Spielend Lernen #29: Treppen steigen

Nadine Bäsig

Kaum sind die Kleinen auf zwei Füßen unterwegs ist kein Hindernis mehr zu hoch und das Selbstbewusstsein wächst ins Unermessliche. Was es jetzt zu beachten gilt, erfährst Du in unserer heutigen Spielend Lernen Ausgabe zum Thema „Treppensteigen“.

 

Der Fuß verändert sich

 

Baby barfuß auf HolzWelche Mami kennt das nicht? Ständig muss man die kleinen süßen Speckfüßchen anschauen und küssen. Sie sind sooo schön. Aber Du wirst sehen, jetzt wo Dein Kind laufen kann, verändern sich auch die Füßchen. Niedlich bleiben sie weiterhin, aber: die Speckschickt an der Fußsohle wird dünner, der Fuß wölbt sich langsam und die Zehen strecken sich. Auch die Beine Deines Kindes entwickeln sich weiter. Die stämmigen „Sichelbeinchen“ werden zu schlankeren X-Beinen. Vom O zum X sozusagen – das ist kein Grund zur Besorgnis, sondern gehört zur normalen Entwicklung Deines Kindes dazu.

Auch die Figur verändert sich

 

Baby LauflernwagenDie absolute „Traumfigur“ bildet sich mit dem aufrechten Gang: Bäuchlein und Hohlkreuz!

Der Körperschwerpunkt bei ein bis zweijährigen liegt noch viel tiefer als bei Erwachsenen. Daher ist es eine wahre Meisterleistung für Deinen kleinen Akrobaten aufrecht zu stehen und auf zwei Beinen zu gehen. Im Verhältnis zum Körper sind die Beinchen Deines kleinen Lieblings noch recht kurz und müssen einen großen Balanceakt vollbringen. Becken, Bauch und Rücken schwanken noch. Vielleicht ist Dir schon aufgefallen, wie die Kleinen das ausgleichen? Ab ins Hohlkreuz und Bäuchlein rausstrecken.

Richtig drollig sieht das auch, wenn Dein Kleines nackt herumläuft. Doch durch das aufrechte Gehen fängt der Körper auch an sich zu strecken. Die Beine wachsen jetzt schneller als der übrige Körper. Das Längenwachstum schreitet nun im zweiten Jahr aber langsamer fort als im ersten. In etwa 10 cm wird Dein Kind im zweiten Jahr wachsen und hat am Ende etwa eine Körpergröße von ca. 85 cm. Das Gewicht wird nur geringfügig mehr – etwa 2 kg. Auch wenn Du es noch nicht wahrhaben möchtest: Dein Baby wird langsam zu einem Kind.

Wusstest Du schon, dass…

… bei Kindern zwischen ein und zwei Jahren die Zehen so beweglich sind wie Finger? Die Zehen können in diesem Alter genauso gespreizt oder eingekrallt werden. Auch etwas festhalten geht ganz mühelos. Deshalb sollten die kleinen Füßchen so wenig wie möglich in Schuhe eingesperrt werden. Am gesündesten für die Fußentwicklung Deines Kindes ist es barfuß zu laufen.

Hoch hinaus

 

Mädchen in schickem Outfit klettert von StuhlKaum kann Dein kleiner Entdecker laufen, will er auch schon Reinhold Messners Rekorde im Klettern brechen. Die Welt wird nun entdeckt und das nicht unbedingt an Deiner Hand. Treppen üben auf Kinder eine magische Anziehungskraft aus. Aber nicht nur die. Auch Leitern, Hocker, Stühle, Sofas oder Betten verführen Dein Kind zum Erklimmen. Das bedeutet für Dich: Ab jetzt beginnt eine wirklich anstrengende Zeit.

Aufwärts streben, größer sein – keine Anstrengung ist jetzt zu viel. Könnte da etwas Interessantes auf dem Tisch liegen? Nichts wie hin, auf die Zehenspitzen stellen und nachschauen. Anfangs kommt Dein Kind dabei zwar noch ins Schwanken, aber bald steht es auch auf Zehenspitzen sicher. So sicher, dass einige Kinder – etwa jedes zehnte – zeitweilig nur noch auf Zehenspitzen gehen.

Die entgegengesetzte Richtung ist Deinem Schatz aber oft noch unheimlich – da lässt sich Dein Kleines lieber tragen.

 

Nur Mut Mami!

