Spielend lernen #36: Spieltipps

Natalie Bolte

Matschige Spielideen dürften bei viele Mamis die Alarmglocken schrillen lassen. Sei einfach offen gegenüber unseren Spielvorschlägen, lass Dich mal überraschen und ermögliche Deinem Kind dadurch eine gehörige Portion Spaß beim Entdecken der Welt.

Wundervolles Chaos

kind matsch4Das Motto der heutigen Ausgabe lautet: einfach mal raus aus der sterilen Bude, in der sich Dein Kind nicht dreckig machen kann und auch oftmals nicht darf, und ab in die freie Natur. Dieser Satz ist zugegebenermaßen etwas provokativ formuliert, soll Dich aber nicht verärgern, sondern dazu bringen, Dir über folgende Frage Gedanken zu machen:

Können sich Kinder heute eigentlich noch nach Herzenslust austoben, indem sie ungezwungen herummatschen und sich auch mal von den Haarspitzen bis in die Fußzehen einsauen?

Eigentlich nicht, oder? Entweder man denkt sofort an die die teure Wohnungseinrichtung, den Aufwand des Saubermachens oder an die teuren Klamotten die Eltern oder Kind tragen.

Matschen, patschen, kneten und Co.

dirty babyKinder matschen nicht nur aus spielerischen Gründen oder weil sie motorisch noch nicht zu anderen Dingen fähig sind. Nein, sie brauchen es ganz, ganz dringend für ihre Entwicklung und für die Reifung ihrer Sensorik.

Die Haut ist nicht nur unser größtes Organ, sondern auch das erste, das in der kindlichen Entwicklung voll funktionsfähig ist. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, die Umwelt – durch entsprechende Reize – zu erspüren und die daraus gewonnenen Informationen an das Gehirn weiterzuleiten, damit sie dort verarbeitet werden und Reaktionen auslösen.

Speziell beim Matschen stellt Dein Kind instinktiv fest, ob der Umgang mit dem Material angenehm ist oder ob es sich wortwörtlich „unwohl in seiner Haut fühlt“.

Achte mal beim Spielplatzbesuch darauf, ob  ein Kind zu weinen anfängt, sobald es mit dem Sand in Berührung kommt. Es ist ganz normal, dass manche Kinder einfach unkontrolliert losbrüllen.

Was erwartet Dich? 

I'm the winner!Mit der heutigen Ausgabe von Spielend Lernen wollen wir uns sowohl sprichwörtlich, als auch wortwörtlich frei machen! Zieh Dir und Deinem Knirps Sachen an, die dreckig werden dürfen und stürzt Euch auf alles, was man matschen kann.

Na? Leuchten bei Dir jetzt etliche Fragezeichen auf und Du weißt gar nicht, was Du Deinem Kind in diese Richtung so anbieten kannst? Keine Sorge, wir geben Dir vielfältige Antworten, in Form von wunderschön matschigen Spielideen.

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Für „Schnellklicker“ hier das one-Klick-Menü zu unseren Matschideen: Zaubersand | Rasierschaum | Spaghetti | Eincremen | Salzteig

 

 

Matschspaß I: magischer Zaubersand

Baby am StrandIhr benötigt:

  • Wäschewanne oder Mini-Planschbecken
  • Mehl
  • Öl
  • eine Tasse

Bevor Du den Zaubersand zubereitest, brauchst Du erst mal eine Sandkiste. Das kann eine Wanne für die Wäsche sein, ein Mini-Planschbecken oder auch einfach eine große Schüssel. Jetzt kann gezaubert werden:

1) In Deine Sandkiste gibst Du acht große Tassen Mehl und gut eine Tasse Öl hinein.

2) Diese Zutaten werden anschließend gut durchgeknetet, und zwar so lange, bis eine feine und glatte Masse entsteht. Je nach Größe Deiner Sandkiste kannst Du mehr oder weniger „Zaubersand“ herstellen.

3) Wir empfehlen unter die Sandkiste noch eine große Tischdecke oder Plane zu platzieren, dann könnt Ihr nach dem „Matschen“ alles wieder zurück in die Sandkiste füllen.

Das Tollste am „Zaubersand“ ist, dass er sich verarbeiten lässt, wie richtiger Sand, jedoch nicht kleben bleibt wie z.B. Knete oder Salzteig. Die übrigen Krümel lassen sich ganz einfach aufkehren oder auch aufsaugen. Natürlich wird das Öl im „Zaubersand“ irgendwann ranzig und aus dem Zaubersand wird Stinkesand – dann kann er ohne schlechtes Gewissen einfach im Biomüll entsorgt werden.

