

Ihr benötigt:

  • Kissen (wer hätte das gedacht 😉 )

Stapel auf der Couch, auf dem Boden oder auf einem großen Bett einfach mehrere Kissen übereinander und baue zusätzlich mehrere Hindernisse auf. Dann kann der Parcours auch schon losgehen: Lasse Deinen kleinen Krabbler einfach über die Kissen klettern und schaue, wie er sich macht. Falls er Probleme beim Überwinden der Hindernisse bekommt, kannst Du ihn ermutigen, indem Du ihm zeigst, wie es das Hindernis nehmen kann. Natürlich solltest Du Dein Kind auch hier die ganze Zeit im Auge behalten, damit es nicht von der Couch oder vom Bett fällt.

Also Motivation kannst Du einen Ball über die Kissen rollen, so dass Dein Kind ihn sehen und ihm folgen möchte. Das geht natürlich auch mit dem Lieblingsspielzeug.

Es gibt auch schlaue Krabbler, die einfach vom Bett oder der Couch runter steigen und hinter dem Hügel wieder hoch klettern. Wenn Dein Schatz zu diesen Neunmalklugen gehört: Nicht eingreifen und einfach nur schmunzeln. Das Tolle: Auch dieses rauf und runter vom Bett/ von der Couch ist ein tolles Training.

Mutter (Papa) & Kind Turnen

Natürlich auch für Papas geeignet!

Die meisten Turnvereine bieten das Mutter (Papa) & Kind Turnen ab dem 2. Lebensjahr an. Eine Teilnahme ist absolut zu empfehlen, nicht nur weil Dein Kind motorisch enorm gefördert wird, sondern auch weil die sozialen Kontakte und der Umgang mit anderen Kindern sehr wertvoll ist. Rechtzeitig anmelden!

 

Hier nochmal im Schnelldurchlauf:

  • Bewegung sollte so früh wie möglich Normalität sein.
  • Bewegung macht schlau, nachweislich!
  • Die erste Angst kann man in etwas Positives umwandeln, wenn man sein Kind befähigt Dinge selbständig zu tun.
  • Treppen können gefährlich sein, mit gutem Training sind sie es nicht.
  • Gutes Training macht aber das Sichern von Treppen nicht entbehrlich.
  • Verschiedene Untergründe schulen das Gefühl für Balance.
  • Ohne Geduld geht es nicht! Lasse Deinem Kind die Zeit, die es braucht.

 

Lena_fordernd

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