Spielend Lernen #37: Ordnung muss sein!

Nadine Bäsig

Die Spielzeugautos stehen in Reih und Glied, alle Bälle liegen in einer Spielzeugkiste fein säuberlich getrennt von den Bauklötzen, die nach der Farbe sortiert sind. Hat Dein Kind auch schon seinen Ordnungswahn entdeckt? Warum Dein Schatz Gegenstände nach bestimmten Merkmalen sortiert und was ihn dazu bringt alle möglichen Gegenstände von Draußen ins Haus zu schleppen, erfahrt ihr im Wissensteil von Spielend Lernen.

Alles in Reih und Glied

kind sortiert7Wenn Dein Kind alle Spielzeugautos in Reih und Glied aufstellt, die Bausteine der Farbe nach sortiert und die blauen Smarties in eine bestimmte Dose steckt, dann drückt dieses Verhalten weniger das Bedürfnis nach Ordnung aus, sondern ist vielmehr Ausdruck der erwachenden Erkenntnis, dass Gegenstände aufgrund bestimmter Eigenschaften gleich oder verschieden sind. Dein Schatz sortiert oder gruppiert seine Spielsachen und andere Gegenstände nach bestimmten Merkmalen. Diese Fähigkeit zu kategorisieren ermöglicht es Deinem Kind jetzt mit 16 Monaten und 2 Wochen einfache Formen einander zuzuordnen. So kann Dein Schatz simple Formen wie Kreis, Quadrat und Dreieck in einen Sortierwürfel einsortieren. Wenige Wochen später lernt Dein Kind auch Farbkategorien zu bilden und diese zuzuordnen, auch wenn es die Farbe noch nicht benennen kann. Nun könnt ihr beginnen, einfache Farb- und Formspiele zu spielen.

Dein kleiner Forscher

Im Moment erscheinen nahezu alle Dinge im Leben Deines Kindes interessant. Es will wissen wie Gegenstände funktionierten und wie man sie benutzt. Dabei erforscht Dein Kind alles mit seinen Händen und macht auch immer mehr selber. Denn die Hände kann Dein Liebling inzwischen echt gut koordinieren. Dies wirkt sich auch auf das Spielverhalten Deines Kindes aus: Es wird aktuell von Experimenten dominiert. Was passiert, wenn ich den Schalter drücke? Passt das Puzzleteil in seine Form hinein? Dein Kind interessiert sich bei dieser Art von Spiel für die Auswirkung dessen, was es tut. Weil sein Gedächtnis noch nicht so weit entwickelt ist, werden auch endlose Wiederholungen nicht langweilig.

Screenshot 2015-02-18 15.24.30(3)Vor allem interessieren Dein Kind aber aktuell Sortier- und Puzzlespiele. Dabei setzt es sich mit den räumlichen Beziehungen auseinander und entwickelt räumliche Vorstellungen von den unterschiedlichsten Gegenständen. Im Alltag drückt es diese Vorliebe vor allem im Ein- und Ausräumen von verschiedenen Behältnissen aus. Aber auch Spielbecher mit Würfeln, Eimer und Förmchen im Sandkasten, Schachteln, Dosen, Schubladen – alles, in das etwas anderes hineinpasst, wird jetzt spannend. Wenn Du mal einkaufen warst, kannst Du Dein Kind ja mal mit dem Einkauf alleine lassen. Es wird bestimmt anfangen Euren Wocheneinkauf zu sortieren: alle Dosen auf die eine Seite, alles was in einem Karton verpackt ist auf die andere Seite.

Warum überhaupt sortieren oder puzzeln?

Beim Puzzeln und Sortieren werden viele Gehirnzellen aktiviert und Dein Kind muss logische Schlüsse ziehen, wie was worein passt oder welche Regeln bestimmte Gegenstände erfüllen, um sie der gleichen Kategorie zuzuordnen. Dabei werden beide Gehirnhäften gleichermaßen angeregt und die Auge-Hand-Koordination wird geschult. Dieses Training ist enorm wichtig für die Entwicklung räumlichen und logischen Denkens und von mathematischen Fähigkeiten. Ziemlich viel was so ein Puzzle- oder Sortierspiel alles fördert, findest Du nicht?

