Spielend Lernen #39: Mit Kind draußen sein

Nadine Bäsig

Dreck unter den Fingernägeln, ein Lager unter den Büschen, Spielen auf der Wiese, Schlamm unter den Füßen, Kreidebilder auf dem Asphalt: So kann draußen gespielt werden bis es dunkel wird. Was Du und Dein Schatz alles in der Natur machen könnt und warum draußen sein so wichtig ist, das zeigen wir Dir in der heutigen Ausgabe von Spielend Lernen.

In der Natur spielen

kinder in natur spielenIn der Natur gibt es für Kleinkinder viel auf eigene Faust zu entdecken: Auf der grünen Wiese und im Wald kann gerannt, ruhig ein Insekt beobachtet oder ein Baumhaus gebaut werden. Lagerfeuer am Grillplatz, Übernachtungen im Zelt, Fische oder Frösche beobachten am Bach…sowohl für Dich als auch Dein Kind einfach fantastisch. Aber auch eigene Ideen können sofort umgesetzt werden: Prinzessin sein, Ritter spielen, Indianer, die Cowboys jagen oder Detektive, die die Nachbarschaft beobachten – das alles und noch viel viel mehr lässt sich draußen umsetzten.

Schon in der Steinzeit spielten Kinder allein oder in Gruppen draußen und konnten so vieles über sich und ihre Umwelt erfahren. Dieses Muster ist biologisch verankert und daher auch noch heute in Deinem Kind vorhanden.

Natürlich wohnt nicht jeder auf dem Land oder am Ortsrand. Aber in jeder Stadt gibt es einen Innenhof, Spielplätze oder Stadtparks – und warum am Wochenende nicht einen Ausflug aufs Land? Mit einer Radtour zum Picknick? Einen Besuch auf dem Bauernhof? Dazu braucht es nicht viel – außer Zeit!

Warum raus in die Natur?

kind matsch4Bei einem Ausflug auf die Wiese, in den Wald oder beim Spielen mit den Nachbarskindern lernt Dein Schatz eine ganze Menge. Die Natur ist für Deinen kleinen Entdecker somit zugleich der beste Spiel- und Lernplatz. Warum kitzelt das Gras zwischen den Zehen? Welche Farben haben die Blumen? Wie schmecken die Beeren? Wie fühlt sich der Steine und die Baumrinde an? Diesen Fragen kann Dein Kind auf eigene Faust auf den Grund gehen.

Der Umgang mit den Naturelementen beansprucht alle Sinne. So spricht ein rauer Ast den Tastsinn ganz anders an als ein glatter Plastikbaustein. Und weil jede Sinneswahrnehmung eine Spur im Gehirn Deines Kindes hinterlässt, ist ein Tag auf einer Sommerwiese ein willkommener Bildungsurlaub für Deinen Schatz. Wer mit seinen Händen früh Unterschiede zwischen Walderde, Buddelsand oder Lehm erforschen darf, wird später ein feineres Fingergefühl haben.

Zugleich übt Dein Kind auf seiner Entdeckungsreise durch die Natur alle motorischen Fertigkeiten, die es im Leben braucht, wie etwa Hüpfen, Klettern oder Balancieren. Auch die Neugierde wird angeregt. Denn wenn nichts vorgegeben oder vorgefertigt ist, kann Dein Kind frei entscheiden. Und das macht die Natur so spannend. Je früher Dein Kind also mit den Elementen, mit Pflanzen und Tieren in Berührung kommt, desto besser.

Was macht das Spielen in der Natur aus?

kind in naturWeil Dein Kind sich weitestgehend unbeobachtet und unbeeinflusst fühlt, kann es im Freien selbst über sein Spiel bestimmen und sich eigene Ziele setzen. Es wählt den Ort, das Spielmaterial, den oder die Spielpartner selbst aus und nutzt die Materialien, die es in der Natur findet. Teilweise werden sie so eingesetzt, wie sie von den Erwachsenen vorgesehen werden, oft aber werden die Gegenstände in völlig neuem Zusammenhang gebracht. Dadurch werden Phantasie und Kreativität angeregt.

