Spielend Lernen #30: Dein Kind und die Körpersprache

Nadine Bäsig

Noch kann Dein Kind nicht mit Worten ausdrücken, was es denkt oder fühlt. Stattdessen wirst Du festgestellt haben, dass Gestik und Mimik in den vergangenen Wochen immer öfter angewandt werden, um Bedürfnisse oder Gefühle auszudrücken. Wir erklären Dir warum.

Lang lang ist es her

 

89TQl43srkJiIVxjq97ZP7AJHGw2B2bgCslXl47R2gw,_8hZBSoPaZvLTsmjSi_NV-s2s5aoEyWjXcCG1CgLTK0Vielleicht erinnerst Du Dich aber trotzdem noch daran, wie Dein kleiner Schatz kurz nach der Entbindung auf menschliche Stimmen reagiert hat. Forscher haben nämlich herausgefunden, dass Babys unmittelbar nach der Entbindung eher auf menschliche Stimmen, als auf andere Geräusche reagierten.  Auch ein Gesicht wird viel deutlicher angeschaut, als z.B. ein Mobile oder andere Gegenstände. Bereits eine Woche nach der Geburt war Dein Baby in der Lage, Deine Stimme der von anderen Frauen zu unterscheiden und mit gerade mal zwei Wochen hat es bereits Dein Gesicht mit Deiner Stimme verbunden. In einem Test wurde einem Baby die Stimme seiner Mutter vorgespielt, aber eine andere Frau zeigte sich über dem Baby. Was geschah? Das Baby wurde unruhig. Aus diesen Forschungen ging hervor, dass Gestik und Mimik, also die Körpersprache, für Eltern und Baby ein wichtiges Kommunikationsmittel ist.

 

Kommunikation von Anfang an

 

baby blickkontaktMit seiner Körpersprache machte Dir Dein Liebling von Anfang an klar, was er gerade braucht oder auch nicht möchte. Natürlich hat auch das ein paar Tage gedauert, aber dann brauchtest Du Dein Baby nur kurz anzuschauen und Du wusstest sofort, was los war. Ab der sechsten Woche hat die Kommunikation über den Blickkontakt angefangen. Du hast in die Augen Deines kleinen Lieblings gesehen und wusstest sofort, was es von Dir wollte. „Bitte bleib hier Mami!“ oder „Ich habe Angst!“ können solche Botschaften gewesen sein. Aber warum jetzt ausgerechnet ab der sechsten Woche? Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass zu diesem Zeitpunkt ein Baby endlich scharf sehen kann!

 

Gestik, Mimik und Stimmlage

 

Just beautifulDein Baby interpretierte seine Umwelt zunächst vor allem über die Gestik, Mimik und die Stimmlage von Dir und Deinem Partner. Hat Dein Baby auch Deine Mimik nachgeahmt? Vielleicht hast Du mal die Stirn gerunzelt und Dein kleiner Schatz hat es Dir gleich getan? Wer ein Baby versehen will, sollte sich auch seiner eigenen Körpersprache bewusst sein. Vielleicht sah es bisher in Deinen Augen immer etwas ulkig aus, wenn Du eine Mama gesehen hast, die total übertrieben gestikuliert mit ihrem Baby gesprochen hat. Eine übertriebene Mimik ist genau der richtige Weg, um Deinem Kind seine Umwelt besser verstehen zu lassen. Ist die Mimik sehr ausgeprägt, verstehen Babys schnell, was es mit den verschiedenen Gesichtsausdrücken auf sich hat und sie reagieren auch entsprechend.

 

Für Schlaumeier: Was ist Embodiment?

Zu Deutsch auch Verkörperung, Inkarnation oder Verleiblichung. Das Embodiment ist eine These aus der neueren Kognitionswissenschaft, nach der Bewusstsein einen Körper benötigt, also eine physikalische Interaktion voraussetzt. 

