Spielend Lernen #42: Jetzt wird geplappert

Nadine Bäsig

Sprechen lernen – wie geht es weiter? Dein Schatz ist jetzt 17 Monate und 3 Wochen alt und ist schon richtig gesprächig, nur leider verstehst Du kein Wort? Was es in dieser Phase zu beachten gilt und wie Du Dein Kind beim Sprechen lernen unterstützen kannst, das halten wir heute bei Spielend Lernen für Dich bereit.

Am Anfang war der Geburtsschrei

Baby Schrei1Der Geburtsschrei Deines Wonneproppens war der erste Schritt in die Welt der Sprache. Er war Ausdruck für den „Schreck“ Deines Kindes, sich plötzlich in einer hellen, lauten und großen Welt wiederzufinden, nachdem es neun Monate in der engen, dunklen, leisen und geborgenen Gebärmutter heranwuchs. Schon während dieser Zeit hat Dein Kind begonnen, Geräusche, Töne und Worte in sich aufzunehmen, die jetzt seine Art zu sprechen beeinflussen werden.

Raus mit der Sprache

Kinder erlernen das Sprechen innerhalb der ersten beiden Lebensjahre. Das beginnt damit, dass Dein Schatz Zunge, Lippen und Gaumen, eventuell auch schon vorhandene Zähnchen benutzt um Geräusche zu machen (oooh, aaaah, grrrr,…). Bald darauf folgt dann ma-ma, ba-ba und von da an wird Dein Schatz immer mehr Wörter beherrschen. Kinder beginnen vom ersten Lebensjahr damit, zuzuhören und die Sprache der Erwachsenen aufmerksam zu verfolgen. Dabei können sie sicherlich nicht alles verstehen, wohl aber einzelne Wörter (sogenannte Key Words), Verbote, Fragen und Aufforderungen. Das Verständnis drückt sich dann beispielsweise dadurch aus, dass Dein Kind auf genannte Gegenstände zeigt oder sie holt. Verstehen kann Dein Schatz zwischen 80 und 100 Wörter (passiver Wortschatz). Der aktive Wortschatz hingegen beschränkt sich auf zwei, maximal zehn Wörter in der „Babysprache“. Diese Wörter nennen Fachleute Protowörter, die mit bestimmten Gegenständen oder Personen verbunden sind (z.B. wau-wau für einen Hund).

Mutter spricht mit KindDer Wortschatz Deines Kindes ist noch nicht sehr groß und dennoch plappert es andauern? Dein Schatz möchte dabei ernst genommen werden. Hör also aufmerksam zu, wenn Dein Kind mit Dir spricht. Im zarten Alter von 17 Monaten und 3 Wochen haben die meisten Kinder noch Probleme S- und R-Laute zu artikulieren oder sie vertauschen K-Laute mit T-Lauten am Wortanfang (z.B. „Tatze“ statt „Katze“). Das ist völlig normal und ist kein Grund zur Sorge. Dein kleiner Sprachmeister lernt aber auch langsam Wünsche auszudrücken. Wenn es z.B. etwas haben möchte, wird es vermutlich „habn“ sagen. Auch kann Dein Kind Vokale sowie die Konsonanten m, b, p und n artikulieren. Typisch sind auch Einwortsätze, die meist nur aus einem Substantiv, seltener auch aus einem Verb bestehen können. Dein Kind benutzt auch noch keine Adjektive und Adverbien und keine Artikel außer „das“ als Demonstrativpronomen. Vorgesprochene Wörter werden sofort echoartig nachgesprochen, jedoch meistens verkürzt oder verändert (z.B. Elefant – Fant).

Wusstest Du schon, dass…

… Kinder von Eltern, die extrem viel mit ihrem Kind reden, einen signifikant höheren IQ haben als andere Kinder? Ihr Vokabular ist vielfältiger als das von Kindern, die wenig verbale Stimulation während der Kindheit erfahren haben.

