Spielend Lernen #40: Sozialverhalten – Mein Kind und andere Kinder

Nadine Bäsig

Du bist mit Deinem Schatz auf dem Spielplatz und Du erkennst Dein Kind nicht wieder? Es haut mit der Schaufel und brüllt, sobald jemand den Eimer auch nur anschaut? Bei Spielend Lernen erfährst Du heute warum das so ist und wie sich das Sozialverhalten ändert.

Der Anfang

Aller Anfang ist schwer – aber Dein Kind hat bereits einige Beziehungen aufgebaut. Begonnen hat das am Tag der Geburt: mit Dir als Mama. Du und der Papa sind die ersten Spielkameraden Deines kleinen Lieblings. Bereits ab der ersten Sekunde auf der Welt seid ihr die besten Freunde. Sobald es Deine Stimme gehört, Dein Gesicht gesehen oder Deine Berührungen gespürt hat, fing Dein Baby an vor Freude zu quietschen. Mit Deiner Hilfe hat sich Dein Schatz dann an andere Menschen gewöhnt und nach und nach deren Gesellschaft genossen. Der Grundstein des Sozialverhalten wurde gesetzt!

Wann ist es soweit?

Das Sozialverhalten Deines Kindes entwickelt sich entscheidend zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr. Im ersten Jahr hat Dein Wonneproppen viele motorische Fähigkeiten erlernt, wie Dinge zu greifen, Gegenstände hochzuheben und vieles mehr. Gleichzeitig hat Dein Kind aber auch viel über die Beziehung zu Dir und anderen Menschen gelernt. So fühlt sich Dein Schatz in der Gegenwart anderer Menschen bereits wohl und genießt auch den Umgang mit ihnen. Dein Kind wird aber die Anwesenheit von Dir und dem Papa deutlich bevorzugen. Wenn das zweite Lebensjahr anbricht, wird Dein Schatz allmählich anfangen, mit anderen Kinder zu spielen. Aber genau so, wie die Beziehung zu Dir aufgebaut werden musste, so muss das Sozialverhalten gegenüber anderen Kindern auch erlernt werden.

Wie bringt man Sozialverhalten bei?

Das hört sich erst mal komisch an, aber das Sozialverhalten muss wirklich gelernt und somit vorab geübt werden. Wie Dein Kind das macht? Ganz einfach: Indem es Verhaltensweisen ausprobiert. Es wird testen, welches Verhalten zu welchem Ergebnis bei seinem Gegenüber führt. So wird Dein Schatz am Anfang sein Spielzeug nicht teilen wollen. Später wird Dein Kleines aber lernen, sich in andere hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen. Dieses Mitfühlen wird in Fachkreisen auch als Empathie bezeichnet. Mit drei Jahren kann Dein Kind schließlich erste Freundschaften mit anderen Kindern schließen.

Wusstest Du schon, dass…

 … die Hälfte aller Kleinkinder im Alter von 13-15 Monaten versucht, eine Person zu trösten, wenn diese traurig ist. Das Kind wird dann versuchen, diese Person anzufassen oder zu umarmen, weil es gerne möchte, dass der andere sich besser fühlt.
Etwa zwischen dem 18. und 20. Monat zeigt das Kleinkind ein aktives Verhalten, wenn es andere trösten möchte. Es teilt sein Spielzeug mit der traurigen Person oder bringt jemandem, der krank ist, ein Pflaster oder eine Decke.
Kleinkinder von 23-25 Monaten zeigen neben aktivem Verhalten auch Besorgtheit. Sie machen dann z.B. Vorschläge, um dem anderen dabei zu helfen, sich besser zu fühlen.

Du als gutes Vorbild

Mama gibt Baby ein Bussi (1)Wie kannst Du Deinem Kind am besten das Sozialverhalten beibringen? Kinder lernen durch Nachahmen und das heißt im Umkehrschluss: Lebe Deinem Kind das gewünschte Sozialverhalten vor und Du hast den größten Teil der „Verhaltenserziehung“ schon erledigt. Dein Kind achtet verstärkt auf Dein Verhalten und Deine Gefühle als auf Gesagtes. Kinder haben im Allgemeinen auch ein großes Bedürfnis danach, sich mit Menschen zu identifizieren, zu denen sie eine enge emotionale Bindung haben. Damit bist Du, der Papa und die engere Familie gemeint. Untersuchungen haben gezeigt, wie wichtig die Kombination von einer starken emotionalen Bindung und dem Vorbildcharakter ist. So sind Jungen im Kindergartenalter freigiebiger und haben ein größeres Einfühlungsvermögen, die einen liebevollen, warmherzigen Papa haben, als gleichaltrige Jungen, die einen weniger liebevollen Vater haben.

Kinder sind von Anfang an aber auch sehr aufmerksam anderen Kindern gegenüber und so lernen sie auch enorm viel voneinander. So lernt Dein Kind einerseits mit anderen zu sprechen oder zu kommunizieren. Andererseits wird es aber auch lernen, wie es Freunde gewinnt. Es wird ihm Spaß machen mit anderen Kinder zusammen zu sein, egal ob sie im selben Alter oder älter sind.

