Spielend Lernen #33: Aufreihen, Stapeln, Turm bauen

Nadine Bäsig

Bis vor kurzem gab es für Dein Kind nichts lustigeres, als einen Turm umzustoßen, den Du gerade in mühevoller Arbeit gebaut hast. Das Interesse daran, den Turm wieder aufzubauen, war im Gegensatz bisher kaum oder gar nicht vorhanden. Dies beginnt sich jetzt allmählich zu ändern. Warum das so ist, was Dein Kind beim Stapeln und Auftürmen von Spielklötzchen alles lernt und welche Rolle Du dabei einnehmen solltest, erfährst Du hier im Wissensteil von Spielend Lernen.

Wie wir es schon oft betont haben, kannst Du Dein Kind nicht pauschal mit anderen Kinder vergleichen, denn die kindliche Entwicklung verläuft sehr individuell und dementsprechend zeigen sich auch beim „Bauverhalten“ sehr vielfältige Ausdrucksformen. Dennoch lassen sich bestimmt Entwicklungsschritte in der kindlichen Bauaktivität beobachten.

Das Runde gehört nicht immer ins Eckige

Little girl playing with bright toys on playgroundBis zum 16. Monate ist das Interesse an Behältern extrem hoch:  Zuerst entwickelt es ein Verständnis dafür, dass ein Gegenstand in einem anderen sein kann. In nur kurzer Zeit versteht es, wie es Kügelchen oder Steinchen aus einer Flasche herausholt, bis es mit 10 bis 12 Monaten eine besonders große Vorliebe für das Aus- und Einräumen von Behältern jeder Art entfaltet. Diese Phase wirst Du sicherlich noch im Gedächtnis haben, als Dein kleiner Rabauke die Wohnzimmerschränke, DVD-Sammlungen oder Bücherregale ausgeräumt hat. Diese frühen Objektspiele schafften die Grundlage für die jetzt beginnende Bautätigkeiten Deines kleinen Baumeisters.

Höher als ein Wolkenkratzer

Little girl playing with a pyramidAktuell beginnt Dein Schatz allmählich Dinge aufeinanderzustapeln. Trotz der unterschiedlichen Spielformen eines jeden Kindes – die einzelnen Spielphasen bauen sich immer nach der gleichen Reihenfolge auf, weil das Gehirn stark an der Verarbeitung von Informationen beteiligt ist und sich bei jedem Kind auf ähnliche Weise entwickelt. Bei einen Kind früher, beim anderen später – die Reihenfolge bleibt aber stets die gleiche.

In der folgenden Grafik, wollen wir Dir zeigen, welche Spielphasen es mit räumlicher Charakteristik gibt und wie sich das Spielverhalten Deines Kindes mit der Zeit verändert:

Spielverhalten räumlicher Charakter

Wie Kleinkinder bauen

Baby-spielt-mit-Bauklötzen kleinDu kannst Dich sicherlich noch daran erinnern, wie Dein Kind schon als kleines Baby anfing mit Spielklötzen und Gegenständen zu hantieren. Das Bauverhalten ist schon im jüngsten Alter der Kinder ausgeprägt und entwickelt sich anhand von verschiedenen Grundformen des Bauens. Selbst Du als Erwachsener stapelst und ordnest noch nach den gleichen Prinzipien.

Kleinkinder legen zunächst mehr zufällig einen Gegenstand auf den anderen und stellen dann fest, dass dieser Gegenstand liegen bleibt oder aber herunterfällt. Dabei nehmen sie alle Alltagsgegenstände und Spielzeuge, die im Kinderzimmer vorhanden sind, in die Hand. Sie probieren und variieren immer neue Kombinationen und machen wertvolle Erfahrungen mit verschiedenen Formen, Gewichten und Oberflächen. Warum hält der große Holzklotz nicht auf dem kleinen? Wieso rollt der Rindenklotz immer wieder herunter? Schlanke hohe Bausteine lassen sich nicht so leicht aufrichten wie dicke breite Bausteine!