Matschabenteuer II: Fluffiger Rasierschaum

Baby mit SchaumbartIhr benötigt:

  • Plastikmüllsack
  • Rasierschaum
  • Spiegel

Mit Rasierschaum lässt es sich ganz hervorragend matschen. Schneide zum Beispiel einen großen, sauberen Plastikmüllsack auf und lege ihn auf den Boden (am besten mit Klebeband fixieren).

Dann einfach den Schaum auf die Tüte sprühen und Dein Kind loslegen lassen. Es wird matschen, kneten und versuchen den Schaum wieder von den Fingern zu kriegen. Mach es ihm gleich und zeige Deinem Schaumkönig, dass man den Schaum auch wegpusten kann.

Hier ist das Tolle, dass der Schaum sehr voluminös aussieht, er aber in sich zusammenfällt, sobald man ihn drückt und quetscht. Zusätzlich nimmt Dein Kind die Farbe und den Geruch wahr. Du siehst, wie viele Eindrücke für Dein Kind mit einem so einfachen Material verbunden sind.

Fasziniere Dein Kind, indem Du einen großen Spiegel vor es legst und den Spiegel dann mit Rasierschaum einsprühst. Dein Schatz wird Augen machen, wenn es sich unter dem Schaum plötzlich selbst entdeckt.

Tipp:

Matschen macht mit Anderen noch mehr Spaß. Wenn das nächste Mal kleiner Spielbesuch ansteht, dann bereite diese schöne Spielidee doch vor. Die anderen Eltern finden das bestimmt auch klasse.

wusstestduLass Dein Kind nie unbeaufsichtig mit dem Rasierschaum und achte darauf, dass es ihn nicht verschluckt. Solltest Du Bedenken haben, könntest Du auch Sprühsahne verwenden.

Matschidee III: Spaghetti al Matscho

iStock_000007662719_LargeIhr benötigt:

  • Kochtopf
  • 1 Packet Sphaghetti
  • Wasser
  • Mülltüte

Von schaumig kommen wir nun zu etwas festerem und vor allem längeren: Spaghetti. Natürlich soll man nicht mit Essen spielen, aber dies ist eine Ausnahme. Schließlich sammelt Dein Kind dadurch vielfältige Eindrücke und Erfahrungen. Außerdem kannst Du die restlichen Spaghetti für ein leckeres Mittagessen verwenden.

1) Für den Spieltipp kochst Du als erstes ein halbes Paket Spaghetti.

2) Lass die fertig gekochten Nudeln unter fließendem, kalten Wasser gut abkühlen.

3) Den Trick mit der Mülltüte als Unterlage, kannst Du auch hier anwenden.

Stelle die Nudeln nun im Sieb oder in einer Plastikschüssel vor Dein Kind und lass den Dingen ihren Lauf. Durch die andere Form – speziell durch ihre Länge – sind die Nudeln widerspenstig und werden zu einem interessanten Forschungsobjekt für Dein Kind. Durch die Stärke kleben sie auch überall fest. Wieder eine ganz neue Erfahrung für Deinen kleinen Entdecker.

Was Du wissen solltest: Die Nudeln werden auch mal durch die Gegend fliegen, daher bietet sich die Küche oder der Garten am besten als Veranstaltungsort an. Die übrig gebliebenen Nudeln kannst Du ja mit einer leckeren Soße zum Essen zubereiten. 😉

Matscherlebnis IV: Eincremen

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Ihr benötigt:

  • ein kleines Behältnis (Schüssel, Topf)
  • Creme

„Eincremen“ ist eine oft gesehene Aktivität in PEKiP- oder anderen Babygruppen. Daher könnt ihr getrost auch zu Hause mit der Cremerei beginnen.

1) Fülle etwas Creme in ein kleines Behältnis und lass Deinen Nakidei sich selbst eincremen.

2) Stell dafür die Creme vor Dein Kind auf den Boden und warte einfach ab, wie es die Sache angeht. Wenn es lieber in der Creme herummatscht und seinen Körper auslässt, dann kannst Du ein bisschen nachhelfen.

3) Natürlich könnt ihr auch mal tauschen und Du lässt Dich von Deinem kleinen Masseur eincremen, aber zu Beginn erfährt Dein Kind am besten die fest-flüssige Substanz der Creme, wenn es versucht sich selber einzucremen.