Entwicklungsschritte

Das war mal:

1.-3. Monat: die erste Möglichkeit für Deinen Schatz zu kommunizieren, war das Weinen. Nach nur kurzer Zeit konntest Du am Schreien hören, ob Dein Baby Hunger hatte, ihm langweilig war, es eine neue Windel brauchte oder einfach Zuwendung wollte.
4. Monat: Dein Schatz hat angefangen zu plappern, indem es Vokale und Konsonanten miteinander verbunden hat z.B. dada. Vielleicht ist auch schon ein mama oder baba rausgerutscht? Zu diesem Zeitpunkt hat Dein Baby diese Worte noch nicht in Verbindung mit Dir oder dem Papa gesetzt
6.-9. Monat: Wenn Dein Liebling jetzt „gesungen“ oder „geplappert“ hat, dann hätte man oft meinen können, als würde das „gesagte“ einen Sinn geben. Das lag aber daran, dass Dich Dein Kind nachgeahmt hat und somit einen ähnlichen Tonfall und ein ähnliches Sprachmuster wie Du benutzt hat.

Children playing with musical toys. Isolated on white backgroundDas geschieht im Moment:

12.-17. Monat: Je nachdem, wie flott Dein Kind beim Sprechen lernen ist, kann es ein oder auch mehrere Worte aussprechen und weiß auch was ihre Bedeutung ist. Es betont diese Worte auch schon richtig, indem es die Stimme anhebt, wenn es eine Frage stellt und z.B. „Hoch?“ sagt, wenn es auf Deinen Arm möchte. Deinem Schatz ist die Bedeutung von Sprache mittlerweile klar und es verspürt die Macht, seine Bedürfnisse artikulieren zu können.

So geht es weiter:

18.-24. Monat: Der Wortschatz Deines Lieblings umfasst mittlerweile 200 Wörter, davon sind viele Hauptwörter. Zwischen dem 18. und 20. Monat lernt Dein Schatz zwischen zehn und mehr Worte am Tag. Einige Kinder lernen alle 90 Minuten ein neues Wort, deshalb: Pass gut auf, was Du sagst ;-). Als nächstes wird Dein Schatz auch schon zwei Worte zu einem einfachen Satz verbinden können (z.B. Mama, hoch!). Mit 2 Jahren wird Dein Liebling Dreiwortsätze bilden und einfache Melodien singen können. Das Verständnis von sich als eigenständige Person ist voll ausgereift und Dein Kind beginnt, über sich selbst zu reden, z.B. was es mag und was nicht, was es denkt und fühlt. Fürwörter können Dein Kind noch durcheinander bringen. Deshalb sag lieber: Mama wirft – anstatt Ich werfe.
25.-36. Monat: Dein Schatz muss noch etwas üben, bis es die richtige Lautstärke beim Sprechen trifft. Langsam versteht Dein Kind auch die Bedeutung von Fürwörtern wie Ich, Mich und Du. Im Alter von zwei bis drei Jahren erweitert sich der Wortschatz auf bis zu 300 Wörter. Nomen und Verben werden nun zu einfachen, aber sinnvollen Sätzen („Ich spiele jetzt“) verbunden.
Im Alter von 3 Jahren ist Dein Schatz schon ein alter Hase im Sprechen. Es kann sich an einem längeren Gespräch beteiligen und Sprachmuster, Wortfall und Tonfall dem Gesprächspartner anpassen. Dein Kind wird nun auch seinen Namen und sein Alter nennen können.

Sprechen fördern – aber wie?

Papa liest Kind etwas vorWie fast alle Mamis, möchtest auch Du bestimmt etwas für die Sprachentwicklung von Deinem Schatz machen und ihn beim Sprechen lernen unterstützen. Dies kannst Du ganz gut im Alltag fördern. Wie? Indem Du auf jede Frage Deines Kindes in ganzen und deutlich ausgesprochenen Sätzen antwortest und keine Babysprache verwendest. Auch wenn Dein Schatz noch nicht alles richtig ausspricht, ahme bitte seinen „Sprachfehler“ nicht nach, auch wenn es sich noch so niedlich anhört. Nur so kann Dein Kind seinen Wortschatz erweitern und richtig Sprechen lernen. Wenn Dein Kind ein Wort falsch ausspricht, dann korrigiere es nicht, indem Du sagst: „Nein, nicht Tatze, sondern Katze“. Besser ist in diesem Fall, das Gesprochene noch einmal zu wiederholen, allerdings in der richtigen Form (z.B. „Wo ist die Katze?“). Dabei kann das K betont werden. So hört Dein Schatz das gesprochene Wort richtig und kann sich korrigieren.

