Spielend Lernen #8: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Nadine Bäsig

Mit 9 Monaten erschließt sich Deinem Baby eine neue, ganz andere Welt. Es beginnt „anders“ zu denken. Dazu benötigt Dein kleiner Liebling sein Kurzzeitgedächtnis. Was das für Dich und Dein Baby bedeutet, wollen wir Dir in diesem Spielend Lernen-Newsletter erklären.

 

Das Kurzzeitgedächtnis

 

BabySchlauMit neun Monaten spiegelt sich im Spiel Deines Babys ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt wider: Dein Baby fängt an, sich Dinge zu merken. Dies rührt daher, dass sich täglich tausende neue Verbindungen im Gehirn Deines Kindes bilden und sich das Gedächtnis somit rasend schnell entwickelt. Bisher galt die Denkweise Deines Kindes frei nach dem Sprichwort: aus den Augen, aus dem Sinn.  Sobald das Lieblingsspielzeug  aus dem Blickfeld Deines Babys verschwanden war, hat es für Dein Kind nicht mehr existiert. Jetzt, mit neun Monaten, beginnt Dein kleiner Schatz sich an das Gesehene zu erinnern. Es speichert Dinge in seinem Kurzzeitgedächtnis ab und bekommt eine Idee von Kontinuität.  Deinem Kind bleibt also ein längerer Eindruck von einem Gegenstand, der verschwunden ist. Experten sprechen hierbei auch von der sogenannten „Objektpermanenz“.

Spielverhalten und Objektpermanenz

 

Was heißt das jetzt konkret für das Spielverhalten Deines Kleinen? Wenn z.B. ein Ball unter die Kommode gerollt ist, war er für Dein Baby in der Vergangenheit verschwunden und es hat sich mit einem anderen Spielzeug beschäftigt. Jetzt sucht Dein kleiner Liebling nach dem verschwundenen Ball und wenn es ihn nicht findet, wird um Hilfe gerufen. Dann hörst Du vielleicht auch zum ersten Mal das lang ersehnte „Ma-ma!“ oder aber Dein Baby fängt an zu weinen, bis es den Ball wieder hat. In diesem Fall hat Dein Baby den neuen Entwicklungsschritt prima gemeistert und ihm ist nun bewusst, dass obwohl der Ball nicht mehr zu sehen ist, er immer noch existiert. Es versteht nun auch, dass Du nicht komplett verschwindest, nur weil du den Raum verlässt. Dein Schatz weiß nun, dass Du dieselbe Mama bist, die später wieder den Raum betritt.

Geduldsprobe oder die beliebtesten Spiele der Welt!

 

BabymitFussballSein neu ausgeprägtes Kurzzeitgedächtnis testet Dein kleiner Schatz in vielen Situationen – und vermutlich auch an Deinen Nerven. Die verschiedensten Dinge werden auf den Boden geworfen, um zu beobachten, wohin die Gegenstände verschwinden. Dann bist Du gefragt, das Spielzeug wiederzuholen. So kann dieses Spiel eine gefühlte Ewigkeit weitergespielt werden. Spielend Lernen also nicht nur für Dein Baby, sondern auch für Dich: nämlich im geduldigen Mitspielen. Falls Dein Baby das Spiel im Hochstuhl beginnt, achte darauf, dass es gut gesichert ist. Im Spiel kann es schnell geschehen, dass sich Dein Baby aus Versehen vom Stuhl hoch drückt und so aus dem Hochstuhl fällt. Am besten ist es, wenn Du Dein Baby im Hochstuhl anschnallen kannst. Verfügt Euer Hochstuhl nicht über die Möglichkeit Dein Kind anzuschnallen, dann gibt es auch Universal-Anschnallgurte, die im Hochstuhl oder Kinderwagen einfach anzubringen sind.

Gleichzeitiges Lernen von Sozialverhalten

 

Bei diesem Wegwerf-Spiel trainiert Dein Kleines aber nicht nur sein Kurzzeitgedächtnis, sondern auch sein Sozialverhalten. Wenn das Spielzeug verschwindet oder es Deinem Baby weggenommen wird, ist lauter Protest vorprogrammiert. Das ist ein gutes Zeichen, denn jetzt beginnt Dein Baby seine Selbständigkeit und Selbstbestimmung einzufordern. Außerdem ist es nun in der Lage, seine Bedürfnisse und Wünsche klar zu äußern. Dein Baby wirft einen Gegenstand weg und muss nun „nachfragen„, ob Du ihm sein Spielzeug wieder zurückgibst. Es lernt also gleichzeitig auf etwas zu warten. Etwa die Hälfte aller neun Monate alten Babys beginnt nun mit dem Spiel „geliehene Geschenke„. Dabei gibt Dein Kind einen Gegenstand her und nimmt ihn wieder an sich. Auch hier fungierst Du wieder als treuer Spielpartner. Wenn Du mit Deinem Wonneproppen auf dem Boden spielst, dann gib ihm ein Spielzeug und lass es Dir wieder „schenken“. Hier kannst Du Deinem Baby bereits das „Bitte“ und „Danke“ Nahe bringen. Dein Baby schenkt Dir einen Bauklotz und Du bedankst Dich dafür. Wenn Du das Spielzeug zurückgibst, kommentiere das mit „Bitteschön“ und schon schreitest Du auf den Pfaden von Knigge.