 

Klare Worte 

 

KSprechende Mutter mit Kindinder brauchen klare Worte, halbherzige Botschaften überfordern sie. Ein eindeutiges „Nein“ dagegen gibt ihnen Sicherheit. Ein ebenso klares „Ja“ stärkt ihr Selbstvertrauen. Da Dein Kind erst noch lernen muss, wie die Welt funktioniert, ist es ratsam wirklich klare Worte zu finden. Was damit gemeint ist? Stell Dir vor, Du bringst Dein Kind abends ins Bett. Du möchtest jetzt, dass Ihr zusammen ins Bad geht und gibst folgende Äußerung von Dir: „Na, wollen wir jetzt ins Bett gehen?“ Welches Kind möchte schon ins Bett – natürlich nicht! Dein kleiner Schatz möchte lieber mit Dir Bücher anschauen oder mit den Bauklötzen spielen. Besser wäre in dieser Situation: „So, jetzt geht es ins Bett!“ Diese Aussage ist einfacher und konfliktfreier. Dein Kind, welches gerade erst lernt wie die Welt funktioniert, braucht klare Ansagen und keine Verwirrspiele, sonst versteht es nämlich nur BAHNHOF!

 

Wusstest Du schon, dass…

  • 55 % der Kommunikation mit Kindern über Körpersprache, Mimik und Gestik laufen
  • 38 % über den Klang unserer Stimme
  • 7 % vermittelt sich den Kindern über den Sinn der Worte (also den Inhalt)

Doppelbotschaften 

 

24ff3505_smush_Baby+spielt+mit+Papa1Sicherlich hast Du in den letzten Monaten festgestellt, dass Dein Kind Dich und vor allem Deine Körpersprache ganz genau beobachtet. Ohne es wirklich zu wollen, sendest Du oft sogenannte Doppelbotschaften aus. Du sagst z.B. nicht wirklich überzeugt „nein“ und grinst noch unbeabsichtigt dazu. Für Deinen kleinen Wonneproppen ein eindeutiges Startsignal für noch mehr Unfug. Du solltest immer daran denken, dass Kinder ganzheitlich kommunizieren. Was das nun wieder heißt, fragst Du Dich? Dein Kind hört nur auf Worte, wenn sie stimmig zu Tonfall, Gestik und Mimik passen. Deshalb raten Experten zu dieser einen Regel:

Je jünger ein Kind ist, desto klarer müssen die Worte sein. Kurz und knapp ist viel besser, als lang und ausführlich.“

Für Dein Kind sind die Informationen, die Du über die Körpersprache und die Stimmlage und auch die Körperhaltung vermittelst von größter Bedeutung – noch wichtiger als für uns Erwachsene. Warum? Das liegt daran, dass es die Sprache noch nicht so gut beherrscht und sich daher stärker über seinen Körper ausdrückt. Auch bei anderen nimmt Dein Schatz die Körpersprache viel mehr wahr.

 

Was kann Körpersprache vermitteln?

 

Feeding of  childDer Klang Deiner Stimme, also die Stimmhöhe, die Betonung und der Sprachrhythmus, verraten viel über Deine Einstellung und Deine Gefühle gegenüber Deinem Kind. Durch Deine Mimik, wie Stirnrunzeln, Augen verdrehen, Lächeln kommentierst und bewertest Du Deine Worte oder das was Dir Dein Kind erzählt. Deine Gesten, hier vor allem Deine Handbewegungen, unterstreichen die Bedeutung Deiner Worte.

Vorsicht: sie können aber auch einen konträren Inhalt ausdrücken! Deine Körperhaltung verrät, ob Du entspannt oder doch eher angespannt bist. Auch der Abstand zu Deinem Kind beinhaltet Informationen, ebenso ob Du Dich deinem Kind zu- oder abwendest – so vermittelst Du Distanz oder Nähe.

 

Wie Hände das Denken lenken

 

Baby-Geschockt_stopGesten helfen nicht nur, sich anderen mitzuteilen. Wie Gehirnforscher herausgefunden haben, profitiert jeder der gestikuliert auch selbst davon, denn das Arbeitsgedächtnis wird entlastet und das Lernen gefördert. Du bewegst beim Reden die Hände, nicht nur um des Gesprächspartners Willen, sondern auch, um Dein Denken zu unterstützten. Oft geschieht das nicht einmal bewusst. Folgende Situation: Du telefonierst und sollst spiralförmig erklären. Mit großer Wahrscheinlichkeit nimmst Du Deine Hand hoch, streckst den Zeigefinger aus und zeichnest eine Spirale in die Luft. Was bekanntermaßen Italiener am liebsten machen, machen selbst blinde Menschen – nämlich gestikulieren!