Aufstellen, umstoßen, aufstellen,…

Kleine Kinder richten gerne Dinge auf. Daher gehört das Aufstellen von Flaschen, Dosen, Kegeln und Becher zum Bauen dazu. Bestimmt schubst Dein Schatz diese Dinge auch gerne um und verfolgt aufmerksam, ob sie liegen bleiben oder wegrollen und welche Geräusche dabei entstehen.

Ist das ein ordentliches Kind

Beautiful baby building a castleKleinkinder ordnen Dinge gerne in Gruppen. Dein Wonneproppen sucht sich beispielsweise eine Form oder einen Gegenstand wie einen Ball aus und beginnt dann, alle im Zimmer liegenden gleichen Dinge zu sammeln und nebeneinander in einer Ebene aufzustellen. Das kann dann mit einer weiteren Form, wie einem Stern, so weitergehen. Damit Dein Kind etwas ordnen kann, braucht er mehrere Exemplare eines Gegenstands. Kinder reihen auch gerne Dinge aneinander, selbst wenn diese nicht gleich sind. Dann achtet Dein Schatz aber darauf, dass der Abstand zwischen den Gegenständen genau gleich ist.

Wusstest Du schon, dass…

… Kinder, die zu früh ausschließlich mit industriell gefertigten, großen Steckbausteinen spielen, so die Gelegenheit verpassen, physikalische Grundgesetze zu erfahren? Leider gibt es auch für ältere Kinder überwiegend Bausätze, die auf ein bestimmtes Spielzeugmodell hinauslaufen. Das hemmt den eigenen Ideenreichtum.

Erst ineinander, dann übereinander

Ineinander schieben ist ebenfalls eine sehr beliebte Disziplin bei Kleinkindern. Dazu verwendet Dein Liebling bestimmt am Liebsten verschiedene Plastikschüsseln aus Deiner Küche. Hat Dein Kind schon angefangen die Schüsseln umzudrehen und sie aufeinanderzustapeln? Dann ist es an der Zeit Hohlformen, wie Würfelbecher, Sandeimerchen oder Bausteine, zum Stapeln und Aufeinandertürmen bereitzustellen. Wenn Dein Kind so weit ist, wird es von selbst Türme bauen und wieder umstoßen.

Meistens bauen Kinder zunächst kleinteilig und auf einer Stelle. Dafür braucht Dein Kind Bauklötze aller Größen und Formen. Es gibt Rindenhölzer und naturbelassene Holzbausteine in verschiedenen Größen sowie Baukästen, die Bausteine in vielen Farben und Formen haben. Mit zunehmenden Alter gibt es keine Grenzen mehr für Deinen kleinen Baumeister: es entstehen mit Hilfe von Tieren und Holzfiguren kleine Welten wie Landschaften, Schlösser, Burgen, Bauernhöfe und noch viele mehr.

Wieso soll mein Kind eigentlich Stapeln?

Baby-Bauklötze-Zug KopieBeim Stapeln findet Dein Kind heraus, wie es bauen muss, damit seine Konstruktion hält und nicht umfällt. Es macht dabei Erfahrungen wie die Schwerkraft wirkt und kann Formen, Gewichte und Oberflächen besser einschätzen.

Das Bauen ist ein grundlegender Bestandteil kindlichen Spiels. Dein Kind eignet sich die Welt mit ihren physikalischen Gesetzmäßigkeiten an und erkundet sie. Beim Bauen experimentiert Dein Schatz mit den Naturgesetzen und erprobt statische Gesetze. Dein Kind baut allein oder gemeinsam mit Dir. Auch das Phantasiespiel wird beim Bauen gefördert.

Erst mit etwa zwei Jahren beginnt Dein Wonneproppen mit dem Aneinanderreihen von Gegenständen. Zu diesem Zeitpunkt wird dann auch ein Zug interessant, bei dem man Gleisstücke aneinander legen kann. Anschließend werden dann horizontales und vertikales Bauen miteinander verbunden und so kommen z.B. Treppen zustande.

