Spielend Lernen #38: Motztricks

Natalie Bolte

Die Trotzphase gilt als eine der anstrengendsten Phasen für Eltern. Doch was wäre, wenn Du Tricks auf Lager hättest, die diese Phase etwas entspannter und ruhiger machen könnten. Wir zeigen Dir „Motztricks“, die sich schon bei anderen Eltern bewährt haben.

Trotzen – Wo kommt es her?

Mädchen trotzigIn den vorangegangenen Ausgaben von Spielend Lernen hast Du viel über „Programme“ und „Kategorien“ erfahren. Aus diesen Bereichen kommt ein Teil der Antwort, warum Kinder trotzen. Zum einen, weil etwas von ihnen verlangt wird, was sie in diesem Moment einfach nicht wollen.

Sich die Jacke anziehen oder in den Buggy verfrachten lassen, ist gerade nicht gewünscht. Die andere Hälfte der Antwort bildet der Wunsch sich ausdrücken zu wollen, dies aber noch nicht ausreichend zu können. Kurz gesagt: Trotzen ist eine Reaktion darauf, sich unverstanden zu fühlen.

Trotzen – kann Dich überall treffen!

Du hast bestimmt schon mal in der Öffentlichkeit beobachten können, wie sich ein Kind trotzig zu Boden geworfen und einen heftigen Wutanfall bekommen lebt hat. Daneben stand eine hilflose Mutter, die ihre Hände über den Kopf geschlagen hat und nicht mehr weiter wusste. Erinnerst Du Dich noch, wie Du damals dachtest: „Das würde ich meinem Kind nicht durchgehen lassen“? Sei versichert, diesen Klassiker machen fast alle Eltern durch. Die Kunst ist nur, damit so souverän wie möglich umzugehen. Natürlich können wir Dir keine universelle Zauberformel präsentieren, aber dennoch haben wir einige Ratschläge von Müttern gesammelt, die ihnen und vor allem ihrem Kind in brenzligen Motz- und Trotzanfällen geholfen haben. Bevor es losgeht, haben wir aber noch ein paar beruhigende Worte, die Du Dir unbedingt für solche Fälle merken solltest:

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Die Rettung

Veggies for dinnerDu kannst nicht verhindern, dass Dein Schatz in die Trotzphase kommt, wir können Dir aber ein paar Tipps und Tricks an die Hand geben, die diese Zeit für beide leichter werden lässt und auch in konkreten Stresssituationen helfen können. Bereits vor einem Wutanfall gibt es Möglichkeiten diesen abzuwenden. Dazu musst Du Dein Kind aber sehr gut kennen und es genau beobachten. Wenn Du weißt, dass es an der Wurstabteilung im Supermarkt zu Problemen kommt, dann umgehe diesen Bereich komplett oder versuche den Einkauf gleich ohne Kind zu erledigen. Wenn Ihr zusammen ein Spiel spielt, solltest Du auf keinen Fall aus gutem Willen Deinen Liebling gewinnen lassen. Beobachte Dein Kind, wann es langsam die Lust verliert oder müde wird. In diesem Moment kannst Du den Vorschlag machen, später weiterzuspielen und jetzt was anderes zu tun.

Ist es erst einmal zu einem Gefühlsausbruch gekommen, hast Du verschiedene Möglichkeiten wie Du reagieren kannst. Auch dazu musst Du Dein Kind wieder besonders gut kennen. Manche Kinder mögen es, wenn sie auf den Arm genommen und getröstet werden. Dies gibt ihnen ein vertrautes Gefühl und sie kommen besser mit der inneren Frustration zurecht. Andere Kinder reagieren in der Trotzphase währen eines Gefühlsausbruches auf Zuwendung mit noch stärkeren Wutausbrüchen, da sie nicht verstehen, was gerade mit ihnen geschieht. Ist das bei Euch der Fall, dann ist es besser, wenn Du den Raum kurz verlässt ohne die Tür hinter Dir zu schließen. So kann Dein Kind mit sich alleine sein, bis es sich wieder beruhigt hat, oder, wenn es möchte, kann es jederzeit zu Dir kommen. Grundsätzlich solltest Du darauf achten, dass Du Deinem Kind während eines Trotzanfalles nicht zu viel Aufmerksamkeit schenkst. Es kann sonst passieren, dass Dein Kind in der Zukunft seine Wutanfälle als Verstärkung nutzt um Aufmerksamkeit zu bekommen und so seinen Willen durchzusetzen.

selber essenAblenkung ist auch ein bewährtes Mittel, um gut durch die Trotzphase zu kommen. Wenn Dein Kind weint und schreit, dann lenk es ab. Dadurch durchbrichst Du den Gefühlsausbruch. Am Wichtigsten ist es jedoch, stets die Ruhe zu bewahren und nicht mit Negativität auf das Kind einzuwirken. Wir haben Dir „Motztipps“ für unterschiedliche Situationen zusammengestellt, die auf dem Ablenkungsprinzip basieren.