Die Rolle der Erziehung

Du als Elternteil spielst eine Schlüsselrolle für die soziale Entwicklung Deines Kindes. Natürlich ist die Art der Erziehung, die Dein Kind genießt, sehr wichtig. Wie genau aber beeinflussen bestimmte Erziehungsmethoden das Sozialverhalten? Dafür haben wir Dir eine kurzen Überblick über die unterschiedlichen Erziehungsstile zusammengestellt:

Autoritäre Erziehung – Das Kind wird dem Willen seiner Eltern unterworfen und bekommt nur wenig Zärtlichkeit. Die Eltern sind der Chef und das Kind muss genau das tun, was ihm befohlen wird. Auf diese Weise bekommt das Kind keine Chance, selbstständig zu denken, wodurch es beginnt, an sich selbst zu zweifeln. Es wird wenig bis keine Eigeninitiative zeigen. Das Kind zieht sich zurück, wenn es sich in der Gesellschaft von anderen Kinder befindet

Permissive Erziehung – Permissive Eltern bringen ihrem Kind zwar Zärtlichkeit entgegen, aber lehren ihm keine Disziplin und belohnen es nicht für diszipliniertes Verhalten. Diese Erziehungsmethode wird auch als „verwöhnende Erziehung“ oder „laizze-fair“ bezeichnet. Das Kind bekommt alles in den Schoß geworfen und lernt nicht das Prinzip „Wer nimmt, muss auch geben!“. Ein solches Kind zeigt ein egoistisches Verhalten und kein Interesse für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen.

Autoritative Erziehung – Die Eltern legen angemessene Grenzen fest und erklären alles mit Autorität und Liebe. Sie sind warm und respektvoll. Sie sprechen mit ihrem Kind darüber, welchen Effekt ein bestimmtes Verhalten auf andere hat. Sie erwarten u.a. von ihrem Kind, dass es kleine Aufgaben übernimmt und geben ihm zum Beispiel die Chance, uneigennützige Taten auszuführen. Das Kind lernt, sich in seine Mitmenschen einzufühlen und wird schnell bereit sein, einem anderen zu helfen. Dieser Erziehungsstil wird von Pädagogen als die geeignetste Methode angesehen, um ein Kind eine gesunde Dosis Einfühlungsvermögen entwickeln zu lassen.

Was kannst Du tun?

Der wichtigste Ort, an dem Dein Kind Normen und Werte erlernt, ist die Familie. Dabei ist es wichtig, dass ein Elternteil oder am besten beide Eltern häufig im Leben des Kindes anwesend sind – sowohl körperlich als auch emotional und intellektuell.

Außerdem tragen Kindergarten, Kindertagesstätte, Schule, Vereine und die Vermittlung von gesetzlichen Regelungen zur gesunden Entwicklung von Werten und Normen bei. Diese Auswirkungen sind allerdings minimal, wenn der Grundstein nicht in der Familie gelegt wird und Dein Kind zu Hause keine Aufmerksamkeit bekommt. Aber was kannst Du nun tun, um das Sozialverhalten Deine Kindes zu stimulieren?

  • Lass Dein Kind spüren, dass es Gutes tut, wenn es zu anderen Menschen lieb ist und anderen hilft.
  • Sei selber ein gutes Vorbild und sei selbst lieb zu anderen und zu Deinem Kind. Wenn Du das selbst nicht machst, wird Dein Kind Dein Verhalten nachahmen.
  • Auch die Medien üben Einfluss aus. Ein Kind, das freundliches Verhalten im Fernsehen sieht, wird versuchen, dies nachzumachen.
  • Versuche Dein Kind nicht zu bestrafen, in dem Du ihm Privilegien entziehst, wenn es sich einmal nicht sozial korrekt verhalten hat. Das führt nur dazu, dass es sich verteidigen und absichern will. Mit anderen Worten: Es wird sich dann auf sich selbst konzentrieren. Ein besserer Weg ist Folgender: Versuche seine Empathie zu wecken, indem Du Deinem Kind erzählst, dass der Bruder ganz traurig ist, weil es von ihm einen Schubs bekommen hat, wodurch er hart gefallen ist. So wird Dein Schatz seinen Aufmerksamkeit auf andere richten anstatt auf sich selbst.

Reaktionen mit denen Du rechnen musst

Zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr passen Kinder mit Inbrunst auf das eigene Spielzeug auf. In dieser Entwicklungsphase kann es ganz schwierig werden, wenn Du Dein Kind gerne zum Teilen erziehen möchtest. Dein Schatz fordert in dieser Entwicklungsphase nämlich vehement seine eigene Unabhängigkeit ein, indem er sich zum Beispiel weigert, Deine Hand zu halten, wenn ihr eine Straße entlanggeht. Möglicherweise bekommt Dein Kind auch einen Wutanfall, wenn Du ihm etwas verbietest. Kinder zwischen zwei und drei Jahren werden sogar oft noch ichbezogener.

