Spielend Lernen #34: Die Fingerfertigkeit verbessert sich

Nadine Bäsig

Dein Kind kann nun langsam Gegenstände präzise greifen und auch wieder gewollt loslassen. Auch die Kraftdosierung in Finger- und Hand kann Dein Kind immer besser einschätzen. Aus welchen „Einzelfunktionen“ sich die Feinmotorik zusammensetzt, welche Körperteile bei der Entwicklung des Feingefühls beteiligt sind und welche Phasen Dein Kind bei der Entwicklung der Feinmotorik durchläuft, erfährst Du hier.

 

Das Zusammenspiel

Happy Baby with BeadsDass unser menschlicher Körper ein Wunderwerk der Natur ist und alles in unserem Organismus auf bestimmte Weise zusammenhängt, ist Dir im Laufe von Spielend Lernen bestimmt schon bewusst geworden.  In der Spielend Lernen Ausgabe #22 hast Du bereits erfahren, welche Entwicklungsbereiche bei der Motorik ein Zusammenspiel bilden. Falls Du es vergessen hast: Die feinmotorischen Fähigkeiten Deines Kindes hängen eng mit der grobmotorischen Entwicklung zusammen.

Bis vor ein paar Wochen war es für Dein Kind noch das Größte Gegenstände zu greifen und in einen Behälter zu stecken und diese wieder heraus zu holen. Als es das endlich geschafft hatte, konnte Dein Schatz auf einmal auch Klatschen. Jetzt mit 15 Monaten und 3 Wochen ist es Deinem Kind möglich ein Glas sicher zu halten und daraus zu trinken und das ohne großes Malheur. Auch der Umgang mit dem Löffel wird immer besser.

In der letzten Ausgabe ging es um das Thema Aufreihen, stapeln, Turm bauen – ein Turm bauen mit drei oder vier Bauklötzen ist nun überhaupt kein Problem mehr und Dein Liebling versucht auf einmal, sich selber an- und auszuziehen. Diese neuen Fertigkeiten sind von bestimmten Bedingungen abhängig.

So setzt sich die Feinmotorik aus unterschiedlichen Einzelfunktionen zusammen, welche wir Dir im folgenden Kreislauf zusammengefasst haben:

Feinmotorik

Das erste Jahr

Im ersten Jahr bemerkst du fast wöchentlich, dass Dein Kind mit seinen kleinen Fingerchen immer geschickter wird. Dabei entwickelt es seine Fingerfertigkeit ganz spielerisch und unbemerkt weiter. Mit der Zeit haben sich die Hände und vor allem die Finger Deines Lieblings zu wirkungsvollen Werkzeugen entwickelt, die ihm ungeahnte Möglichkeiten eröffnen.

Zuerst lernte Dein Kind die Bewegungen seiner Hände und Finger zu steuern. Anschließend gelang es ihm allmählich die Augen- und Armbewegungen aufeinander abzustimmen, um letztendlich gezielt nach Dingen zu greifen. In der aktuellen Entwicklungsphase geht es vor allem um die Feinjustierung.

Der Weg ist das Ziel

Babys HändeIm zweiten Lebensjahr macht das Zusammenspiel von Augen- und Händen nochmal einen riesen Schritt. Der Pinzettengriff hat Dein Kind noch vor einigen Wochen fast in den Wahnsinn getrieben. Jetzt beherrscht es diese ganz punktgenaue Grifftechnik fast im Schlaf und kann ihn sicher und geschickt einsetzen. So werden unermüdlich die kleinsten Fusseln aufgepickt und Krümel in den Mund gestopft. Dadurch erhält Dein Kind aber auch einen Schub in seiner Selbstständigkeit.

Ohne Hilfe und wie die Großen aus einem Glas trinken oder mit dem Löffel zu essen – das steht jetzt ganz hoch im Kurs. Auch wenn es Dir bei diesem Anblick noch mulmig im Magen wird – gewöhne Dich langsam daran und lass Deinen Schatz diese Dinge so oft wie möglich alleine ausprobieren. Triff lieber gute Vorkehrungen, anstatt Verbote auszusprechen. Denn das spornt Dein Kind an und fördert seine Selbstständigkeit. Einen bruchsicheren Becher, der nur zu einem Drittel gefüllt ist oder ungefährliches Besteck für Kleinkinder reichen zu Beginn vollkommen aus. Wenn dennoch viel daneben geht, hilf in einem anderen Moment nach. Denn bei den Übungen geht es nicht darum, dass Dein Kind genug zu Trinken oder Essen bekommt, sondern, dass es seine Fingerfertigkeit besser kennenlernt und übt.

Die Koordination verfeinert sich

puzzelnSo langsam kann Dein kleiner Liebling auch die Bewegungen seines Handgelenks mit denen der Finger in Einklang bringen. Wie ein Greifarm kann Dein Kind mit ein bisschen Übung gezielt packen, loslassen und Gegenstände dadurch am richtigen Platz ablegen. Diese Fähigkeit hilft ihm beispielsweise auch beim Turmbau, um einen Bauklotz auf den anderen zu legen. Ob Dein Kind schon so weit ist, kannst Du ganz einfach ausprobieren: Hält Dein kleiner Schatz einen Gegenstand in der Hand, kannst Du es bitten, ihn Dir in Deine Hand zu legen. Landet der Gegenstand in Deinen Handflächen oder auf dem Boden?