 

Kind Baby LeiterUnterstütze die Neugierde von Deinem kleinen Bergsteiger und lasse die Kletterversuche ruhig zu, wenn Du gut aufpasst und keine Gefahr besteht. Warum wir das empfehlen? Weil es ideal ist, wenn Dein Kind zuerst von Dir oder Deinem Partner erfährt, wie Gefahrenzonen bewältigt werden. Außerdem stehst Du ja mit schützenden Händen bereit, Dein Kind vor einem Sturz zu beschützen. Bis Dein Liebling die Stufen sicher bewältigen kann, solltest Du das Treppensteigen immer beaufsichtigen. Mit spätestens 3,5 Jahren sollte Dein Schatz Treppen hoch und runter gehen können, ohne dass er sich festhalten muss oder Hilfe benötigt.

Tipps zum Treppen steigen

  • Alle Hindernisse beseitigen. Stolper- und Rutschfallen müssen vorher beseitigt werden. Du stehst natürlich auffangbereit daneben. Hilfreich sind auch Stopper-Söckchen mit rutschfesten Gumminoppen oder sogar einer Gummisohle. In Socken fühlt Dein Schatz genau wann es auftritt und hat trotzdem Halt.
  • Der erste Weg auf der Treppe sollte nach oben führen. So bekommt Dein Kind ein Gefühl für die Treppe und Du kannst dahinter stehen und es auffangen, sobald es nötig ist. Beim Hochsteigen kannst Du Dein Kind auch besser anleiten und ihm zeigen, dass ein Fuß nach dem anderen dran kommt. Diese Koordinationsübung solltet ihr einige Tage nacheinander durchführen. So wird Dein Schatz immer sicherere und gewinnt an Selbstvertrauen.
  • Im nächsten Schritt die Treppe runtersteigen. Dazu bietet sich der Rückwärtsgang an. So kann Dein Schatz auf allen Vieren die Treppe hinunter kraxeln und Du kannst Dich wieder hinter Deinen Schatz stellen, um ihn aufzufangen oder anzuleiten. Dein Liebling kann sich aber auch hinsetzen und die Treppe hinunterrutschen. So bekommt Dein Kind gleich ein Gefühl für die Höhe, da es in Steigrichtung blickt. Nach einiger Zeit kannst Du Dein Kind dann dazu animieren aufzustehen. Halte es dann an den Händen fest und versuche einen Schritt nach unten zu gehen.
  • Ein Treppengeländer in Kinderhöhe wäre ideal. Da kann sich Dein Kleines notfalls eigenständig helfen und festhalten. Wenn Du mal die Treppenstufen im Verhältnis zur Körpergröße Deines Kindes beachtest, wird schnell klar, dass Treppensteigen ein wahrer Kraftakt ist.
  • Will Dein Schatz noch keine Treppen laufen, dann solltest Du ihm noch ein bisschen Zeit lassen. Vielleicht verwandelst Du das Treppensteigen durch einen Reim auch zu einem Spiel und es bekommt dann Lust?

Hier trainieren kleine Weltmeister

 

BabyTreppensteigen1Sobald die ersten freien Schritte geschafft sind, wir nicht nur das Treppensteigen entdeckt, sondern noch einiges mehr: vorwärts, seitwärts oder rückwärts laufen zum Beispiel. Rückwärts zu gehen, hat es besonders in sich. Für das Rückwärts gehen braucht Dein Schatz Raumgefühl und das funktioniert wie so vieles nicht auf Kommando. Du kannst Deinen kleinen Torschützen aber überlisten. Wie? Lege Deinem Kind einfach einen Ball vor die Füße. Dann kannst Du testen, ob das Rückwärts-Gehen schon klappt. Denn will Dein Kind den Ball weg kicken, nimmt es in diesem Alter Anlauf und dazu muss es ein paar Schrittchen zurückgehen.

Aufforderung Mitmachen

Dein Wonneprpoppen hat eine ganz eigene Methode um Treppen zu laufen? Halte diesen Moment mit Deiner Kamera fest und lass uns teilhaben. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

Warum Bewegung überhaupt so wichtig ist

 

Neben der Wahrnehmung spiel vor allem die Bewegung in den ersten Lebensjahren eine entscheidende Rolle für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Das bedeutet, dass Bewegung im Kindesalter nicht nur die körperliche Entwicklung fördert, sondern auch die geistige, emotionale und soziale. Dein Kind erhält über Bewegung Selbstbestätigung und entwickelt Selbstvertrauen.