Beim Spielen in der Natur wird der gesamte Körper und alle Sinne gefordert. Phasen ausgiebiger Bewegungen wechseln sich mit Phasen des ruhigen Spiels ab. So kann in Ruhe ein Regenwurm beobachtet oder Blätter aufgesammelt, aber auch einem Vogel hinterhergejagt werden.

Die Sozialkompetenzen werden außerdem vom frühen Kontakt mit anderen Kindern, Erwachsenen oder Tieren gestärkt. So sind auf dem Spielplatz oder in der Nachbarschaft nicht nur gleichaltrige Kinder, sondern es wird in altersgemischten Gruppen gespielt. Auch das bringt Vorteile für Dein Kind. Die Jüngeren lernen von den Älteren neue Spiele, Regeln und ihre Interessen kennen. Im Gegensatz steigern ältere Kinder ihr Selbstbewusstsein durch die Rolle als Erfahrene oder Anführer.

Im Moment noch mit angezogener Handbremse

kind seifenkisteEin selbstständiges Spielen im Freien geht natürlich noch nicht im zarten Alter von 17 Monaten. Die Welt ist noch zu gefährlich für Deinen kleinen Schatz, um komplett ohne Aufsicht die große weite Welt zu entdecken. Mit etwa vier Jahren hat sich Dein Kind soweit von Dir gelöst, dass es alleine losziehen will. Natürlich musst Du auch dabei Grenzen setzen. Du gibst dann den Rahmen vor, was Dein Kind alleine machen und bis wohin es sich alleine bewegen darf. Von diesem Moment an musst Du lernen, Deinem Kind zu vertrauen. Dabei solltest Du bedenken: Gelegentliche Grenzüberschreitungen gehören zu jedem Reifungsprozess dazu!

Die erschreckende Wahrheit

Wha, wha, what!!??Rund 15% der Kinder in Deutschland sind übergewichtig und leiden an den körperlichen Folgen von Bewegungsmangel. Als Folgeerscheinungen treten oft Konzentrationsmangel, Rückenschmerzen, motorische Defizite, Koordinationsschwierigkeiten, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes auf. Der seelische Schaden, durch Hänseleien oder weil sie nicht mit den anderen Kindern mithalten können, sollte nicht außer Acht gelassen werden. Ist man erst einmal in diesem Teufelskreis gefangen, kommt man so schnell nicht wieder heraus.

Deshalb empfehlen wir Dir: Schnapp Dein Kind und ab nach draußen! Denn Kinder haben ein Recht auf Spiel und zwar nicht nur in der Wohnung – draußen Spielen macht Spaß und ist gesund!

Wusstest Du schon, dass…

…es für den Vitamin-D Bedarf des Körpers immens wichtig ist nach draußen zu gehen? Vitamin D kann der Mensch mit Hilfe von Sonnenlicht selbst produzieren. Vitamin D ist unter anderem wichtig für gesunde Knochen und hat Einfluss auf die Muskelkraft und das Immunsystem. Damit der Körper durch die Sonneneinstrahlung genügend Vitamin D produziert, reicht es in Deutschland in den Sommermonaten, wenn ein Erwachsener ca. 30 Minuten am Tag Sonne tankt. Säuglinge und Kleinkinder sollten, vor allem im Winter, ein Vitamin-D-Präparat vom Kinderarzt bekommen.

Mit Deinem Kleinkind nach draußen

Fragst Du Dich jetzt auch, wie Du im aktuellen Alter Deines Kindes am sinnvollsten nach draußen gehen kannst und was ihr dort machen könnt? Wir haben andere Mütter gefragt und eine kleine Liste für dich angefertigt, die dir schöne Ideen gibt.

  • Spielplatz / Abenteuerspielplatz
  • Barfußpfad
  • Streichelzoo
  • Zoologischer Garten
  • Wildgehege
  • Freitzeitparks für Kleinkinder (http://www.kinder-ausflug.de/ziele/freizeitpark.php)
  • Schwimmen gehen (Freibad, Badesee)
  • Fahrrad fahren
  • Wandern (mit Baby-/Rückentrage oder Tragetuch à Bindeanleitungen zum auf dem Rücken tragen gibt es im Netz)
  • Maislabyrinth
  • Sinnespfade (www.parkmitallensinnen.de)
  • Sommerbobbahn
  • Schlitten fahren

Aber auch ganz simple Dinge wie gemeinsame Gartenarbeit, malen mit Kreide oder einen Schneemann bauen, können zu ganz großen Erlebnissen für die Kleinen werden, um gemeinsam Spaß zu haben, ihre Motorik zu trainieren und Fachkompetenz zu erwerben. Denn beim Kräuter pflanzen erfahren Kinder etwas über Biologie und beim Schneemann bauen über Physik.

