Spielend Lernen #42: Spieltipps zum Sprechen lernen

Natalie Bolte

In den letzten Wochen und Monaten hat sich bei Euch wahrscheinlich alles um das Laufen Lernen gedreht und Dein kleiner Entdecker hat bestimmt schon so manchen actionreichen Sturz hingelegt. Nun verändert sich der Themenbereich: weg von der Motorik und hin zur Rhetorik. Denn nun steht Plappern und Sprechen lernen auf der Tagesordnung.

Wie die Reise in die Welt der Sprache begann

Lange bevor Dein Kind das erste Wort gesprochen hat, begab es sich auf eine intensive Reise des Lernens. Schon vor der Geburt lauschte es den geheimnisvollen Lauten von „draußen“. War dein Kind dann erstmal auf der Welt, war mit dem ersten Schrei der Grundstein für die Sprachentwicklung gelegt. Kannst Du Dich noch daran erinnern, wie aufmerksam Dein Baby Dich beobachtet hat, als Du mit ihm geredet hast? Wie es Deine Lippen angefasst hat, um zu „begreifen“ was da aus Deinem Mund kommt? Schon damals hat sich Dein kleiner Sprachschüler jedes Detail gemerkt und mit zunehmendem Alter hat er sich das Sprechen bei den Erwachsenen seines Umfeldes abgeschaut. So hat Dein Kind bis heute zwischen 80 und 100 Wörter gelernt. Obwohl es nur aktiv 2 bis maximal 10 Wörter benutzen kann, ist das Verständnis für die anderen Wörter da. So versteht Dein Kind bereits kleine Aufträge und kurze Geschichten.

Auch wenn Dein Kind noch nicht spricht, so plappert es den ganzen Tag vor sich hin. Diese Wort- und Sprachübungen sollst Du nicht nur zur Kenntnis, sondern auch ernst nehmen. Zuhören, Antworten und miteinander Reden ist besonders in der aktuellen Entwicklungsphase enorm wichtig. Denn die Reaktion, der Augenkontakt und die Veränderung von Mimik und Gestik animieren Dein Kind „das Gespräch“ fortzusetzen, was es in seiner sozialen, emotionalen und kommunikativen Entwicklung weiterbringt. Zusätzlich wirkt sich dies auch auf Eure gemeinsame Bindung aus, da sich Dein Kind von Dir ernst genommen fühlt und dies festigt das Vertrauen.

Was Du während dieser wichtigen Phase nicht tun solltest:

  • In Babysprache sprechen
  • „Neue Wortkreationen“ Deines Kindes nachsprechen (egal wie süß sie sich anhören)
  • Keine Verniedlichungen oder Verfremdungen für Körperteile verwenden
  • Das Bitte und Danke nicht vergessen, wenn Du Deinem Kind einen Gegenstand gibst oder es Dir einen bringt.
  • Den Fernseher als Lehrer bemühen

Eine Sprachreise, für die Du keinen Urlaub brauchst

Mit der heutigen Ausgabe von Spielend lernen möchten wir Dir helfen einen Koffer zu packen, mit welchem Ihr Euch gemeinsam auf eine wunderschöne Sprachreise begebt und es Euch definitiv nie langweilig wird.

Ich packe meinen Koffer und lege Wörter hinein

Texte Dein Kind den ganzen Tag zu, lautet unser etwas ulkig klingender Tipp. Erkläre, was Du gerade tust, welchen Gegenstand Du gerade in den Händen hältst oder stelle die Frage in den Raum „Wo ist denn jetzt wieder mein Schlüssel, mein Handy oder meine Brille?“. Moderiere, kommentiere und erkläre, bis Du die sprichwörtlichen Fransen an der Zunge hast.

Das Tolle daran ist, dass Du alles, was wir in den vorangegangenen Ausgaben angeregt haben, kombinieren kannst: Du verbindest automatisch Sprache mit Bewegung, bindest zwangsläufig Alltagsgegenstände mit ein, animierst Dein Kind Dir Sachen gleichzutun und zu Guter Letzt vermittelst Du Deinem Kind, dass es ernst genommen und Teil des Erwachsenenlebens ist. 

Spieltipp 1: „Ich packe meinen Koffer“

Ihr benötigt:

  • Einen kleinen Spielzeugkoffer oder einen Karton
  • Alltagsgegenstände, die Ihr häufig verwendet

Überlege Dir, welche Dinge Ihr am Tag macht und welche Gegenstände Ihr dafür braucht. Das könnte bspw. beim Kochen der Teelöffel oder eine Rolle Zewa sein. Beim Baden ein Waschhandschuh und ein Wasserspielzeug. Oder beim Frühstück vorbereiten die Teller und Tassen. Packe einige Gegenstände in den Koffer und das Spiel kann beginnen:

Lass Dir zum Beispiel schon beim Frühstück von Deinem Kind helfen, indem Du nach den entsprechenden Gegenständen im Koffer fragst. Erkläre, wofür Ihr den Gegenstand braucht und bitte Dein Kind um Hilfe. Wenn Du das Spiel ein paar Tage konsequent durchführst, wage mal den Test und frage Dein Kind: „Was brauchen wir denn noch für den Frühstückstisch?“ Vielleicht überrascht es Dich ja und bringt Dir alles was Du brauchst.