Steine, Stöcke, Muscheln,…

Little girl playing in the sandpitNun setzt auch allmählich ein Sammeltrieb bei Deinem Kind ein. Was das heißt? Steine, Stöcke, Muscheln oder Blätter – Dein Kind sammelt alles ein, sortiert es daheim und möchte alles behalten. Beim Sammeln hat Dein Kind immer etwas in der Hand und kann dadurch die Welt „ordnen“: es erkennt die gleiche Form und Beschaffenheit von Steinen und ordnet sie in die gleiche Kategorie ein. Dadurch wird die Welt und das Leben einfacher und übersichtlicher. Teilweise beginnt das Sammeln von Dingen zeitgleich mit der Sprachentwicklung. Beim Spracherwerb wird ebenfalls gesammelt: und zwar Wörter. Sammeln bedeutet für Dein Kind auch, etwas zu besitzen und die Kontrolle über den Gegenstand zu haben. Der Besitz vermittelt Deinem Kind Sicherheit.

Warum sammeln Kinder soviel?

kind sortiert8So unterschiedlich die Interessen für verschiedene Gegenstände jedes kleinen Sammlers sind, so gleichen sich doch alle Kinder in dem, was sie mit ihren Sammlungen machen: Sie ordnen und sortieren sie immer wieder neu. Dabei spielt etwa die Größe, Farbe oder Beschaffenheit eine Rolle: vom kleinen Tannenzapfen zum großen Tannenzapfen oder rote Erdbeeren zu roten Kirschen. Wenn Dein Kind also mit seinen gesammelten Schätzen spielt, dann entdeckt es immer neue Facetten der Objekte und damit neue Ordnungskriterien. Erst werden Dinge nur gesammelt, dann will Dein Schatz wissen, wie Steine entstehen und warum sie unterschiedlichen Farben und Formen haben. Genauso beginnt wissenschaftliches Arbeiten. Dein Kind erwirbt auf diese Weise auf einem bestimmten Gebiet Fachwissen. Irgendwann im Grundschulalter beginnt Dein Kind dann zu Tauschen. Hierbei wird die entsprechende Sammlung ergänzt. Dann rücken Stickeralben, Sammelalben mit Fußballbildchen oder die Sammelobjekte einschlägiger Supermärkte in den Mittelpunkt des Interesses Deines kleinen Sammlers.

Wusstest Du schon, dass…

… Sortieren und Ordnen die Basis für viele mathematische Aufgaben ist und sich das numerische Denken bereits schon im Kleinkindalter  spielerisch entwickelt?

Hilfe! Mein Kind ist ein Messie

Baby with clothes and credit cardDein Liebling schleppt vom Spaziergang unentwegt irgendwelche Steinchen oder Stöcke nach Hause? Dir wird das alles zu viel und Du fragst Dich vielleicht auch, ob diese Sammelleidenschaft nicht schon fast einen messiehaften Charakter hat? Für die Entwicklung Deines Kindes ist das Sammeln wichtig. Daher solltest Du es auf keinen Fall verbieten. Am besten ist es, wenn Du eine klare Regel aufstellt, wie z.B. den Aufbewahrungsort der eingesammelten Trophäen einzugrenzen. Ist die Kiste voll mit Stöcken, wird kein Neuer mehr mitgebracht oder die Kiste muss zuvor geleert werden. Wichtig dabei ist, dass Dein Kind sich auch von alten Dingen trennen lernt, um Platz für neue Dinge zu schaffen. Hier wäre auch die Regel ein Neuer Stock darf bleiben, wenn ein alter Stock dagegen entsorgt wird.