Wusstest Du schon, . . .

…dass sich schon 30 Wochen alte Föten mindestens zehn Minuten lang an Geschehnisse erinnern können?! Forscher schlossen daraus, dass sich das Kurzzeitgedächtnis schon im Mutterleib entwickle. 

Fremdeln als Ausdruck der Reife

 

BabyhinterBeinenAls Folge der fortschreitenden Entwicklung des Gehirns Deines Babys, wird es anhänglicher als zuvor sein. Es möchte so lange wie möglich in Deiner Nähe sein. Und wenn du es auch nur für eine kurze Zeit alleine lässt, wird es ganz und gar nicht glücklich darüber sein. Da kann es schon Mal dazu kommen, dass Dein kleiner Schatz nachts neben Dir schlafen möchte.  Dein Baby kann nun auch langsam zwischen Vertrautem und Unbekanntem unterscheiden und hat DICH als seine engste Bezugsperson ausgesucht. Dadurch wechselt Dein Schatz nun von blindem Vertrauen zu einem gesunden Misstrauen gegenüber Neuem. Doch was tun, wenn Du auf einen Babysitter oder auf die Großeltern angewiesen bist?

In dieser Zeit kann es schwierig werden. Du kannst es Deinem Baby leichter machen, indem Du die „fremde“ Person bittest, nicht zu laut, zu schnell oder zu aufdringlich auf Dein Baby zu zukommen. Der erste Schritt auf die fremde Person sollte von Deinem Baby ausgehen. Plane genügend Zeit ein, damit sich Dein Baby und die Babysitter aneinander gewöhnen können. Musst Du weg, weil Du z.B. einen Termin beim Arzt hast, solltest Du Dich bewusst von Deinem Baby verabschieden. Vielleicht kannst Du daraus auch so etwas wie ein Ritual entwickeln. So lernt Dein Baby von Anfang an, dass wenn Du weg gehst, Du nicht komplett verschwunden bist, sondern wieder zurückkommst. Das schafft Sicherheit und Beständigkeit.

Wir wollen es wissen!


Aufforderung MitmachenAn Gugus-Dada-Spielen oder an den endlosen Bitte-Danke-Spielen hat Dein kleiner Wonneproppen bereits die größte Freude? Dann schnapp Dir doch Deinen Foto- oder Videokamera und schick uns Deine Bilder und Videos. Falls Du Anregungen und Kritik zu unserer aktuellen Spielend Lernen Ausgabe hast, fülle unseren Kurzfragebogen aus! Wir freuen uns auf Dein Feedback!

Dein Baby als Alleinunterhalter

 

Baby sitzt im KofferDein Baby kann sich nun aber auch wieder besser mit sich selbst beschäftigen. Es erkundet die Welt mit seinen Fingerchen und spielt wieder mehr alleine. Bestimmt liebt es nun auch, Dinge in einer Schachtel zu verstecken und diese dann wieder herauszuholen, um zu sehen, dass sie noch da sind.  Dazu eignen sich leere Schuhkartons, bei denen der Deckel festgeklebt und ein Loch hinein geschnitten wurde. Auch das Lieblingskuscheltier lässt sich prima unter einem Kissen verstecken, damit Dein Kleiner Detektiv es wiederfinden kann. Bestimmt hast Du mit Deinem Baby schon das Gugus-Dada-Spiel gespielt. Was bisher noch langweilig war, wird nun bis zum Ende des ersten Lebensjahres der Renner werden….dazu aber mehr im Spieltipp-Teil.

 Auf den Punkt gebracht

 

Das solltest Du in dieser Phase über das Spielverhalten Deines Kindes wissen:

  • Dein Baby versteht nun, dass Dinge nicht weg sind, bloß weil sie nicht mehr gesehen werden können. Experten sprechen hierbei von der sogenannten Objektpermanenz
  • Dein Baby lernt nun, sich an Dinge/Gegenstände zu erinnern und sucht danach, sobald sie aus seinem Blickfeld verschwinden: das Kurzzeitgedächtnis bildet sich
  • Lauthals protestieren ist ein Zeichen von Selbständig werden, Dein Baby drückt seinen Willen aus
  • Fremdeln ist jetzt total „IN“ und absolut wichtig, Dein Liebling entwickelt nun ein gesundes Misstrauen gegenüber allem Unbekannten
  • Denke immer daran: Ihr zwei seid ein tolles Team und Fremdeln ist KEIN Erziehungsfehler, sondern ein Ausdruck eines wichtigen neuen Entwicklungsschrittes.

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