Draußen unterwegs sein

kind bobbycarKann Dein Kind erst einmal laufen, dann ist es auch in der Lage und gewillt, langsam und spielerisch die Koordination seiner Laufbewegungen zu trainieren. Es möchte den Richtungswechsel und die verschiedenen Geschwindigkeiten der eigenen Bewegung kennenlernen und dafür bietet sich am besten ein „Fahrzeug“ im Freien an.

Rutscher bieten eine hervorragende Möglichkeit, denn sie sind so konzipiert, dass sie auf vier Rädern ein hohes Maß an Kippsicherheit aufweisen und somit dem Entwicklungsstand eines gut einjährigen Kindes entsprechen. Mit diesen Fahrzeugen wird die ausdauernde Bewegung mit den Beinen geübt und gleichzeitig die Koordination der Arme und Hände beim Lenken trainiert. Der Gleichgewichtssinn wird auch schon bei diesen Bewegungen nachhaltig angesprochen und Dein Kind erlangt ein stärkeres Körpergefühl.

Kind TretrollerLaufräder haben in den letzten Jahren das Dreirad und den Kinderroller als Übergangsfahrzeug zum Fahrrad abgelöst, denn das Laufrad kann schon mit 2 Jahren angeschafft werden und ein Roller erst ab einem Alter von 3 Jahren. Darüber hinaus sind die Bewegungsabläufe und das Gleichgewichtstraining auf dem Laufrad, denen des Fahrradfahrens, viel ähnlicher. Wichtigste Voraussetzungen für das Laufradfahren ist, ein sicheres Laufen, ein gutes Stehvermögen und eine ausreichende Körpergröße bzw. Schrittlänge. Bei der Anschaffung eines Laufrades solltet Ihr darauf achten, dass es die passende Größe hat. Wenigstens 2 cm sollte die minimale Sitzhöhe unter der Schrittlänge liegen.

Aber auch ein Bollerwagen oder eine Schubkarre können als alternatives Fortbewegungsmittel benutzt werden. So können mit Papas Hilfe weite Strecken zurückgelegt und die Welt erkundet werden.

Sicherheit geht vor!

Baby im Fahrradsitz mit HelmEgal für welches Fahrzeug Ihr Euch entscheidet, die Sicherheit Deines Kindes geht immer vor. Damit es nicht zu Unfällen kommt, sollte Dein Schatz nur in einer sicheren Umgebungen aufs Laufrad oder den Rutscher steigen. Dafür eignen sich zum Beispiel ein Spielplatz oder eine ruhige Spielstraße. Kinder in dem Alter sind schnell überfordert, wenn sie auf andere Verkehrsteilnehmer treffen und Hindernissen ausweichen müssen. Am besten übt ihr das Fahren auf großen ebenen Plätzen.

Dein Kind sollte beim Fahren nie unbeaufsichtigt sein. Auch ein Helm ist Pflicht. Denn er schützt vor Verletzungen bei Stürzen. Der Helm sollte auf jeden Fall gut passen. Am besten lasst Ihr Euch in einem Fachgeschäft beraten. Er sollte für den Kopfumfang Deines Kindes passen und nicht zu groß sein, denn selbst der beste Helm bringt nichts wenn er nicht passt und/oder falsch eingestellt ist. Hier ein Link, wie Du den Helm richtig einstellt: http://www.schuetze-dein-bestes.de/005_unterricht/download/info_fahrradhelm_einstellung.pdf

 

Symbol_Wissenswert

Hintergrundinformation für Wissbegierige!

