Spielend Lernen #32: Repräsentatives Spiel

Nadine Bäsig

Dein Kind ist nun 15 Monate und 1 Woche alt und so langsam beginnt sich sein Spielverhalten zu ändern. Was hier genau geschieht und welche Rolle Dir in der neuen Spielphase zukommt, erfährst Du in der heutigen Ausgabe von Spielend Lernen.

 

Dein kleiner Nachmacher

 

haarekamm2Schon kurz nachdem Dein Kind auf die Welt gekommen ist, versuchte es sich im Nachahmen von Gestiken, Mimiken und Lauten. Ein Lächeln, ein Winken oder ein Freudenschrei haben schon von Anfang an eine magische Wirkung auf Dein Neugeborenes – und diese hält bis heute an. In den zurückliegenden Lebensmonaten beobachtete Dein Kind immer genauer die mimischen und körperlichen Ausdrucksformen von Dir und anderen Menschen und brabbelte Töne und Lautfolgen einfach nach. Die Nachahmung spielt bei der Entfaltung der aktuellen Spielform eine wichtige Rolle.  

Die Spielphase des Nachahmens

 

Zwischen dem 9. und 15. Monat beginnt Dein Kind einfache Handlungen nachzuahmen. Dabei kämmte es sich vielleicht die Haare oder hält sich den Telefonhörer ans Ohr, um wild drauflos zu plappern. Oder hat sich Dein Kind auch an seinen ersten „Schreibversuch“ gewagt, wenn er einen Stift in die Hände bekommen hat? Dabei ging es ihm noch nicht darum ein Haus oder eine Person zu malen. Vielmehr wollte Dein Kind den richtigen Gebrauch des Stiftes kennenlernen. Bei dieser Art von „Spiel“ spricht man vom sogenannten funktionellen Spiel. Es beschreibt die spielerische Art und Weise von Kindern, die Funktion eines Gegenstandes herauszufinden und im Spiel auszuprobieren. Den Gebrauch von Gegenständen eignet sich Dein Kind ganz einfach durch Abgucken an. Dabei beschränkt sich die Anwendung des Gegenstandes jedoch auf den eigenen Körper und involviert noch nicht andere Personen.

Die erste Phase des repräsentativen Spielens

 

Zwischen dem 12. und 18. Monat kannst Du bei Deinem Kind die Entwicklung zu einer weiteren Spielphase beobachten: Die erste Phase des repräsentativen Spielens. In dieser Phase benutzt Dein Kind einen Gegenstand nicht mehr nur für sich selbst, sondern überträgt die Handlung auf eine andere Person, ein Kuscheltier  oder die Lieblingspuppe. Es probiert die funktionelle Spielart also interaktiv aus. So kann es schon mal vorkommen, dass Dein Kind sich die Haarbürste schnappt und Dir oder seiner Lieblingspuppe die Haare kämmt. Oder es gibt der Puppe die Milchflasche oder versucht sie mit einem Löffelchen zu füttern. Dabei spielt Dein Kind Situationen nach, die es Stunden oder Tage zuvor erlebt hat.

Erweiterung des repräsentativen Spielens

 

Little girl at doll tea partyEinige Monate später macht Dein Kind einen weiteren Schritt in seiner spielerischen Entwicklung, indem es die Puppe oder das Kuscheltier selbst zu einer handelnden Figur macht. In dieser Spielphase setzt Dein Kind seine immer bessere werdende Vorstellungskraft ein. Wunder Dich also nicht, wenn Dein Kind dem Teddy die Haarbürste in die Hand drückt und dieser sich plötzlich selbst die Haare bürsten muss. Für diese Spielphase gibt es auch speziell angefertigte Spielzeugmännchen oder Kuscheltiere, die mit sogenannten Werkzeughänden ausgestattet sind. Diese Spielphase ist oftmals erst ab dem 21. Lebensmonat zu beobachten und gehört nach dem 30. Monat zu der meist beobachteten Spielweise älterer Kinder.

 

Wusstest Du schon, dass…

… die Spieldauer während der Wachphasen im ersten Lebensjahr sprunghaft zunimmt?
Im 3. – 4. Monat beträgt sie 9%,
im 7. – 8. Monat 51% und
vom 11.-12. Monat bereits 75%

Was ist Deine Aufgabe im repräsentativen Spiel Deines Kindes?