Denn beim Eincremen geschehen mehrere Dinge gleichzeitig:

  • Die Information über die Beschaffenheit der Creme wird über die Haut und den Tastsinn aufgenommen.
  • Durch das Eincremen des eigenen Körpers nimmt Dein Kind seinen Körper wahr und erfährt, ob es ihm gefällt.
  • „Wo fängt mein Körper an, wo hört er auf und was gehört dazu?“ Auch diese Informationen erhält Dein Kind bei seinen Cremeversuchen.
  • Die Koordination zwischen den Händen und Augen verbessert sich ebenfalls.

Matscherfahrung V: Formbarer Salzteig

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Ihr benötigt:

  • 2 Tassen Mehl
  • 1 Tasse Salz
  • etwas Wasser
  • eventuell Lebensmittelfarbe zum Färben des Teigs

Das Verarbeiten von Salzteig gehört zu den absoluten Klassikern bei Klein und Groß. Um einen Salzteig herzustellen musst Du die angegebenen Zutaten so zusammengeben, dass eine feste formbare Masse entsteht. Beim Zusammenmanschen kann Dir Dein kleiner Nachwuchsbäcker auch gerne behilflich sein. Mit diesem äußerst interessanten Material sind Deiner Fantasie keine Grenzen gesetzt: Entweder Du lässt Deinen Schatz einfach drauf los matschen oder Du hilfst mit und ihr modelliert gemeinsam schöne Fußabdrücke, Formen oder Figuren.

Der Klassiker ist natürlich der Hand- oder Fußabdruck für die Ewigkeit. Einfach eine Kugel formen und sie mit der flachen Hand platt drücken. Dann fehlt nur noch der Fuß- oder Handabdruck Deines Kindes. Dafür einfach die Hand oder den Fuß nehmen und mit gemeinsamer Kraft einen Abdruck in den Teig pressen. Nicht vergessen mit einem Bleistift ein Loch oben in den Teig reizustechen, damit Ihr das kleine Kunstwerk später auch aufhängen könnt.

Variante: Farbenfroher Salzteig

Der Salzteig kann auch eingefärbt werden: Einfach nur Lebensmittelfarbe zu den anderen Zutaten dazugeben. Salzteig lässt sich auch wunderbar mit Wasserfarbe anmalen. Auf jeden Fall eine schöne Geschenkidee für den nächsten Geburtstag von Oma oder Opa.

Wenn man es genau betrachtet, dann handelt es sich beim Arbeiten mit Salzteig nicht einfach nur ums Matschen. Wenn Du den Teig zusammen mit Deinem Kind herstellst und es die einzelnen Zutaten auch fühlen lässt, so bekommt es schon einen kleinen Eindruck davon, dass wenn man verschiedene Dinge zusammenfügt, etwas ganz anderes daraus entstehen kann.

Kommuniziere, dass aus Salz, Mehl und Wasser der Teig und hinterher Eure kleinen Kunstwerke werden. Den Abschluss bildet dann das gemeinsame Anmalen.

Achte bitte auch darauf, dass die Aufmerksamkeitsspanne Deines Kindes nicht zu sehr strapaziert wird. Das Anmalen kann man auch wunderbar auf den nächsten Tag verschieben, da der Teig dann ausreichend ausgekühlt ist und so habt Ihr bereits wieder eine spannende Spielmöglichkeit, auf die Ihr Euch freuen könnt.

Kurz zusammengefasst

  • Matschen ist nicht nur ein spaßiger Zeitvertreib für Dein Kind.
  • Dieses Erlebnis ist erforderlich, um sensorische Eindrücke kennenzulernen, diese einzuschätzen und für später „abzuspeichern“.
  • Die Haut ist das größte Organ und bereits in der kindlichen Entwicklung voll funktionsfähig.
  • Matschen hilft Deinem Kind den eigenen Körper besser kennenzulernen.
  • Matschen kann auch helfen Zusammenhänge besser zu verstehen (z. B. das gemeinsame Herstellen eines Salzteigs).
  • Wenn Du beim Matschen viel erklärst, also mit Deinem Kind kommunizierst, dann förderst Du auch die sprachliche Entwicklung.

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Wie hat Euch das Matschen mit dem Rasierschaum oder das Herstellen des Salzteigs gefallen? Hat es mit dem Eincremen schon geklappt und Dein Kind hat sich von oben bis unten vollgesaut? Wenn Du uns erzählen möchtest, wie die Tipps bei Euch ankamen, dann fülle bitte unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns auf Dein Feedback !

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