Geheimtipp!

‚Nicht dagegen, sondern mit‘ sollte Dein Motto während dieser Zeit lauten, denn dann ist alles nur halb so anstrengend. In der Regel zieht ein Trotzanfall innerhalb von Minuten wieder ab. So schnell wie er da war, ist er auch wieder weg. Es sein denn, Du rutscht mit Deinem Kind in diese Gefühlsspirale hinein und trotzt dagegen. Dein Kind fordert von Dir in solchen Situationen Selbstkontrolle. Die Kraft dazu bekommst Du aber nur durch Deine eigene innere Ruhe. Lass Dich also nicht von Deinem Kind mitreißen. Zähl lieber auf zehn, atme tief durch oder verlasse kurz den Raum.

Motztrick I: Gegen Trotzen in der Öffentlichkeit

Für Mutige

kindwuteinkaufEs hat schon ganz progressive (oder verzweifelte) Mütter gegeben, die sich schlichtweg neben ihr brüllendes Kind auf den Boden geworfen und ebenfalls gebrüllt haben. Der Effekt war, dass das Kind derart geschockt war, dass es augenblicklich das Schreien einstellte. Die Legende sagt ebenfalls, dass sich diese Kinder nie wieder schreiend zu Boden geworfen haben.

Für Tiefenentspannte

Du hast bestimmte auch schon von dem Rat gehört, das tobende kleine Wesen einfach stehen zu lassen und sich ohne jeden weiteren Kommentar zu entfernen. Auf einen Versuch kommt es defintiv an, denn auch dieser Plan funktioniert durchaus.

Für Spontane

Wie bereits erwähnt, ist Ablenkung alles. „Schau mal da vorne, der Bagger!“, oder „Hast Du Lust, auf der Rolltreppe zu fahren“ oder „Schau mal hier in meine Tasche hinein, findest Du da etwas spannendes?“. Es gibt sehr viele Möglichkeiten und nur Du kannst einschätzen, was für Dein Kind interessant sein könnte. Ein kleines Spielzeug aus dem eigenen Kinderzimmer kann auch für eine tolle Ablenkung sorgen. Natürlich kannst Du Deinem Kind auch einfach ein Produkt aus dem Einkaufswagen in die Hand drücken. Hier sind knisternde oder bunt bemalte Produkte am besten geeignet.

Motztrick II: Gegen den Totalstreik

iStock_000007385454_LargeBeim Spazierengehen einfach stehen bleiben und nicht mehr weitergehen oder beim Anziehen komplett verweigern und herumbrüllen. Diese Klassiker stellt selbst die geduldigsten Eltern auf eine sehr harte Probe. Generell gibt es zwei Wege, für die Du Dich bei einem Totalausfall Deines Kindes entscheiden kannst:

1) Der Weg des geringeren Widerstandes, bei dem Du aber Gefahr laufen kannst, dass der Totalstreik bei Deinem Kind zu einer Masche wird, um seinen Willen durchzusetzen.

2) Die „Super-Nanny“ spielen und von Anfang an standhaft sein und die ganze Situation bestimmend zu meistern, um hoffentlich für die Zukunft ein Zeichen zu setzen.

Egal für welchen Weg Du Dich entscheidest: Wir haben Dir ein paar Strategien von anderen Müttern zusammengestellt, Die Dir helfen können:

Für Sportive

Mother enjoying outdoors with her baby boy.Hier wird die Ablenkung zu einem „Wettstreit“ umfunktioniert. Besonders in der aktuellen Entwicklungsphase finden es die Kleinen besonders spannend, sich mit Mama oder Papa zu „messen“. So kannst Du anstatt Dein Kind beim Spazierengehen hinter Dir herzuschleifen oder gar zu tragen, ein Wettrennen vorschlagen. Ist der Weg noch etwas länger und Du weißt, dass Dein kleiner Sprinter nicht die ganze Strecke schafft, dann variiere ein wenig: Du kannst hopsen, schleichen, auf einem Bein hüpfen oder zickzack laufen.