 

Gehirn nicht ohne Körper

 

Sprache und Gestik sind also eng miteinander verwoben. Es ist laut Forschern auch ein Indiz für das Embodiment. Das Denken setzt also nicht nur ein Gehirn voraus, sondern auch den Körper, welcher mit seiner Umwelt interagiert. Köper und Kognition stehen miteinander in Wechselwirkung. Betrachtet man die These des Embodiments etwas genauer, dann stellt man fest, dass Gesten die Gedanken unterstützen und fördern.

 

Mehr Gesten – mehr Wörter

 

Baby girl on her stomachPsychologen in den USA fanden deutliche Hinweise, dass Gesten den Spracherwerb von Kindern fördern. 2009 wurde eine Studie veröffentlicht, in der 14 Monate alte Kinder beim Spielen mit ihren Eltern beobachtet wurden. Die Kinder der Eltern, die einen hohen Bildungsabschluss besaßen, konnten zwar nicht besser sprechen nutzten aber ihre Gestik besonders intensiv. Diese Kinder benutzten Zeigegesten für 24 Dinge. Die Kinder von weniger gebildeten Eltern brachen es nur auf 13 Zeigegesten. Nach ein paar Jahren luden die Forscher dieselben Kinder wieder ein und machten mit ihnen einen Wortschatztest. Das Ergebnis war eindeutig: Wer zuvor mehr gestikuliert hatte, kannte nun mehr Wörter.

Die Forscher sind deshalb der Meinung, dass die Gesten der Kinder das Wörterlernen indirekt unterstützen, indem sie die Eltern im richtigen Moment zum Sprechen bringen. Wie? Dein Kind zeigt auf einen Gegenstand und Du sagst dazu das Wort. Auch ein direkterer Zusammenhang ist denkbar: Dein Kind kann mittels Gesten üben, Dinge auszudrücken, selbst wenn es die zugehörigen Wörter noch nicht kann.

Diesen Zusammenhang belegen auch Untersuchungen mittels Kernspintomografie. Sie zeigen, dass Sprache und Gesten von denselben Gehirnregionen verarbeitet werden. Die Forscher gehen davon aus, dass Gesten darum auch Erwachsenen helfen, die passenden Worte zu finden, indem sie entsprechende Neuronen aktivieren.

 

Babyzeichensprache

 

Babyzeichen für "Bitte"

Babyzeichen für
„Bitte“

Amerikanische Eltern gehen sogar so weit, dass sie von Anfang an ihrem Kind die Babyzeichensprache beibringen. Sie soll der besseren Kommunikation zwischen Eltern und Kleinkind dienen, noch bevor die Verbalsprache erlernt wird. Die Babyzeichensprache baut auf der Gebärdensprache auf, wurde aber der Motorik von Babys angepasst und wird spielend vermittelt. Sie soll die Konzentration, Intelligenz und die Kommunikation fördern, indem sie Zeichensprache Gegenstände, Tätigkeiten, Eigenschaften und vieles mehr Symbolisiert. Die Babyzeichensprache wird unter Experten jedoch sehr kontrovers diskutiert.

 

Aufforderung Mitmachen

Welche Gesten benutzt Dein kleiner Schatz? Dein Kind kann besondere Gesten oder hat eine besonders niedliche Mimik? Dann schnapp Dir Deine Kamera und fange diese tollen Momente mit Deiner Kamera ein. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

 

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Wenn Du mit Deinem Kind sprichst, sollte Dein Körper das Gleiche sagen wie Dein Mund.
  • Gesten sind mehr als Kommunikationsmittel, sie unterstützen auch den Denkprozess.
  • Gesten können sich positiv auf das Sprachvermögen auswirken. Für Kleinkinder gilt: Je mehr sie gestikulieren, desto besser entwickelt sich ihr Wortschatz.
  • Gestikulieren entlastet das Arbeitsgedächtnis und hilft, neue Problemlösungsstrategien zu entwickeln.

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