Wenn Du in der Küche herumwerkelst, setze Deinen kleinen Schatz ruhig mal neben Dich auf die Arbeitsplatte. So sieht es besser was geschieht und bekommt eine neue Perspektive.

Spieltipp 2: „Memory mal anders“

Ihr benötigt:

  • Ein Kinder-Memory Spiel

Bei diesem Spieltipp wird ein Kinder-Memory Spiel zu einer Suchliste umfunktioniert und Du kombinierst Sprache mit passenden Bildern, sodass Dein Kind Verknüpfungen zwischen Gesagtem und Gesehenem herstellen und üben kann. Dafür musst Du nur die Bilder so sortieren, dass Du die Pärchen in zwei unterschiedliche Stapel aufteilst und die Kärtchen eines Stapels offen auf den Boden legst.

Nun nimmst Du die erste Karte des zugedeckten Stapels, zeigst sie Deinwem Kind und benennst was zu sehen ist (Hund, Katze, Baum, Auto, ….). Dann zeigst Du auf die offenen Karten und fragst „Wo ist …?“.

Am Anfang wird es noch etwas schwer für Deinen kleinen Schatz sein, daher darfst Du natürlich auch ein wenig Hilfestellung geben. Wenn es auf ein falsches Bild zeigt, dann sage nicht, dass es etwas falsch gemacht hat. Erkläre, was auf dieser Karte zu sehen ist und dann zeige auf die Gesuchte. So wird verdeutlicht, dass es sich um unterschiedliche Dinge handelt.

Mit ein bisschen Übung wird das Spiel schnell seine Wirkung zeigen und Dein Kind übt fleißig die abgebildeten Memorybildchen.

Spieltipp 3: „Meine Körperteile habe ich immer dabei!“

Gerade in der heutigen Zeit, in der Kinder oft früher in den Kindergarten oder in eine Kindertagesstätte gehen, ist es besonders wichtig, dass sie Körperteile benennen können. Denn so können sie besser zeigen und darauf aufmerksam machen, wo ihnen etwas kratzt oder weh tut .

Dieses Spiel ist ein Klassiker und Ihr braucht nichts weiter als Euch selbst. Das Praktische ist, dass dieses Spiel überall und jederzeit gespielt werden kann. So kann es Dir also auch unterwegs als Ablenkung dienen, wenn Dein Kind entweder gerade etwas störrisch ist oder Dein Schatz kurz vor dem Einschlafen ist und es besser wäre, wenn er noch wach bliebe:

Ob morgens beim Anziehen oder während des Badens – deute auf die einige Körperteile und benenne sie. Spare das Gesicht nicht aus, denn hier hast Du viele Möglichkeiten. Wenn Du ein paar Runden lang Deinem Kind die einzelnen Körperteile gezeigt und genannt hast, dann kannst Du mit der klassischen Frage „Wo ist die Nase?“ beginnen. Dann kannst Du alle weiteren Körperteile abklappern.

Ganz hervorragend klappt dieses Spiel auch umgekehrt, indem Du Dein Kind animierst, auf Deine Körperteile zu zeigen. Gib nur Acht auf Deine Augen, hier kann das Tippen schon mal etwas grob ausfallen.

Bastel- und Spieltipp: „Ein Topf hat viele Gesichter“

baby koch kocht__smalIhr benötigt:

  • Verschiedene Bilder von gleichen Gegenständen
  • Bastelpappe
  • Klebstoff

Ob aus verschiedenen Prospekten oder nach einer Bildersuche im Internet: Für dieses Spiel benötigst Du mehrere verschiedene Bilder von gleichen Gegenständen. Zum Beispiel 3 Bilder von Töpfen, 3 Bilder von einem Hund, 3 Bilder von einem Ballon.

Diese druckst oder schneidest Du dann aus.

Dann legst Du sie mit dem Bild nach oben, offen vor Euch hin. Achte darauf, dass die gleichen Bilder nicht nebeneinander liegen. Nun bitte Dein Kind „Gib mir doch bitte mal den Topf“. Die Herausforderung ist nicht nur den Topf zu erkennen, sondern auch zu bemerken, dass da noch mehr Töpfe sind. Jedes Mal, wenn es ein Bild richtig hat, animiere es den Gegenstand zu benennen und Dir das Wort nachzusprechen.

Du kannst das Spiel auch erweitern, indem Du Gegenstände als Bilder auswählst, die es auch bei Dir in der Wohnung oder im Garten ist. Dann kannst Du noch zusätzlich zu den Gegenständen auf den Bildern auf die realen Objekte zeigen. Das fördert zusätzlich das Verständnis für neue Wörter.

Das Wichtigste in Kürze

  • Je mehr DU mit Deinem Kind sprichst, desto besser wird es sprechen lernen
  • Nimm die Sprechübungen Deines Kindes ernst
  • Bewegung fördert das Lernen neuer Dinge
  • Vermeide Babysprache
  • Setze auf Wiederholungen, so vertieft sich neues Wissen
  • Es wurde zwar nicht ausdrücklich genannt, aber natürlich ist das regelmäßige Vorlesen von Kinderbüchern, nach Dir, der beste Sprachlehrer, den man sich vorstellen kann.

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