Wusstest Du schon, dass…

… sich schon mit etwa 2,5 Jahren die Händigkeit herauskristallisiert? In diesem Alter ist meist deutlich zu erkennen, welche Hand Dein Kind öfter verwendet. Dabei ist wichtig, dass Du Dein Kind, bei erkennbarer Linkshändigkeit, auf keinen Fall versuchst „umzuerziehen“.

Fingerfertigkeit – der Griff in die Selbstständigkeit

fädelspiel1Die Fingerfertigkeit Deines Kindes wird nun von Tag zu Tag immer besser. Damit geht einher, dass es nun auch immer mehr „selber“ machen möchte. Bis zum zweiten Geburtstag sind es zwar noch ein paar Monate, aber bis dahin interessiert sich Dein Schatz vermehrt für seine Kleidungsstücke und möchte diese auch selber an- und ausziehen. Denn die Griffe sitzen immer besser und werden immer gezielter.

Zu Beginn wird das Ausziehen interessanter als das Anziehen sein – denn das geht viel einfacher. Vor allem Schuhe und Socken wollen immer öfter selber ausgezogen werden und werden überall stehen und liegen gelassen. Auch bei Euren gemeinsamen Bilderbuchbetrachtungen wirst Du bald nicht mehr umblättern dürfen – hier übernimmt von nun an ebenfalls Dein Kind das Steuer. Die kleinen Fingerchen wollen um jeden Preis die einzelnen Seiten umschlagen. Auch wenn Du damit zum Zugucken verdammt bist – da führt kein Weg dran vorbei. Zuletzt werden auch Stifte immer beliebter. Denn Dein Kind hat langsam den Dreh raus und es wird „gekritzelt“ was das Zeug hält. Dabei verfeinert sich mit jedem Strich die Fingerfertigkeit.

Wie kannst Du die Fingerfertigkeit Deines Kindes fördern?

Spaß mit FingerfarbenDie Hand- und Fingerfertigkeit Deines Kindes entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Da musst Du eigentlich nicht nachhelfen. Doch Du kannst Dein Kind mit ein paar kleinen Tricks unterstützen, seine Fingerfertigkeit besser kennenzulernen und öfter anzuwenden. Wir haben ein paar Anregungen gesammelt:

  • Lass Dein Kind alles Mögliche anfassen. Durch Tasten und Fühlen lernt Dein Kind schon eine ganze Menge.
  • Verschiedene Materialien wie Wasser, Knete, Sand, Teig, Märchenwolle oder auch Matsch regen Dein Kind dazu an seine Händchen und Fingerchen zu benutzen. So schult Dein Schatz ebenfalls seine Fingerfertigkeit, denn mit jedem Material muss anders umgegangen werden. Mal muss fester, mal vorsichtiger zugegriffen werden.
  • Du solltest Deinem Kind auch die Gelegenheit geben mit Fingerfarben und dicken Stiften zu malen.
  • Der wohl wichtigste Tipp: Lass Dein Kind, sofern es will, möglichst viel selber tun, auch wenn das bedeutet, dass alles etwas länger dauert. Übe Dich in Geduld und Du wirst sehen, Deine Geduld wird belohnt werden.

Was, wenn öfters was nicht klappt?

Du hast das Gefühl, dass sich Dein Liebling im Vergleich zu gleichaltrigen Spielkameraden auffällig ungeschickt anstellt, was die Bewegungen der Hände, Finger und Arme betrifft? Dann zögere nicht und schildere Eurem Kinderarzt oder Eurer Kinderärztin die Beobachtungen. Trete lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig den Gang zum Kinderarzt an.

Entwicklung der Fingerfertigkeit

Als kleine Orientierungshilfe haben wir eine Übersicht zur Entwicklung der Fingerfertigkeit für Dich zusammengestellt. Bitte denke aber immer daran, dass sich jedes Kind in seinem Tempo entwickelt. Das eine Kind ist schneller, das andere langsamer. Deshalb sollen die Angaben in unserer Übersicht nur als grobe Anhaltspunkte dienen:

Entwicklung Fingerfertigkeit

Aufforderung Mitmachen

Dein kleiner Liebling zaubert ganze Kunstwerke mit Stiften oder Fingerfarbe? Wir wollen es auch sehen! Schnapp Dir Deine Kamera und fange diesen tollen Moment mit Deiner Kamera ein. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir sind gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Feinmotorik setzt sich aus unterschiedlichen Einzelfunktionen zusammen.
  • Die Koordination verfeinert sich und das Zusammenspiel von Bewegungen des Handgelenks und den Fingern funktioniert immer besser.
  • Dein Kind sollte so oft und soviel es möchte, Dinge selbst machen dürfen.
  • Die bessere Fingerfertigkeit leitet Dein Kind in die Selbstständigkeit.
  • Fördern kannst Du die Fingerfertigkeit Deines Lieblings, indem Du es verschiedene Materialien anfassen und auf unterschiedliche Art malen lässt.
  • Wenn Dir etwas „komisch“ vorkommt, suche lieber einmal zu viel als zu wenig einen Arzt auf.
  • Denke immer daran: Dein Kind entwickelt sich in seinem ganz eigenen Tempo!

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