Ebenfalls solltest Du auf gar keinen Fall heimlich die Sammlung Deines Kindes ausmisten und sogar Dinge wegwerfen. Warum? Dein Kind erinnert sich an jedes einzelne Sammelobjekt, als wäre es ein wertvoller Schatz! Es weiß sogar noch, wo es den Stein oder das Schneckenhaus gefunden hat. Die Sammlung ist so eine Art Tagebuch, welches das Großwerden dokumentiert.

Wo sind die Grenzen?

kind sortiertmitmutter6Du kannst bzw. solltest die Sammelleidenschaft aber trotzdem etwas eingrenzen, indem Dein Kind z.B. nur so viele Dinge mit nach Hause bringen darf, wie es auch selber tragen kann. Oder es darf nicht mehr als zwei Dosen mit Muscheln füllen. Gegenstände, die hygienisch nicht in Ordnung sind, wie z.B.  benutzte Taschentücher oder Zigarettenkippen dürfen generell nicht gesammelt werden.  Auch ein Eingrenzen kann entlastend sein. Ein Kind, welches grenzenlos seine Schätze anhäufen darf, gerät in Stress. Eine von Dir vorgegebene Grenze gibt wieder Freiraum für andere Beschäftigungen und für etwas Neues. Redet auch darüber, ob wirklich noch ein weiterer Stock benötigt wird. Später, wenn die Gegenstände dann gekauft werden müssen, ist dieses Nachfragen, ob der Gegenstand wirklich benötigt wird noch viel wichtiger, denn Einkaufen macht nur für eine kurze Zeit zufrieden. Die Freude über das neu gekaufte ist schnell verflogen und Lebenszufriedenheit hat nichts mit Besitz zu tun. Das kannst Du Deinem Kind jetzt schon vermitteln und es vorleben.

Entspannt in die Zukunft

Mutter und Baby klatschenWir können Dich aber beruhigen: Mit zunehmendem Alter Deines Kindes lässt die Sammelleidenschaft auch wieder nach. Dann haben die ständigen „Sammelstellen“ bzw. „Müllhalden“ ein Ende. Aber sieh es einfach positiv: Sammeln ist etwas Schönes. Deinem Kind geht es um das Tun und nicht um das Besitzen. Sammelt Dein Kind z.B. nur weiße Steine, ist es dazu draußen in der Natur und muss genau hinschauen, um solche Steine zu finden. Bastelt doch gemeinsam etwas Tolles aus dem Gesammelten – so wird Sammeln für Dich nicht zur Last, sondern es kann auch eine schöne Erinnerung daraus entstehen.

Aufforderung Mitmachen

Was sammelt Dein kleiner Liebling? Was und wie wird sortiert? Schnapp Dir Deine Kamera und zeig es uns. Wir wollen es sehen!  Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns und sind gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • Ordnen und Sortieren bedingen, dass Dein Kind bestimmte Eigenschaften wahrnehmen kann.
  • Weniger das Bedürfnis an Ordnung motiviert Deinen kleinen Liebling zum Sortieren, sondern die Erkenntnis, dass Gegenstände bestimmte gemeinsame Eigenschaften besitzen.
  • Dein Kind will nun nicht mehr nur wissen, wie ein Gegenstand genannt wird, sondern auch wie er funktioniert.
  • Gegenstände zu sammeln, ist eine neue Lieblingsbeschäftigung im aktuellen Alter, denn durchs Sammeln und Ordnen wird die Welt einfacher und übersichtlicher.
  • Die Sammelleidenschaft erwacht meist zeitgleich mit dem Spracherwerb. Denn dabei werden Wörter gesammelt!
  • Die gesammelten Schätze bilden eine Art Tagebuch Deines Kindes. Respektiere es und greife nicht in die Privatsphäre Deines Lieblings ein, indem Du heimlich ausmistest und Dinge wegwirfst.
  • Grenze die Sammelleidenschaft schon am Anfang ein. Vereinbart Regeln: z.B. wie viel gesammelt werden darf und wo die Schätze aufbewahrt werden können.
  • Grenzenloses Sammeln erzeugt bei Deinem Kind Stress!

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