Durch die Kombination von unterschiedlichen Gehvarianten bekommt Dein Kind gar nicht mit, wie es die vermeintlich zu lange Strecke aus eigener Kraft hinter sich bringt. Wenn das gut funktioniert hat, dann schlage Deinem Kind für das letzte Stück des Weges vor, dass Du es als Belohnung auf Deine Schultern nimmst. So weiß Dein Kind beim nächste Spaziergang Bescheid, dass es getragen wird, wenn es auch etwas dafür macht.

Für Sammler

Wenn Du mit Deinem Kind unterwegs bist, solltest Du immer ausreichend Zeit einplanen – vor allem in der aktuellen Trotzphase. Hast Du einen wissbegierigen Schlaumeier als Kind, dann motiviere es bei einem Totalstreik, indem es sich wie bei Pipi Langstrumpf als Sachensucher betätigt und auf dem Weg genau aufpasst, ob etwas Tolles zu finden ist. Natürlich ist es hilfreich, wenn Du auf Fundstücke aufmerksam machst, damit Dein Schatz nicht die Lust verliert.

Für die Subtilen

baby wavingWenn Dein Kind beim Anziehen streikt, kannst Du ihm schöne Augen vom kommenden Ausflugsziel oder einer spannenden Tätigkeit dort machen: „Bei Oma gibt es bestimmt etwas zu Naschen“ ist genauso gut wie „Eigentlich dachte ich, dass Du heute beim Einkaufen den kleinen Einkaufswagen schiebst“. Denn für eine verlockende oder spannende Sache wird sich Dein Kind bestimmt wieder einkriegen.

Wichtig ist, dass Du deinem Kind bei solchen Aktionen auch Raum gibst. Wenn Du Deine kleine Erpressung im subtilen Gewand ausgesprochen hast, dann wende Dich erstmal Deinen Sachen zu. So bekommt Dein Kind die Chance aus eigenem Antrieb zu reagieren. Wenn Du mit Argusaugen daneben stehst und wie ein Metronom mit dem Fuss hin und her wippst, manifestiert sich der Trotz nur.

Motztrick III: Der Erklärbär

Kleinkind zornigNatürlich wird es Dir auch mal passieren, dass Dir in der Öffentlichkeit der Geduldsfaden reißt, Du Dir Dein schreiendes Kind unter den Arm klemmst und das Weite suchst. Das ist nicht nur normal und menschlich, sondern auch ab und zu sinnvoll, um glasklar aufzuzeigen, dass alles seine Grenzen hat. Wenn Du nämlich an einem Tag schon drei (und mehr) ausgewachsene Trotzanfälle über Dich hast ergehen lassen, dann wirst Du beim vierten definitiv nicht die gelassene „Super-Nanny“ sein.

Grundsätzlich ist es immer wichtig, Deinem Kind zu erklären, warum eine Situation so abgelaufen ist, wie sie abgelaufen ist. So kannst Du mit einfachen Worten auch mal äußern, warum Du diese Situation gerade nicht toll gefunden hast. Auch wenn Dein Kind noch nicht alles versteht, wird es sich anhand von Gesten, Mimik und Tonlage merken, was gut und was schlecht ist. Und mit jedem weiteren Mal, kommt auch mehr Verstehen hinzu.

Motztrick IV: Entspannungskur 

Du wirst Dir vielleicht denken, dass die Eltern in dieser Phase eigentlich eine Entspannungskur benötigen. Tatsächlich ist es aber so, dass Deinem Kind diese Zeit auch nicht besonders gut gefällt, da sie von Frust geprägt ist und enorm viel Kraft kostet. Sollte Dein Kind grundsätzlich auf Entspannung, wie Babymassagen, Bilderbücher anschauen oder eine CD hören, reagieren, dann baue solche Phasen bewusst in den Alltag Deines Kindes ein, wenn es gerade nicht trotzt. So kann es zur Ruhe kommen und Kraft tanken und Du bestimmt auch.

Das Wichtigste für Dich kurz zusammengefasst

  • Sowohl alle Kinder als auch alle Eltern müssen durch die Trotzphase.
  • Trotz ist eine Form von Frustration.
  • Gezielte Ablenkung kann Trotz auflösen.
  • Es lohnt sich im Vorhinein Strategien zu überlegen, wie Du mit einer Motzsituation Deines Kindes umgehen kannst.

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