familie in naturZur Zeit der biologischen Entwicklung des Menschen spielten Kinder vor allem selbständig, erkundeten mit anderen Kindern ihren Lebensraum und lernten so vieles, was sie zum Leben brauchten. Dieses selbständige Spielen und Entdecken ist auch ein Bedürfnis heutiger Kinder, weil wir uns biologisch seitdem nicht verändert haben. Unser Körper und unsere Verhaltensmuster entstanden im Verlauf der Evolution durch Reaktion auf äußere Einflüsse innerhalb von sehr langen Zeiträumen. Diese Muster wurden in unseren Erbanlagen abgelegt. Auch das Spielbedürfnis der Kinder entstand auf diese Weise und zwar schon vor sehr langer Zeit. Denn auch Tierkinder spielen. Spiel ist im Stammhirn verankert, dem ältesten Gehirnteil überhaupt. Evolutionswissenschaftler sind deshalb der Ansicht, dass Spiel für die Entwicklung bis zum erwachsenen Tier oder Menschen sehr wichtig sein muss. Je höher die Entwicklungsstufe der Tiere ist, umso mehr spielen Tierkinder. Beim Menschen ist die Kindheit länger als bei Tieren. Damit ergibt sich ein besonders langer Zeitraum, den Kinder am liebsten spielend verbringen. Denn nur beim Menschen gibt es die sogenannte mittlere Kindheit, den Zeitraum zwischen dem Kleinkindalter und der Pubertät. Im Kleinkindalter erwerben Kinder kulturübergreifend grundlegende Fähigkeiten wie Laufen und Sprechen. In der mittleren Kindheit, Evolutionsforschern zufolge, wachsen Kinder in ihre jeweilige Kultur hinein. Sie erlernen die Sprache perfekt, lernen Umgangsformen, soziale Mechanismen und den Gebrauch von Techniken. Das gilt immer noch. In der mittleren Kindheit gehen Kinder heute in die Schule.

Aber während unserer biologischen Evolution lebten Menschen als Jäger und Sammler. Die Kinder wuchsen anders als heute in ihre Kultur hinein. In heutigen Jäger- und Sammlerkulturen spielen Kinder vor allem. Sie sind viel mit anderen Kindern zusammen, machen nach, was Erwachsene tun oder auch nicht. Sie suchen sich im Spiel selbst Nahrung oder üben sich im Werkzeuggebrauch oder lassen es, je nachdem, wie sie es wollen. Im Gegensatz zu Kindern in bäuerlichen Gesellschaften bekommen sie von Erwachsenen kaum Arbeiten aufgetragen. Die Erwachsenen investierten sehr wenig Arbeit in die Erziehung der Kinder. Es gibt kein systematisches Lernprogramm, dem die Kinder unterworfen werden, um jagen und sammeln zu lernen. Daraus schließen Evolutionsforscher, dass es biologisch angelegt ist, durch Spiel zu lernen.

Aufforderung Mitmachen

Wie verbringt Ihr Eure Zeit draußen? Dein Schatz hat schon einen Rutscher oder ein Laufrad oder Ihr startet gerade die ersten Fahrversuche? Schnapp Dir Deine Kamera und lass uns daran teilhaben. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • Draußen spielen ist wichtig und in der Natur gibt es viel zu entdecken.
  • Selbstständig draußen spielen fördert das Selbstbewusstsein.
  • In der Natur wird die Phantasie und dadurch die Kreativität gefördert.
  • Durch den Kontakt mit anderen Kindern wird die Sozialkompetenz angeregt und gefördert.
  • 15% der deutschen Kinder sind übergewichtig und die Tendenz ist steigend. Als bedeutendster Faktor ist ein Bewegungsmangel zu nennen.
  • Bewegung aktiviert glücklichmachende Stoffe (Endorphine) im Körper
  • Vitamin-D kann der Körper nur mithilfe von Sonne bilden, durch die Nahrung wird so gut wie kein Vitamin-D aufgenommen.
  • Es gibt viele tolle Möglichkeiten gemeinsam Zeit draußen zu verbringen ohne viel Geld auszugeben: Gemeinsame Gartenarbeit, eine Radtour oder einen Schneemann bauen kosten nix und machen Spaß.
  • Mit einem Rutscher oder einem Laufrad trainiert Dein Schatz seine Koordination und seinen Gleichgewichtssinn und somit seine gesamte motorische Entwicklung.
  • Sicherheit geht vor – sowohl für Dein Kind als auch für Dich.

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