 

Mother and daughter brushing hairDu als Elternteil solltest die Umwelt Deines Kindes so gestalten, dass Dein Kind entwicklungsspezifische Erfahrungen machen kann. Biete Deinem Kind Gegenstände an, die es dazu animieren Dich oder andere Bezugspersonen nachzuahmen. Das kann, wie schon öfters erwähnt, eine Haarbürste oder ein Telefon sein. Aber auch ganz simple alltägliche Dinge wie ein Kochtopf, ein Tuch zum Abtrocknen oder Abstauben eignen sich dafür. Was Du und die anderen Bezugspersonen aber immer im Hinterkopf behalten sollten: Sei Deinem Kind ein Vorbild!

Deine Rolle im symbolhaften Spiel ist also in erster Linie, die des Vorbilds für Dein Kind. Aber Du bist auch als Spielpartner gefragt! So kannst Du Deinem Kind in der Phase des repräsentativen Spiels Gegenstände und Spielsachen anbieten, welche zur Situation passen. Biete Dich außerdem an, wenn Dein kleiner Nachmacher eine Handlung an einer anderen Person ausprobieren will. So kannst Du gefüttert, gekämmt oder gestreichelt werden.

Dein Verhalten

 

Aber wie sollst Du Dich während des Spiels als Spielpartner verhalten? Beteiligst Du Dich am kindlichen Spiel, solltest Du Dein Kind dort abholen, wo es in seiner individuellen Entwicklung steht. Denn ist Dein Spiel nicht dem Entwicklungsstand Deines Kindes angepasst, ist Dein Kind schnell unter- oder sogar überfordert und es wird das Spiel verweigern.

 

Hilf mit, es selbst zu tun

 

baby putzt mit mutter zähne„Hilf mir, es selbst zu tun“ ist der Leitsatz der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori. Lernen bedeutet für Dein Kind nicht, Fähigkeiten und Wissen zu erwerben, sondern Erfahrungen zu machen, die seinem Wissensstand entsprechen. Durch selbstbestimmtes Lernen eignet sich Dein Kind Lern- und Problemlösungsstrategien an und gelangt so zu einem guten Selbstwertgefühl. Aus solchen Erfahrungen heraus lernt es die soziale und gegenständliche Umwelt zu begreifen.

Auch Jean Piaget (Schweizer Entwicklungspsychologe) bemerkte einmal: „Alles, was wir dem Kind beibringen, kann es nicht mehr lernen.“ Auch ein altes afrikanisches Sprichwort erinnert an den Leitsatz von Montessori und an Piaget: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn wir daran ziehen.“

Mit diesen Zitaten wollen wir sagen: Nur wenn das Kind sein Handeln selbst kontrollieren kann, wird es interessiert bleiben und seine Aktivitäten werden zu sinnvollen Erfahrungen.

Aufforderung Mitmachen

Bringt dein kleiner Wonneproppen am Abend seinen Teddy ins Bett oder kämmt Deine Prinzessin ihrer Puppe die Haare? Nichts wie los! Schnapp Dir Deine Kamera und fange diese Augenblicke ein. Wir wollen es auch sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

 

Meilensteine der kindlichen Entwicklung

 

Damit Du sehen kannst, welche Phasen Dein Kind schon durchlaufen bzw. noch vor sich hat, haben wir Dir im folgenden eine kleine Übersicht zusammengestellt. Na, wo steht Dein Kind gerade?

Meilensteine in der Spielentwicklung

Das Wichtigste in Kürze

 

  • Kinder lernen durch Nachahmung.
  • Beim funktionellen Spiel versucht Dein Kind den richtigen Gebrauch eines Gegenstandes zu erlernen.
  • Das repräsentative Spiel ist das Spielen mit Symbolcharakter. Dein Kind probiert Gegenstände in einer symbolischen Art und Weise an einer Puppe oder an einer anderen Person.
  • In einer weiteren Stufe macht Dein Kind seine Puppe oder sein Kuscheltier zum Handelnden und überträgt Situationen, die es Stunden oder Tage zuvor erlebt hat.
  • Deine Hauptrolle im symbolhaften Spiel: Deinem Kind ein ständiges Vorbild sein!
  • Hol Dein Kind da ab wo es steht, ansonsten ist es schnell unter- oder überfordert.
  • Lasse Dein Kind selber entscheiden, was und auf welche Weise es spielen möchte.

 

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