Spielend Lernen #38: Trotzphase – vom Engelchen zum Bengelchen

Nadine Bäsig

Gibt es auch solche Situationen, in denen Dein Kind alles will, nur nicht das, was Du willst? Satt in seine Schuhe zu schlüpfen, wirft Dein Kind sich auf den Boden und fängt an zu Schreien? Glückwunsch, Ihr seid in der Trotzphase angekommen.

Falsch gedacht!

Baby-verwundert-fragend-hilflosKnapp zwei Jahre alt und schon ganz schön trotzig?! Wenn Du gedacht hast, dass der Kelch der Trotzphase an Dir vorbeigeht, dann müssen wir Dich enttäuschen. Die erste Trotzphase erleben die meisten Kinder mit ungefähr 15 Monaten. Aber natürlich ist nicht jedes Kind gleich und so beginnen manche mit 12, andere hingegen erst mit 24 Monaten ihre Grenzen auszutesten.

Kennt Ihr Euch noch?

Mit dem Beginn der Trotzphase verändert sich auch plötzlich einiges im Eltern-Kind-Verhältnis. Dein Kind beginnt nun seinen eigenen Willen zu entwickeln und versucht immer öfter seinen Kopf durchzusetzen und zu schauen, wie weit es bei Dir gehen kann. Denn jedes Kind versucht durch Experimente seine Welt besser kennenzulernen und dazu zählst vor allem auch Du. Und so wird es nicht lange dauern, bis es eben auch soziale Experimente durchführen möchte. Und es legt los – mit Dir!

Eine wichtige Zeit

Kindmotzen3Die Trotzphase ist eine schwierige Zeit, darüber will wahrscheinlich keiner streiten. So schwierig sie auch für Dich sein mag, so wichtig ist sie für Dein Kind! Beim Wachsen der sozialen Intelligenz geht es für Kinder über Klippen und raues Gelände. Streng und Ernst sein lohnt sich während der Trotzphase nur bei wirklich wichtigen Dingen. Der entscheidende Lernschritt für die Trotzphase ist das soziale „sich Freischwimmen“ Deines Kindes, indem es seinen eigenen Willen durchsetzen möchte. Dadurch ist die Welt nicht nur noch himmelblau oder rosa, sondern Dein Kind lernt erstmals Frustration und neue Gefühle kennen.

Auch die Selbstständigkeit gehört zu den neuen Erfahrungen dazu, die Dein Kind in der aktuellen Entwicklungsphase macht. Vom Essen über das Anziehen bis hin zum Spielen – Dein Kind will oft alles selber machen und auch selber entscheiden. Dass das zu Reibereien führt ist vorprogrammiert. Machen Dinge gehen einfach nicht, weil sie zu gefährlich sind. Andere Dinge kann Dein kleiner Liebling schlichtweg noch nicht. Dazu kommt das Austesten der Grenzen: Dein Kind muss immer wieder kontrollieren, ob Du es auch ernst meinst, mit dem was Du sagst.

Hast Du versagt?

Angry mother and daughter sitting on  the white sofa in the living roomViele Eltern fragen sich in der Zeit der Trotzphase, ob sie schlechte Eltern sind, denn sie wissen sich nicht zu helfen. Wenn Du Dich das auch schon mal gefragt hast, dann können wir Dir sofort Deine Angst nehmen und die Frage mit einen klaren NEIN beantworten. Du bist tatsächlich hilflos, denn Du kannst und sollst Dein Kind nicht vor den wichtigen Erfahrungen der Trotzphase schützen.

Wusstest Du schon, dass…

… Kinder nur gegen Menschen rebellieren, bei denen sie sich sicher fühlen? Bei Euch ist also alles im Grünen und die Eltern-Kind-Bindung stimmt trotz Motz und Trotz weiterhin 😉

Nicht persönlich nehmen

Das von starken Emotionen gefärbte Jetzt-und-hier-Gefühl richtet sich nicht gegen Deine Person, denn KEIN Kind möchte durch sein trotziges Verhalten beleidigen oder das Band der Liebe zerschneiden. Wenn Du das begriffen hast, dann weißt Du, dass nach ein paar Minuten die dunklen Wolken vorüber gezogen sind und wieder Sonnenschein herrscht. Zeig das Deinem Kind und nehmt Euch in den Arm oder erkläre ihm Deine Gefühlslage.

SOS: Wie verhalte ich mich richtig?

KindmotzenGänzlich falsch ist es, wenn Du Dein Kind für sein trotziges Verhalten bestrafst oder unentwegt schimpfst. Du musst bei den Trotz- und Wutanfällen Deines Kindes einen klaren Kopf bewahren und versuchen, die Situation zu entschärfen. Denn während eines Wutanfalles verliert Dein Kind die Kontrolle über seine Emotionen und wird von den Auswirkungen völlig überwältigt. Es ist mit der Situation völlig überfordert. Deine Aufgabe ist es, mit Ruhe und Gelassenheit auf Dein Kind einzuwirken.

Verkehrte Welt

Für Dein Kind ist die Trotzphase schwer zu ertragen und zu verstehen, noch schwerer als für Dich – auch wenn es manchmal umgekehrt erscheint. Gab es doch mal Streit zwischen Euch? Auch kein Drama! Kinder im Trotzalter sind nicht nachtragend. Schmollen kann zwar mal vorkommen, aber wie lange hält Dein Schatz durch? Bestimmt nicht sehr lange – Kinder sind wahre Meister im sich Versöhnen. Und schon geht es weiter mit dem nächsten Spiel!