Welche Baumaterialien für kleine Architekten?

Dein Schatz benötigt vielfältige Möglichkeiten zum klein- und großräumigen Bauen und Konstruieren. Diese bieten sich im Kinderzimmer, Wohnzimmer, Flur, im Garten oder auch bei einem Spaziergang an. Du schaffst lediglich  die Voraussetzungen, indem Du Raum, Zeit, Material und vielleicht Dein Wissen oder Deine Hilfe zur Verfügung stellt.

Deine Aufgabe in der Bauphase!

Du begleitest Dein Kind auf dem Weg zur Selbständigkeit und kannst Dich erstmal ganz entspannt zurücklehnen wenn Dein Kind selber aktiv ist. Trotzdem sind Deine eigene Neugier und Deine Lust am Bauen für die Motivation Deines Lieblings nicht zu unterschätzen. Sollte Dein Kind aber mal nicht so bauen, wie Du Dir das vorstellst, dann denke immer daran: Für Deinen Schatz ist vielleicht eine andere Bauart „richtig“. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt und es gibt kein falsch und richtig. Wenn es „falsch“ ist, merkt es Dein Schatz sofort: denn dann wird das Bauwerk in sich zusammenstürzen.

Welche Fähigkeiten werden gefördert?

Father and daughter indoors playing and smilingHauptsächlich die ältere Generation wie Oma und Opa oder auch die Urgroßeltern denken noch immer, dass Spielen für ein Kind reiner Zeitvertreib ist. Ist es aber nicht! Spielen ist mitunter harte Arbeit für Dein Kind. Beim Bauen trainiert es seine Motorik, die Fähigkeit zu sortieren, Verständnis von Ursache und Wirkung und nicht zuletzt die Sprachfähigkeit. Ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt wird ebenfalls angetrieben: das Verständnis für die Schwerkraft. Also eine ganze Menge, die es „nur“ durch Bauen erwirbt.

Anregung für die Zukunft

Mit Tüchern und Naturmaterialien lassen sich Bauwerke prima ergänzen. Sollen interessante Welten entstehen, brauchen Kinder einfache Naturmaterialien, wie Tannenzapfen, Kastanien, Zweige, Äste, große Schneckenhäuser, Rindenstücke und einfarbige Baumwoll- oder Seidentücher, die Berge und Seen darstellen können.

 

Aufforderung Mitmachen

Die höchsten Türme stehen bei Euch im Wohnzimmer? Der schiefe Turm von Pisa ist nichts gegen das Bauwerk in Eurem Kinderzimmer? Und der Zerstörungstrupp ist auch unterwegs? Dann schnapp Dir Deine Kamera und lass uns daran teilhaben. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit knapp 16 Monaten beginnt Dein Kind sich für das Stapeln von allen vorstellbaren Gegenständen zu interessieren.
  • Unabhängig vom individuellen Entwicklungstempo Deines Kindes: Das räumliche Spielverhalten läuft immer in der gleichen gleichen Reihenfolge ab: Inhalt-Behälter-Spiel, vertikales Bauen/Stapeln, horizontales Bauen, Kombination aus vertikalem und horizontalem Bauen.
  • Kinder ordnen gerne Dinge in Gruppen: z.B. alle runden Gegenstände nebeneinander oder alle Autos parken in Reihe und Glied.
  • Gestapelt wird, um herauszufinden, welche Konstruktionen funktionieren. Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten werden erkundet.
  • Aus diesen Experimenten entwickelt sich bis in 1,5 bis 4 Jahren das dreidimensionale Denken und auch diePhantasie wird beim Bauen angeregt.
  • Um zu experimentieren braucht Dein Kind Platz und Selbstbestimmung.
  • Deine Aufgabe ist es Hilfestellung anzubieten und ein motiviertes Vorbild zu sein.

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