Im Moment kann sich Dein Liebling aber noch nicht in die Lage anderer Kinder und Erwachsener hineinzuversetzen. So kann es nicht verstehen, dass andere auch Gefühle haben oder sie nur kurz mit der Puppe spielen wollen. Aber mit der Zeit lernt auch Dein Kind zu teilen und sich mit den anderen abzuwechseln und bekommt so schnell seine ersten richtigen Freunde.

Ein wichtiger Faktor: Bewegung

Bewegung ist nicht nur für die körperliche Entwicklung Deines Kindes wichtig. Durch Bewegung entwickelt sich auch das Sozialverhalten – insbesondere beim Spielen und Toben mit anderen Kindern. Das Sozialverhalten Deines Kindes wird gefördert, wenn es lernt, mit anderern zu kooperieren und auf die Wünsche und Gefühle anderer Rücksicht zu nehmen. Gleichzeitig lernt Dein kleiner Schatz auch, sich in der Gruppe zu behaupten und Kontakte mit anderen zu knüpfen.

Störungen des Sozialverhaltens

Störungen des Sozialverhaltens ist ein heikles Thema und wir können hier auch keine Diagnose stellen, wann es sich tatsächlich um eine Störung handelt. Falls Du Bedenken haben solltes oder Dir etwas auffällt an Deinem Kind, dann vereinbare einen Termin bei Deinem Kinderarzt oder einer Beratungsstelle. Wir wollen hier lediglich informieren, was man unter einer Störungen des Sozialverhaltens versteht. Eine Störung liegt vor wenn man ein durchgehendes Muster von aggressivem, oppositionellem und dissozialem Verhalten vor dem Hintergrund des Entwicklungsniveaus des Kindes feststellt. Das Verhalten ist deutlich normverletzend bzw. verletzt altersentsprechende Erwartungen und beruht nicht nur auf einzelnen dissozialen Verhaltensweisen. Um die Diagnose vergeben zu können, müssen eine bestimmte Anzahl von Verhaltensweisen aus den Bereichen aggressives Verhalten gegenüber Menschen und Tieren, Zerstörung von Eigentum, Betrug oder Diebstahl sowie schwere Regelverstöße vorliegen. Beispiele, die auf ein gestörtes Sozialverhalten hinweisen, sind ein extremes Maß an Streitereien oder Tyrannisieren, Grausamkeiten gegenüber anderen Menschen oder Tieren, erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum sowie Stehlen oder Lügen. Auch Ungehorsam, schwere Wutausbrüche, Schulschwänzen oder das Weglaufen von zu Hause sind mögliche Symptome. Behandlungsbedürftig sind oppositionelle und antisoziale Verhaltensweisen, wenn sie sich über mehrer Monate regelmäßig und stark ausgeprägt zeigen oder sich negativ auf das Familienleben sowie auf andere Bereiche z.B. Kindergarten auswirken.Laut Studien sind Jungen von Störungen des Sozialverhaltens deutlich öfter betroffen als Mädchen.

Aufforderung MitmachenSpielt Dein Kind schon mit anderen Kindern oder Deinem Bruder? Teilt es seine Lieblingsspielzeuge schon oder ist es noch ganz konzentriert allein zugange. Wenn es Dir irgendwie gelingen sollte, dann schnapp Dir Deine Kamera und lass uns daran teilhaben. Wir wollen es sehen! Schicke uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und fülle unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • Dein Kind muss erst lernen Beziehungen aufzubauen. Das ist der Grundstein des Sozialverhaltens.
  • Kleinkinder spielen zu Beginn nebeneinander und noch nicht miteinander. Das Miteinander spielen beginnt im Alter von etwa drei Jahren.
  • Sozialverhalten muss gelernt und geübt werden. Spielerisch lernt Dein Kind Sozialverhalten in Rollenspielen.
  • Für ein gutes Sozialverhalten sind Liebe, Wärme und eine enge emotionale Bindung wichtig. In Kombination mit Dir als gutes Vorbild kann nichts mehr schief gehen.
  • Deine Erziehungsmethoden und somit Dein Erziehungsstil beeinflussen das Sozialverhalten Deines Kindes.
  • Neben der Norm- und Wertevermittlung durch die Familie, tragen auch auch Kindergarten, Kindertagesstätte, Verein, gesetzliche Regeln und später die Schule zur sozialen Entwicklung Deines Kindes bei.
  • Schau genau hin, was Dein Kind im Fernsehen, auf dem Tablet oder Smartphone ansieht oder sogar spielt. Eine Sendung, in der sich die Darsteller gegenseitig helfen und immer füreinander da sind und gute Umgangsformen pflegen wirkt sich positiv auf das Sozialverhalten aus. Dein Schatz wird versuchen dieses Verhalten nachzuahmen.                       Experten raten allerdings, Kinder unter zwei Jahren überhaupt nicht vor die Flimmerkiste zu setzen und Kinder im Vorschulalter maximal 30 Minuten pro Tag. 

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