Schlagen, treten, beißen

Little girl playing in the sandpitAnderen wehtun geht gar nicht. Viele Kinder tun meist ohne ersichtlichen Grund anderen Kindern weh. Oft passiert das im Eifer des Gefechts, wenn um ein
Spielzeug gestritten wird oder eine Sandburg kaputt geht. Dein Kind weiß sich dann nicht anders zu helfen, als seinem Gegenüber mit Tritten, Bissen oder Schlägen zu begegnen, so lange bis es bekommt was es möchte. Bestimmt fragst Du Dich in dieser Situation, woher das kommt, denn so lebst Du es Deinem Kind ja nicht vor. Kinder haben in diesem Alter noch kein Gespür für die Belange anderer! Sie können sich nicht in andere hineinversetzten, verstehen nicht, dass auch andere Kinder etwa Bedürfnisse haben oder Schmerzen empfinden können. Dein Kind muss gerade erst lernen, dass es nicht der Mittelpunkt der Welt ist und dass es ein Individuum ist – genauso wie sein Gegenüber. Es ist daher „normal“, wenn Kinder andere Kinder ab und zu treten, hauen oder beißen. Was selbstverständlich nicht bedeutet, dass es erwünscht ist oder einfach hingenommen werden muss. Deine Aufgabe ist es, Deinem Kind zu vermitteln, dass es anderen nicht weh tun darf.

Was Du tun kannst?

Kindmotzen4Am besten suchst Du Dir hierfür eine gleichbleibende Strategie. Verzweifle bitte nicht, wenn diese nicht gleich fruchtet. Dein Schatz muss erst lernen, dass Du es ernst meinst und er muss sich in jeder Situation daran erinnern, wie er richtig reagieren soll. Das ist ein Lernprozess, der einige Zeit dauern kann.

Hier ein Beispiel:

Dein Kind haut auf dem Spielplatz einem anderen Kind die Schaufel auf den Kopf:

  • Sage laut und deutlich „Nein“ und nimm Dein Kind aus der Situation heraus.
  • Suche den Augenkontakt zu Deinem Kind, indem Du in die Hocke gehst und Dich somit auf Augenhöhe begibst. Wenn es Dich nicht ansieht, dann sag ihm dass es das tun soll.
  • Sag Deinem Kind ganz deutlich: „Ich möchte nicht, dass Du andere Kinder schlägst.“
  • Warte kurz, damit dieser Satz bei Deinem Kind ankommen kann und suche, wenn nötig, erneut Augenkontakt.
  • Erkläre Dich: „Schlagen tut weh, darum möchte ich nicht, dass Du schlägst“. Das kann schon reichen. Manche Kinder aber wiederholen ihr Verhalten, sobald die Standpauke vorbei ist. Dann ist es angebracht, Konsequenzen zu ziehen, z.B. „Wenn Du nochmal haust, darfst Du nicht mehr mit den anderen Kindern spielen.“
  • Hört Dein Kind immer noch nicht auf, dann sein konsequent und nimm Dein Kind komplett aus der Situation heraus, z.B. indem Ihr den Spielplatz verlasst.
  • Wichtig dabei ist: Bleibe immer bei einer Strategie und beziehe Deine Konsequenz immer direkt auf das Verhalten Deines Kindes. Es wird bald verstehen, dass Du es ernst meinst, wenn Du etwas sagst.
  • Nicht sinnvoll sind Strafen! Strafen wie keine Süßigkeiten oder ähnliches haben keinerlei Bezug zum Verhalten Deines Kindes, deshalb werden sie kaum Wirkung erzielen. Und schlagen ist ein absolutes No-Go!

Das Fazit der Trotzphase

Kinder im Trotzalter lernen etwas ganz wichtiges für die Zukunft: Im Leben muss man durchhalten, nicht nachlassen und zwar solange bis man das geschafft hat, was man will. Denn um gut durch die ersten Lebensjahre zu kommen, verlangt es Beharrlichkeit und Frustrationstoleranz.

Das Gute zum Schluss

Alles hat ein Ende! Auch die Trotzphase! Mit spätestens vier Jahren sollten die schlimmsten Trotzphasen überstanden sein. Der Übergang vom Babyalter ins Kindergartenalter ist geschafft.

Aufforderung Mitmachen

Dein Kleines will nicht so, wie Du willst? Wir möchten das drolligste, trotzigste Schmollgesicht sehen. Schnapp Dir schnell Deine Kamera und lass uns daran teilhaben. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Trotzphase entwickelt Dein Kind sein Selbstbewusstsein und ist von seinen Ideen fest überzeugt.
  • Dein Kind will Dich mit der Trotzphase nicht ärgern! Es ist nur enttäuscht und sauer, dass nicht alles so klappt, wie es sich das in den Kopf gesetzt hat.
  • Dein Kind gibt zurzeit ganz schön Gas – bremse es nicht zu oft aus. Es muss auch Fehler machen dürfen und ausprobieren, was klappt und was nicht. Wenn auf „Ich will, ich kann!“ immer nur ein „Nein!“ kommt, bleibt das Selbstwertgefühl klein.
  • (Familien)Regeln, wie nicht hauen, beißen oder treten müssen selbstverständlich auch während der Trotzphase gelten. Reduziere die Regeln aber auf ein sinnvolles Maß, dann habt ihr viel für eine friedliche Atmosphäre getan.
  • Bei einem Trotzanfall ruhig bleiben. Zähle leise bis fünf, verlasse das Zimmer oder fange an laut zu singen. Oft lenkt das Deinen Schatz schon ab und der Wutanfall lässt nach.
  • Und bei einem Trotzanfall in der Öffentlichkeit? Zähne zusammen beißen und äußerlich ruhig bleiben! Nicht ausflippen, aber das Kind auch nicht ignorieren. Sprich ganz ruhig mit Deinem Trotzkopf und wenn er auch noch so laut schreit.

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