Wie wirkt sich Bewegungsmangel aus?

 

Baby girl walking through pathDaher wirkt sich Bewegungsmangel nicht nur negativ auf die körperliche, sondern auch auf die geistige Entwicklung Deines Kindes aus. Durch die verschiedenen Formen der Fortbewegung entwickeln sich erste wichtige Nervenverbindungen im Gehirn, welche später die Grundlage für abstrakte kognitive Leistungen, wie z.B. Sprache oder Rechenfähigkeit, bilden.

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hirnhälften, die über ein dickes Nervenfaserbündel in Verbindung stehen. Jede Hirnhälfte erfüllt dabei bestimmte Aufgaben. Die linke Seite ist für das logische und analytische Denken zuständig, die rechte Seite für die Wahrnehmung, Kreativität und Intuition. Die Fähigkeit einen Text zu lesen, erfordert immer die Kooperation zwischen linker und rechter Hirnhälfte.

Für was sind nun die beiden Hirnhälften zuständig? Die rechte Seite des Gehirns erkennt die Form der Buchstaben und Wörter ordnet diesen aber noch keine Bedeutung zu. Erst auf der linken Seite wird den Wörtern ein Sinn verliehen. Ist diese Verbindung aufgrund mangelnder Bewegung im Kindesalter zu schwach ausgebildet, treten entsprechende Leseprobleme auf. Das Kind hat Schwierigkeiten die Buchstaben und Wörter richtig zu erkennen oder zu deuten.

Wie kannst Du Dein Kind unterstützen?

 

Baby spielt mit MutterBesonders geeignet sind Bewegungsformen, die große Bereiche des Gehirns beanspruchen bzw. Übungen, durch welche die linke und rechte Hirnhälfte gleichzeitig beansprucht werden. Auch Übungen zur Wahrnehmung bieten sich an. Sie bilden in unserer reizüberfluteten Welt einen wichtigen Ruhepol. Die Fähigkeit sich nur auf eine Sache zu konzentrieren ist für viele Kinder und Erwachsene eine wahre Herausforderung. Folgende Übungsformen sind empfehlenswert:

  • Überkreuzbewegung (Übungen, bei der die Extremitäten die Körpermitte überschreiten)
  • Bilaterale Bewegungen (Übungen, bei dem beide Körperseiten gleichzeitig aktiviert werden)
  • den Rhythmus einer Melodie in Bewegung umsetzen (Malen nach Musik)
  • Übungen zur Augen- und Zungenmotorik
  • Übungen zur Handmotorik
  • Übungen zur Balance
  • Übungen zur Wahrnehmung

Zusätzlich kann die motorische Entwicklung von Kindern durch eine entsprechende Raumgestaltung gefördert werden. Der Raum sollte einerseits so gestaltet sein, dass er genügend Bewegungsmöglichkeiten für die Kinder bietet. Anderseits ist es wichtig verschiedene Bewegungsanreize (u.a. schiefe Ebenen, Kletter- und Balanciermöglichkeiten) zu setzen, welche Dein Kind immer wieder herausfordern.

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Im zweiten Lebensjahr werden aus den stämmigen O-Beinchen schlankere X-Beine. Das ist normal und gehört zur Entwicklung Deines Kindes.
  • Durch das Laufen verändern sich auch die Füßchen Deines Schatzes. Die Speckschickt an der Fußsohle wird dünner, der Fuß wölbt sich langsam und die Zehen strecken sich.
  • Dein Baby erhält eine absolute Traumfigur: Becken, Bauch und Rücken schwanken noch – um das auszugleichen, gehen die Kleinen ins Hohlkreuz und strecken dabei das Bäuchlein raus.
  • Dein Schatz möchte jetzt klettern und dabei üben Treppen, Leitern oder Stühle eine magische Anziehungskraft aus.
  • Das Abwärtssteigen ist den meisten Bergsteigern aber noch unheimlich und muss Schritt für Schritt geübt werden.
  • Traue Deinem Kind ruhig etwas zu: fördere seinen Entdeckergeist. Dadurch stärkst Du sein Selbstvertrauen, übst Koordination und schützt Dein Kind gleichzeitig vor Gefahren und Verletzungen. 
  • Für das Rückwärtsgehen braucht Dein Kind Raumgefühl.

 

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