Vorlesen ist beim Sprechen lernen ebenfalls unersetzlich. Der passive Wortschatz Deines Kindes wird so erweitert und es hört grammatikalisch richtige Sätze. Auch Kinderlieder – eventuell verbunden mit Bewegungsspielen und Fingerspiele – sind bei den meisten Kindern sehr beliebt und sie fördern gleichzeitig die motorische, wie auch die sprachliche Entwicklung. Auf eine Sache weisen wir Dich noch für eine gute Sprachschule hin: Achte darauf, dass Dein Schatz beim Sprechen keinen Schnuller im Mund hat. Am besten versuchst Du Deinem Kind den Schnuller abzugewöhnen oder das Nuckeln auf die Nacht zu reduzieren – denn mit Schnuller im Mund, lässt es sich schlecht sprechen. 😉

Wann Du Dir Rat einholen solltest

Babys mit Hörproblemen hören im Alter von etwa sechs Monaten auf zu brabbeln. Wenn ein Baby keine Geräusche macht (und auch keine Anstalten macht es zu versuchen) und auch keinen Blickkontakt sucht, dann sollte IMMER ein Kinderarzt hinzugezogen werden. Aber wie bei jedem anderen Thema gilt auch hier: Jedes Kind ist individuell und entwickelt sich auch unterschiedlich. Während manche Kinder mit 9 Monaten bereits Wörter bilden, lassen sich andere Zeit bis sie 13 oder 14 Monate alt sind. Wenn Dein Kind mit 15 Monaten noch kein Wort gesprochen hat oder es bis jetzt noch nicht spricht, solltest Du schnellstens zu Deinem Kinderarzt.

Kleinkinder stottern manchmal, weil sie oft so aufgeregt erzählen, dass sie die Wörter kaum heraus bringen. Das ist vollkommen in Ordnung. Wenn aber Dein Kind im Alter von 5 Jahren noch immer stottern sollte, dann empfehlen wir ebenfalls einen Arzt zu konsultieren. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte Dein Kind die Konsonanten m, b, p und n artikulieren können. Wenn es dies noch nicht schafft und weniger als zwei Worte spricht, solltet Ihr bei Eurem Kinderarzt nochmals nachfragen.

Tipps zum Stottern: Sollte Dein Schatz anfangen zu stottern, dann gib ihm die Möglichkeit, seine Sätze selbst zu Ende zu sprechen. Hilf ihm nicht, indem Du den Satz vervollständigst. Ein solches Verhalten von Dir, würde von Deinem Liebling als eine Herabsetzung empfunden werden und keinesfalls helfen.

Aufforderung Mitmachen

Dein Kleines plappert wie ein Wasserfall? Es kommen immer wieder lustige Dinge dabei raus? Der Gesichtsausdruck bei manchen Worten ist zum dahinschmelzen? Dann schnapp Dir Deine Kamera und lass uns daran teilhaben. Wir wollen es sehen! Schick uns Deine Bilder oder sogar Dein Video und füll unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns gespannt auf Dein Feedback!

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Geburtsschrei war der Beginn der Sprache.
  • Sprechen lernt Dein Schatz in den ersten beiden Lebensjahren.
  • Der passive Wortschatz umfasst momentan zwischen 80 und 100 Wörter, der aktive Wortschatz hingegen beschränkt sich auf zwei, maximal zehn Wörter in der „Babysprache“.
  • Protowörter sind Wörter, die mit bestimmten Gegenständen oder Personen verbunden sind.
  • Dein Kind möchte jetzt ernst genommen werden, wenn es plappert – auch wenn es für Dich noch nicht viel Sinn ergibt.
  • In den kommenden zwei Monaten wird Dein Schatz zwischen zehn und mehr Worte am Tag lernen – manche lernen alle 90 Minuten ein neues Wort.
  • Fördern kannst Du Dein Kind am besten, indem Du im Alltag alles in deutlich ausgesprochenen Worten/Sätzen erklärst und Dich mit Deinem Schatz unterhältst und ihm viel vorliest.
  • Auf Babysprache verzichten – auch wenn es sich noch so niedlich anhört!
  • Beim Sprechen sollte Dein kleiner Liebling auch auf den Schnuller verzichten.

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